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Kap-Kolumne: „NEIN!“ zu Rassismus

Südafrika sagt „NEIN!“ zu Ausländerfeindlichkeit und Gewalt gegen Migranten. Eine Fotoserie

(Autor: Detlev Reichel, Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals)

Es begann am vergangenen Donnerstag mit dem Friedensmarsch in Durban, zu dem spontan tausende Menschen aus dem ganzen Land angereist waren. Es folgten Demonstrationen in Kapstadt, Johannesburg und Pretoria.

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© Im Verlauf der vergangenen Woche demonstrierten tausende Südafrikaner gegen die xenophoben Ausschreitungen in ihrem Land. Kap-Kolumnist Detlev Reichel beobachtete das Geschehen in Johannesburg.

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Masiphumelele – Wir werden es schaffen!

Ein Gastbeitrag von Johan Marais, aus „Südafrika verstehen“

Fährt man von Kapstadt aus nach Süden streift man eine Vorstadt, die sich Masiphumelele nennt. Eine Township wie unzählige andere im ganzen Land. Häuschen an Häuschen, Papphütten in den Hinterhöfen, nur wenige mit Strom- und Wasseranschluss. Viele Straßen ohne festen Belag.

Südafrika verstehen

Dort gibt es Verzweiflung, entsetzliche Armut, aber auch erste Blumen und Bäume vor den kleinen Häuschen. Es gibt Überfälle, Kriminalität, Drogen, aber auch schützende Nachbarschaften. Ein Heim bietet Aids-Waisen Unterkunft und Ausbildung. Eine öffentliche Bibliothek ist mit allen Farben geschmückt, in diesem ansonsten tristen Grau der Township. Noch fehlt es an vielem, was das Leben angenehm macht. Masiphumelele ist ein Südafrika im Kleinen. Masiphumelele kommt aus der Sprache der Xhosa. Es bedeutet: Wir werden es schaffen!

Liest man die täglichen Meldungen in den Zeitungen, die Nachrichten über Raub und Totschlag, über Korruption und Arbeitslosigkeit, wird man über soviel Zuversicht die Stirn runzeln: Kann Südafrika seinen Weg gehen, in Frieden und hin zu Wohlstand – wenigstens bescheidenem – für alle?

Ja, wir können es schaffen. Davon ist der Publizist Steven Friedman überzeugt. »Wir haben eine wunderbare Verfassung. Sie wird respektiert. Wir haben eine unabhängige Gerichtsbarkeit, die über ihre Einhaltung wacht und die sich nicht scheut, Politiker in ihre Schranken zu weisen.«

Adam Habib, Politikwissenschaftler und stellvertretender Direktor der Universität Johannesburg sieht vor allem in der Zivilgesellschaft ein Korrektiv zur übermächtigen Regierung, die im Parlament fast über eine Zweidrittel-Mehrheit verfügt. »Südafrika hat eine lebendige Zivilgesellschaft. Ihre Organisationen sind solide strukturiert und geführt. Sie verfügen über große Erfahrungen noch aus der Apartheidszeit, in der sie es unter schwierigen Bedingungen verstanden, sich dem Staat erfolgreich entgegenzustemmen, nicht einfach alles hinzunehmen. Sie kennen ihre Rechte und haben heute einen größeren Rechtsraum als früher.«

Die Parteienlandschaft wird in den nächsten Jahren vielfältiger werden, davon ist Habib überzeugt. Programme und Richtungen würden dann deutlicher. »Schon heute kann sich jeder Dritte der schwarzen Wählerschaft vorstellen, für eine andere Partei zu stimmen, wenn es sie denn gäbe.«

Wer übers Tagesgeschehen hinausblicke, werde feststellen, dass die Nation allen Konflikten zum Trotz zusammenwachse und sich als Einheit verstehe. »Our Nation – das war auf nahezu jedem Wahlplakat zu lesen, in allen Sprachen Südafrikas.«

Dass Südafrika seinen Weg gehen werde, davon ist auch Allister Sparks, ein Urgestein des südafrikanischen Journalismus, überzeugt. Er hat selbst in den 1980er Jahren nie die gängige Meinung geteilt, Südafrika werde in einem Rassenkrieg enden. Einen Zerfall des Staates in seine ethnischen Bestandteile hält er für ausgeschlossen.

»Eine ethnische Teilung ist keine praktikable Möglichkeit. Wir haben den entschlossensten Versuch, eine ethnische Teilung durchzuführen, hinter uns. Er schlug gründlich fehl. Die gegenseitige Abhängigkeit, die Apartheid unmöglich machte und eine friedliche Einigung geradezu erzwang, wird die Nation auch weiterhin zusammenhalten.« Außerdem sei keine Gruppe zahlenmäßig stark genug, um Südafrika politisch zu dominieren.

Bheki Ndlela vom Gewerkschaftsverband Cosatu teilt diese Ansichten weitgehend. Aber er warnt. »Die Weißen müssen sich endlich aus ihren Sesseln bequemen, sonst wird es für sie über kurz oder lang eng. Es geht dabei gar nicht um ihren Reichtum, um ihr Vermögen, nicht einmal um ihre Stellung; wir brauchen ihre Fähigkeiten. Aber sie müssen runterkommen von ihren selbstverständlich beanspruchten Privilegien. Aber auch schwarze Neureiche brauchen da Nachhilfeunterricht.«

Masiphumelele ist eine von Aberhunderten von Townships in Südafrika. Hier spürt man Aufschwung und Mut, Aufbruch trotz vieler Widrigkeiten. Der Name ist Programm: Masiphumelele – Wir werden es schaffen.

— Angaben zum SympathieMagazin „Südafrika verstehen“ —

 

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http://www.sympathiemagazin.de/ und http://www.südafrika-verstehen.de/