„Südafrika hätte es gehen können wie Syrien“

Frederik Willem de Klerk im ZDF-Interview über die Notwendigkeit der Abschaffung der Apartheid

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 27. April jährte sich das Ende der Apartheid zum nun 25. Mal, als im April 1994 die ersten freien demokratischen Wahlen in Südafrika stattfanden und die neue Verfassung in Kraft trat. Der „Freedom Day“ erinnert als Nationalfeiertag an diese bedeutende Epoche. Der ehemalige Staatspräsident Frederik Willem de Klerk äußerte sich in einem ZDF-Interview zu den damaligen und aktuellen Entwicklungen. Gleichzeitig warnt er vor den Fehlern seitens des Staates.

© In einem ZDF-Interview erläutert der letzte Staatspräsident der Apartheid, warum Südafrika den Systemwechsel durchlaufen musste. Gleichzeitig warnt der Friedensnobelpreisträger vor den Gefahren der ANC-Regierungspolitik. (Quelle: flickr/ Richter Frank-Jurgen)

Der 83-jährige de Klerk war der letzte Staatspräsident der Apartheid, der für eine Verfassungsreform eintrat und in diesem Zusammenhang einerseits das Ende der Rassentrennung und andererseits die Legalisierung der Opposition forcierte. Verbotene Organisationen wie der ANC, die in Südafrika und einigen Staaten des Westens als terroristische Vereinigung eingestuft wurden, nahmen fortan am Transformationsprozess aktiv teil. Diese politische Teilhabe mündete in die Freilassung von Nelson Mandela und anderer ANC-Größen.

Im Herbst 1993 wurden de Klerk und Mandela für „ihren Versöhnungswillen, ihren großen Mut und ihre persönliche Integrität“, wie es in der Laudatio des Nobelpreiskomitees in Oslo hieß, mit dem sogenannten Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Schließlich nahm das neue Südafrika am 27. April 1994 die neue Verfassung an. Auf diese Weise wurde die weiße bzw. von Afrikaanern dominierte Vorherrschaft und die systematische Rassendiskriminierung abgeschafft. Die Apartheid fand ihren Weg in die Geschichtsbücher.

Im Interview mit dem ZDF erläuterte de Klerk seine Sichtweise zum Übergang des Landes in den Kreis der Demokratien. Dabei betont er, dass seine Erkenntnis, wonach die Apartheid falsch war, sich zunehmend manifestiert habe. Das Land sei nahezu vollständig isoliert gewesen. Andernfalls glaube er, sofern es nicht zum Systemwechsel gekommen wäre, dass es „einen verheerenden Bürgerkrieg gegeben hätte. Es hätte uns gehen können wie Syrien.“ Mit Blick auf das heutige Südafrika untermauert er seinen Standpunkt, dass das Land keine Regenbogennation darstelle, wenn man die Regierungspolitik des ANC bewerte.

Alles in der Regierungspolitik ist nach Rasse definiert. Arbeitgeber müssen eine bestimmte Anzahl von Schwarzen einstellen, es gibt Quoten für Sportteams, das widerspricht dem Geist des Nicht-Rassismus.“, kritisiert der Politiker die Nachwirkungen der Apartheid. Zudem gäbe es weiterhin „schwarzen und weißen Rassismus in Südafrika, aber in beiden Fällen ist das eine Minderheit.“ Die überwiegende Mehrheit der Südafrikaner sei in ihrem Denken nicht rassistisch, so de Klerk. Unterdessen hielt Südafrikas aktueller Präsident Cyril Ramaphosa anlässlich der Festlichkeiten fest, dass das Land gemessen an den in Armut lebenden Bürgern weiterhin nicht frei sei.

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