Schlagwort-Archive: afrikanischer Kontinent

Magazin „afrikapost“ stellt Betrieb ein

Deutschsprachige Afrika-Medien bedürfen staatlicher Kultur- und Bildungsförderung. Ein Kommentar

(Autor: Ghassan Abid)

Am gestrigen Montag erreichte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ eine Hiobsbotschaft der Kollegenschaft der „afrikapost“, wonach das im Jahr 1888 gegründete Afrika-Magazin seinen Betrieb zum Ende 2014 einstellen musste. Die Medienkrise, die bei der deutschsprachigen Afrika-Presse schon immer vorherrschte und in den letzten Jahren sogar zugenommen hat, zwang nun das SPIEGEL-Magazin unter den Afrika-Publikationen in die Knie. Diese Angelegenheit sollte als dringender Weckruf verstanden werden.

afrikapost

© Das im Jahr 1888 gegründete Magazin „afrikapost“ stellt seinen Betrieb ein. Unter den deutschsprachigen Afrika-Medien galt die afrikapost als renommierte und hochwertige Presse, vergleichbar mit dem SPIEGEL-Magazin. Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, drückt gegenüber seinem Kollegen, dem afrikapost-Chefredakteur Klaus A. Hess [im Bild], sein tiefstes Bedauern aus.

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„Afrika als Fülle von Möglichkeiten begreifen“

Im Interview mit Barbara Schirpke, Herausgeberin des Online-Mediums AfroPort

(Autor: Ghassan Abid)

    © Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums "AfroPort", das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

© Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums „AfroPort“, das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Schirpke, Herausgeberin von AfroPort, das deutschsprachige Afrikaportal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Wofür steht das seit Mai 2004 betriebene Online-Medium?

Antwort: AfroPort ist das deutschsprachige AfrikaPortal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Das sagt schon viel. Vielleicht ergänzend: Es sind über 200 Themen – von Ausstellungen, über Konzerte, Festivals, Galerien, Museen, Restaurants, Autoren, Maler, Musiker, Bands, und auch Medien wie Bücher, CDs, Filme, TV-Tipps – bis zu Geschäftsleuten, Schulen, Unis oder Vereinen. Ziel war es eine Plattform zu schaffen, die möglichst alles Afrikanische im deutschsprachigen Raum abbildet und so Austausch und Kommunikation, aber auch Kennenlernen und ganz persönliche Besuche fördert oder sogar erst ermöglicht.

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Südafrika in außenpolitischer Verantwortung

Im Interview mit Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost

(Autor: Ghassan Abid)

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost.

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. (Quelle: Klaus A. Hess)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. Seit 1972 befassen Sie sich mit dem afrikanischen Kontinent. Wie erleben Sie Afrika, wenn Sie in die 70er-Jahre zurückblicken und gleichzeitig auf die heutige Entwicklung schauen?

Antwort: Vor 40 Jahren war die Apartheid in Südafrika noch ein großes Thema, in Afrika fanden Stellvertreter-Kriege statt zwischen den Weltmächten Sowjetunion und USA im Rahmen des weltweiten „Kalten Krieges“ der beiden westlich-demokratischen und östlich-kommunistischen Blöcke. In den jungen Staaten wurden verschiedene politische und soziale Modelle probiert, die leider oft nicht zur Entwicklung zugunsten der Bevölkerung führten, sondern zu Umstürzen und Bürgerkriegen. In der Weltpolitik und Weltwirtschaft spielte Afrika praktisch keine eigene Rolle.

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Nur ein Sieg zählt

Viertelfinalspiel gegen Mali mit großer (An-)Spannung erwartet. Der Pokal soll am Kap bleiben

(2010sdafrika-Redaktion)

– Afrika-Cup 2013-Spezial –

Einst beschrieb Fußballfunktionär Franz Beckenbauer die populäre Ballsportart mit dem Satz: „Ja gut, es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!‘‘. Jede Fußballnationalmannschaft strebt allerdings den Sieg an und dies vor allem dann, wenn ein sportlicher Wettbewerb im eigenen Land stattfindet. Südafrikas Jungs von Bafana Bafana wollen im Moses Mabhida Stadium in Durban an diesem Anspruch festhalten. Das heutige Viertelfinalspiel gegen Mali soll mit einem Sieg für Südafrika ausgetragen werden. Ein Unentschieden oder eine Niederlage stellen keine Option für den Gastgeber dar.

© Südafrikas Fußball-Fangemeinde schaut optimistisch in die heutige Viertelfinalbegegnung gegen Mali. Die bisherige sportliche Bilanz von Bafana Bafana verlief mit dem 0:0-Unentschieden gegen Kap Verde anfänglich enttäuschend, konnte sich mit dem 2:0-Sieg gegen Angola zum Positiven wenden. Das Spiel gegen Marokko mit einem 2:2-Unentschieden verdeutlichte die taktischen Schwächen von Bafana Bafana. Heute muss ein Sieg her. Südafrika will den Einzug ins Halbfinale. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Südafrikas Fußball-Fangemeinde schaut optimistisch in die heutige Viertelfinalbegegnung gegen Mali. Die bisherige sportliche Bilanz von Bafana Bafana verlief mit dem 0:0-Unentschieden gegen Kap Verde anfänglich enttäuschend, konnte sich mit dem 2:0-Sieg gegen Angola zum Positiven wenden. Das Spiel gegen Marokko mit einem 2:2-Unentschieden verdeutlichte die taktischen Schwächen von Bafana Bafana. Heute muss ein Sieg her. Südafrika will den Einzug ins Halbfinale. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Orange AFCON 2013

Südafrikas Fußballtrainer Gordon Igesund sagt Scheitern von Bafana Bafana voraus

(Aut0ren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

– Afrika-Cup 2013-Spezial –

Die Fußballfans auf dem afrikanischen Kontinent erwarten mit großer Spannung den Afrika Cup 2013. Vom 19. Januar 2013 bis zum 10. Februar 2013 kämpfen 16 Mannschaften in vier Gruppen um den begehrten Pokal der 29. Afrika-Fußballmeisterschaft 2013. An den fünf Spielorten Johannesburg, Durban, Port Elizabeth, Rustenburg und Mbombela (ehemals Nelspruit) ist die Organisation zur Gestaltung von Fanbereichen abgeschlossen. Noch ist unklar, wie viele Gäste zum Fußball-Event am Kap anreisen werden und wie gut bzw. wie schlecht Südafrika abschneiden wird.

© Vom 19. Januar 2013 bis zum 10. Februar 2013 kämpfen 16 Mannschaften in vier Gruppen um den begehrten Pokal der 29. Afrika-Fußballmeisterschaft 2013 in Südafrika. Trainer Gordon Igesund sagt ein Scheitern von Bafana Bafana voraus. Realismus oder Pessimismus? (Quelle: flickr/ kimmiji2012)

© Vom 19. Januar 2013 bis zum 10. Februar 2013 kämpfen 16 Mannschaften in vier Gruppen um den begehrten Pokal der 29. Afrika-Fußballmeisterschaft 2013 in Südafrika. Trainer Gordon Igesund sagt ein Scheitern von Bafana Bafana voraus. Realismus oder Pessimismus? (Quelle: flickr/ kimmiji2012)

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Andrew Brown – Südafrikas literarisches Sozialgewissen

Kapstädter Schriftsteller zu den Chancen und Risiken des Projektes „Regenbogennation“

(Autoren/ Editors: Anne Schroeter, Annalisa Wellhäuser, Ghassan Abid)

© Schriftsteller Andrew Brown

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Das südlichste Land des afrikanischen Kontinents konnte sich nach dem Ende der Apartheid in vielerlei Hinsicht kräftig entwickeln, unter anderem auf der literarischen Ebene. Mit Andrew Brown –  einem Juristen, Polizisten und Schriftsteller aus Kapstadt – verfügt Südafrika eine weitere Persönlichkeit, die sich mit sozialen Themen im Lande beschäftigt. Während der Apartheid wurde er von Polizisten aufgrund einer Freundschaft zu einem Schwarzen festgenommen. Nun thematisiert er als Buchautor die gegenwärtige und zugleich schwierige Lage von Flüchtlingen in Südafrika. Nigerianer sind oft der Willkür südafrikanischer Behörden ausgeliefert und müssen ferner die fremdenfeindliche Stimmung in den Townhships dulden. In seinem Buch „Würde“ geht er auf genau diese soziale Schieflage in Südafrika ein und verbindet die unterschiedlichsten Protagonisten miteinander: Richard Calloway ist ein weißer und erfolgreicher Anwalt der Kapständer Mittelschicht, der trotz Ruhm und sozialem Aufstieg ein tristes Leben führt. Doch eines Tages trifft er auf Abayomi, eine Immigrantin aus Nigeria. Schnell erkennt Calloway, dass er ihrem Wesen sehr aufgeschlossen ist und sich zunehmend in ihrer Welt verfestigt – mit ungewissem Ausgang. Das Buch ist deshalb so bemerkenswert, weil Andrew Brown hierfür umgangreiche und hintergründige Gespräche mit nigerianischen Einwanderern in Südafrika unternommen hat.

Zum Sinn und Zweck der WM 2010 für die Volkswirtschaft des Gastgebers äußerte sich Brown dahingehend, dass er grundsätzlich von langfristig positiven Effekten ausgeht, die vor allem dem Tourismus zugute kommen werden.  Der Kriminalität im Lande können man jedoch nur mit einer Ausweitung des gesellschaftlichen Bildungsstandes begegnen, so der Kapstädter Schriftsteller gegenüber dem Südafrika-Portal. Der aktuellen Debatte um die Regulierung der Medien durch die südafrikanische Regierungspartei ANC schaut Brown, auch ein ANC-Mitglied, jedoch mit großer Sorge entgegen, wofür man notfalls erneut auf die Straße ziehen müsste. Zum Abschluss äußerte er seinen Wunsch, noch ein weiteres Buch veröffentlichen zu wollen und öfters, vor allem nach Europa und Deutschland, zu reisen. Nachstehend ist das Originalinterview in Englisch als Text und als Video abgebildet.


2010sdafrika-editorial staff: Mr. Brown, you was born and raised in Cape Town / South Africa . You mobilized against the Apartheid and had been captured too. Which moment or occurrence has activate your mind for justice?

Answer: Probably when I was 17 years old and I was arrested simply because I was friendly with a black boy of my age.  I was taking him home after playing soccer and we were both arrested and held few a few days.  We were both interrogated because the police could not understand that we were simply friends.  That showed me how unjust the system was and that it needed to be changed.

2010sdafrika-editorial staff: You are a really big performer in terms of profession. I noted you are actually and at the same time a police man (in reserve), an advocate and a writer. Which personal objectives are you following in each job and which one is your most challenging one?

Answer: They are all quite challenging, but in different ways.  I get a lot of personal satisfaction out of working as a policeman, because it feels like I am making a contribution to the society that I am living in.  Writing is something I do for my own enjoyment and I don’t feel pressure to write ‘for’ anyone.  If people like my writing, then that is great, but I don’t feel that I have to produce something for publishers or readers to read.

2010sdafrika-editorial staff: During the World Cup 2010, you have untertaken as police seargent patrols in townships. Which benefits has the South African nation and the population, especially the township citizens, taken from this event? What is your mind in this matter?

Answer: I hope that there will be long-term benefits.  The focus of the world on us as a country, and the fact that it was a success, was really a big thing for us.  But that focus does not bring any benefit on its own.  Hopefully, it will result in more tourism, perhaps better trade and confidence in South Africa .  The World Cup did a lot to unite the nation and to build our sense of pride in our country, which is very important. The transport system was improved a lot before the World Cup, and I think that is one thing that we will definitely benefit from in the future.

© Cover von "Würde"

2010sdafrika-editorial staff: In your new novel „WÜRDE“ (in English it means „dignity“) – the original title called „REFUGE“- you are writing about the two faces of South Africa; the rich and the poor one. On the one hand, we have the protagonist „Richard Calloway“ – a white, successful and in security living advocate. On the other hand, you have installed the character „Abayomi“, a native of Nigeria – an immigrant. Could you please give us a short summary of this novel and which social targets would you like to achieve?

Answer: The book is partly about the white middle-class in South Africa , which often shuts itself off from the real issues going on around it.  People protect themselves against the guilt and anguish that comes from seeing the poverty around you, by pretending that it doesn’t exist.  The book is partly about a successful middle-class man who starts to reach out to touch the ordinary people around him; he comes to realise just how small and isolated his life has been.  The other part of the book is about the immigrants, the other ‘outsiders’ of our society, who are there not by choice but because they are fleeing injustice or violence. It is about how we treat them and about how we stop seeing them as equal human beings.

2010sdafrika-editorial staff: I have taken notice, that you have met with immigrants from Nigeria , in accordance with the preparation of your new book. Which impressions have you collected about the life conditions of these people in South Africa ?

Answer: I interviewed a lot of immigrants to hear their stories.  Once they realised that I was not a threat, they were very happy to talk to me and to share their stories with me.  I met incredible people who told me stories of great suffering, of courage and of humiliation at the hands of South African officials.  I have incorporated some of their stories into the book, to try and make it as realistic as possible.   I chose Nigerians in the book because they are the most stereotyped immigrants in South Africa: they are seen as all being drug dealers or prostitutes, and for this reason I wanted to show them as being human beings with their own special culture, language and lifestyle.

2010sdafrika-editorial staff: In these weeks, the African National Congress (ANC) follows up a regulation of commentatorship. South African and international media are still protesting against these plans to establish a „secrecy bill“ and „media tribunal“, which allows the government to increase their control over media. How would you like to evaluate these developments?

Answer: Because of our history, it is very concerning when government starts talking about controlling media reports and press coverage.  We are very sensitive to this kind of censorship, given what we experienced under apartheid.  People are opposing the bill and there is a petition signed by many writers and other people who are protesting against the bill.  Government has tried to explain the need for the bill, but so far we are not accepting that it is necessary.

2010sdafrika-editorial staff: As „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, the German gateway to South Africa, we have interviewed the writer Roger Smith, who is denouncing in his novels the crime situation in South Africa, like you. What do you think should the government do to face this big challenge? Or rewording, how could South Africa solve this problem?

Answer: Crime is a problem in South Africa , but it should not be over-emphasised.  Our crime is a result of poverty, our history and poor education.  Of all of these, it is most important to address education, because literacy and numeracy continue to be problems, and we cannot advance our society unless we take care of these problems first.  Crime is not getting better, but it is not getting worse either.  It will not improve simply by policing, or introducing new laws.  You need to change the way that people think, about themselves and about others.  To do this, we need to concentrate on education.

2010sdafrika-editorial staff: Last but not least, which personal dreams would you like to realize?

Answer: There are many dreams I have – one would be to publish another book.  Another would be to travel more – I have travelled a lot in Africa, but not much in Europe and there are many countries and places that I would like to see.  I have so enjoyed being in Germany, and I would very much like to return to spend more time here as well.