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Hilfe – die etwas andere Art (Suppenküche in Mitchell’s Plain)

Ein Reisebericht zu Kapstadt und KwaZulu-Natal – Teil 5

(Autorin: Annemarie Köster)

Nachdem ich 2007 etwas genauer wissen wollte, was ausgewanderte Deutsche in KwaZulu Natal für südafrikanische Kinder tun, habe ich mit etwas Spendengeld von Freunden und Familie Lebensmittel und Kinderkleidung für drei Familien gekauft und ihnen dies nach Hause gebracht.

© Das Suppenküchen-Team im Einsatz in Mitchell´s Plain

2008 habe ich dann Geld an meine Bekannten geschickt, die es für eine junge Frau, die im Rollstuhl sitzt, verwendeten. Die Aussicht, noch einmal nach KwaZulu-Natal zu kommen, ist im Moment sehr gering.

Auf der Suche nach Bedürftigen, um die ich mich von Kapstadt aus persönlich kümmern kann, dachte ich zuerst an das Saartjie Bartman Center in Manenberg, das ich 2008 anläßlich einer Kinderweihnachtsfeier besuchte, die von einer Klasse meiner Sprachenschule organisiert wurde.

Man mag über facebook denken wie man will. Manchmal ist es doch hilfreich. So habe ich erfahren, dass die Sprachenschule seit 2009 eine Suppenküche in Mitchell’s Plain unterstützt, die von einem Sohn des Schulkraftfahrers gegründet wurde und nun von seiner Witwe Faieka weitergeführt wird.

Das schien mir 2011 der richtige Platz zu sein für das Spendengeld, das ich im Freundes- und Familienkreis aber auch anlässlich des Forikertreffens von www.kapstadt.net gesammelt hatte. Es war etwa das 3 ½ fache der früheren Beträge.

Um mir erst einmal einen Eindruck zu verschaffen, nahm ich an der Mittwochs-Fahrt der Studenten der Sprachenschule teil.

Der Teilnahmebeitrag kommt in voller Höhe der Suppenküche zugute. Stanford, der Schulkraftfahrer, berichtete von der Gründung der Suppenküche durch seinen Sohn Quinton, dessen Ermordung und die Weiterführung der Küche durch seine Schwiegertochter Faieka. Sie steht jeden Morgen um 4.00 Uhr auf, bereitet die Suppe vor und kümmert sich dann um ihre Ausbildung zur Lehrerin. Unterstützung erhält sie nicht nur durch die Familie, und die Schule sondern auch von zwei Frauen aus der Nachbarschaft. Mittwochs helfen die Studenten bei der Essenausgabe und spielen anschließend mit den Kindern.

Hier erfährt man die Geschichte von Quinton Welman, berichtet von seiner Schwester Bernice.

Am Ende dieses Ausflugs war mir klar: Das ist der richtige Platz für unser Spendengeld.

Als nächstes folgte die Shopping-Tour mit Stanford, um Lebensmittel für die Suppenküche zu kaufen.

Auf diese Weise habe ich wieder eine neue Seite von Kapstadt kennen gelernt, die mir als „Nur-noch-Urlauberin“, die ich ja nun bin, kaum zugänglich gewesen wäre.

Mitchell’s Plain ist einer der größten Vororte von Kapstadt. Ich wollte nicht das gesamte Geld in bar durch die Gegend tragen. Deshalb habe ich einen Teil erst am ATM an einer Tankstelle in Mitchell’s Plain abgehoben – mit Stanford als „Bodyguard“.

Die erste Station war ein Lebensmittel-Großmarkt, in dem aber – anders als in Deutschland – jedermann einkaufen kann. Faieka hat den Wagen gefüllt und ich habe an der Kasse bezahlt.

Dann ging es weiter zum Fleischer. Bis dort alles zusammengestellt und verpackt war, verging einige Zeit. So haben wir schnell noch in einem kleinen Laden in der Nähe das Toastbrot für den nächsten Tag bezahlt, das immer frisch geholt und mit den Essenportionen ausgegeben wird.

Die letzte Station war Checkers, der Supermarkt. Hier waren die Großpackungen Hähnchenteile billiger als in der Fleischerei. Faieka hat mir gezeigt, dass Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist. Nachdem ich bezahlt hatte, hat sie die Positionen auf dem Kassenzettel mit den Fleischpäckchen verglichen – ein Päckchen war doppelt berechnet. Es wäre zu umständlich gewesen, das Geld zurückzahlen zu lassen. So hat Faieka noch ein Päckchen Fleisch geholt. Zuviel konnte es wirklich nicht sein, bei der Masse an Kindern, die erwartet wurden. Dieses Fleisch wurde schon für das Weihnachtsessen eingekauft, das nicht aus Suppe bestehen sollte.

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Die Lebensmittel wurden bei Stanford zwischengelagert, weil der Platz in Faiekas Häuschen, in dem sie mit ihren drei Kindern lebt und zugleich die Suppenküche betreibt, dafür wirklich nicht ausreicht.

Faieka wartet noch immer auf die Eintragung der „Quinton Welman Community Foundation“, wie die Suppenküche offiziell heißen soll, als gemeinnützige Stiftung. Dann kann sie ihre Helferinnen aus der Nachbarschaft fest anstellen – wieder zwei Arbeitsplätze mehr – und ihnen auch etwas bezahlen, sie kann zu Spenden aufrufen und um Unterstützung werben.

Ich bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung.

Zum Abschluß noch eine kleine Geschichte am Rande: Mitchell’s Plain hat zum Teil noch einen nicht so guten Ruf und über die Kriminalität in Südafrika erhitzen sich die Gemüter ohnehin.

Das ist Stanford als wir in der Fleischerei warteten. Wie man deutlich sieht, hat er seine Auto- und sonstigen Schlüssel so lose aus der Gesäßtasche hängen wie das in Deutschland wohl kaum ein Mann tun würde.

Er hat sich köstlich amüsiert als ich ihn darauf ansprach. Trotzdem hat er bei der Fahrt durch einige Straßen gebeten, die Autofenster geschlossen zu halten.

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Hilfe – die etwas andere Art

Ein Reisebericht zu Kapstadt und KwaZulu-Natal – Teil 4

(Autorin: Annemarie Köster)

Auf Grund meiner Erfahrungen mit sogenannten Solidaritätsspenden, die ich bis 1989 jahrzehntelang in nicht unwesentlichem Umfang geleistet habe, wollte ich nun etwas anderes ausprobieren.

Ich erfuhr von einem nach Südafrika ausgewanderten Paar, das sich speziell um Hilfe für Kinder bemüht und wurde von ihnen eingeladen. Da ich mir vor Ort erst mal selbst ein Bild machen wollte, habe ich lediglich im Bekanntenkreis ein paar Spenden gesammelt – ca. 100,00 Euro.

Ursprünglich hatte ich an Kinder in Waisenhäusern gedacht. Dann habe ich aber erfahren, daß die Heime, von unterschiedlichen Organisationen geführt, auf verschiedene Art unterstützt werden. Nicht nur Waisen und Straßenkinder sondern auch solche aus Problemfamilien finden Aufnahme– teilweise bis zum Alter von 21 Jahren.

© Lebensmittelkauf

Schnell ließ ich mich überzeugen, daß mein weniges Geld besser für zwei bedürftige Familien – konkret für Frauen, die mit ihren Kindern und Enkeln allein leben – ausgegeben werden sollte. So sind wir erst einmal zum nächsten Supermarkt gefahren. Es war bekannt, was speziell verwendet wurde und wir haben von Maismehl über Zucker, Milch und Brot bis zu Öl, Obst und Gemüse verschiedene Lebensmittel – natürlich auch ein paar Süßigkeiten – besorgt.

Dazu kamen – wegen des Kälteeinbruchs zu dieser Zeit – ein paar Jogging-Anzüge für die Kinder. Die Sachen haben wir den Familien nach Hause gebracht.

© Hilfebedürftiges Kind

© Hilfebedürftiges Kind

Auf diese Weise habe ich Dörfer kennengelernt, die auf den ersten Blick eigentlich recht idyllisch aussahen. Ein weites, grünes Hügelland mit verstreut stehenden traditionellen Rundhütten aber auch neueren viereckigen Steinhäuschen. Hier und da ein paar magere Kühe, Ziegen oder Hühner. Keinerlei Obst- oder Gemüsegärten.

Bei näherem Hinsehen ist von der Idylle jedoch nichts übrig geblieben. Es gab zumeist keine befestigten Straßen (glücklicherweise war es trocken), nur teilweise Strom und keine privaten Wasseranschlüsse. Wasser mußte von den öffentlichen Zapfstellen zu den Hütten getragen werden – oft eine Aufgabe der Kinder. Die Häuser liegen einfach zu weit auseinander und es ist zu teuer, einzelne Wasserleitungen zu verlegen.

Eine weitere Erkenntnis war, daß das Leben in den traditionell gewachsenen Dörfern nicht zu vergleichen ist mit dem Leben in den riesigen Townships am Rande der großen Städte auch wenn es äußerlich ähnlich zu sein scheint.

© Tristes Township-Leben

Das Gefühl, nun etwas Gutes getan zu haben für Bedürftige, hat sich bei mir eigentlich nicht so recht eingestellt. Eher habe ich die Erkenntnis gewonnen, daß man einen so kleinen Betrag auf diese Weise zwar effektiv verwenden kann aber es ist unbedingt Hilfe zur Selbsthilfe nötig. Wie das aussehen könnte? Ich habe keine Ahnung. Dazu ist mehr nötig als nur mal gesehen zu haben, wie man in südafrikanischen Dörfern lebt. Mit europäischen Vorstellungen von Hilfsprojekten kommt man hier sicherlich nicht weiter.

Hilfe – die etwas andere Art (Kapstadt 2008)

2008 habe ich mir als Abschluß all’ meiner Sprachschulaufenthalte ein paar Wochen Einzelunterricht gegönnt. Das beinhaltete auch diverse Exkursionen.

Zusammen mit einer anderen Lehrerin und ihrer Klasse führte uns unsere letzte Exkursion in das Saartjie Bartman Centre für Frauen und Kinder in Manenberg, Cape Flats. Das ist eine Einrichtung, in die sich misshandelte Frauen mit ihren Kindern für einige Zeit flüchten können, um Entscheidungen über ihr weiteres Leben zu treffen: http://www.saartjiebaartmancentre.org.za/.

© Überraschungsbesuch

Wir organisierten eine kleine vorzeitige Weihnachtsfeier. Einer unserer Schweizer Mitstudenten musste der Weihnachtsmann sein. Es war ein interessanter Vormittag. Die 100 Euro für bedürftige Kinder, die ich wieder in Deutschland gesammelt hatte, waren bereits an meine Freunde in KwaZulu- Natal überwiesen. (Sie wurden später ratenweise einer jungen Frau zum Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt, die im Rollstuhl sitzen muß, weil sie als Kind in eine Schießerei geriet).

Aber es ist für uns Europäer nicht teuer, Kinder glücklich zu machen, und es ist uns sicherlich ein wenig gelungen

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Township-Tour

Ein Reisebericht zu Kapstadt – Teil 3

(Autorin: Annemarie Köster)

Auch Kapstadt hat seine Townships zur Seite. Man sieht sie schon am Weg vom Flughafen in die Stadt.

Im November 2001 besuchten wir Crossroads, nachdem wir Langa und Gugulethu durchfahren hatten. Die Tour wurde von der Sprachenschule organisiert und dauerte ca. 4 Stunden.

Patrick Poni, unser Tourguide, ein Absolvent der Universität Cape Town in Sozialwissenschaften war damals bei Satour als Reiseleiter tätig.

Wir lernten während einer Zusammenkunft mit Einwohnern in einem Shebeen, einer Art Ausschank mit Sitzgelegenheit, Rolf kennen, einen Schweizer, der in Crossroads ein Musikprojekt betreut. Die erste CD des IMBACA PRIMARY CROSSROADS CHOIR konnten wir bei Rolf für eine Spende erhalten.

Wir besuchten eine Einwohnerin, die uns mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen bewirtete. (Es melden sich immer andere Familien und bekommen das natürlich bezahlt). Wir kamen wie zu einer guten Nachbarin. Leider habe ich ihren Namen nicht behalten, aber ein hübsches gemeinsames Foto klebt in meinem Album. Was mich anfangs am meisten überrascht hat, war die Einrichtung mit Schrankwand mit Fernseher und Couchgarnitur, nicht nur bei unserer Gastgeberin sondern auch überall, wo wir im Vorbeifahren oder -gehen in offene Häuser schauen konnten. Also nicht unbedingt das, was man sich so unter „afrikanisch“ vorstellt. Township-Bewohner sind eben ganz „normale“ Leute wie du und ich. Wir sahen neben den Steinhäusern aber auch Shacks – Wellblechhütten mit etwa nur einer Liegestatt.

© Großmutter mit Kindern

Fotografieren ist gar kein Problem – man sollte es nur nicht aus dem Bus heraus tun. Kaum waren wir ausgestiegen, umringten uns Kinder, die sich in Positur warfen, sobald sie einen Fotoapparat sahen. (Das habe ich in Südafrika überall erlebt) Wenn ich gerade nicht am Fotografieren war, habe ich den Apparat aber vorsichtshalber in der Tasche gelassen. Keine Ahnung, ob das notwendig war. Ich habe es mir in Südafrika einfach angewöhnt. Mir hätte man auch nicht – wie es jungen Deutschen in Langa passierte – mehrere hundert Euro oder die Schlüssel meiner Wohnung in Deutschland stehlen können. Euro liegen am sichersten auf dem deutschen Konto und werden bei Bedarf in Form von Rand am Geldautomaten geholt. Die Schlüssel werden bei Verwandten in Deutschland hinterlegt.

Bei einem anderen Projekt, in dem Frauen Textilien herstellen, waren wir leider zur Unzeit. Die Masse der Ware war auf dem Markt, so daß wir nichts kauften. Bei unserem zweiten Besuch war die Auswahl bemalter Textilien (Schürzen, Topflappen usw.) schon größer.

In einem Carport wurden Campingstühle aufgestellt und eine Kindergruppe führte Sketchdance vor. Kleine Spielszenen („Beim Zahnarzt“, „In der Schule“), die zu Tonbandmusik getanzt und gesungen wurden. Patrick versicherte uns, daß alle diese Kinder zur Schule gehen und sie nur in ihrer Freizeit üben und auftreten.

Alles in allem muß man eine Township-Tour mitgemacht haben. Sensationen gibt es keine dabei, aber normalerweise auch keine Sicherheitsprobleme. Es gehört einfach dazu und es ist gut zu sehen, daß nicht alle so leben können wie die Gastfamilien der Sprachschulbesucher, wo die Studenten Einzelzimmer, zum Teil sogar mit eigenem Bad haben, ganz zu schweigen vom Pool im Garten.

© Fleischverkauf in der Markthalle

Auf der zweiten Township-Tour im November 2004 war Vuyisile Ngesi unser Begleiter. Zunächst ging es wieder nach Gugulethu, wo wir diesmal auch ausgestiegen sind. Es gab dort eine riesige Markthalle zu sehen, die an einer Längsseite offen war. Entlang der Rückwand waren kleine Lädchen und Werkstätten. Für diese Kioske zahlen die Betreiber Miete und führen auch Steuern ab. Für die Verkaufstische im Vordergrund ist das nicht der Fall. Sie werden den Händlern kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Wesentlichen werden Obst, Gemüse und Fleisch verkauft. An den Obst- und Gemüseständen könnte sich mancher deutsche Supermarkt orientieren. Nur beste Ware. Nichts angefault oder verwelkt. Fleisch wird frisch verkauft und wenn man unserem Tourguide glauben darf – warum sollte man das eigentlich nicht? – dann kann das nur vertragen, wer damit aufgewachsen ist. Das rohe Fleisch liegt offen auf großen Tischen. Ab und zu werden die Fliegen weggejagt. Eine Frau hat mit einer Art Lötlampe Schafsköpfe abgebrannt, die dann von einem jungen Mann in einem alten Faß mit Wasser abgewaschen wurden, weil sie vom Ruß der Lampe ganz schwarz waren. Danach wurden sie halbiert und verkauft. Wirklich gewöhnungsbedürftig aber nach Aussagen der Käufer eine Delikatesse.

In der Umgebung wurden gerade größere Gebäude errichtet aber es waren auch noch genügend Shacks (Hüttchen aus den unterschiedlichsten Materialen „zusammengeschustert“ von Holz über Blech bis hin zu Pappe und Plastik) zu sehen.

Das Musikprojekt von Rolf hatte inzwischen in Crossroads eigene Räume bezogen, denen aber noch die Schallisolierung fehlte. Bei jedem Flugzeug, das darüber flog mußten die Aufnahmen unterbrochen werden. An Aufnahmetechnik fehlte auch noch einiges – aber den Jugendlichen machte es Spaß und sie waren weg von der Straße. Es gab eine zweite CD („Bayasilandela“ der Tokozani Brothers), die leider wegen rechtlicher Probleme nicht verkauft werden durfte. So ist das Projekt weiter auf Spenden angewiesen.

Leider gab es bei unserem zweiten Besuch weniger Kontakt zu den Bewohnern. Selbst im Shebeen saß unsere Gruppe allein bei Cola und Limonade.

© Der Sangoma

Neu war der Besuch bei einem Sangoma, einem traditionellen Heiler. Sangoma wird man nicht durch Ausbildung. Das wird jemand, der von einem Sangoma von schwerer Krankheit geheilt wurde, die zuvor kein Arzt heilen konnte.

In einem kleineren Township soll es ein Projekt geben, in dem die Bewohner lernen Häuser zu bauen, was sie dann auch für ihre eigenen Häuser anwenden oder beruflich verwerten können.

Inzwischen kann man nicht nur mehrtägige Townshiptouren buchen sondern auch einfach mal in einem B&B in einem Township übernachten. Ohne Begleitung eines Bewohners oder Reiseleiters sollte man Townships jedoch besser meiden.

Es gibt immer wieder Diskussionen, ob man Township-Touren überhaupt unternehmen sollte. Die Bewohner würden einem doch wie im Zoo vorgeführt. Das könne einem nur peinlich sein. (Ist es diesen Leuten auch peinlich, sich das Zimmer im Luxushotel von Township-Bewohnern putzen zu lassen?) Wem es peinlich ist, besser situiert zu sein als andere (natürlich ohne daß er es auf Kosten anderer ist), der sollte besser gar nicht in Länder reisen, wo es Gegenden wie Townships gibt. Der sollte sein Reisegeld besser nehmen und es in Deutschland den ausreichend vorhandenen Bedürftigen zukommen lassen. Aber über die schaut er vielleicht auch nur hinweg, weil es ihm „peinlich“ ist, daß es sie gibt.

Ich meine, wenn man keine andere Möglichkeit hat, sich über das Leben in den Townships zu informieren, sind die angebotenen Touren immer noch das Beste. Schließlich profitieren auch die Bewohner davon. Die Townships gehören nun mal zum südafrikanischen Leben und werden das auch noch lange Zeit tun. Ich habe leider bisher auf den Touren nicht so viel Kontakt zu Bewohnern gehabt wie ich mir gewünscht hätte.

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar.

Wandern in Kapstadt – und dann ein Braai mit Bad‎

Ein Reisebericht zu Kapstadt – Teil 2

(Autorin: Annemarie Köster)

Zwischen meinem Sprachschulaufenthalt 2004 und der anschließenden 4-Tage-Tour ‎entlang der Garden Route lagen zwei Tage, die meine Mitschülerin und ich nicht ‎einfach so „verschenken“ wollten. Dazu kommt man zu selten nach Kapstadt. Das ‎Ausflugsprogramm der Schule war aber so vielseitig, daß es gar nicht so einfach war, ‎noch etwas Spektakuläres zu finden.‎

© Wander-Foto

Wir waren beide begeisterte Wanderer und so machten wir einer Freundin, die einige ‎Zeit in Kapstadt lebte und als Tourguide ausgebildet war den Vorschlag, mit uns zu ‎wandern.‎

Außer auf den Fußweg von Claremont nach Kirstenbosch (wo man im Botanischen ‎Garten herrlich wandern kann) und einen Spaziergang von Rondebosch zum Rhodes ‎Memorial habe ich mich aus Sicherheitsgründen allein oder zu zweit nie ins offene ‎Gelände gewagt. ‎

Ganz anders unser Ausflug in Silvermine mit der Freundin, ihren Söhnen und einem ‎einheimischen jungen Mann. Schon auf der Hinfahrt gab es viel zu sehen. Kleine ‎Echsen, die sich auf Steinen sonnten und ein herrlicher Ausblick bis zum Meer.‎

Das Auto wurde auf einem bewachten Parkplatz abgestellt und dann ging es auf ‎zwar unbefestigten aber doch recht glatten Wegen durch ein Gebiet mit einer ‎wundervollen Vegetation. Jede Menge Blumen, Gräser, Büsche in allen Farben und ‎eine herrliche Sicht auf die Umgebung. Es waren eine ganze Menge Wanderer ‎unterwegs, auch allein. Einige hatten ihre Hunde (oder auch Hündchen) dabei. Der ‎Weg schlängelte sich durchs Gelände – keine großen Steigungen oder Gefälle – um ‎einen Wasserfall herum, zu dem wir aber an diesem Tag nicht hinabgestiegen sind. ‎Es sah so aus, als würde der Weg nur oberhalb des Wasserfalls vorbei führen, so ‎daß man das Wasser gar nicht hätte fallen sehen. Das muß ich beim nächsten Mal ‎unbedingt herausfinden.‎

© Wander-Foto

Irgendwann hatten wir genug und gingen zurück zum Auto. Eine kurze Fahrt über ‎den Ou Kaapse Weg und schon waren wir auf der anderen Seite auf dem nächsten ‎bewachten Parkplatz. Hier wurde nun alles ausgepackt, was man zu einem Braai ‎braucht. Wir beluden uns mit den Kühltaschen, der Kohle und dem Grillrost und ‎stiefelten los. Bereits nach wenigen Metern kamen wir zu einem kleinen See, um den ‎Holzstege herum führten. Und plötzlich waren rechts und links die herrlichsten Braai-‎Plätze aus Natursteinen am Ufer und am Hang verteilt, abgetrennt durch Bäume und ‎Büsche. Wir suchten uns ein lauschiges Plätzchen im Schatten und die Jungs legten ‎los. Es dauerte nicht lange, da waren Steaks und Boerewors, Hühnerbeinchen und ‎gefüllte Baguettes, Weißkrautsalat mit Möhren, Nudelsalat, Tomaten und Zwiebeln ‎auf unseren Tellern und Getränke aus der Kühltasche in den Bechern. ‎

Inzwischen waren auch einige der benachbarten Braai-Plätze besetzt, zumeist von ‎Familien aus mehreren Generationen. Beim Händewaschen im See habe ich es ‎dann gesehen: Der See war nicht nur am gegenüber liegenden kleinen Sandstrand ‎zum Baden geeignet, nein, auch auf unserer Seite planschte man eifrig im Wasser. ‎Besonders den Kindern hat es Spaß gemacht. Wir konnten nur bedauern, keine ‎Badesachen mitgenommen zu haben.‎

Braai in Silvermine – das ist Erholung pur. Ich kann es nur vermuten aber ich glaube, ‎daß meine Mitschülerin und ich die einzigen Touristen dort waren. Wie hieß es schon ‎in der Maggi-Reklame? „Das machen wir bald mal wieder“.‎

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Urlaub in Kapstadt – ohne Mietauto‎

Ein Reisebericht zu Kapstadt- Teil 1

(Autorin: Annemarie Köster)

Oft wird behauptet, es gebe in Kapstadt keinen öffentlichen Nahverkehr, weshalb man unbedingt ein Mietauto brauche. Das stimmt so nicht ganz. Da ich 2007 für Kapstadt kein Ausflugsprogramm gebucht hatte und meine Gastmutter nicht über Gebühr als „Taxi“ in Anspruch nehmen wollte, habe ich den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Natürlich beziehen ‎sich meine Erfahrungen mit Zug, Bus und Minibus-Taxi nur auf Zeiten mit Tageslicht. Das ‎endete leider schon zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr. Danach brauchte man gute Freunde ‎mit Auto oder ein Taxi.‎

© Im Zug

Ostermontag bin ich nach Simonstown gefahren – Pinguine gucken. Der Fahrkartenschalter ‎am Bahnhof Newlands ist an Sonn- und Feiertagen nicht besetzt. Man wartet also während ‎der Zugfahrt auf den Schaffner, um eine Fahrkarte zu kaufen. (manchmal kommt sogar einer). Von einem Security Guard (die gibt es auf jedem Bahnsteig und auch oft in den Zügen) ‎habe ich mich durch den Fußgängertunnel zum anderen Bahnsteig begleiten lassen. Es war ‎noch recht früh am Morgen und kaum Reisende zu sehen. Auch der Zug war ziemlich leer ‎und das gefiel mir nicht so sonderlich.‎

In Simonstown gibt es Rikki-Taxis, die vom Bahnhof zu den Pinguinen fahren. Das Glück ‎hatte ich leider nicht, einen freien Platz zu erwischen. Bis zum Badestrand bin ich von der ‎Ortsmitte mit einem normalen Taxi gefahren und dann etwas oberhalb des Wassers einen hölzernen Pfad entlang gelaufen. Im Gebüsch gab es massig Pinguine zu sehen. Der Pfad ‎endete am offiziellen Eingang zum „Pinguin-Strand“.

Den Weg zurück zum Bahnhof kannte ‎ich von der Taxifahrt. Es war keineswegs zu weit und komplett schattig, was ich an dem Tag besonders wohltuend fand. In Simonstown waren auch genügend Geschäfte geöffnet, um ‎sich ein wenig umzusehen. ‎ Auf dem Rückweg habe ich in Kalkbay Station gemacht, um ein zweites Mal im Schirocco ‎‎(ein Restaurant am Bahnhof komplett im Freien, nur die Toilette hat Wände, Tür und ein ‎Dach) meinen Lunch zu essen und anschließend mal wieder durch die zahlreichen Trödel- ‎und Antiquitätenläden zu bummeln.‎

An einem Sonntagnachmittag bin ich zusammen mit meinem Hostbruder aus Angola nach ‎Falsebay gefahren zum Konzert eines Sängers, der Filmschlager aus alten amerikanischen ‎Filmen dargeboten hat. In Muizenberg hatten wir unseren Lunch und haben dabei das ‎Strandleben beobachtet. Das Masque Theatre befindet sich unmittelbar am Bahnhof Falsebay und so war der letzte Zug bei Tageslicht bequem zu erreichen. Am Wochenende gibt es ‎immer Nachmittagsvorstellungen, die sich aber nur durch ihren geringeren Preis von denen ‎am Abend unterscheiden. Wenn man nur zum Strand will, steigt man natürlich direkt am ‎Bahnhof Muizenberg aus.‎

An einem Montagnachmittag war ich zu einer Geburtstagsparty in Fischhoek eingeladen. ‎Auch das war bequem per Zug zu erreichen. Ich war zwar die Einzige, die in Fishhoek zu ‎Fuß unterwegs war, habe mich aber keineswegs unsicher gefühlt. Einheimische hatten mir ‎zuvor versichert, daß man im „Rentnerdorf“ Fischhoek am Tage gefahrlos herumspazieren ‎kann.‎

Um an die Waterfront zu kommen, habe ich den Zug bis Cape Town Station benutzt und bin ‎dann vor dem Bahnhof in den Golden Arrow Bus umgestiegen. ‎

© Im Linienbus

Für die Fahrt zum Baxter Theatre auf dem Universitätsgelände kann man den Bus ebenfalls ‎benutzen. Busfahrer sind freundliche Leute und halten schon mal da, wo man aussteigen ‎möchte. Für die Rückfahrt muß man dann aber ein Taxi bestellen. Das ist eine Erfahrung ‎meiner Gastmutter. Selbst ausprobiert habe ich es nicht, weil ich immer eine Mitfahrgelegenheit hatte und tagsüber auch schon mal zu Fuß gelaufen bin.‎

Wenn‘s mal schnell in die Stadt gehen sollte, habe ich ein Minibus-Taxi bevorzugt. Es gab ‎die schnellen – zwischen Cape Town Station und Claremont ohne Zwischenstop – oder die ‎interessanten durch die Vororte, die auch der Zug passiert. Das einzige, worauf ich geachtet ‎habe war, daß immer genügend Leute im Taxi saßen bevor ich eingestiegen bin. Mit Fahrer ‎und Kassierer allein oder vielleicht nur ein bis zwei Fahrgästen wäre ich sicher nicht gefahren. Das war aber an einem Wochentag nachmittags sowieso nicht zu erwarten.‎

© Red Bus Rundfahrt

Eine gute Sache waren auch die Sightseeing-Busse, sogenannte Red Buses, die eine „rote“ ‎und eine „blaue“ Runde durch die Stadt fahren. Nach einer wunderschönen Wanderung von ‎ca. 45 Minuten am Sonntag Vormittag habe ich am Tor 2 des Botanischen Gartens Kirstenbosch den Bus der blauen Route bestiegen und bin erst mal nur eine Station bis zur World of ‎Birds mitgefahren. Es ist nunmehr kein reiner Vogelpark mehr sondern beherbergt auch kleine Äffchen (mit denen man zum Teil spielen kann), Meerschweinchen, Schildkröten, Alpakas ‎und vieles mehr. Nach zwei Stunden habe ich die Fahrt dann fortgesetzt, um nach einer gemütlichen Rundfahrt mit 20 Minuten Aufenthalt in Hout Bay am Hafen wieder nach Kirsten-‎bosch zurück zu kommen. (Meinen schönen neuen Paß der „Republik of Hout Bay“, den ich ‎mit dem Busticket, das auch andere Vergünstigungen enthält, bekommen habe, wollte aber ‎niemand sehen). Die Rundfahrt kostete zumindest weniger als ein Taxi zum Vogelpark und ‎zurück.‎

Die rote Route führt unter anderem auch zur Talstation der Tafelberg-Seilbahn. Meine einzige Zusteigemöglichkeit wäre an der Waterfront gewesen. Es soll allerdings auch funktionieren, den Bus einfach am Bahnhof anzuhalten, aber darauf habe ich mich dann lieber doch ‎nicht verlassen. Der erste Red Bus kam vormittags leider so spät an der Talstation an, daß ‎ich – Wartezeit an der Seilbahn eingerechnet – kaum Zeit auf dem Berg gehabt hätte bevor ‎ich die Rückfahrt antreten mußte. So habe ich diesmal auf den Tafelberg und auch auf die ‎gesamte rote Route verzichtet. Es muß ja auch noch was für die nächste Reise bleiben.‎

Für einige Tage in Kapstadt gibt es also wirklich genug zu sehen, was man mit öffentlichen ‎Verkehrsmitteln erreichen kann.‎

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