Wählen nach Hautfarbe

Südafrikas größte Oppositionspartei DA versucht die Dominanz des ANC zu brechen – ohne Erfolg

(2010sdafrika-Redaktion)

Der „Democratic Alliance“ (DA) wurde immer wieder angelastet, sie sei neoliberal, eine Partei für die Weißen und unzureichend an den Problemen der schwarzen Mehrheitsgesellschaft interessiert. Zwar konnte die wichtigste Oppositionspartei bei den vorangegangenen Wahlen an Stimmen zulegen und die Regierungsverantwortung in der Provinz Western Cape halten. Ebenso gelang es ihr, dem ANC traditionelle Hochburgen wie Johannesburg, Pretoria und Port Elizabeth bei den Kommunalwahlen 2016 streitig machen. Jedoch blieb der große politische Erfolg auf der nationalen Ebene bislang aus.

© Südafrikas wichtigste Oppositionspartei – die „Democratic Alliance“ (DA) – versucht seit Jahren, die schwarze Mehrheitsgesellschaft zu erreichen. Mit Mmusi Maimane erhielt die DA einen Schwarzen an ihrer Spitze. Dennoch blieb der große Erfolg bisweilen aus. (Quelle: Facebook/ DA)

Wiederholt betonten Politiker der DA, sich für die Schwarzen einsetzen zu wollen. Man wolle die Armut bekämpfen, soziale Gerechtigkeit vorantreiben und Arbeitsplätze schaffen. Dazu solle das Bildungswesen modernisiert und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Gesundheit, Strom und Wasser verbessert werden. Dennoch zeigen Wahlanalysen, dass sich die schwarze Mehrheitsgesellschaft größtenteils nicht von der DA repräsentiert fühlt. In einem aktuellen Artikel in der Tageszeitung „The Citizen“ hält der Journalist Sipho Mabena fest, dass sich die schwarze Wählerschaft von der DA entfremdet fühlt. Er stützt seine These auf Untersuchungen der Stellenbosch-Universität.

Wenn 62 Prozent der DA-Abgeordneten Weiße sind, dann sei es nicht verwunderlich, dass sich schwarze Bürger von den „Blauen“ – also der DA – nicht angesprochen fühlen. „Die meisten Südafrikaner glauben immer noch, dass Rasse [Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist die Ethnie] ein wirklich wichtiges Merkmal der südafrikanischen Gesellschaft ist.“, wird aus der Analyse der Universität zitiert. Dabei hat die Democratic Alliance den parteiinternen Wandel bereits angestoßen und ihr Profil auf die schwarze Mehrheitsgesellschaft verstärkt zugeschnitten. Denn mit Mmusi Maimane ist seit 2015 zum ersten Mal in der Parteigeschichte ein Schwarzer an die Spitze von Fraktion und Parteivorstand aufgerückt.

Maimane löste Helen Zille unter großer Aufmerksamkeit der Medien ab, verbunden mit dem Willen, verstärkt die Schwarzen als Zielgruppe erreichen zu wollen. Rund 4 Jahre später, also kurz vor den Parlamentswahlen am 8. Mai 2019, zeigen Wahlumfragen, dass die DA das Wahlergebnis von 2014 kaum verbessern werden kann. Das Misstrauen gegenüber der DA bleibt unvermindert groß. Dabei bemühte sich der charismatische und durchaus populäre Maimane, dessen Vater im Übrigen ein Tswana und Mutter eine Xhosa ist, in den unterschiedlichen Kommunen des Landes das Vertrauen der Schwarzen zu gewinnen. Am vergangenen Wochenende hielt der Theologe vor rund 5.000 DA-Anhängern an seinem Geburtsort Soweto eine leidenschaftliche Rede, die die Notwendigkeit des Politikwechsels zum Thema hatte.

Allerdings gehen politische Analysten davon aus, dass die DA keinen großen Sprung im Vergleich zu den Vorwahlen machen wird. Dafür überzeugen die Linksradikalen unter der Führung von Julius Malema mit ihrer Partei „Economic Freedom Fighters“ (EFF) umso mehr, die die entschädigungsfreie Enteignung von Grundbesitz weißer Farmer pressewirksam für sich vermarkten konnten, obwohl der ANC die diesbezügliche Debatte erst angestoßen hatte.

© Die DA gilt auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid als die Partei der Weißen, die sich nicht für Schwarze einsetze. (Quelle: Facebook/ DA)

© Untersuchungen der Stellenbosch-Universität belegen, dass die meisten DA-Abgeordneten Weiße sind. (Quelle: Facebook/ DA)

© Die „Democratic Alliance“ wird im Vergleich zu den Vorwahlen 2014 kaum an Stimmen hinzugewinnen, so die Wahlumfragen. (Quelle: Facebook/ DA)

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