In eigener Sache: Die Redaktion nimmt Abschied

Einstellung der Berichterstattung von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ zum 1. April 2020

(2010sdafrika-Redaktion)

Das Online-Medium „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ zählt mit rund sechs Millionen Visits zu den erfolgreichsten Blogs im deutschsprachigen Raum. Mehrere große Medienhäuser aus dem In- und Ausland griffen die eigenen Recherchen auf. Nach rund 10-jährigem Bestehen und der Veröffentlichtung von knapp 1.500 Artikeln, nimmt nun die Redaktion schweren Herzens Abschied von der Leserschaft. Eine Auswahl zu den Höhepunkten des Portals.

© Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ verabschiedet sich nach rund 10-jährigem Bestehen von der eigenen Leserschaft. Die Reise zu Südafrika endet mit Wirkung zum 1. April 2020. Ein Dank für die Treue. (Quelle: South African Tourism)

Berichtsjahr: 2012

Südafrika gilt als beliebtes Rückzugsgebiet von deutschen Rechtsextremen. Die Redaktion konnte mehrere Personen des rechten Spektrums mit Beziehungen ins südliche Afrika ermitteln. Im Rahmen des Skandals um den sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“, kurz: NSU, ist der Post-Apartheid-Staat in den Mittelpunkt der Presse gerückt. In den nachfolgenden Jahren ging der südafrikanische Staat mit mehreren Anti-Terror-Razzien gegen Rassisten im eigenen Land vor, denen die Verübung von staatsgefährdenden Gewalttaten nachgesagt wurde. Seither treten die Rechtsextremen am Kap äußerst konspirativ auf. Die Redaktion fokussierte sich auf die Aktivitäten von deutschen Neo-Nazis und deren Verhältnis zu südafrikanischen Gruppierungen.

Berichtsjahr: 2013

Als der protzige Lebensstil des Bischofs von Limburg für Kopfschütteln sorgte und weltweit über die wenig christlichen Tugenden berichtet wurde, sorgte ein Artikel zu Tebartz-van Elsts Eskapaden in Südafrika für einen Aufschrei. Die katholische Kirche zeigte sich gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ äußerst verärgert. Ebenso drohten einzelne Geistliche mit Klagen, sollte der Beitrag nicht offline genommen werden. Im Nachgang positionierten sich mehrere Würdenträger zum Fehlverhalten von Tebartz-van Elst und stellten sich somit auf die Seite dieses Online-Mediums.

Berichtsjahr: 2013

Nachdem Oscar Pistorius auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und der internationale Medientrubel vorerst sein Ende fand, ist die Familie des unter Mordverdacht stehenden Johannesburgers von einer Sache fest überzeugt gewesen: „Unser Oscar ist unschuldig“. Die Redaktion konnte mit einzelnen Familienmitgliedern des südafrikanischen Sportlers sprechen, die davon überzeugt waren, dass ihr Oscar seine Freundin Reeva Steenkamp niemals hätte töten wollen. Letztendlich ist Pistorius nach einem langwierigen Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Berichtsjahr: 2013

Die Scientology-Organisation, nach Ansicht deutscher Sicherheitsbehörden eine gegen die Demokratie gerichtete Sekte, ist in Südafrika fest verankert. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtete regelmäßig über die engen Beziehungen der Scientology-Vertreter zu lokalen Behördenvertretern, Journalisten und Künstlern. Bisweilen wird Scientology in Südafrika als gewöhnliche christliche Glaubensgemeinschaft wahrgenommen. Wiederholt versuchten Vertreter von Scientology die eigene Berichterstattung zu diffamieren und zu ihren Gunsten zu relativieren. Der Einfluss der Sekte, zu der der US-Schauspieler Tom Cruise zugehörig ist, hat in Deutschland erheblich abgenommen. In Südafrika ist Scientology umso erfolgreicher.

Berichtsjahr: 2014

Über mehrere Jahre hinweg beobachtete die Redaktion die Entwicklungen im Rockermilieu. Die deutsch-südafrikanischen Hells-Angels-Beziehungen, der Aufstieg der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania und der Zwist zwischen Altrockern und Migranten erzielte eine gewaltige Aufmerksamkeit. Insider, Sicherheitsbehörden und Ex-Rocker ermöglichten der Redaktion tiefe Einblicke in eine für die Öffentlichkeit abgeschottete Unterwelt, die vor Gewalt nicht zurückschreckte. Wiederholt sind einzelne Drohungen gegen die Redaktion gerichtet worden, nachdem Hintergründe zu Strukturen, Einzelpersonen und Konflikten veröffentlicht wurden. Vor allem der Streit des kurdischen Ex-Höllenengels Rezan Cakici mit den türkischen Hells Angels sorgte für Furore.

Berichtsjahr: 2014

Die vierte Staffel der Fernsehshow „Der Bachelor“, die bisweilen bei RTL ausgestrahlt wird, fand 2014 in Südafrika statt. Bereits nach Ausstrahlung der ersten Folge der beliebten Reality-Show ist die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ von einer Protagonistin darüber informiert worden, dass die Parfümerie-Fachverkäuferin Katja Kühne aus Dresden die letzte Rose erhielt. Für den Kölner TV-Sender ist durch die Enthüllung ein Desaster eingetreten, trotz der vertraglich geregelten Verschwiegenheitserklärungen. Ein Teil der Leserschaft konnte und wollte nicht glauben, dass nicht die Berliner Studentin Angelina Heger als weitere Favoritin das Herz des Bachelors für sich erorbern konnte.

Berichtsjahr: 2014

Die Redaktion berichtete exklusiv über die US-amerikanische Jägerin Kendall Jones, die sich auf einer Abenteuerreise im südlichen Afrika befand. Sie tötete mehrere vom Artenschutz bedrohte Tiere. Zugespieltes Material, insbesondere Bilder zu erlegenen Wildtieren, katapultierte die junge Blondine in den Fokus internationaler Medien. Ein Jahr zuvor berichtete die Redaktion über Melissa Bachman und ihre blutige Safari in Südafrika. Die höchst umstrittene Trophäenjagd ist am Kap bisweilen rechtlich erlaubt und wird vielerorts geduldet. Denn zu lukrativ ist das Geschäft mit dem Jagen von afrikanischen Wildtieren. Tierschützer kämpfen weiterhin für ein uneingeschränktes Verbot.

Berichtsjahr: 2015

Die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist einer der führenden Automobilkonzerne weltweit. Seine bekannteste Marke ist Mercedes Benz. Über 2.700 Mitarbeiter sind im Jahr 2015 auf dem Werksgelände in East London tätig gewesen. Die in Südafrika produzierten Limousinen der C-Klasse werden in Rechts- und Linkslenkermärkte – z.B. in die USA – exportiert. In diesem komplexen Prozess fließen enorme Geldflüsse zu den verschiedensten Empfängern. Ein Daimler-Mitarbeiter informierte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass es zu „unrechtmäßigen Zahlungen“ kam. Bis heute sieht sich der Konzern nicht in der Lage, die Hintergründe zu den Vorwürfen offenzulegen. Immerhin bestätigte der Autoriese, dass es zu Auffälligkeiten kam, die zutreffend abgeschlossen wurden.

Berichtsjahr: 2016

Das Online-Medium „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ arbeitete mittlerweile mit rund einem Dutzend Redakteuren aus Südafrika und Deutschland. Zudem haben unterschiedliche Kolumnen, ein nachrichtenbasiertes Layout mit dazugehörigen Rubriken und der Einsatz neuer Tools zu einer weiteren Steigerung der Reichweite gesorgt. Außerdem wurde die Verzahnung zu Social-Media-Kanälen intensiviert. Zunehmend mehr Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft standen für Interviews zur Verfügung.

Der Gründer und Chefredakteur dieses Online-Mediums, Ghassan Abid, möchte sich abschließend für das große Interesse der Leserschaft an der eigenen Berichterstattung bedanken. „Das Portal hat in den vergangenen zehn Jahren viel Freude und auch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Nun ist es an der Zeit, dieses Projekt abzuschließen und neue Wege zu bestreiten. Ich bedanke mich beim Team für das leidenschaftliche Engagement, das wesentlich zum Erfolg dieser Nachrichtenseite beigetragen hat.“, so der Redaktionschef.

2 Antworten zu “In eigener Sache: Die Redaktion nimmt Abschied

  1. Das ist wirklich schade, daß Ihr Euch verabschiedet. Alles Gute für Ghassan in seiner weiteren Tätigkeit.
    Herzliche Grüße
    Anne

  2. Na, das ist ja ’n Ding! Kommt aber nicht überraschend, denke ich.
    Schade ist’s doch.
    Nach meinem Wissen – and I stand under correction – stand und fiel dieses Projekt mit dem Engagement von Ghassan Abid, der dies alles neben seinem Berufsalltag geregelt hat.
    Ghassan, Hut ab, dass du zehn Jahre im Ring deinen Mann gestanden hast. Du schreibst, es sei Zeit „neue Wege zu beschreiten“. Wohin des Wegs?, fragt hier ein Neugieriger.
    Wohin’s auch führt, Dir alles Gute und viel Erfolg.
    Detlev/Sizwe

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