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Buchkritik Elena Beis: Südafrika 151

Südafrika als Land der Widersprüche, Faszination und außergewöhnlichen Erlebnisse

(Autor: Ghassan Abid)

Jeder der mal in Südafrika war, ist vom Land entweder positiv oder negativ angetan. Die Einen verlieben sich auf der Stelle in Land und Leute, während die Anderen das Kapland mit einer negativen Wahrnehmung verknüpfen. Die in Köln geborene Dauerreisende Elena Beis, die seit 2005 freiberuflich für mehrere Medien zum Land Südafrika schreibt, geht in ihrem aktuellsten Buch „Südafrika 151“ diesem Paradoxon auf den Grund. Als Resultat dessen entstand ein Lesestoff mit 151 Momentaufnahmen.

© Buchcover von "Südafrika 151 - Portrait einer sich wandelnden Nation in 151 Momentaufnahmen".

© Buchcover von „Südafrika 151 – Portrait einer sich wandelnden Nation in 151 Momentaufnahmen“.

Im Portrait „Der Traum“ wird ein Mädchen beschrieben, welches die Bewegungen einer Libelle mit großer Neugierde beobachtet. Das Insekt, das als „Wesen des Himmels“ umschrieben wird, animiert das Mädchen zu eigenen flugartigen Bewegungen. Nicht nur am Einfangen der Libelle scheitert das Kind, sondern auch am Hinaufsteigen in die Höhe. Im Abbild „Widersprüchlichkeit“ eröffnet die Autorin bei Erläuterung der europäischen Seeweghistorie zum Kap die beiden konträren Gesichter Kapstadts. Während das „Kap des Untergangs“ von Elendsvierteln östlich der Stadt geprägt ist, dominiert beim „Kap der Hoffnung“ die Schönheit der Sommerabende. Der Tafelberg, mit dem diese Metropole in Verbindung gebracht wird, legt sich wie eine schützende und warme Hand über seine Bewohner. Hingegen werden im Portrait „Nelson Mandela“ die verschiedenen Lebensabschnitte dieses Idols – Königssohn, Hirte, Freiheitskämpfer, Häftling, Präsident, Anti-AIDS-Aktivist und Tata (Vater der Nation) – präzise gekennzeichnet.

Südafrika ist tatsächlich kein klassisches afrikanisches Land, falls eine solche Beschaffenheit überhaupt vorhanden ist. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Regenbogennation ließen und lassen deutliche Gegensätze erkennen. Sofern man sich der exemplarischen Tatsache bewusst wird, dass neben der modernen Medizin des Westens auch die der traditionellen Medizinmänner, die der Sangomas, als parallel existierende Gesundheitssysteme von Patienten aufgesucht werden, dann versteht man die gesellschaftliche Sonderbarkeit dieser Region.

Elena Beis gelingt die Mammutaufgabe, Südafrika aus verschiedenen Perspektiven heraus zu beleuchten und vorzustellen. Eindrucksstarke Bilder, unterhaltsame Anekdoten und interessante Einblicke in die einzelnen Bevölkerungsgruppen machen Südafrika 151 zu einer absolut lesenswerten Lektüre! Jedes der 151 Momentaufnahmen entführt den Leser peu à peu in eine Welt, die zwischen Leidenschaft und Ernüchterung pendelt. Wer das Buch nicht liest, der verpasst was.

Elena Beis: Südafrika 151 – Portrait einer sich wandelnden Nation in 151 Momentaufnahmen. Conbook Verlag, Meerbusch 2012, ca. 300 Seiten, 14,95 Euro, erscheint 10/2012.

Doku-Tipp: Hillbrow – Between Heaven and Hell

Eine Al Jazeera-Dokumentation von Clifford Bestall. Menschen gefangen zwischen Lebensfreude und Ängste.

(2010sdafrika-Redaktion)

Der in Kapstadt lebende südafrikanische Filmemacher Clifford Bestall hat für eine Al Jazeera TV-Produktion im Frühjahr dieses Jahres das Johannesburger Problemstadtteil Hillbrow unter die Lupe genommen. Er begleitet die Ärmsten mit seiner Kamera und fängt ganz gezielt ihre Hoffnungen & Probleme, ihre Träume & Realitäten und ihre Lebensfreude & Sorgen ein. Bestall blickt in die Vergangenheit, als  noch Apartheidsbefürworter keine Schwarzen in Hillbrow sehen wollten.  Und er wirft eine kritische Bilanz zu den gegenwärtigen Verhältnissen an diesem Ort der „Hölle“ auf, wo Flüchtlinge vor Polizei und Fremdenfeindlichkeit in Angst leben müssen. Die Gewalt stellt auf diesem Fleck Erde eine besondere Herausforderung dar. Professor Michael Hammon, Hochschuldozent der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg, erinnert sich in einem Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ noch gut über die Gefahren beim Filmdreh. Hillbrow ist und bleibt bisweilen das Abbild eines gescheiterten Südafrikas, an welchem die Armen vom Staat zurückgelassen wurden. Die nachfolgende Dokumentation ist lediglich in englischer Sprache verfügbar; die Bilder dürften allerdings für sich sprechen.