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Jacob Zuma´s Macht auf dem Höhepunkt

Exklusiv: Malema-Lager im parteiinternen Fadenkreuz

(Autor: Ghassan Abid)

Wie die 2010sdafrika-Redaktion aus internen ANC-Kreisen in Johannesburg erfahren konnte, ist das ANC-Lager des Präsidenten Jacob Zuma gegenwärtig damit beschäftigt, das parteiinterne Netzwerk um den ANC-Jugendliga-Präsidenten Julius Malema komplett zu entmachten. Mehrere ANC-Posten werden Schritt für Schritt durch Zuma-Anhänger eingenommen. Durch Überzeugungsarbeit und Druck soll dieses Ziel realisiert werden. Auf diesem Wege wird dem öffentlich angekündigten Widerstand durch Malema wirksam entgegengewirkt.

Hintergrund waren Spannungen zwischen den zwei aktuell vorherrschenden Lagern innerhalb des African National Congress, welche von Jacob Zuma einerseits und Julius Malema andererseits dominiert werden. Im November 2011 entschied ein Johannesburger Disziplinarausschuss des ANC in einem 34 Seiten umfassenden Dokument, dass der im Studium der Politologie befindende Julius Malema und weitere Parteigenossen infolge ihrer verbalen Entgleisungen gegen weiße Südafrikaner ganze fünf Jahre aus der Partei suspendiert werden. Malema kündigte anschließend politischen und rechtlichen Widerstand zum Urteil an. Das Zuma-Lager sieht sich seither in Bedrängnis gesetzt und in der Notwendigkeit, nun gegen den einstigen Verbündeten breitangelegt vorzugehen.

© Grafik zum Machtkampf von Präsident Jacob Zuma (Quelle: Collage der 2010sdafrika-Redaktion - Fotos: o.l. pixelio.de/ Jetti Kuhlemann; u.l. Silke Sandkötter; u.Mitte Gary van der Merwe/ Wikimedia; o. Mitte The Presidency/ MediaClubSouthAfrica.com; o.r. Wikimedia)

Auf dem Parteitag des ANC in Polokwane vom 18. Dezember 2007 errang Jacob Zuma gegen den 2. Staatspräsidenten und seinen Parteirivalen Thabo Mbeki in einer Kampfabstimmung das Amt des Vorsitzenden. In Südafrika übernimmt der ANC-Vorsitzende traditionell auch das Amt des Präsidenten der Republik. Mbeki musste auch deshalb eine Niederlage akzeptieren, als das Lager um Julius Malema dem Zulu-Angehörigen Zuma seine volle Unterstützung ausgesprochen hatte. Nun, rund 4 Jahre später, wendet sich die Zuma-Gefolgschaft gegen Malema.

Sollte Jacob Zuma den parteiinternen Kampf gegen Julius Malema gewinnen, so wird ein weiterer möglicher Veto-Player ausgeschaltet. 2008 ist die erfolgreiche Anti-Korruptionseinheit Directorate of Special Operations (DSO) – besser bekannt als  die „Scorpions“ – aufgelöst wurden. Ein Jahr später fusionierten der einst autonome Inlandsgeheimdienst National Intelligence Agency (NIA) und Auslandsgeheimdienst South African Secret Service (SASS) in den Supergeheimdienst State Security Agency (SSA). Ferner ist 2012 mit dem Protection of State Information Bill die Einschränkung der Pressefreiheit geplant, wonach sich Journalisten beim Publizieren von Geheimakten nach Kapitel 11 des Gesetzes strafbar machen, auch wenn diese Fälle wie Korruption, Misswirtschaft oder Steuerverschwendung aufdecken würden. Bis zu 25 Jahre Haft drohen dann den Pressevertretern bei Missachtung der gesetzlichen Bestimmungen.

Erkennbar ist, dass Präsident Jacob Zuma seine Gegner in Staat und Partei zunehmend entmachtet. Die größte Oppositionspartei Democratic Alliance (DA) unter der Vorsitzenden Helen Zille wird zurzeit durch das Zuma-Lager nicht unmittelbar attackiert. Dennoch nimmt der politische Einfluss Zuma´s mit jedem einzelnen Tag seiner Mandatsausübung als Staatspräsidenten und Parteivorsitzenden weiter zu. Südafrika´s Demokratie steht mittlerweile auf einem äußerst wackligen Fundament. Demokraten sollten alarmiert sein.

Interessante Biografien, packende Krimis oder trockener Lernstoff

Südafrikaner müssen lesen, Deutsche wollen lesen: Ein Buchmarktvergleich

(Autor: Ghassan Abid)

Sobald man in Deutschland unterwegs ist, insbesondere morgens, dann fällt relativ schnell auf, dass überall Bücher gelesen werden. Ob in Bahn, Cafés oder im Wartebereich eines Amtes – das Lesen bleibt hierzulande eine beliebte Freizeitaktivität. Nach Angaben der Frankfurter Buchmesse stieg der Umsatz der Buchbranche im Jahr 2007 um 3,4 Prozent an. Dies entspricht einem Umsatz von 9,6 Milliarden Euro; Tendenz steigend. Insbesondere die Verlage profitieren von diesem Wachstum, sodass das Anzeigengeschäft sehr zufriedenstellend ist. Nicht so gut läuft es hingegen beim Verkauf von Zeitschriften. Online-Angebote, man spricht hier unter anderem von den sog. E-Books, erweisen sich in den USA einer großen Beliebtheit, sind in Deutschland jedoch gemessen am Umsatz der klassischen Bücher noch kaum gefragt. Dementsprechend wird der Umsatz des deutschen Online-Buchhandels für 2007 mit rund 850 Millionen Euro beziffert; entspricht dies einem Anteil am gesamten Buchmarkt von lediglich 8,9 Prozent.

© Buchmarkt Südafrika – viel Potential nach oben

In Südafrika allerdings befindet sich der Buchmarkt gegenwärtig im Abwärtstrend. Nach dem Ende der Apartheid konnten zwar viele neue Verlage gegründet worden, die ihr Sortiment und ihre Kundengröße stetig ausweiten konnten.  Man schätzt, dass zurzeit etwa 230 Verlage in Südafrika (im Vergleich: ca. 15.000 Verlage sind in Deutschland vorhanden) aktiv sind; größtenteils vertreten durch den Verlegerverband PASA. Mit einem Gesamtumsatz von rund 380 Millionen Euro (ca. 4 Milliarden Rands) für das Jahr 2008, erweist sich dieser mit dem deutschen Markt als überhaupt nicht wettbewerbsfähig. Der Großteil des südafrikanischen Umsatzes entfiel auf ´Lehrmittel´ (ca. 2,1 Mrd. Rands), gefolgt von der Sparte ´Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch´ (ca. 1,2 Mrd. Rands) und Fachbücher (773 Mio. Rands). Ein Jahr später, 2009, sank der Umsatz des gesamten südafrikanischen Buchmarktes um ganze 237 Mio. auf 143 Millionen Euro.

Ist wird ersichtlich, dass zwischen dem deutschen und südafrikanischen Buchmarkt Welten liegen. Verschiedene Bedingungen begründen diesen Status quo. Einerseits befindet sich Südafrika als junge Demokratie in politischer und ökonomischer Hinsicht in einem  Transformationsstadium. Daten haben gezeigt, dass je wohlhabender eine Nation ist, desto größer fällt dann die Bereitschaft zum Lesen aus. Denn wer hungert oder arm ist, wird sein weniges Geld nicht dem Buchkauf „opfern“. Ferner kommt hinzu, dass Südafrika im Jahr 2009 über eine Analphabetenrate von 13,6 Prozent verfügt, Deutschland hingegen nur einen Prozent aufweist. Auch die Arbeitslosigkeit in Südafrika mit einer Quote von 24 Prozent (2009) ist deutlich höher als in Deutschland mit rund 7,9 Prozent (2009). Außerdem müssen sich viele Südafrikaner über die hohen Inflationsraten im Lande ärgern. Während die Verteuerung von Waren und Dienstleistungen im Kapland für das Jahr 2009 mit stolzen 7,2 Prozent veranschlagt wird, beträgt diese in Deutschland lediglich 2,3 Prozent. Demnach steht dem Bürger im südlichen Afrika weniger Geld für Bücher zur Verfügung, als Deutschen. Andererseits kann man festhalten, dass das Lesen an sich eher in Deutschland verbreitet ist, als in Südafrika. Wer in Südafrika liest, hierbei sind insbesondere schwarze Südafrikaner gemeint, tut es meist zur eigenen Weiterbildung im Rahmen von Schule, Arbeit oder Hochschule, während Deutsche die Freizeitgestaltung gerne mit Romanen ausfüllen.

Überraschend ist, dass die Frankfurter Buchmesse mit dem südafrikanischen Verlegerverband PASA seit 2006 die „Cape Town Book Fair (CTBF)“ betreibt, die größte Buchmesse des Landes. Kritisch anzumerken bleibt, dass die Buchpreisbindung nur in Deuschland existent ist, während der südafrikanische Einzelhandel nach eigenem Ermessen den Preis von Literatur bestimmt – ein Unsicherheitsfaktor für Autoren. Zugute kommt, dass auch Südafrika der Berner Übereinkunft beigetreten ist, sodass das Urheberrecht in  Südafrika seine Anerkennung findet. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der südafrikanische Buchmarkt in den nächsten Jahrzehnten einwickeln und ob die Stärkung der Autorenrechte mehr Beachtung finden wird.