Schlagwort-Archive: Albtraum

Homophobes Netzvideo aus Russland

Neo-Nazis demütigen Studenten aus Südafrika vor laufender Kamera. Uni und Botschaft in Moskau schweigen

(Autor: Ghassan Abid)

Die selbst ernannten Gesetzeshüter auf Russlands Straßen, die immer wieder auf Jagd nach Schwule gehen und dabei filmen, wie sie die Homosexuellen vor laufender Kamera demütigen, haben im November 2013 ein südafrikanisches Opfer gefunden. Der Johannesburger David S. wollte im Rahmen eines Austauschjahres an der Shukhov State Technological University in Belgorod neue Erfahrungen sammeln. Doch er erlebte einen Albtraum, den er wohl sein Leben lang nicht vergessen wird.

© Im November 2013 tauchte im Netz erstmalig ein Video auf, das zeigt, wie russische Neo-Nazis einen südafrikanischen Studenten in Belgorod vor laufender Kamera demütigen. Weder die südafrikanische Botschaft in Moskau noch das Außenministerium in Pretoria sahen sich für eine offizielle Stellungnahme verantwortlich. (Quelle: Video-Screenshot)

© Im November 2013 tauchte im Netz erstmalig ein Video auf, das zeigt, wie russische Neo-Nazis einen südafrikanischen Studenten in Belgorod vor laufender Kamera demütigen. Weder die südafrikanische Botschaft in Moskau noch das Außenministerium in Pretoria sahen sich für eine offizielle Stellungnahme verantwortlich. (Quelle: Video-Screenshot)

Weiterlesen

Werbeanzeigen

Kap-Kolumne: Marikana und kein Ende?

Schere zwischen Lebenshaltung und Löhne geht weiter auseinander. Die Politik ist in der Belastungsprobe.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Marikana felt like a nightmare, but this is what our 2012 democracy has become„, ruft Desmond Tutu zornig in Richtung Regierung. Der  anglikanische Alt-Erzbischof trifft einen Nerv: Der kollektive Schock und die Trauer über die Ereignisse sitzen noch tief. Das Massaker von Marikana drückt in der Tat schwer wie ein Albtraum auf die Stimmung in Südafrika, mal mehr, mal weniger, je nach dem, von welcher Seite aus der Betrachter schaut.

© Die Vorgänge um das Marikana-Massaker sind eine Belastungsprobe für die Dreierallianz zwischen ANC, COSATU und SACP. Die Masse der Menschen sieht für sich in der Befreiung vom Apartheid-Regime einen geringen sozio-ökonomischen Vorteil. Die Gewerkschaftsspaltungen werden durch diese Unzufriedenheit begünstigt. Im Bild ist AMCU-Präsident Joseph Mathunjwa zu erkennen, der der konkurrierenden Minengewerkschaft NUM die Verantwortung für das Marikana-Massaker in die Schuhe schiebt. Allerdings zeigt sich dieser Gewerkschaftsführer selbst darüber erschrocken, was passiert ist. (flickr/ Pan-African News Wire)

© Die Vorgänge um das Marikana-Massaker sind eine Belastungsprobe für die Dreierallianz zwischen ANC, COSATU und SACP. Die Masse der Menschen sieht für sich in der Befreiung vom Apartheid-Regime einen geringen sozio-ökonomischen Vorteil. Die Gewerkschaftsspaltungen werden durch diese Unzufriedenheit begünstigt. Im Bild ist AMCU-Präsident Joseph Mathunjwa zu erkennen, der der konkurrierenden Minengewerkschaft NUM die Verantwortung für das Marikana-Massaker in die Schuhe schiebt. Allerdings zeigt sich dieser Gewerkschaftsführer selbst darüber erschrocken, was passiert ist. (Quelle: flickr/ Pan-African News Wire)

Alle Fakten sind längst nicht geklärt, aber eines steht fest: Es hätte nie geschehen dürfen. Selbst mit den ärgsten Feinden der demokratischen Entwicklung nach dem Fall der Apartheid wurde so nicht verfahren.

Unstrittig sind die sozio-ökonomischen Verhältnisse, die zu solch krassen Auswüchsen in der Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit in Südafrika führen. Die Lage der Arbeiter, hier insbesondere der Minenarbeiter, ist bekanntlich äußerst mies. In dem oftmals zitierten Nebeneinander von „1. und 3. Welt“ in Südafrika, leben die Minenkumpels in der „3.“, also auf der armen Seite der Gesellschaft. Das nimmt sie jedoch nicht aus von den Preisentwicklungen, die sich zunehmend mit denen in der „1. Welt“ messen können.

Jüngstes Beispiel ist der Spritpreis, der just diese Woche um 93 Cent (Benzin) bzw. 69 Cent (Diesel) angehoben wurde. Damit kostet der Liter Benzin in Gauteng zwölf Rand (rund € 1,20) und in der Nordprovinz Limpopo sogar mehr wegen der Entfernung zu den Raffinerien an der Küste. Das wirkt sich unmittelbar auf die Preise der Sammeltaxen aus, die hier das wichtigste Verkehrsmittel der arbeitenden Bevölkerung zwischen den Townships und ihren jeweiligen Arbeitsorten sind. Auch die gesamte Kette der Nahrungsmittelindustrie wird, Glied für Glied die Spritpreiserhöhung an den Endverbraucher weitergeben. So gallopieren die Lebenshaltungskosten den mageren Löhnen der Kumpel ständig davon.

Eines der Hauptübel in den Arbeitsbeziehungen der Bergbauindustrie ist die Wanderarbeit. Die gibt es seit Beginn des industriell betriebenen Abbaus von Bodenschätzen in Südafrika. Daran hat sich kaum etwas verändert. Die Wanderarbeit liefert der Industrie billige Arbeitskräfte, sie ist somit eine der wichtigsten Profit-Quellen der großen internationalen Minenkonzerne wie Anglo-American, Lonmin, De Beers usw. Es ist auch kein Geheimnis, dass die südafrikanischen Minen zu den profitabelsten der Welt gehören. Wanderarbeit bedeutet auf der anderen Seite die Zerstörung gewachsener sozialer Strukturen, das Entstehen und die Vermehrung von so genannten Squatter Camps (Blechhüttensiedlungen) samt all den damit verbundenen Merkmalen der Verelendung.

Das ist die eine, nie zu vergessende Seite jeglicher Arbeitskämpfe in den Minen. Ein anderer Aspekt der aktuellen Auseinandersetzungen ist der politische. Die sich weitende Schere zwischen Reich und Arm, die zunehmende Unzufriedenheit mit den sozialen Verhältnissen führt zu Verwerfungen im politischen Machtgefüge. Und weil der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) eine so genannte „broad church“ ist, d.h. eine Organisation, die alle gesellschaftlichen Schichten und Klassen einschließt, spiegeln sich in dieser Organisation die gesellschaftlichen Widersprüche in Form von Machtkämpfen wider.

Die Vorgänge um das Marikana-Massaker sind auch eine Belastungsprobe für die Dreierallianz zwischen ANC, COSATU und SACP. Insbesondere die Gewerkschaftsföderation COSATU ist durch ihre Einbindung ins Regierungslager in eine wenig beneidenswerte Zwitterposition geraten. Die Regierung will das Investitionsklima in Südafrika freundlich gestalten. Das ist nicht ohne kapitalfreundliche Politik zu haben und geht oftmals gegen die Interessen der Arbeiter. Die wachsende Ungeduld vieler Menschen, die sich ausgeklammert fühlen vom Prozess der Transformation der südafrikanischen Gesellschaft, ist ein nicht zu unterschätzendes Element. Die Masse der Menschen in den Townships und in den ‚informal settlements‘ sehen die Ernte der Befreiung vom Apartheid-Regime im neu-gewonnen Reichtum einer dünnen schwarzen Mittelschicht verschwinden. Das leistet auch einer Spaltung der Gewerkschaften Vorschub. So manche ‚leader‘ haben sich, so scheint es, zu weit entfernt von ihrer Mitgliedschaft. Daher ist Marikana auch ein bedenkliches Zeichen für die Führungsschwäche der Eliten, wie Dr. Mamphela Ramphele feststellte.

Südafrika im Schock

10.000-Seelengemeinde Walkerville erlebt totalen Albtraum: Familie wird brutal ermordet.

(Autor: Ghassan Abid)

Die Geschichte ist so brutal, dass diese aus einem Horrorfilm stammen muss. Doch die Gemeinde Walkerville in der Provinz Gauteng begreift allmählich, dass die Auslöschung einer gesamten Familie die traurige Realität eines gemeinschaftlichen Kriminaldeliktes darstellt. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ist die erste deutschsprachige Presse, die sich diesem unfassbaren Fall widmet.

© Das Familienglück Viana ist innerhalb weniger Stunden komplett zerstört worden. Der 12-jährige Junge Amaro wurde in der Badewanne ertränkt, die Mutter Geraldine vergewaltigt und der Vater Tony gefoltert. Im Anschluss sind beide Eltern erschossen worden. Das Kind hat die Ermordung miterleben müssen. Die Halbschwester Gabriela C. befand sich während der Tat nicht im Haus in Walkerville, da sie nach eigenen Recherchen in Miami (USA) wohnt. Beschuldigt werden drei Hausangestellte der Familie Viana, die ihre Taten mit Rache begründet haben. (Quelle: Facebook)

© Das Familienglück Viana ist innerhalb weniger Stunden komplett zerstört worden. Der 12-jährige Junge Amaro wurde in der Badewanne ertränkt, die Mutter Geraldine vergewaltigt und der Vater Tony gefoltert. Im Anschluss sind beide Eltern erschossen worden. Das Kind hat die Ermordung miterleben müssen. Die Halbschwester Gabriela C. befand sich während der Tat nicht im Haus in Walkerville, da sie nach eigenen Recherchen in Miami (USA) wohnt. Beschuldigt werden drei Hausangestellte der Familie Viana, die ihre Taten mit Rache begründet haben. (Quelle: Facebook)

Tony Viana, ein 42-jähriger Ingenieur portugiesischer Abstammung, lebte mit Frau und Kind seit längerer Zeit am Kap. Er fand im Land seine neue Heimat und verliebte sich in die schönen Naturlandschaften, genoss den Kontakt zu den vielen freundlichen Leuten vor Ort und spürte das Gefühl von Freiheit. Vor allem die britische Presse erläuterte in den letzten Tagen das Leben dieses klassischen Südafrika-Auswanderers ausgiebig. Tony konnte sich im südlichen Afrika verwirklichen. Die Familie besaß ein Haus, das mit schwarzen Angestellten gepflegt wurde. Die Welt schien idyllisch. Sie waren glücklich. Mehrere Bilder auf Facebook deuten auf diese Lebensfreude hin.

Eines Tages jedoch, im Oktober 2011, ereignete sich eine Tat, die innerhalb der südafrikanischen Nation trotz der umfangreichen Kriminalitätserfahrung eine massive Bestürzung auslöst. Nun sind weitere Einzelheiten bekannt worden, die den Tathergang beschreiben.

Drei Männer brachen in das Haus der Familie ein. Daheim waren das 12-jährige Kind Amaro und seine Mutter. Beide wurden in verschiedenen Zimmern gefangen gehalten. Die Einbrecher warteten auf Tony. Der minderjährige Junge hat miterleben müssen, dass sein Vater beim Eintreten in das Haus zuerst geknebelt und dann mit einem Panga-Jagdmesser und Golfschläger gefoltert wurde (Hinweis: Panga ist die südafrikanische Bezeichnung für einen bestimmten Fisch). Die 43-jährige Mutter Geraldine wurde zuvor vergewaltigt. Beide Eltern sind im weiteren Verlauf erschossen worden. Den Hund der Familie fanden Ermittler am Bauch aufgeschnitten.

Die Täter sind keine Fremden, sondern Bedienstete der Familie. Mittlerweile stehen der Gärtner Patrick Radebe (24) und die Hausangestellten Sipho Mbele (21) sowie Sphiwe Motaung (20) als Angeklagte vor Gericht. Sie sind vor Kurzem vom zuständigen Vorsitzenden Strafrichter am Vereeniging Regional Court für schuldig des Mordes und in einem Fall der Vergewaltigung befunden worden. Ebenfalls werden die drei Männer für den Raub von Wertsachen verantwortlich gemacht.

Über den Anwalt der drei Angeklagten ist verlautet worden, dass die drei Männer Rache an Geraldine Viana für begangene Misshandlungen an ihnen vornehmen wollten. Es scheint, als wollten die Hausangestellten anfänglich lediglich Hausbesitz in Beschlag nehmen. Die Situation eskalierte allerdings dann in der Begehung von Gewalt- und Sexualdelikten.

Das Kind hat die gesamte Tragödie im eigenen Haus miterleben müssen. Die Täter entschieden sich dann dafür, so lauten die aktuellen Meldungen, den schreienden Amaro in der Badewanne – mit heißem Wasser – zu ertränken. Sie befürchteten, dass dieser als Zeuge gegen sie aussagen könnte.

Am 6. September dieses Jahres wird das Urteil erwartet. Einwohner aus Walkerville erläuterten gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass das Gericht einen Freispruch in Erwägung ziehen wird. Diese Information konnte nicht bestätigt werden.

In Südafrika werden statistisch betrachtet 50 Menschen täglich ermordet, während in Deutschland die Zahl dessen mit 1-2 Personen beziffert wird. Die portugiesische, britische und Afrikaans-basierende Presse hat den Fall zur Schlagzeile gemacht. In einigen Internetforen wird die schwarze Hautfarbe der Angeklagten als Ausgang des Verbrechens genommen. Die „Rassendebatte“ droht erneut zu entfachen, zumal der Boeremag-Fall am North Gauteng High Court  in Pretoria diese Stimmung bereits lanciert hat [zum Boeremag-Fall erfolgt in Kürze ein Hintergrundbericht auf diesem Online-Medium]. Bereits der Mord an den AWB-Führer Eugène Terre’Blanche durch schwarze Farmarbeiter sorgte für eine kontroverse Diskussion zum Zusammenleben von Weißen und Schwarzen.

Berlinale 2011: Der Südafrika-Veranstaltungsbericht

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ bewertet Filmfestival

(Autoren: Annalisa Wellhäuser, Doreen S., Ghassan Abid)

© Logo Berlinale (Quelle: Wikimedia)

Die Berlinale 2011 war auch in diesem Jahr eine interessante deutsche „Have To See-Veranstaltung“  in punkto Kultur aus Südafrika. Mit freundlicher Unterstützung der Berlinale-Sektion Generation, durfte die 2010sdafrika-Redaktion ausgewählte Veranstaltungen besuchen und hierüber einen Bericht ablegen. Mit „History Uncut: Manenberg“ und „History Uncut: Crossroads“ wurde Südafrika während der Apartheid dokumentarisch unter die Lupe genommen, während im Spielfilm „State of Violence“ das Augenmerk auf das Südafrika von heute gerichtet wurde, auf die Probleme und Herausforderungen dieser jungen Demokratie.

Afravision (Brian Tilley, Laurence Dworkin)

History Uncut(von Annalisa Wellhäuser)

Kokuratiert von Darryl Els und Claus Löser

Sonntag, 13.02.2010, Kino Arsenal am Potsdamer Platz in Berlin

Episode 1: Crossroads

Licht aus, Film ab und Augen auf: Wie durch eine Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert bin ich auf einmal im Mai/ Juni 1986 im ehemaligen Apartheid-Staat Südafrika. Ort des Geschehens: „Crossroads“, eine informelle Siedlung Kapstadts für schwarze Südafrikaner, Hochburg von Widerstandsbewegungen; eigentlich „Notfall camp„ und somit immun gegen die Massenräumung von Townships- ganz zum Missfallen der Regierung…..

Hier bin ich also….mittendrin in einer brutalen Schlacht zwischen- ja man weiß gar nicht wer zu wem gehört, es ist ein Durcheinander…Menschen ,vor allem Jungs im jugendlichen Alter rennen in Massen hin und her… sie jagen sich gegenseitig….Schüsse fallen…Geschrei… wohin ich auch blicke, ich sehe zerstörte, brennende Wellblechhäuser….Es ist die Gruppe mit den weißen Stoffbändern, die greifen uns an… das sind die ,,Witdoeks„, unsere Bürgerwehr……Warum tun sie das? Sie gehören doch zu uns !Woher haben sie die Waffen? Wir müssen uns wehren…selbstgebastelte Waffen aus Holz, Steinen; Schießpulver in Plastikflaschen, die geworfen werden…..auf der Straße: zwei Männer auf dem Boden…voller Blut…sie sind tot…ich sehe Frauen mit Babies, die mit dem Hab und Gut, was sie noch retten konnten, am Straßenrand sitzen, auf Hilfe warten, …..

Cut- Szenenwechsel

Frauen stehen mit ihren Kindern am Parlamentseingang in Kapstadt. Sie sind verzweifelt und suchen Hilfe. ,,Wir wissen von nichts, wir können nichts machen„, wird ihnen auf Afrikaans von einem Politiker entgegnet. Aus Protest simulieren die Frauen ein Weinen und legen ihre schreienden Babies vor dem Parlament nieder.

Laut TRC, der Truth Reconciliation Commission Südafrikas, wurden während der Apartheid Gruppen von ,,schwarzen„ Bürgern wie die ,,Witdoeks„, einer bereits bestehende Bürgerwehr in Crossroads, von der südafrikanischen Polizei mit Waffen unterstützt und somit ,,benutzt„ , um Widerstandsbewegungen in Townships zu bekämpfen. So erreichte die Regierung ihr Ziel , ohne dabei selbst ins schlechte Licht zu rücken. Es wurden 60.000 Menschen obdachlos und 60 Menschen kamen zu Tode.

Episode 2: Manenberg

Es ist September 1989, der Tag der Wahlen des Dreikammer Parlaments in Südafrika. Wahlberechtigte sind ,, weiße „ und begrenzt auch ,,farbige„ (,,coloured„)und ,,indische„ Südafrikaner. Die,, schwarze„ Bevölkerung ist ausgeschlossen. In ,,Manenberg„, einem Township für ,,farbige„ ( „coloured„ ) Südafrikaner, kommt es zum Protest .Und ich sehe, nein ich erlebe hautnah mit, was sich an diesem Tag auf Manenberg`s Straßen abspielt: Ich bin in einem Haus und blicke aus einem Fensterspalt auf die Straße. Was ich dort sehe ist ein Schauspiel zwischen Polizei und den Bewohnern der Siedlung. Die Polizei ,welche aus heiterem Himmel aufgetaucht ist, schießt wahllos mit Gummipatronen in die Menschenmassen. Ja, es scheint gar als täten sie dies, weil es ihnen Spaß macht, andere Leute leiden zu sehen. Die Polizisten bewerfen die Township-Bewohner mit Steinen, verwenden Tränengas und jagen diese mit Peitschen in ihre Häuser. Die Leute, vor allem Jugendliche, reagieren darauf, indem sie mit Steinen zurück werfen und Straßenbarrikaden aus Autoreifen, Müll, Möbelstücken und Steinen errichten und diese dann anzünden. Es ist ein Hin und Her. Immer wieder kommt die Polizei und es kommt zur Auseinandersetzung: Schießerei, Geschrei,…. Ich befürchte die gesamte Zeit über, dass sie mich entdecken, doch ich habe Glück. Sie sehen mich nicht.

© Szene aus „History Uncut: Manenberg“ (Quelle: Berlinale)

Cut- Szenenwechsel

Ein Junge liegt leicht bekleidet in einem Bett, sein Körper ist übersät mit Einschüssen, verursacht durch die Gummipatronen der Polizei. Ein anderer Junge hat den Kopf verbunden und die Nase ist mit Pflastern überdeckt….Eine Frau richtet klar und deutlich einen Appell an die südafrikanische Regierung, sie fordert ein demokratisches, NICHT-rassendiskriminierendes Wahlsystem. Diese Szenen wurden nie im südafrikanischen Fernsehen ausgestrahlt; sie gehören zu dem Archivmaterial der Videokollektive Afravision, welches die größte Videodokumentation der Widerstandsgeschichte darstellt. Gegründet wurde Afravision von Brian Tilley, Laurence Dworkin und Mokoenyana Moletse ,um die zahlreichen Kämpfe der 1980er Jahre in Südafrika zu dokumentieren.

Ein außergewöhnlicher und faszinierender Beitrag zur Berlinale 2010. Ungeschnitten und unverfälscht zeigt dieser Film schlicht und einfach die Realität und Wahrheit, wie sie sich tragischerweise im damaligen Südafrika zugetragen hat. Man erlebt Geschichte hautnah; man fühlt sich, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Es ist unglaublich, denn plötzlich ist es ist keine ,,Geschichte„ mehr, von der man mal im ,,Geschichtsbuch„ gelesen hat und die einem irreal und weit weg vorkommt. Es ist auf einmal auch meine eigene Realität. Ich bin dabei. Nach dem Film geht mir dann nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Während ich in meine sichere Wirklichkeit des heutigen Deutschlands zurückkehren kann, ist dieser ,,Film„ für die Menschen in Südafrika damals weitergelaufen. Diese Menschen, denen man gerade begegnet ist, konnten im Gegensatz zu mir, die den Film ausschaltet, nicht fliehen. Für sie war es ein Albtraum, von dem sie nicht wussten, ob er jemals enden würde. Das ist einfach schrecklich.

Datenblatt zur Doku „History Uncut: Manenberg“:

http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20110388.pdf

AfricanHistory.com zu Crossroads-Geschehnissen:

http://africanhistory.about.com/od/apartheid/p/crossroads.htm

————————————————–

Pyramide International (Khalo Matabane)

State of Violence(von Doreen S. und Ghassan Abid)

Sonntag, 20.02.2010, Kino CineStar am Potsdamer Platz in Berlin

„State of Violence“ ist ein beeindruckender Film aus französisch-südafrikanischer Produktion von 2010. Er thematisiert die gegenwärtige wohl größte Herausforderung Südafrikas nach der Apartheid, nämlich die brutale Gewalt und immense Perspektivlosigkeit im Lande. Bobedi, gespielt von Fana Mokoena, ist ein erfolgreicher CEO eines Bergbauunternehmens, der den Wohlstand mit seiner liebevollen Frau Joy (Darstellerin: Lindi Matshikiza) sichtlich genießt. Beide sind im neuen Südafrika angekommen; im Gegensatz zur überwiegend armen Bevölkerungsmehrheit. Vor allem Bobedi stammte ursprünglich aus einem Armenviertel, dem Johannesburger Stadtteil Alexandra. Tolle Kleider für die Frau, eine große Villa und ein Mercedes Benz machten den Alltag dieses erfolgreichen sowie berühmten „Black Diamond“ aus.

© Szene mit Boy-Boy aus „State of Violence“ (Quelle: Berlinale)

Eines Tages jedoch erlebt Bobedi die knallharten Schattenseiten Südafrikas. Im eigenen Haus attackiert ein maskierter Einbrecher Joy und bringt sie, vor den Augen ihres Ehemannes, nach unzähligen Schlägen anschließend mit einer Schusswaffe um. Der Fremde wollte aber kein Geld, sondern Bobedi großen Leid und tiefsten Schmerz zufügen. Innerhalb von wenigen Minuten ist dessen schönes Leben in ein Scherbenhaufen zerschlagen worden.

Erschüttert durch dieses schreckliche Erlebnis und mit voller Wut sowie Trauer im Herzen, begibt sich Bobedi auf die Suche nach dem Mörder in sein Heimatort Alexandra. Die Erinnerung an die große Blutlache im Badezimmer und die weinenden Schreie seiner Frau verfolgen ihn als posttraumatisches Erlebnis. Er begibt sich auf eine Reise in das eigene Ich; eine Reise in die eigene dunkle Vergangenheit.

Bobedi stammt selber aus dem Township und musste, wohl als Mutprobe im Rahmen einer Gang, einen Mann am lebendigen Leibe verbrennen. Es handelte sich hierbei um den Vater seines eigenen Cousins OJ (Darsteller: Neo Ntlatleng), der sich als Mörder von Joy herausstellte und mit der Tat seinen Vater auf diesem Wege rächen wollte. Nur der Bruder von Bobedi, Boy-Boy (gespielt von Presley Chweneyagae), steht ihm bei der Verfolgung des Täters anfänglich bei, doch nach und nach versucht er ihm ins Gewissen zu reden und dessen Verlangen nach Rache abzuwenden. Bei dem Versuch, dass weder Bruder noch Cousin ebenfalls sterben müssen, erliegt Boy-Boy durch einen versehentlich ausgelösten Schuss an seinen Verletzungen. Erneut stirbt ein Familienangehöriger, bedingt durch den Durst auf Rache, und Bobedi hat erneut ein Menschenleben auf den Gewissen.

In „State of Violence“ packt eine Vendetta der besonderen Art den Zuschauer. Es stellen sich im Verlauf des Films die Fragen, ob es eine Rache auf die Rache geben kann, wo Moral anfängt bzw. diese endet und ob die Selbstjustiz überhaupt einen adäquaten Ersatz zur staatlichen Strafverfolgung darstellen kann. Dieser Film, welcher vom Regisseur Khalo Matabane betreut wurde, ähnelt von der Aufmachung und Story her dem erfolgreichen Film „Tsotsi“ von Gavin Hood. Matabane gilt als Experte für die Regieführung südafrikanischer Dokumentationen (Young Lions (2000), Love in the Time of Sickness (2002), Story of a Beautiful Country (2004) u.a.). Mit „State of Violence“ ist ihm der erste Spielfilm überhaupt in punkto Story, Szenenaufbau, soziokritischem Bewusstsein und technischer Umsetzung durchaus geglückt und absolut sehenswert. Neben dem Film „Tsotsi“ verfügt Südafrika über ein weiteres Highlight auf dem kinematografischen Bereich.

Datenblatt zum Film „State of Violence“:

http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20110011.pdf

2010sdafrika-Artikel zum Südafrika-Filmangebot der Berlinale 2011:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/02/10/berlinale-2011-kinematografie-sudafrikas-wieder-dabei/

Afravision (Brian Tilley, Laurence Dworkin)

History Uncut

Kokuratiert von Darryl Els und Claus Löser

Sonntag, 13.02.2010, Kino Arsenal am Potsdamerplatz

Episode 1: Crossroads

Licht aus, Film ab und Augen auf: Wie durch eine Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert bin ich auf einmal im Mai/ Juni 1986 im ehemaligen Apartheid-Staat Südafrika. Ort des Geschehens: ,,Crossroads„ , eine informelle Siedlung Kapstadts für ,,schwarze„ Südafrikaner, Hochburg von Widerstandsbewegungen; eigentlich „Notfall camp„ und somit immun gegen die Massenräumung von Townships- ganz zum Missfallen der Regierung…..

Hier bin ich also….mittendrin in einer brutalen Schlacht zwischen- ja man weiß gar nicht wer zu wem gehört, es ist ein Durcheinander…Menschen ,vor allem Jungs im jugendlichen Alter rennen in Massen hin und her… sie jagen sich gegenseitig….Schüsse fallen…Geschrei… wohin ich auch blicke, ich sehe zerstörte, brennende Wellblechhäuser….Es ist die Gruppe mit den weißen Stoffbändern, die greifen uns an… das sind die ,,Witdoeks„, unsere Bürgerwehr……Warum tun sie das? Sie gehören doch zu uns !Woher haben sie die Waffen? Wir müssen uns wehren…selbstgebastelte Waffen aus Holz, Steinen; Schießpulver in Plastikflaschen, die geworfen werden…..auf der Straße: zwei Männer auf dem Boden…voller Blut…sie sind tot…ich sehe Frauen mit Babies, die mit dem Hab und Gut, was sie noch retten konnten, am Straßenrand sitzen, auf Hilfe warten, …..

Cut- Szenenwechsel:

Frauen stehen mit ihren Kindern am Parlamentseingang in Kapstadt. Sie sind verzweifelt und suchen Hilfe. ,,Wir wissen von nichts, wir können nichts machen„, wird ihnen auf Afrikaans von einem Politiker entgegnet. Aus Protest simulieren die Frauen ein Weinen und legen ihre schreienden Babies vor dem Parlament nieder.

Laut TRC, der Truth Reconciliation Commission Südafrikas, wurden während der Apartheid Gruppen von ,,schwarzen„ Bürgern wie die ,,Witdoeks„, einer bereits bestehende Bürgerwehr in Crossroads, von der südafrikanischen Polizei mit Waffen unterstützt und somit ,,benutzt„ , um Widerstandsbewegungen in Townships zu bekämpfen. So erreichte die Regierung ihr Ziel , ohne dabei selbst ins schlechte Licht zu rücken. Es wurden 60.000 Menschen obdachlos und 60 Menschen kamen zu Tode.

Episode 2:Manenberg

Es ist September 1989, der Tag der Wahlen des Dreikammer Parlaments in Südafrika. Wahlberechtigte sind ,, weiße „ und begrenzt auch ,,farbige„ (,,coloured„)und ,,indische„ Südafrikaner. Die,, schwarze„ Bevölkerung ist ausgeschlossen. In ,,Manenberg„, einem Township für ,,farbige„ ( „coloured„ ) Südafrikaner, kommt es zum Protest .Und ich sehe, nein ich erlebe hautnah mit, was sich an diesem Tag auf Manenberg`s Straßen abspielt: Ich bin in einem Haus und blicke aus einem Fensterspalt auf die Straße. Was ich dort sehe ist ein Schauspiel zwischen Polizei und den Bewohnern der Siedlung. Die Polizei ,welche aus heiterem Himmel aufgetaucht ist, schießt wahllos mit Gummipatronen in die Menschenmassen. Ja, es scheint gar als täten sie dies, weil es ihnen Spaß macht, andere Leute leiden zu sehen. Die Polizisten bewerfen die Township-Bewohner mit Steinen, verwenden Tränengas und jagen diese mit Peitschen in ihre Häuser. Die Leute, vor allem Jugendliche, reagieren darauf, indem sie mit Steinen zurück werfen und Straßenbarrikaden aus Autoreifen, Müll, Möbelstücken und Steinen errichten und diese dann anzünden. Es ist ein Hin und Her. Immer wieder kommt die Polizei und es kommt zur Auseinandersetzung: Schießerei, Geschrei,…. Ich befürchte die gesamte Zeit über, dass sie mich entdecken, doch ich habe Glück. Sie sehen mich nicht.

Cut- Szenenwechsel:

Ein Junge liegt leicht bekleidet in einem Bett, sein Körper ist übersät mit Einschüssen, verursacht durch die Gummipatronen der Polizei. Ein anderer Junge hat den Kopf verbunden und die Nase ist mit Pflastern überbedeckt….Eine Frau richtet klar und deutlich einen Appell an die südafrikanische Regierung, sie fordert ein demokratisches, NICHT-rassendiskriminierendes Wahlsystem .

Diese Szenen wurden nie im südafrikanischen Fernsehen ausgestrahlt; sie gehören zu dem Archivmaterial der Videokollektive Afravision, welches die größte Videodokumentation der Widerstandsgeschichte darstellt. Gegründet wurde Afravision von Brian Tilley, Laurence Dworkin und Mokoenyana Moletse ,um die zahlreichen Kämpfe der 1980er Jahre in Südafrika zu dokumentieren.

Ein außergewöhnlicher und faszinierender Beitrag zur Berlinale 2010. Un-geschnitten und unverfälscht zeigt dieser Film schlicht und einfach die Realität und Wahrheit, wie sie sich tragischer weise im damaligen Südafrika zugetragen hat. Man erlebt Geschichte hautnah; man fühlt sich, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Es ist unglaublich, denn plötzlich ist es ist keine ,,Geschichte„ mehr, von der man mal im ,,Geschichtsbuch„ gelesen hat und die einem irreal und weit weg vorkommt. Es ist auf einmal auch meine eigene Realität. Ich bin dabei. Nach dem Film geht mir dann nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Während ich in meine sichere Wirklichkeit des heutigen Deutschlands zurückkehren kann, ist dieser ,,Film„ für die Menschen in Südafrika damals weitergelaufen. Diese Menschen, denen man gerade begegnet ist, konnten im Gegensatz zu mir, die den Film ausschaltet, nicht fliehen. Für sie war es ein Albtraum, von dem sie nicht wussten, ob er jemals enden würde. Das ist einfach schrecklich.

Quellen:http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20110388

http://africanhistory.about.com/od/apartheid/p/crossroads.htm

Simbabwer in Südafrika

Flüchtlinge im Dreieck zwischen Illegalität, Ablehnung und Hoffnung

(Autor: Martin Hiebsch)

Von dem Land am Kap geht aufgrund seiner Fortschrittlichkeit eine besondere Anziehungskraft aus. Die Menschen jener afrikanischen Länder, die von autoritären Systemen, Armut und Rückständigkeit geprägt sind, möchten einen Anteil am vermeintlichen Wohlstand haben. Die Anziehungskraft führte zu einer massiven Einwanderungswelle nach Südafrika, die wiederum Probleme und Ablehnung im Land mit sich brachte. Heute leben geschätzte fünf Millionen ausländische Afrikaner in Südafrika, davon allein ca. drei Millionen aus dem Nachbarland Simbabwe.

© Südafrika, die Heimat von 5 Millionen afrikanischen Flüchtlingen (Quelle: Bongani Nkosi, MediaClubSouthAfrica.com)

Vor allem nach den Wahlen in Simbabwe im Jahr 2008, kam zu einer erneuten Flüchtlingswelle verzweifelter Menschen die im Nachbarland Südafrika Schutz vor der politischen Verfolgung im eigenen Land suchten. Der Human Rights Watch-Mitarbeiter Gerry Simpson schätzte die Lage damals so ein: „Wir trafen Menschen, die vor einem Albtraum geflohen waren und in Südafrika auf Ablehnung stießen, Simbabwer bekamen weder Arbeitserlaubnis noch Unterkunft. Viele waren HIV-positiv, hatten aber keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie lebten unter erschütternden Bedingungen.

Die Flüchtlinge aus Simbabwe sahen sich in den Folgemonaten nicht nur derart desaströsen Lebensbedingungen, sondern ebenso einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit im Land am Kap ausgesetzt. In Südafrika gibt es vor allem zwei Gründe für die Fremdenfeindlichkeit gegenüber „schwarzer“ nicht-Südafrikaner. Zum Ersten verbreiten viele Ministerien, Parlamentarier und Mitglieder der Polizei die Meinung, dass Südafrika durch eine Welle illegaler Einwanderer überflutet wird. Ihrer Meinung nach gefährdet diese die Stabilität des Landes und die der Entwicklungsprogramme der Regierung. Statistiken belegen die Vorwürfe jedoch nicht. Zum Zweiten hält sich in Südafrika der Diskurs über den eigenen Sonderweg, welcher bereits zu Zeiten der Apartheid konstruiert wurde. Die Idee, nach der das Land zwar in Afrika liegt, aber eine Sonderrolle spielt, wird auch vom ANC vertreten. Anders als die übrigen Länder auf dem „schwarzen“ Kontinent, sieht sich die regierende Elite als industrialisiert, demokratisch und fortgeschritten. Der ANC hat es versäumt einen Nationalismus zu konstruieren, der seine Wurzeln wieder in Afrika hat. Der ehemalige Innenminister Buthelezi vertrat 1998 öffentlich folgende Meinung: „Wenn wir Südafrikaner mit Millionen Fremder, die Südafrika überschwemmen, in Konkurrenz um knappe Ressourcen kommen, dann können wir unserem Aufbau- und Entwicklungsprogramm Lebewohl sagen.“ Eine Studie von 2006 belegt, dass zwei Drittel der befragten Südafrikaner die Auffassung vertreten, dass Ausländer Ressourcen wie Wasser, Strom und Gesundheitsdienstleistungen verbrauchen, die eigentlich für sie gedacht seien. Ebenfalls zwei Drittel waren davon überzeugt, Ausländer seien kriminell, und etwa die Hälfte (49 Prozent) glaubte, Ausländer brächten Krankheiten wie HIV nach Südafrika.

Die staatlichen Institutionen haben die Gewalt gegenüber „Fremden“ zwar nie angeordnet und verurteilen sie auch immer wieder, dennoch wurde durch die Politik der Beschuldigung und des Wegsehens eine Umgebung geschaffen, in der fremdenfeindliche Gewalt als staatlich legitimiert angesehen wird.

© Südafrikanische Polizei (SAPS), für Simbabwer Risiko und Sicherheit zugleich (Quelle: Bongani Nkosi, MediaClubSouthAfrica.com)

Ausländerfeindliche Übergriffe in Südafrika sind kein neues Phänomen. Bereits Mitte der neunziger Jahre war es in verschiedenen Landesteilen zu schweren Angriffen auf Ausländer gekommen. In der Nacht zum 12. Mai 2008 fanden sie ihren bisherigen Höhepunkt. In Alexandra, einem der ältesten Townships von Johannesburg, begann eine bis dahin kaum vorstellbare Welle der Gewalt. Aus anfänglich harmlosen Versammlungen in denen über Kriminalität und einen zunehmenden Ausländeranteil debattiert wurden, entstand ein wütender Mob von Männern und Frauen, welcher im Folgenden auf der Suche nach Ausländern durch Alexandra zog.

Die Gewalt schwappte daraufhin auf andere Stadtteile von Johannesburg und später auf viele weitere südafrikanische Städte über. Mehr als 60 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt und Tausende begannen eine verzweifelte Flucht auf Polizeireviere und staatliche Institutionen. Ziel der Angriffe waren überwiegend Simbabwer, die vor der politischen Gewalt und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch in ihrer Heimat ins Nachbarland geflohen waren. Zwar gab es Ausschreitungen gegen Ausländer schon vorher, in dieser Form waren sie jedoch noch nicht bekannt. Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sagte, die Gewalt war extrem. Einige Opfer seien in Brand gesteckt, andere mit Stöcken und Knüppeln totgeschlagen worden Einer der Beteiligten sagte zu Journalisten: „Wir warten seit 1994 darauf, dass die Regierung ihre Versprechen hält. Ich lebe immer noch in einer Wellblechhütte, stattdessen bekommen die Ausländer die Sozialwohnungen. Jetzt sagen wir der Regierung mit dieser Botschaft: Es reicht.“ Für die meisten der nicht-nationalen Südafrikaner bedeuteten diese Ereignisse eine kaum vorstellbare Rückkehr in die Normalität und ein Leben in Angst.

Die südafrikanische Regierung ist aufgrund ihrer Haltung und Politik gegenüber von Flüchtlingen aus seinen Nachbarländern von vielen Seiten kritisiert wurden. Aufgrund eines Berichts von Human Rights Watch und dem ausgeübten Druck des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR) kündigte die südafrikanische Regierung im April 2009 an, sie werde Sondergenehmigungen ausgeben, die simbabwischen Flüchtlingen erlauben, sechs bis zwölf Monate legal in Südafrika zu bleiben. Damit wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen, wenn auch nur vorübergehend, von der Angst vor Gewalt, Verhaftung und Abschiebung befreit. Flüchtlinge können mit der neuen Regelung legal arbeiten, ihre Kinder zur Schule schicken und haben Anspruch auf grundlegende medizinische Versorgung.

Ob eine kurzfristige Regelung den Menschen aus Simbabwe langfristig helfen kann ist mehr als fraglich. Zwar kann der „illegale Status“ für einige beseitigt werden, für viele der Flüchtlinge ist das jedoch nur eine vorübergehende Lösung ohne Perspektive und mit einer späteren unweigerlichen Rückkehr in Heimatland verbunden. Langfristig kann die südafrikanische Regierung diesen Menschen nur helfen, wenn sie ihren Druck auf das Regime von Mugabe in Simbabwe erhöht und so für eine allgemein bessere Lage dort sorgen kann.

Julius Malema – Alb(Traum) für Südafrika?!

„Do you know who I am? Do you know what I can do?“

(Autor: Ghassan Abid)

Die US-Depeschen zu Südafrika beschäftigten sich ausführlich mit den ANC-Spitzenpolitikern Thabo Mbeki und Jacob Zuma, letzterer aktueller Präsident der Republik Südafrika (2010sdafrika-Redaktion berichtete hierzu am 15. Dezember 2010). Nun ist bekannt geworden, dass Julius Malema – aktueller Präsident der Jugend-Regierungspartei ANCYL – ebenfalls im Fokus der US-Diplomatie stand und steht.

Julius Malema konnte in vielerlei Hinsicht meist negativ von sich Reden machen. Nicht nur das öffentliche Vortragen von einstigen Anti-Apartheids-Lieder wie „Kill the Boer“ (zu Deutsch: Tötet die (holländischstämmigen/ weißen) Buren) sorgte für viel Unruhe in der Regenbogennation, sondern auch der filmreife Rauswurf eines BBC-Journalisten aus einer Johannesburger ANC-Pressekonferenz verbunden mit den Beschimpfungen „bloody agent“ und „bastard“ (siehe Video), die frauenverachtenden Slogans, der überzogene Lebensstil ungeachtet der immensen Armut im Lande, die Zustimmung für die desaströse Landenteignungspolitik des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe´s oder der Ruf nach einer Verstaatlichung der südafrikanischen Bergwerkindustrie.


© Logo von WikiLeaks

All dies sind im Großen und Ganzen Erkenntnisse, die mehr Unbehagen als Freude auslösen dürften. Womöglich insbesondere dieser verbalen und radikalen Bekenntnisse zählt Julius Malema seit Längerem zu den Who´s Who der südafrikanischen Politik. Dies weiß auch die US-Botschaft Pretoria, ersichtlich aus einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche vom 5. November 2009. Demnach besteht ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zwischen Jacob Zuma und Julius Malema. Einerseits machte sich Malema für Zuma als vierten Präsidenten der Post-Südafrika-Ära stark, andererseits unterstützt Zuma den in der Provinz Limpopo geborenen Malema als Präsidenten des ANCYL: „… however, it is becoming clearer that President Jacob Zuma respects Malema and his place within the movement“.

Vor allem die mediale Berichterstattung um Malema verfolgte die US-Botschaft mit großer Aufmerksamkeit. Neben seinen Hassreden und juristischen Konfrontationen, fanden auch die ihm nachgesagten Alkohol- und Sexparties im Norden Johannesburgs eine protokollarische Beachtung. Höhepunkt seiner verbalen Entgleisung dürfte seine Aussage aus dem Jahr 2006 sein, wonach das vermeintliche Vergewaltigungsopfer von Jacob Zuma, so Malema, während des sexuellen Missbrauchs eine „schöne Zeit gehabt hatte“:

„He has also been in the news for doing questionable things such as hosting wild parties in northern Johannesburg that reportedly rage late into the evening and are fueled by alcohol and sex. Moreover, Malema has been involved in several court cases in front of the Equality Court. Most recently, a judge on November 2 delayed a case in the Court in which Malema is accused of hate speech. Malema earlier this year told an election rally that the woman who accused Zuma of rape in 2006 „had a nice time.“

Überraschend sind jedoch die Umstände hinsichtlich des Vorfalls an der University of the Free State von 2007, wonach vier weiße Studenten in Mahlzeiten uriniert und diese dann schwarzen Angestellten der Bildungseinrichtung zum Verspeisen überreicht hatten. Diese skandalösen Begebenheiten wurden auf Video festgehalten und lösten in der Öffentlichkeit erheblichen Protest aus. Als der Kanzler der Hochschule, Jonathan Jansen, alle vier Studenten trotz der Rassismusanschuldigungen den Wiedereintritt in den Hochschulbetrieb ermöglichen wollte, forderte die ANCYL inklusive Malema die sofortige Entlassung des Kanzlers sowie die grundsätzliche Möglichkeit einer Hinrichtung all jener Personen, die sämtliche Formen von Rassismus in Südafrika dulden bzw. verzeihen würden. Nach einem Treffen zwischen dem ANCYL-Präsidenten und dem Kanzler der University of the Free State nahm Malema seine Forderung nach einer Bestrafung zurück. Ganz im Gegenteil – der Jungpolitiker des ANC gab Jansen volle Rückendeckung. Er „ist einer uns uns“ und ein „Symbol der Transformation“, begründete Malema seinen Sinneswandel. Bis zum heutigen Tage bleiben die genauen Hintergründe des Gespräches unklar.

Darüberhinaus ist das arrogante und größenwahnsinnige Verhalten Malema´s im Straßenverkehr oder bei der Abhaltung von Parties durch die US-Botschaft aufgegriffen worden. Als der Jungpolitiker infolge einer Raserei durch Verkehrspolizisten gestoppt worden ist, leitete Malema über offizielle und inoffizielle Kanäle eine Disziplinarmaßnahme gegen die beteiligten Beamten ein:

„On October 14, Malema was reportedly stopped for speeding on the road between Polokwane and Seshego. When his vehicle was pulled over, the ANC Youth League President is said to have berated traffic officials and asked, „Do you know who I am?“ Malema then called numerous senior ANC and government officials and instructed them to discipline the traffic officers. A general manager for traffic was ultimately called to the scene and the following day he asked traffic officials to write letters describing how „they mistreated the youth leader.“

Klar ist, dass Julius Malema unbestritten zu einer politischen Größe in der südafrikanischen Politik geworden ist und sich einer sehr großen öffentlichen Popularität bedienen kann. Unklar bleibt allerdings, wie stark die Unterstützung Jacob Zuma´s für die „Bulldogge des ANC“, wie Malema zynischerweise auch genannt wird, tatsächlich ist. In fast allen Vorfällen des ANCYL-Präsidenten, so die US-Botschaft Pretoria, äußerte sich der Präsident keines Wortes:

„Clearly, Malema is a force in South African politics … Zuma’s only comment regarding these issues may have been when he declared publicly on October 26 that Malema is a „good leader worthy of inheriting the ANC.“


2010sdafrika-Artikel über US-Depeschen zu Thabo Mbeki und Jacob Zuma:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/12/15/wikileaks-veroffentlicht-berichte-sudafrikanischer-us-vertretungen/

„The Guardian“ über Julius Malema:

http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/08/wikileaks-cables-julius-malema-ancyl?intcmp=239

WikiLeaks: US-Depesche über Julius Malema vom 5. November 2009:

http://213.251.145.96/cable/2009/11/09PRETORIA2263.html