Schlagwort-Archive: Archiv

Kap-Kolumne: Eine Verabredung mit der Geschichte

„Rise and Fall of Apartheid“. Eine Ausstellung im Museum Africa in Newtown, Johannesburg

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Untertitel sei eine bewußte Analogie zu Hannah Arendts Wort von der „Banalität des Bösen“, schreibt Mark Robbins, Executive Director der Ausstellung, in seinem Vorwort zum Katalog. Hannah Arendt, die als Journalistin in Jerusalem den Prozess gegen den Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, beobachtete, gab ihrem Buch den Untertitel „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.

© Die Ausstellung „Rise and Fall of Apartheid“ ist bis zum 29. Juni 2014 im Museum Africa in Newtown/Johannesburg zu sehen. Kap-Kolumnist Detlev Reichel besuchte diese Kunstveranstaltung.

© Die Ausstellung „Rise and Fall of Apartheid“ ist bis zum 29. Juni 2014 im Museum Africa in Newtown/Johannesburg zu sehen. Kap-Kolumnist Detlev Reichel besuchte diese Kunstveranstaltung.

Weiterlesen

Advertisements

„Die Klageabweisung in den USA ist enttäuschend“

Im Interview mit Barbara Müller, Koordinatorin der Schweizer Entschädigungskampagne KEESA

(Autor: Ghassan Abid)

© Barbara Müller ist Koordinatorin der Schweizer „Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika (KEESA)“. Ihre Organisation setzt sich seit 1998 dafür ein, dass südafrikanischen Apartheidsopfern durch westliche Konzerne Entschädigungszahlungen geleistet werden sollen. Deutschen Unternehmen wie Rheinmetall und Daimler wirft KEESA vor, durch ihre Geschäftstätigkeit Beihilfe zu den schweren Menschenrechtsverletzungen des Apartheidregimes begangen zu haben.

© Barbara Müller ist Koordinatorin der Schweizer „Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika (KEESA)“. Ihre Organisation setzt sich seit 1998 dafür ein, dass südafrikanischen Apartheidsopfern durch westliche Konzerne Entschädigungszahlungen geleistet werden sollen. Deutschen Unternehmen wie Rheinmetall und Daimler wirft KEESA vor, durch ihre Geschäftstätigkeit Beihilfe zu den schweren Menschenrechtsverletzungen des Apartheidregimes begangen zu haben.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Müller, Koordinatorin der „Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika (KEESA)“. Seit wann gibt es Ihre Organisation und welche Ziele verfolgt diese?

Antwort: Die KEESA wurde 1998 in der Schweiz gegründet, sie ist Teil einer internationalen Kampagne, welche die Forderung erhob, dem Neuen Südafrika die Apartheid-Schulden zu erlassen und die Apartheid-Opfer zu entschädigen. Die Kampagne entstand im Rahmen von Jubilee 2000, einer Kampagne, die sich unter anderem auch mit der Frage von illegitimen Schulden befasste. In der Schweiz tritt die KEESA darüber hinaus auch dafür ein, dass Politik und Wirtschaft Verantwortung für ihre Verstrickung mit dem Apartheid-Regime übernehmen. Sie hat erreicht, dass der schweizerische Bundesrat 2001 ein nationales Forschungsprojekt zur Untersuchung der Beziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika in Auftrag gab, dessen Resultate 2005 publiziert wurden [Anmerkung der Redaktion: Der Bundesrat in der Schweiz ist vergleichbar mit der Bundesregierung in Deutschland] .

Weiterlesen

Regisseur Michael Hammon im Interview

„Die Arbeit an diesem Film hat mich mehr sensibel gemacht“

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Potsdamer Kameramann, Regisseur  und HFF-Filmdozenten Michael Hammon. Sie waren schon während der Apartheid in Südafrika für die BBC und für CBS tätig. In den 90er Jahren kehrten Sie zurück und übernahmen mit Jacqueline Görgen die Regie des Dokumentarfilms „Hillbrow Kids“. Inwieweit hat dieser beeindruckende Film Ihre Sicht der Dinge über die Welt und über sich selbst verändert?

© Michael Hammon - Kameramann,  Regisseur und Dozent an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) sowie Preisträger des Bayerischen Filmpreises

© Michael Hammon – Kameramann, Regisseur und Dozent an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) sowie Preisträger des Bayerischen Filmpreises

© Cover von „Hillbrow Kids“

Antwort: Die Arbeit an dem Film hat zunächst meinen Optimismus über die damalige neue Regierung geraubt. Die Zustände der Kinder, der Umgang mit den Strassenkindern seitens der Behörde, die fehlenden staatlichen Organisationen, die sich  damit auseinandersetzen, und wenn, in welcher Weise. Das hat mich alles sehr enttäuscht. Ich habe mich auch immer mehr gefragt, was ist meine Funktion in dieser Arbeit. Das wollten die Kinder auch wissen: Was wär für sie drin. Oder waren wir nur die medialen Ausbeuter des Schicksals der Kinder? Doch wir waren überzeugt, dass wir mit diesem Film in die Art wie wir es gemacht haben, einen Sprachrohr für diese verzweifelte Kinder sein können. Das hat mich wiederum gestärkt, in der Richtigkeit unseres Unternehmens. Die Arbeit an diesem Film hat mich mehr sensibel gemacht, über die Lage vernachlässigter und unterpriviligierter Kinder weltweit.

2010sdafrika-Redaktion: Mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich beim Dreh auseinandersetzen und wie konnten Sie diese bewältigen?

Antwort: Zuerst war die Kommunikation ein Problem. Viele Kinder auf der Strasse sprechen wenig Englisch oder Afrikaans, und wenn sie die einheimischen Sprachen sprechen, ist dies meist eine Mischung von den vielen ethnischen Sprachen. Dafür mußten wir jemanden finden der nicht nur den Kinder sympathisch entgegentrat, sondern auch ihre Sprache übersetzen könnte und gleichzeitig die Gespräche auf eine Art führte, die für den Film wichtig waren. Nach ein paar Anläufen hatten wir die richtige Mischung gefunden. Die zweite Schwierigkeit bestand darin das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Viele sind sehr verwahrlost, sind sehr drogenabhängig, werden unberechenbar durch das Schnüffeln von Klebstoff und finden sowieso jeden Weissen suspekt. Wir haben Wochen vor Drehbeginn mit Sozialarbeitern aus der Gegend die Runden gemacht, mit auf protable Suppenküchen für die Obdachlosen gearbeitet, kranke Strassenkinder zum Krankenhaus gebracht oder einfach Medikamente mitgebracht. Wir haben durch verschiedene Shelters verschiedene Kinder kennengelernt und durch solche Aktionen ihr Vertrauen gewonnen. Das dritte Problem war die Kriminalität in der Stadt. Ich und Jacqueline mit unserem Equipment waren ein gefundenes Fressen für einige Desperadoes. Wir mußten am Ende doch einen Bodyguard anstellen da wir öfters in sehr verwegene Gegenden drehen mußten.

2010sdafrika-Redaktion: Wie kam er vor allem beim deutschen Publikum an?

Antwort: Der Film hat hier einige Reaktionen hervorgerufen. Durch das Internet und einige Vorführungen wollten viele Zuschauer etwas unternehmen. Es kamen Fragen wie man sich sinnvoll in Südafrika für die Kinder einsetzen könnte. Andere wollten nur spenden. Die Frage war wohin und für was?? Leider haben wir nie einen Verleih gefunden und unser Vertrieb hat sich nur um Verkäufe ins Ausland gekümmert. Nach der Ausstrahlung im ZDF haben wir eine Flut von E-Mails bekommen. Die Spendenanfragen haben wir an das Archiv für Strassenkinder weitergeleitet und das gesammelte Geld (immerhin DM 40.000,00) wurde an die Organisationen die wir kennen verteilt.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Resonanz entfaltete „Hillbrow Kids“ in Südafrika?

Antwort: In Südafrika hat es eine Premiere gegeben, die wir organisiert haben, der sehr gut besucht war. Eine Presseaufmerksamkeit führte dazu, dass das Leid der Strassenkinder für ein paar Wochen sehr thematisiert wurde. Das südafrikanische Fernsehen, Mnet, hat die Rechte dann gekauft und inzwischen ein paar Mal ausgestrahlt. Wir hatten durch diese Ausstrahlungen auch sehr viel Resonanz und Angebote, den Kinder zu helfen. Allerdings öfters auf der Adoptionsschiene, was wir nicht unterstützen und auch nicht befürworten.

2010sdafrika-Redaktion: Planen Sie in Zukunft eine weitere Dokumenation über und in Südafrika, eventuell mit Jacqueline Görgen?

Antwort: Wir haben danach einen Film zusammengemacht, der über eine andere Gruppe handelte, die wir während der Arbeit kennengelernt haben. Der Film hiess „Schlangen im Feuer“ und lief auf 3Sat. Andere Projekte sind leider nicht zustande gekommen.

2010sdafrika-Redaktion: Verfolgen Sie weiterhin die soziogesellschaftliche Entwicklung in Johannesburg?

Antwort: Ja, natürlich.

2010sdafrika-Redaktion: Wie bewerten Sie die Ausrichtung der WM in einem gefährlichen Land wie Südafrika, zumal sich Experten hierüber uneinig sind?

Antwort: Naja, ich glaube dass die WM einem Land schon eine Menge ökonomischen Impetus geben kann. Nur wer profitiert davon?? Ich glaube nicht die Leute, die es brauchen. Es werden sicherlich ein paar Reiche reicher gemacht und der Rest wird sich wundern, was mit diesen wahnsinnigen Sportpalästen nach der WM passieren wird. Aber immerhin, besonders während der Vorbereitungsphase der WM, haben sicherlich sehr viel mehr Menschen Arbeit gehabt und konnten, wenn auch nur für eine kurze Zeit, ihren Lebensstandard  erhöhen.

Was die Gefährlichkeit anbetrifft, naja, es hat sich ja gezeigt: Viele Stadien waren leer. Karten mußten ganz billig an Einheimische weiterverkauft werden, damit die Stadien nicht so leer aussahen. Ich glaube der Ruf das Landes hat schon einigenpotentielle Zuschauer aus dem Ausland abgeturnt.

2010sdafrika-Redaktion: Wir bedanken uns bei Michael Hammon – Kameramann, Regisseur  und Filmdozent aus Potsdam – für dieses interessante Interview.

Berlinale 2011 – Kinematografie Südafrikas wieder dabei

Internationale Filmwelt blickt erneut auf Berlin

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid)

© Logo der Berlinale (Quelle: Wikimedia)

19.000 Fachbesucher aus 128 Ländern, darunter 4.000 Pressevertreter, werden die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) 2011 von heute an erwartungsgemäß erneut aufsuchen; wie 2010 bereits geschehen. Das 60. Filmfestival wird vom 10. Februar bis 20. Februar 2011 kinematografische Werke aus aller Welt zeigen, unter anderem aus Südafrika. Während im letzten Jahr im Grunde genommen nur ein Spielfilm („The Tunnel“ von  Jenna Bass/ 20 min/ 2009) und  Dokumentarfilm („Sunny Land“ von Aljoscha Weskott u. Marietta Kesting/ 87 min./ 2010) dem Publikum präsentiert wurden, wird die diesjährige Südafrika-Auswahl etwas größer ausfallen.

„History Uncut: Manenberg“ und „History Uncut: Crossroads“ sind zwei historische Kurzfilme unter der Regie von Brian Tilley und Laurence Dworkin, die die Kämpfe der 1980er Jahre zwischen der schwarzen Mehrheitsgesellschaft und dem Apartheidsregime ausführlich dokumentieren. Während Manenberg eine Widerstandskampagne in Kapstadt aus dem Jahr 1989 begleitet, richtet Crossroads seinen Fokus auf die Bürgerwehren der sog. „witdoeke“; von der Polizei unterstützte und mit Waffen versorgte Township-Einwohner zwecks Entfachung eines innerschwarzen Konflikts mit Anhängern des ANC unter Nelson Mandela. Die Verwendung von Archivmaterial des „Afrikavision“, welches teilweise noch nicht im TV veröffentlicht wurde, erweist sich als interessante Idee, deren Umsetzung erst beim Anschauen bewertet werden kann.

Weniger hochpolitisch geht es in der 91 min. langen deutsch-finnisch-südafrikanischen Doku-Produktion „Mama Africa“ von Mika Kaurismäki zu, die das Leben der bekanntesten Sängerin des Landes, Miriam Makeba, würdigt. Makeba, erst 2008 verstorben, setzte sich in ihrem Leben stets für Freiheit, gegen Rassismus und Armut ein. Der Kampf gegen die Apartheid, verfolgte die Musikerin von „Pata Pata“ vom Exil aus sehr ehrgeizig und mit voller Kraft.

„State of Violence“, ein 79 min. Spielfilm aus Frankreich und Südafrika, welcher vom Regisseur Khalo Matabane betreut wurde, ähnelt von der Aufmachung und Story her dem erfolgreichen Film „Tsotsi“ von Gavin Hood. Bobedi, ein wohlhabender 35-jähriger Chef eines Bergbauunternehmens, erlebt die pure Gewalt eines Einbrechers gegenüber seiner Ehefrau Joy, die im gemeinsamen Haus an den Folgen dieses Angriffs verstirbt. Bedacht auf Rache, begibt sich Bobedi auf der Jagd nach dem Mörder seiner Frau in das Township Alexandra; seiner Herkunft. Das Drama entwickelt sich im Verlaufe des Filmes zum knallharten Thriller. In „State of Violence“ spielen Top-Schauspieler wie Presley Chweneyagae, Fana Mokoena, Neo Ntlatleng, Lindi Matshikiza, Vusi Kunene, Harriet Manamela und Mary Twala mit. Das 31. Durban International Film Festival ist mit „State of Violence“ eröffnet worden und erweist sich in seiner kinematografischen Umsetung als  eindeutiger Favorit für die diesjährige Südafrika-Filmauswahl auf der Berlinale 2011.

© Filmposter von "State of Violence" - der Favorit

Bei „Street Kids United“, eine britisch-südafrikanische Produktion aus dem Jahr 2010, bewertet der Regisseur Tim Pritchard in 75 min. den Stellenwert von Fußball für Südafrikas Jugend. Auf jeden Fall wird die Berlinale 2011 mehr zu Südafrika anbieten können, als es 2010 noch der Fall war. Südafrikanische Dokumentationen bleiben der Schwerpunkt, doch mit „State of Violence“ kann Südafrika mit den ausländischen Konkurrenten durchaus mithalten.

Die 2010sdafrika-Redaktion wird das Südafrika-Angebot der Berlinale begleiten und freut sich auf diese Zusammenarbeit; Berichte folgen!


Berlinale 2011-Programm zu Südafrika:

http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&page=1&order_by=1&section_id=0&cinema_id=0&country_id=144&date_id=0&time_id=0&filterSubmit=OK

2010sdafrika-Artikel zu Berlinale 2010:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/02/08/berlinale-2010-mit-drei-sudafrika-produktionen/

2010sdafrika-Artikel zum Filmfestival „Johannesburg Spezial“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/07/filmfestival-in-potsdam/

Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

—————————–

Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/