Schlagwort-Archive: Architektur

„Afrika als Fülle von Möglichkeiten begreifen“

Im Interview mit Barbara Schirpke, Herausgeberin des Online-Mediums AfroPort

(Autor: Ghassan Abid)

    © Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums "AfroPort", das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

© Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums „AfroPort“, das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Schirpke, Herausgeberin von AfroPort, das deutschsprachige Afrikaportal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Wofür steht das seit Mai 2004 betriebene Online-Medium?

Antwort: AfroPort ist das deutschsprachige AfrikaPortal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Das sagt schon viel. Vielleicht ergänzend: Es sind über 200 Themen – von Ausstellungen, über Konzerte, Festivals, Galerien, Museen, Restaurants, Autoren, Maler, Musiker, Bands, und auch Medien wie Bücher, CDs, Filme, TV-Tipps – bis zu Geschäftsleuten, Schulen, Unis oder Vereinen. Ziel war es eine Plattform zu schaffen, die möglichst alles Afrikanische im deutschsprachigen Raum abbildet und so Austausch und Kommunikation, aber auch Kennenlernen und ganz persönliche Besuche fördert oder sogar erst ermöglicht.

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Deutsches Architekturprojekt in Südafrika

Im Interview mit Bernadette Heiermann, Architektin und RWTH-Mitarbeiterin

(Autor: Ghassan Abid)

© Bernadette Heiermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

© Bernadette Heiermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Bernadette Heiermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Welche Aufgaben hat die Baukunst zu erfüllen?

Antwort: Behutsamen Umgang mit dem Ort, seiner Geschichte und Identität, mit dem Raumprogramm und seinen Anforderungen, Konstruktion und Materialisierung, Schönheit und Poesie.

Im Zusammenhang mit unseren Gebäuden in Südafrika bedeutet dies, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Konstruktionen und Materialien verwenden, die lokal und nachhaltig sind. Wir beziehen Nutzer und Anwohner in Planung und Realisierung mit ein. Wir schaffen Räume, die möglichst mehrere Nutzungen erlauben und durch ihre Schönheit die Nutzer glücklich machen.

© Isometrie des von der RWTH Aachen gebauten Kindergartens „Hamlet Crèche“ in Südafrika. (Quelle: RWTH Aachen)

© Isometrie des von der RWTH Aachen gebauten Kindergartens „Hamlet Crèche“ in Südafrika. (Quelle: RWTH Aachen)

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Onkel Ali und die Nizamiye Moschee

Größtes islamisches Gotteshaus in der südlichen Hemisphäre für 24 Millionen Euro erbaut.

(Autor: Ghassan Abid)

Zwischen Pretoria und Johannesburg gelegen, in Midrand, erstrahlt seit Kurzem ein prachtvolles Gotteshaus. Die Nizamiye Moschee mit ihren 55 Meter hohen Minaretten zählt bereits jetzt schon zu den sehenswerten Gebäuden in der größten südafrikanischen Metropole. Für 250 Millionen Rand, also umgerechnet 24 Millionen Euro, ist mit der Moschee der Grundstein für die größte islamische Einrichtung in der südlichen Hemisphäre gelegt worden.

© Nizamiye Moschee in Johannesburg. Die Baukosten betrugen 24 Millionen Euro. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Nizamiye Moschee in Johannesburg. Die Baukosten betrugen 24 Millionen Euro. (Quelle: flickr/ markStraw)

Tausende Touristen besuchen jede Woche die Nizamiye Moschee. Inspiriert von türkischem Design – vom Teppich bis hin zu den Fenstern – und handgemachten Wandfliesen mit Blumenmustern, erlebt Südafrika eine architektonische Neuheit. Allein der Türeingang besteht aus 23,9 Karat Gold und ist somit ein Blickfang. Der Style entspricht türkischen Motiven des 16. Jahrhunderts, welche durch Mimar Sinan geprägt sind.

© Die Minarette sind 55 Meter hoch. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Die Minarette sind 55 Meter hoch. Insgesamt wurden 4 solcher Türme aufgestellt. (Quelle: flickr/ markStraw)

Im Oktober 2009 begannen die Arbeiten an der Moschee. Ali Katircioglu, ein 65-jähriger Geschäftsmann aus der Türkei, finanzierte zu einem erheblichen Teil den Bau. Für dieses Vorhaben flog der reiche Türke regelmäßig zwischen Südafrika und der Türkei. Sein Anliegen war es, dass auch am Kap ein islamisches Gotteshaus den Betenden und den Gästen zur Verfügung gestellt werden sollte. Ahmed Shabbir Bham, ein muslimischer Architekt aus Südafrika, verwirklichte den Traum von “Onkel Ali”, wie der Türke in Johannesburg auch gerne genannt wird.

Es wird geschätzt, dass in Südafrika rund 656.000 Muslime leben, was 1,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung ausmacht. Vor allem die Anzahl junger Männer, die zum Islam konvertieren, steige stetig.

eNCA-TV-Beitrag zur Nizamiye Mosque

Um die Moschee herum finden sich bislang noch Baustellen. Geplant sind ein Shopping Center, eine Grundschule, eine Klinik und eine Muslimische Universität. Im September 2012 werden diese, abgesehen von der Hochschule, eingeweiht. Präsident Jacob Zuma soll der Eröffnung dieser muslimischen Einrichtungen beiwohnen, heißt es aus muslimischen Kreisen.

Die meisten Muslime leben in den Provinzen Gauteng, am Westkap und in KwaZulu-Natal. Seit 1658 ist der Islam mit der Einwanderung von Muslimen aus Malaysia am Kap präsent.  Sie sollten als Zwangsangestellte, besser bekannt als „Mardyckers“, den Besitz und Eigentum holländischer Kolonialisten schützen. Die Religionsausübung war diesen Sklaven jedoch verboten worden. Sogar die Todesstrafe soll nach historischen Überlieferungen angewandt worden sein. Mit Gelehrten wie Scheich Yusuf und Tuan Guru errang die südafrikanische Muslimgemeinde internationale Beachtung.

© Die Moschee besteht hauptsächlich aus Materialen aus der Türkei. "Onkel Ali" finanzierte das Vorhaben größtenteils. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Die Moschee besteht hauptsächlich aus Materialen aus der Türkei. „Onkel Ali“ finanzierte das Vorhaben größtenteils. (Quelle: flickr/ markStraw)

Erst ab 1798 wurden die ersten Moscheen in Südafrika legalisiert, beginnend in Kapstadt. Im 19. Jahrhundert konnte durch die Tolerierung der britischen Herrschaft eine ganze muslimische Gemeinschaft am Kap aufgebaut werden. Während der Apartheid verließen die Muslime ihre Passivität und schlossen sich weitgehend dem politischen Widerstand an.

© Arabische Schriften und Blumenmuster zieren den Innenraum des Gotteshaues. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Arabische Schriften und Blumenmuster zieren den Innenraum des Gotteshaues. (Quelle: flickr/ markStraw)

Obwohl die Muslime eine Minderheit in Südafrika stellen, ist ihr Einfluss umso beachtlicher. Mehrere Parlamentarier und Minister fühlen sich dem Islam zugehörig. Kerstin von Bremen von der Konrad-Adenauer Stiftung kommt unter anderem zum Ergebnis, dass in Kapstadt, Durban und Johannesburg die einflussreichsten muslimischen Südafrikaner leben. Sie pflegen bisweilen beste Kontakte zu Politik, Medien und Wirtschaft einerseits und zu anderen muslimischen Gemeinschaften im Ausland andererseits. Der populärste Muslim ist Ebrahim Rasool, ehemaliger ANC-Vorsitzender sowie Premierminister des Westkaps. Gegenwärtig ist er Botschafter von Südafrika in den USA. Islamophobie taucht nur in vereinzelten Fällen auf.

Johannesburg-Bloggerin Laurice Taitz im Interview

Eine Frau über ihr Engagement für ein „schönes Johannesburg“

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Johannesburg ist eine Stadt, die mit vielen negativen Begleiterscheinungen einer Metropole in Verbindung gebracht wird – Kriminalität, Rassismus, Verkehrschaos, Armutsviertel und Arbeitslosigkeit. Laurice Taitz hingegen bloggt nur Positives aus und zu Jo´burg. Sie liebt ihren Wohnort, den man aus verschiedenen Perspektiven her betrachten müsse. Arme und Reiche leben hier beinahe nebeneinander. Viele Gesellschaften sind in einer Gesellschaft integriert. Die einstige Goldgräberstadt hat sich zu einer riesigen Heimat von Millionen von Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Sozialschicht und Nationalität entwickelt. Die Innenstadt mit dem Constitution Hill, dem Verfassungsgerichtshof Südafrikas, bewertet die Bloggerin als schönsten Ort Johannesburgs. Ebenso faszinieren sie die seit hundert Jahren bestehende Public Library, die öffentlichen Kunstinstallationen, das künstlerisch-hippe Viertel Maboneng, die Shopping-Straßen unweit der Diagonal Street und das äthiopische Viertel im Osten der Stadt. „Die Stadt ist voller Gegensätze und Plätze, die es zu entdecken gilt“, sagt Laurice. Und dennoch bevorzugen Europäer eher Kapstadt aufzusuchen. Sie selber war bereits zweimal in Deutschland und auch in Berlin. Die deutsche Hauptstadt beneidet sie für ihre schöne Architektur. „Es ist ein Ort, welcher viele Lektionen für Südafrika bereithält“, hält sie abschließend fest.

© Johannesburg is offering a reams of public arts (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© Johannesburg is offering a reams of public arts (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

© Laurice Taitz, Blogger from Johannesburg

© Laurice Taitz, Blogger from Johannesburg

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – the German Gateway to South Africa – the in Johannesburg based blogger Laurice Taitz.

You started your blog „nothing to do in joburg besides…“, in which you present a cultural view on this megacity. What is Johannesburg standing for?

Answer: Johannesburg is a city on the move. It was founded on a gold rush and it remains true to that, a city that in parts flashes its wealth and that also hides a rich seam of gold. It can be a difficult place to get to know but for me it’s a vibrant urban African metropolis.

2010sdafrika-editorial staff: Which is from your point of view the most beautiful place in Johannesburg and for which reason?

Answer: The inner city is the most beautiful place because every time I am there I see that the huge efforts to revive it are showing results. Some of my favourite sites include: Constitution Hill, where the values of one of the most progressive constitutions in the world are brought to life each day; Johannesburg’s newly-renovated Public Library, a 100-year-old architectural masterpiece; the city’s growing collection of public art; the up-and-coming hip urban district of Maboneng; the maze of shopping streets of old Johannesburg around Diagonal street; the Ethiopian district on the east side of the city; and Braamfontein’s lively streetlife.

Diagonal Street on Google Street View

The city is full of contrasts, and places to explore. And while you didn’t ask, the second most beautiful place is Johannesburg’s suburbs in spring when the jacaranda trees are in bloom and this tree-lined city is full of purple blossoms.

© The Public Library in Johannesburg (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© The Public Library in Johannesburg (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: You demonstrate on your blog mostly lovely sights of Johannesburg. Why aren´t you writing on difficult topics like crime, poverty, xenophobia or corruption?

Answer: While I focus on what I love about the city and what it has to offer I never shy away from dealing with its less comfortable aspects, as these are part of the city’s challenges. As a former political reporter I am also acutely aware of giving readers the full story. I just don’t dwell on it because I see enormously positive changes taking place.

© Johannesburg is the home of different cultures (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© Johannesburg is the home of different cultures (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: Today, South Africa has developed a huge blogging scene. How would you evaluate the importance of blogs for the public opinion making process in South Africa?

Answer: I think that particularly the Joburg blogs that have emerged are helping to shape a new perception of the city for locals and foreigners. So many voices, filled with pride, in exploring a city, discovering its secrets and creating a sense of belonging from diverse perspectives.

2010sdafrika-editorial staff: Johannesburg is a big cosmopolitan city with many cultures and nationalities. Do you think that in Joburg is one society or rather several societies living side by side?

Answer: It depends where you stand. You can choose a pocket of the city and never see what’s beyond that corner but I think Joburg is many societies in one. A place where rich and poor live side by side, not always easily, and where people from all over Africa and the world congregate. The mix is what makes this city exciting.

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2010sdafrika-editorial staff: The most Germans and Europeans are preferring to live in Cape Town as in Johannesburg. How far could you understand this decision and which pros is Joburg providing?

Answer: I think people from Europe are easily seduced by Cape Town’s incredible beauty and promise of a cosmopolitan lifestyle. Who isn’t? But saying that, Joburg has a perceptible pulse all year round, and that makes it an exciting place to be with its mix of people, cultures, commerce and arts.

2010sdafrika-editorial staff: Which perception do you have from Germany and Germans?

Answer: I have visited Germany twice and each time been struck by a country that has rebuilt itself into a modern and dynamic society and that continues to deal with its past but is looking to its future. It is a place that has many lessons for South Africa. I also fell in love with Berlin’s incredible architecture and hope to visit again soon.

© A spirit mix of religion and arts in Jo´burg (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© A spirit mix of religion and arts in Jo´burg (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: Laurice Taitz, blogger from Jo´burg, thank you very much for this urban interview!

2010sdafrika-Interview mit dem Architekten Luyanda Mpahlwa zur Johannesburger Städtekultur:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/16/johannesburg-im-architektur-boom/

Zapiro im Exklusiv-Interview

4.000 Cartoons und 15 Bücher. Johnathan Shapiro über sein Leben, Meinungsfreiheit und Politik

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

© Johnathan Shapiro alias Zapiro, Südafrika´s einflussreichster und provokantester Cartoonist. Er stand bereits mehrfach in Konflikt mit der Regierung.

Egal in welche südafrikanische Zeitung man schaut, man wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine von Zapiro gezeichnete Karikatur finden, die die Politik Südafrikas kommentiert. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Cartoon, der den derzeitigen südafrikanische Präsidenten Jacob Zuma mit einem Duschkopf über seinem Haupt zeigt; in Anspielung auf seine Aussage, er habe nach dem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Frau geduscht. Zapiro, geboren 1958 in Kapstadt als Jonathan Shapiro, ist zur Zeit der berühmteste Cartoonist Südafrikas. Seine Zeichnungen erscheinen im Mail and the Guardian , der Sunday Times und der Times. Außerdem wurde seine Kunst bereits in Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt und er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

© Karikatur von Zapiro: Präsident Jacob Zuma glaubt AIDS wegduschen zu können. Die Zeichnung basiert auf eine Aussage Zuma´s.

Zapiro entdeckte seine Leidenschaft für das Zeichnen bereits als Kind, als er in einer Art Selbsttherapie die Monster aus seinen nächtlichen Albträumen malte. Auf diese Weise überkam er diese Träume und genoss zugleich die Malerei. Seit diesem Zeitpunkt war es sein Traum, Künstler zu werden. Er nahm an Zeichenwettbewerben teil und war in der Schülerzeitung aktiv. Für diese erfand er den kleinen ,,Prepi”, der alles kommentierte, was in der Vorschule passierte.

Mit Politik kam Zapiro dann auch als bald in Kontakt. Schon im jungen Alter machte ihn seine Mutter darauf aufmerksam, dass sie in einer ,,falschen” Gesellschaft leben würden. Seine erste, ,,so in der Art„ politische Erfahrung hatte er als Verwoerd1 ermordet wurde und er mit den anderen Kindern in seiner Schule für diesen beten sollte. Zapiro erinnert sich daran, dass er verwirrt war und sich dachte ,,Hey, dieser Typ war nicht gut!”. Im weiteren Verlauf seiner Schulzeit war er stets auf Kriegsfuß mit dem Trend, Apartheid zu unterstützen, welcher sogar unter den englischen Südafrikanern geherrscht habe. Allerdings war er während dieser Zeit noch nicht politisch aktiv. Nach der Schule studierte Zapiro Architektur; nicht weil er sich für das Fach interessierte, sondern um zu verhindern, in die Armee eingezogen zu werden. Als er sich dann dazu entschloss, Grafikdesign zu studieren, um ein Cartoonist zu werden, wurde er einberufen. Bei der Armee verweigerte er eine Waffe zu tragen. Also musste er stattdessen eine schwere Holzattrappe mit sich ,,herumschleppen“ und wurde zum Gespött seiner Kollegen. Einmal habe er sogar mit der Attrappe Wache stehen müssen, was er als absolut lächerlich empfand.

Jedoch konnten seine Kollegen nicht lange über ihn lachen, denn er zeigte ihnen, wie gut er mit der schweren Attrappe umgehen konnte, indem er all das tat und meisterte, was seine Genossen mit ihren Waffen bewerkstelligen mussten. Dies war seine Art zu rebellieren und seine politische Botschaft zu verbreiten. Man habe geglaubt, er sei ein Kommunist und er wurde als gefährlich angesehen. Zu der Zeit war Zapiro noch nicht politisch aktiv, da die UDF (United Democratic Front) erst ein Jahr nach seinem Einzug in die Armee gegründet wurde. Als diese dann ins Leben gerufen wurde, wollte er unbedingt mitwirken. Ebenso taten es seine Mutter, seine Schwester und viele seiner Freunde. Plötzlich gab es da diese ,,non-racial“ Gruppe, die sich für sie richtig anfühlte: Viel offener und viel stärker mit der nationalen Politik verbunden. Es gab auch eine Verbindung mit dem ANC (African National Congress), allerdings wollte er nicht mit diesem involviert sein oder gar darüber sprechen, denn würde dies ,,ans Licht kommen„ wäre es gefährlich geworden. Letztendlich kam es sogar dazu, dass er und einige seiner Familienmitglieder in Gewahrsam genommen wurden.

© Karikatur von Zapiro: Das Gerechtigkeitssystem in Form einer Frau wird von ANC, ANCYL, SACP und Gewerkschaft COSATU zu Boden gedrückt, während Präsident Jacob Zuma seine Hose zum bevorstehenden "Akt" öffnet - zur Vergewaltigung.

Zapiro wollte jedoch nie ein Politiker werden. Er sieht einen großen Unterschied zwischen jemandem, der professionell Politik betreibt und einem politischen Aktivisten. Seiner Meinung nach hätten es nur wenige Leute gemeistert, die Ideale ,welche sie im Kampf gegen die Apartheid hatten, beizubehalten. Der Rest der Leute sei korrupt und bequem geworden; nur ihren persönlichen Gewinn im Blick habend. Auch hätten sich einige gegen die Leute gewendet, welche sich außerhalb der Partei für gute Dinge engagiert hätten. ,,All dies würde ich hassen„, so Zapiro. Seiner Ansicht nach braucht das Land jene Leute, die Politiker werden und sowohl konzentriert bleiben als auch altruistisch und nicht korrupt sind. Allerdings brauche Südafrika auch eine Zivilgesellschaft und die Medien. Deshalb sieht Zapiro seine beste Rolle als visueller Kolumnist und zu einem kleinen Teil auch als Aktivist. Um seine Zeichnungen zu Papier bringen zu können, bedarf es natürlich einer Menge Recherche über die Politik. Hierfür hört Zapiro viel Radio, liest viele verschiedene Zeitungen und nutzt das Internet. Auch zeichnet er einige Sachen im Fernsehen auf. Insgesamt erhält er somit diverse Darstellungen desselben Themas und kann sich seine eigene diesbezügliche Meinung bilden.

Zapiro erklärt, dass Cartoons hauptsächlich Gedanken und Kommunikation seien, quasi 80% Idee und 20% Zeichnung. Man könne der beste Künstler überhaupt sein – das helfe nicht, wenn die Idee hinter der Zeichnung schwach sei. Andererseits, wenn die Botschaft eine starke sei, dann würde die Zeichnung nur einen kleinen Teil des Cartoons ausmachen. Als Beispiel bezieht sich Zapiro auf einen sehr starken, seiner Meinung nach einer seiner besten Cartoons, welcher eigentlich nur eine weiße Seite zeigte mit dem Untertitel „Weiße, die nie von der Apartheid profitiert haben“. Er habe den Cartoon deshalb gemacht, weil er es Leid gewesen sei, dass ein Teil der weißen Bevölkerung bestritt, von der Apartheid gewusst und von dieser profitiert zu haben; für diese verantwortlich gewesen zu sein.

© Karikatur von Zapiro: Weiße Südafrikaner haben von der Apartheid profitiert.

Mit seinen Karikaturen möchte Zapiro die Menschen zum Denken anregen. Vielleicht würden manche Leute sagen „Hey, das ist genau, was ich meine, ich wusste es nur nicht auszudrücken.“ Allerdings sei es nicht seine Absicht, nur die Menschen anzusprechen, welche genau so denken würden wie er; dies würde seiner Meinung nach keinen Sinn ergeben. Manche Leute stimmen ihm zu, manche nicht. Zapiro will auch nicht diejenigen überzeugen, die komplett anders denken als er. Seine Hauptzielgruppe seien die Leute „der Mitte“, welche er mit etwas Überzeugungskraft zu einer neuen Denkweise bewegen könne.

Auf die Frage, zu welchem durch die Gesellschaft oder Politik ,,verbotenen„ Thema er gerne einen Cartoon machen würde, antwortet er , dass er sich nicht sagen lassen würde, worüber er zeichnen könne und worüber nicht. Es sei vielmehr er selbst, der sich von sich aus zurückhalte, wenn es um ein bestimmtes Thema gehe. Er mag es nicht, Menschen extrem zu beleidigen, wenn diese verletzlich seien. Dennoch sei sein Toleranzbereich bezüglich über welches Thema man einen Cartoon zeichnen könne, doch noch viel größer. Wenn er der Auffassung sei, jemand greife andere Menschen an, dann nehme er kein Blatt vor den Mund. Zum Beispiel empfindet er, dass Religion eine großes Ausmaß an Schaden angerichtet habe in Bezug auf homosexuelle Menschen und Frauen. Auch habe sie die Verbreitung von HIV gefördert. Diesbezüglich würde er wirklich hart gegen die hierfür verantwortlichen Personen an der Macht vorgehen.

Zapiro fährt fort. Er habe Cartoons gemacht , die andere Menschen als extrem beleidigend empfunden hätten. Es sei sehr schwierig, sich mit bestimmten Themen rund um Tradition und Kultur in seinen Cartoons auseinanderzusetzen. Denn es gebe Menschen, die diese Themen in einer Weise behandeln würden, als handele es sich um Religion. Und gerade zurzeit käme es sehr oft vor, dass Cartoons absichtlich missinterpretiert würden, um jemanden als Rassisten darzustellen, der gar keiner ist.

Zapiro bekommt nicht nur positive Rückmeldungen bezüglich seiner Arbeit. Präsident Jacob Zuma habe ihn schon verklagt, weil er über ihn in seinen Cartoons gezeichnet hat. Zapiro glaubt an die südafrikanische Verfassung und das diese stark genug sei, Meinungsfreiheit zu schützen. Zapiro erklärt, dass seine eigene Politik sich nicht geändert habe, aber jene von einigen Menschen in Machtpositionen. Und er sei froh, dass er nicht so eingeschränkt sei wie diese, wenn es darum ginge, das zu sagen was denkt. Wenn er an etwas glauben würde, würde er sich dafür einsetzen und sagen was er glaubt.

Ich spreche Zapiro auf die Meinung einiger Leute in Südafrika an, welche behaupten, eine Art ,,umgedrehte Apartheid„ sei im Aufschwung, in welchem schwarze Südafrikaner gegenüber den anderen Kulturen dominieren würden. Zapiro antwortet, dass dies eines der Themen sei, wo er entweder in die eine oder andere Diskussion einsteigen würde, abhängig davon, wer sein Gesprächspartner sei. Einerseits, wenn er mit seinen alten Kameraden sprechen würde, dann würde er sich tierisch aufregen über das Ende von ,,non racialism“ und das Aufkommen von einer gewissen Form von Nationalismus und Elitismus. Andererseits, wenn er mit solchen weißen Südafrikanern sprechen würde, die während Apartheid nie etwas mit Politik zu tun gehabt hätten und sich auf uninformierter Art und Weise darüber aufregen, wie schlimm alles sei und dass es einen ,,umgekehrten Rassismus„ gäbe, dann führe er eine komplett andere Diskussion. Er würde versuchen, ihnen zu erklären, wie viel besser die Dinge jetzt seien. Er sagt, es gäbe immer noch einen bestimmten Rassismus innerhalb der weißen Bevölkerung. Und nach wie vor seien es immer noch vor allem weiße Menschen, die an der Spitze der Macht in vielen wichtigen Bereichen seien. Er denkt, dass die sogenannte ,,affirmative action„ nicht immer fehlerlos praktiziert würde und er sei die letzte Person, die sage, dass alles in Ordnung sei. Aber zu behaupten, die Dinge seien genau wie zu Apartheidszeiten, nur umgedreht, sei nicht wahr, sondern absoluter Blödsinn.

In Bezug auf Julius Malema`s Gesang ,,Kill the Boers„ (Tötet die Buren) sagt Zapiro, dass sein Verhalten ,,krass „ und falsch gewesen sei. Der Song stamme aus der Apartheidsära und habe eine metaphorische Bedeutung. Er sei gegen das System der Apartheid gerichtet gewesen; für die Zerstörung dessen. Ein Kampf gegen die Polizeikräfte und solche Farmer, die andere Leute brutal angegriffen und umgebracht haben. Damals sei der Song verständlich gewesen. Aber den Song heutzutage zu singen, so Zapiro, sei falsch. Es sei der Versuch, eine desillusionierte Jugend zu mobilisieren, weil der ANC es nicht geschafft habe, seine Versprechen zu halten und jetzt die Wut dieser Jugend auf die Leute richten will, welche heutzutage nicht mehr unbedingt die Attackierenden darstellen; zumindest nicht in dem Ausmaß wie zuvor. Allerdings glaubt Zapiro nicht, dass man einen Song verbieten könne. Er empfindet die Entscheidung des höchsten Gerichts in Südafrika demnach als falsch. Als Unterstützer der Meinungsfreiheit kann er dem nicht zustimmen. Man könne jemanden politisch-opportunistisch nennen ohne ihm das Singen des Liedes zu verbieten. Es sei viel komplizierter als dass man einfach sagen könne: Julius Malema sei äquivalent zu dem was Terre Blanche2 war. So funktioniere das nicht. Zapiro sagt, er habe Cartoons gemacht, die die Entscheidung des Gerichts kritisiert haben. Er stimme der Definition von Hassrede zu, welche von der Menschenrechtskommission und der UN beschlossen wurde und finde, dass Hassrede verhindert werden sollte. „ Diese Definition würde beinhalten, dass es eine Verbindung zwischen einem Mord und einer vorausgegangen Aufforderung, wie zum Beispiel eine Rede, ein Lied oder ein Schreiben geben würde. Aber er denke nicht ,, dass Leute andere Menschen auf Grund dessen umgebracht haben, was Julius gesagt hat 3

Slideshow zu Zapiro-Karikaturen mit HIV/AIDS-Bezug

Zapiro sagt weiterhin, dass es auch Beschwerden über seinen ,,Lady Justice-Cartoon“ gegeben hatte und die Menschenrechtskommission ihn diesbezüglich freisprach, da diese meinte, sein Cartoon ermutige keinen Menschen dazu, einem anderen etwas anzutun. Es sei eine Metapher über Zumas Verhalten gegenüber der Justiz gewesen. Meinungsfreiheit ist Zapiro sehr wichtig. Wenn also jemand sagen würde, man solle den Song, gesungen von Malema, verbieten, so müsse man auch seine Cartoons verbieten, denn beides könne in einer Art und Weise als ,,falsch“ interpretiert werden.

Was wünscht sich Zapiro für das neue Südafrika. Er erinnert sich an Desmond Tutu´s Idee der Regenbogennation, während der ,,inconscription campaign“ in 1985. ,,Es war etwas idealistisch.„ Tutu wünschte sich eine politische Bewegung in Form einer Regenbogenkoalition, die gemeinsam für Freiheit, ,,non-racialism“ und Demokratie kämpfen würde. Leider habe Südafrika seit Apartheidsende nur wenige solcher Regenbogenmomente zeigen können, wie zum Beispiel die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995. Er sagt, dass er früher gedacht habe, die weiße Bevölkerung sei hauptsächlich dafür verantwortlich; sie habe sich nicht entschuldigt und keine Verantwortung gezeigt. Er glaube immer noch, dass sie eine sehr große Verantwortung dafür trage, allerdings denke er jetzt, dass viel mehr hätte erzielt werden können, wenn der ANC nicht so ,,fett, bequem und korrupt„ geworden wäre. Und wenn die Leute ganz oben nicht eine kleine Elite promoten würden, sondern versuchen würden, die Lücke zwischen Arm und Reich zu schließen. Nur dann könne man eine Art ,,Versöhnung” haben. Vieles sei nach den Anhörungen der ,,Truth Reconciliation Commission“ ungelöst geblieben. Das Wichtigste sei, die Ungerechtigkeiten in diesem Land zu beseitigen. Südafrika sei das Land mit der größten Ungleichheit zwischen den Menschen; es läge sogar hinter Brasilien. Und das sei skandalös nach 17 Jahren nach Einführung der Demokratie.

Was wünscht sich Zapiro für seine eigene Zukunft, was sind seine Pläne. Für den Moment und solange er noch das Gefühl hat, etwas mitteilen zu können, möchte er weiterhin Cartoons zeichnen. In ferner Zukunft möchte er aber zu anderen Genres von Cartoons und Geschichtserzählungen übergehen. Er habe schon 4.000 Cartoons und 15 Bücher veröffentlicht; er wolle schließlich nicht dieselbe Sache für immer und ewig machen. Auch möchte er mehr Ausgeglichenheit erlangen, denn die Intensität, mit welcher er seine Zeichnerei betreibe, sei sehr einvernehmend . Er möchte einfach mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.

HERE YOU WILL FIND THE ENGLISH VERSION OF THIS INTERVIEW.

1 Er war der dritte Premierminister nach DF Malan und Jacob Strijdom

2 Gründer der Afrikaaner Widerstandsbewegung waehrend Apartheid; als weisser Suprematist angesehen

3 Diskussion in Südafrika über eine mögliche Verbindung zwischen Malema`s Singen des Songs ,,Kill the boers“ und dem Mord an Terre Blanche

Johannesburg im Architektur-Boom

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des Organisationskomitees der FIFA

(Autor:  Ghassan Abid)

© Architekt Luyanda Mpahlwa (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Heute in 25 Tagen wird die Spielbegegnung zwischen Bafana Bafana und der mexikanischen Nationalmannschaft im Soccer City Stadion in Johannesburg angepfiffen und die Fußball Weltmeisterschaft 2010 auf diesem Wege ihre Eröffnung finden. Beachtliche Summen hat die südafrikanische Regierung in die Infrastruktur des Landes investiert, doch ungeklärt bleiben die tatsächlichen Auswirkungen dieses Sportspektakels auf die Entwicklung der neun Ausrichterstädte.

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des „South African Local Organising Committee“ der FIFA in Südafrika, diskutierte während seines Berlin-Aufenthaltes im Mai 2010 mit uns Chancen und Herausforderungen der Fußball-Weltmeisterschaft für die größte Stadt Südafrikas: Johannesburg.

„Johannesburg ist eine Stadt, wo jeder Gold sucht“
Luyanda Mpahlwa erläuterte seine Arbeit im südafrikanischen Organisationskomitee, wonach Stadienfertigstellung, Kostenmanagement und die Erfüllung von FIFA-Richtlinien seine drei zentralen Anliegen waren. Geprägt von seinen Erlebnissen als Beobachter vor und nach der WM 2006 in Deutschland, erläuterte er die historische Entwicklung Johannesburgs. Als anfängliche Goldgräberstadt wurde Johannesburg 1886 offiziell gegründet und erhielt 1928 den Status einer Stadt. Mit gegenwärtig 3,9 Millionen Einwohnern und 13 gesprochenen Sprachen auf 1.645 km² Fläche, wächst diese Metropole hinsichtlich der Einwohnerzahl jährlich um 2,5 Prozent an.

Gegenwärtige Stadtentwicklung Johannesburgs durch die Apartheid geprägt

© Innenstadt von Johannesburg

Das besondere an dieser Stadt ist, dass diese mit Old Downtown, Sandton und dem Central Business District (CBD) gleich drei Zentren anzubieten hat, im Gegensatz zu Shanghai beispielsweise, welche nur ein Zentrum aufweist. „Der Immobilienmarkt bestimmt, wie sich die Stadt entwickelt“, begründete Mpahlwa diese Entwicklung, welche in Johannesburg deutlicher zu beobachten sei, als sonst wo in Südafrika. Zahlreiche Unternehmen verließen infolge der hohen Kriminalitätsrate die Innenstadt (CBD) und wanderten dementsprechend in den Norden Johannesburgs ab, während die sozialschwache Bevölkerung, mehrheitlich Bewohner aus den Townships, es vorzogen sich in der Innenstadt niederzulassen. Diese doppelte Migrationsbewegung ist vor allem im Hinblick auf die Apartheid zu bewerten. Denn der Norden mit seinen noblen Stadtteilen, z.B. Sandton oder Parktown, wird hauptsächlich durch weiße und wohlhabende Südafrikaner aufgesucht, während im Süden, z.B. Hillbrow oder Soweto, mehrheitlich Schwarze und Bedürftige leben müssen. Mpahlwa hob hervor, dass entlang der Autobahn M 1 eine große Wohndichte zu lokalisieren ist, die vor allem Arme mit  schwarzer Hautfarbe anzieht.

Bus Rapid Transit als große Chance
Lobenswert sind nach Ansicht Mpahlwas die zahlreichen Architekturprojekte in Johannesburg, etwa das „New Commercial Centre“, einem Business-Komplex in Sandton und das „Melrose Arch“, ein Wohn- und Shopping-Areal, welches als „Experimental New Urbanism“ Johannesburg ein neues Stadtbild verschaffen wird. Ebenfalls sei zur Kenntnis zu nehmen, dass in Johannesburg Projekte des „Inner City Regeneration“ umgesetzt werden, wonach in öffentlichen Gebäuden erneuerbare Energien ihren Einzug finden, wie z.B. beim Verfassungsgerichtshof (Constitutional Court of South Africa). Die „city squares“, das Einrichten von großen unbebauten Plätzen, ist jedoch nach seiner Ansicht zu bemängeln, „da man damit nicht umgehen kann“ und eine Kulturbelebung somit nicht möglich sei. Insbesondere die neuen Verkehrssysteme würden Johannesburg aus stadtentwicklungspolitischer Sicht wichtige Impulse verschaffen. Das für die Weltmeisterschaft eingerichtete „Transport Interchange“ oder „Bus Rapid Transit System (BRT)“ sind für die gesamte Entwicklung dieser Metropole als Chance aufzufassen, zumal beim letzteren die Stadtteile Sandton, Innenstadt und Soweto somit zum ersten Mal unmittelbar miteinander verbunden sind. Außerdem führte Mpahlwa einige „Legal Projects“ des Weltfußballverbandes FIFA an, vor allem das „Foot Centre in Soweto“ mit seinen vier Fußballfeldern, welches von bis zu 1.200 Clubs genutzt werden kann.


Ellis Park Stadion wird größte Auswirkung auf Stadtentwicklung entfalten
Das Soccer City Stadion in Soweto, als wichtigste WM-Stätte des Landes, ist für 4 Milliarden Rands gebaut worden, während das Ellis Park Stadion aufgrund von Umbaumaßnahmen Kosten in Höhe von 230 Millionen Rands veranschlagte. Bedingt durch die geographische Lage des Ellis Park Stadions, wird dieses nach Einschätzung Mpahlwas die größte Auswirkung auf die Entwicklung der Stadt Johannesburg entfalten.

Das Mitglied im South African Local Organising Committee der FIFA schloss seine Expertise hinsichtlich der WM-Vorbereitungen seines Landes äußerst optimistisch ab: „Ich bin ganz sicher, dass es [die WM] ein Erfolg werden wird, da alle Maßnahmen getroffen wurden, die nötig waren“.

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2010sdafrika-Artikel auf Kap Express veröffentlicht:

http://www.kapexpress.com/index.php?option=com_k2&view=item&id=254:johannesburg-im-architektur-boom

Mit freundlicher Unterstützung des Fotografen Danilo Bretschneider: www.dbretschneider.de.

 

„Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Events

Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, über WM-Effekte

(Autor: Ghassan Abid)

Am 11. Juni 2010 ist es soweit, wenn im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko angepfiffen wird. Für vier Wochen wird die mediale Aufmerksamkeit ununterbrochen auf die Regenbogennation, wie es mal der Erzbischof und Nobelpreisträger Desmond Tutu formuliert hatte, gerichtet sein. Doch was bringt die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 konkret für Südafrika? Welche Gewinne kann das Land für sich ziehen? Was bedeutet dieses Sportspektakel für die nationalen Unternehmen? Kann das Ausrichterland längerfristig hiervon profitieren? Nehmen vielleicht die sozialen Spannungen im Lande ab? Hierüber sind sich Experten uneinig.

Wenn man sich jedoch mit den Expertisen der Wissenschaft auseinandersetzt, dann fällt eines auf. Die Effekte der FIFA-WM für Südafrika werden nicht so rosarot ausfallen, wie es gegenwärtig die Politik und der Weltfußballverband für richtig halten. Eine dieser Meinungen stammt von Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, der mit uns über die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft auf Südafrika diskutierte.

Effekte von Mega-Events auf Südafrika

© Prof. Wolfgang Männing (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Wolfgang Männing betonte die Bedeutung der Weltmeisterschaft für Südafrika, deutete jedoch auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ernüchternde Auswirkungen der WM auf das Kapland an. Demnach müsse man die Effekte von Mega-Events nach verschiedenen Auswirkungsperioden differenzieren: Kurzfristige Effekte, Imageeffekte und stadtökonomische Effekte.

Die kurzfristigen Effekte der WM, etwa die erwarteten 400.000 Besucher aus Übersee, stellen für die Volkswirtschaft Südafrikas keinen Netto-Gewinn dar. Erfahrungsgemäß werden bei Mega-Events, wie der Fußball-EM 2004 in Portugal oder der Fußball-WM 1998 in Frankreich, beispielsweise sämtliche Hotelbuchungen innerhalb des betreffenden Jahreszeitraumes unmittelbar zeitnah an der Sportveranstaltung in Erwägung gezogen. Dieses Phänomen wird in Fachkreisen als „Time-Switching“ bezeichnet.
Auch sind bei der WM 2006 in Deutschland kaum spürbare Umsätze im Tourismus, in der Gastronomie, beim Einzelhandel bzw. Handel zu beobachten gewesen. Der „couch potatoe-Effekt“ besagt, dass sämtliche Branchen einer Volkswirtschaft zumindest für den Zeitraum des Mega-Events eher Gewinneinbrüche zu bewältigen haben, da sich das gesellschaftliche Leben für diese wenigen Wochen verstärkt in den privaten Lebensbereich umverlagert.

Imageeffekte und Bilbao-Effekt wichtig für Stadtentwicklung

Männing bemängelt die überhöhten Preise bei Hotels, innerafrikanischen Flügen und Stadien. Dementsprechend sind nur 20.000 Tickets nach Deutschland verkauft worden. Kritisch sei ebenfalls der Auktionscharakter der FIFA, ein Monopolist des kommerziellen Fußballs, da die betreffenden Zuschläge an Geschäftspartner meistens mit unternehmerischen Verlusten verbunden sind. Jedoch bringen Imageeffekte für das WM-Land unerschwingliche Feel-Good-Vorteile, etwa wie bei der WM 2006, die als „Sommermärchen“ in Erinnerung bleiben. Nach der Studie „GMI-Anholt Nations Branch Index“, wonach 17 Kriterien zur Imagewahrnehmung einer Nation gemessen werden, konnte sich Deutschland durch die WM im eigenen Land hierbei verbessern.

Bei den langfristigen bzw. stadtökonomischen Effekten erläuterte Männing den sogenannten „Bilbao-Effekt“, benannt nach dem Guggenheim Museum im spanischen Bilbao, wonach eine ganze Stadt durch den Bau eines einzigen Gebäudes für sich stadtentwicklungspolitische Effekte ziehen kann.

© WM-Infrastrukturprojekte im ganzen Land

Dieses Phänomen ist auch beim Sydney Opera House oder beim Tate Gallery of Modern Art in London eingetreten. Voraussetzungen eines Bilbao-Effektes sei, dass die „Iconic Buildings“ vier Prämissen erfüllen müssen: Zentrale Lage, in der Umgebung von Gewässer, mit innovativer/unpraktischer Architektur, die zugleich provokativ wirkt. Diese ikonischen Bauwerke würden dementsprechend die Immobilienpreise ihrer Umgebung nach oben treiben, sodass dies aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten ist.

Soccer City und Ellis Park Stadien werden nur begrenzte Effekte entfalten

Hinsichtlich der Einschätzung der WM-Stadien in Johannesburg betonte Männing, dass das Soccer City Stadion, welches übrigens in Form eines Topfes errichtet wurde, nur begrenzte positive Effekte auf die Stadt entwickeln wird, da es nicht an einem Gewässer errichtet wurde: „Gutes Design an falscher Stelle“. Das Ellis Park Stadion hingegen befinde sich in einer guten Lage, verfüge jedoch über ein schlechtes Design – also das genaue Gegenteil vom Soccer City Stadion. Daher wird zumindest in Johannesburg der Bilbao-Effekt ausbleiben. Abschließend hielt der Hamburger Professor fest, dass bei der WM 2010 in Südafrika keine kurzfristigen und längerfristigen Effekte erwartet werden könnten, jedoch dieses Mega-Event eine große Chance für das Reiseziel Südafrika darstelle.

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2010sdafrika-Artikel auf Business-On veröffentlicht:

http://www.business-on.de/mega-event-suedafrika-wm-2010-wolfgang-maenning-_id24074.html

Mit freundlicher Unterstützung des Fotografen Danilo Bretschneider: www.dbretschneider.de.