Schlagwort-Archive: Arroganz

Steinmeiers Arbeitsbesuch in Südafrika

Achte Deutsch-Südafrikanische Binationale Kommission rutscht in die Bedeutungslosigkeit ab

(2010sdafrika-Redaktion)

Freundschaft ist eine Tür zwischen zwei Menschen. Sie kann manchmal knarren, sie kann klemmen, aber sie ist nie verschlossen.“, hielt der spanische Schriftsteller Baltasar Gracián fest. Mit diesem Zitat kann der kürzliche Arbeitsbesuch des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier in Südafrika beschrieben werden. Denn längst ist klar, dass die Regierung in Pretoria neue Freundschaften pflegt und diese der Zusammenarbeit mit Deutschland vorzieht.

Photothek/Grabowsky

© Der kürzliche Südafrika-Arbeitsbesuch des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier verlief ernüchternd ab. Denn bedeutende Beschlüsse in den deutsch-südafrikanischen Beziehungen gab es keine. Längst hat sich Pretoria auf Moskau und Peking ausgerichtet. (Quelle: Photothek/Grabowsky)

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Südafrika schlittert in neuen Politskandal

25-jährige Präsidententochter erhält 70.000 Euro-Spitzenjob beim Staat, trotz mangelnder Qualifikation

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Das internationale Image Südafrikas hat infolge unzähliger Korruptionsskandale stark gelitten. Die Nkandla-Affäre – der rechtswidrige Staatszuschuss des Privatdomizils von Präsident Jacob Zuma – ist den Bürgern der Republik im Gedächtnis haften geblieben. Da bahnt sich bereits ein neuer Politskandal an. Der „Mail & Guardian“ hat einen Nepotismusskandal auf höchster Ebene aufgedeckt. Doch das Präsidialamt verweigert wie in der Vergangenheit eine öffentliche Erklärung. Die politische Führung hat nichts dazugelernt.

thuthukile.zuma

© Thuthukile Zuma ist gerade einmal 25 Jahre alt und bereits als Spitzenbeamtin mit einem Jahresverdienst von 70.000 Euro im Telekommunikationsministerium untergebracht – ohne öffentliche Ausschreibung und bei mangelnder Qualifikation. Wäre sie nicht die Tochter von Präsident Jacob Zuma, hätte sie diesen Posten mit Sicherheit nicht bekommen – so die Presse. (Quelle: Privat)

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Ungleiche Wohlstandsverteilung in Südafrika

Im Interview mit Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin

(Autor: Ghassan Abid)

© Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin mit aktuellem Wohnsitz in Nairobi. Sie berichtet für mehrere deutsche Medien über die Entwicklungen in Ostafrika und im südlichen Afrika. Zurzeit hält sich die Journalistin im Hinblick auf die Wahlen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, auf.

© Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin mit aktuellem Wohnsitz in Nairobi. Sie berichtet für mehrere deutsche Medien über die Entwicklungen in Ostafrika und im südlichen Afrika. Zurzeit hält sich die Journalistin im Hinblick auf die Wahlen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, auf.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin. Sie leben seit Kurzem in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Was hat Sie nach Afrika verschlagen?

Antwort: Ich bin erst seit einem Jahr in Nairobi. Allerdings bin ich – mit Unterbrechungen – nun etwa vier Jahre in sub-Saharischen Ländern unterwegs. Angefangen hat es mit Südafrika. Seit ich in Gymnasiumszeiten Alan Patons „My beloved country“ gelesen habe, und mich dann mit dem Land und seiner Geschichte zu auseinandersetzen begann, wollte ich ans Kap. Ich war fasziniert von der komplexen Vergangenheit und ebenso komplexen gegenwärtigen Dynamik Südafrikas. Nach dem Studium kam dann der richtige Moment für mich. Ich zog Anfang 2008 nach Südafrika und seither hat mich der Kontinent nicht mehr – oder nur mehr temporär – losgelassen.

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Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin

„Südafrika ist traditionell ein wichtiger und guter Partner für Deutschland“

(Autor: Ghassan Abid)

© Günter Nooke ist der „Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der CDU-Politiker gilt als Verfechter eines gleichberechtigten Dialogs zwischen Europa und Afrika. (Quelle: Tröger)

© Günter Nooke ist der „Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der CDU-Politiker gilt als Verfechter eines gleichberechtigten Dialogs zwischen Europa und Afrika. (Quelle: Tröger)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Günter Nooke, den „Persönlichen Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)“. Sie üben ein Amt mit komplexem Namen und Aufgabenfeld aus. Die Beobachtung der politischen Lage in Afrika und der Aktivitäten Deutschlands dort zeichnen Ihre Arbeit aus. Wie hat sich die Lage der Menschenrechte in Afrika insgesamt entwickelt und in welchen Regionen lassen sich Fort- bzw. Rückschritte erkennen?

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Fatty Boom Boom

Musikvideo von „Die Antwoord“ nimmt Lady Gaga ins Visier. Einfach nur geschmacklos und abstoßend!

(2010sdafrika-Redaktion)

Skandal pur aus Südafrika. Die eigentlichen Kapstädter Comedians, welche mittlerweile als Hip Hop-Band „Die Antwoord“ weltweit bekannt geworden sind, überschreiten mit ihrem aktuellen Musikvideo „Fatty Boom Boom“ die Grenzen im Musik-Business. Im entsprechenden Clip ist Lady Gaga mit zwei ihrer Bodyguards zu sehen, die Südafrika erkunden. Nicht nur Hyänen sichtet Lady Gaga im urbanen Raum, sondern auch einen Panther und Löwen. An einer Kreuzung wird das Taxi des Superstars attackiert und sie flüchtet alleine in einen sozialen Brennpunkt. Bei einem Gynäkologen wird festgestellt, dass sich ein Insekt im vaginalen Bereich von Lady Gaga eingenistet hat. Zum Schluss wird sie Opfer eines Löwens, der sie lebendig und äußerst blutig verspeist.

© Lady Gaga reagiert auf das provokante und geschmacklose Musikvideo von "Die Antwoord" via Twitter mit starkem Selbstbewusstsein.

© Lady Gaga reagiert auf das provokante und geschmacklose Musikvideo von „Die Antwoord“ via Twitter mit starkem Selbstbewusstsein.

© "Die Antwoord" nutzt den "Beef", den künstlerischen Streit, mit Lady Gaga für den eigenen Erfolg. Auf Twitter sagen die Südafrikaner von sich, dass sie kleiner als Lady Gaga, aber dafür cooler wären.

© „Die Antwoord“ nutzt den „Beef“, den künstlerischen Streit, mit Lady Gaga für den eigenen Erfolg. Auf Twitter sagen die Südafrikaner von sich, dass sie kleiner als Lady Gaga, aber dafür cooler wären.

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Südafrika auf der ITB

Passivität wird nicht belohnt! Ein Tourismusmesse-Erlebnisbericht aus der Ich-Perspektive

(Autor: Ghassan Abid)

Es ist Samstag, der 10. März 2012, als ich das Messegelände in Berlin aufgesucht habe, um den diesjährigen Südafrika-Stand auf der internationalen Tourismusmesse ITB zu besuchen. Nachdem ich von den Ständen Türkei, Ghana, Indien, Algerien, Slowenien und Polen von viel Lebendigkeit angesteckt wurde, erreichte ich mit großer Erwartung die südafrikanische Repräsentation in der Halle 20.

Allerdings war es hier im Vergleich zu den anderen Hallen sehr still und leblos. Die Ausstellungsmitarbeiter schienen vordergründig mit sich selbst beschäftigt zu sein. Während die Empfangsdame von South African Airways ständig mit einem Herrn im Gespräch vertieft war, saßen die Vertreter der Provinzen in kleinen Ecken zusammen und grenzten somit spürbar das Publikum aus.

© Messe Berlin: Die ITB ist die führende Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft.

© Messe Berlin: Die ITB ist die führende Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft. Südafrika war in der Halle 20 untergebracht.

Diese Arroganz staatlicher Bediensteter, welche mehrfach von Deutschen am Kap bemängelt wird, fand sich auch auf der ITB ein. Letztendlich war Südafrika – um es sarkastisch zu formulieren – realitätsgerecht repräsentiert. Ich sprach die einzelnen Aussteller, die sich unter dem offiziellen Tourismus-Slogan „Alles ist möglich“ einfanden, auf diese Wahrnehmung meinerseits an. Doch die Reaktion, die ich erhielt, könnte als Abwertung meiner nervigen Fragen interpretiert werden.

Hingegen waren die Vertreter der Provinzregierung Free State über diese Kritik sichtlich beschämt. Man erzählte mir, dass die Tourismusbehörde des Free States – also der Steuerzahler -, den Flug und die Unterkunft für sein Messepersonal vollständig übernommen hat, damit diese Touristen nach Bloemfontein anlocken. „Wir sollen werben„, erwiderte eine sympathische Frau meine Frage, mit welchem Ziel sie nach Deutschland eingeflogen wurde.

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© Südafrika auf der ITB Berlin 2012: Alle neun Provinzen waren vor Ort.

Erst als ich die Staatsdiener aus dem Free State angesprochen habe, wurde ich für einen touristischen Aufenthalt umworben. Im Vertrieb wäre solch eine Passivität und Gleichgültigkeit der Beginn vom Ende eines jeden Unternehmens. Beim Verabschieden bedankten sich die Beschäftigten der Provinzregierung mit einem Foto und zwei hochwertigen Kugelschreibern aus dem Regierungsbestand.

Das nationale Fremdenverkehrsamt, die Zentrale von South African Tourism in Sandton, sollte weniger Geld in überregionale Werbemaßnahmen stecken und stattdessen eher das staatliche Personal für die effiziente Umwerbung von Touristen sensibilisieren. Persönliche Erlebnisse sind mehr gefragt als hochtrabende Werbeeinblendungen in TV, Radio und Internet.

Keine Antwort

Versagen südafrikanischer Behörden bei administrativen Grundfunktionen

(Autor: Ghassan Abid)

Idee besprochen, Text verfasst, E-Mail versandt und schließlich keine Reaktion. Nach zwei Tagen, einer Woche oder vier Wochen – südafrikanische Behörden und Staatsbetriebe zeigen bei der externen Kommunikation mit Bürgern, Pressevertretern und Unternehmen größtenteils erhebliche Defizite. Entwicklungshelfer und Journalisten bestätigen diese Perzeption gegenüber der 2010sdafrika-Redaktion. Ein namentlich nicht genannter Winzer  aus der Region Stellenbosch beklagt das ´´arrogante Verhalten südafrikanischer Staatsdiener´´.

© Behörden Südafrikas zeigen große Defizite in den Verwaltungs- und Finanzabläufen. Die externe Kommunikation dient als Indikator für interne Organisationsstrukturen. Die Bürger sind die Leidtragenden dieses staatlichen Trauerspiels. (Quelle: Khanyi Magubane/ MediaClubSouthAfrica.com)

Vor allem das Department of Home Affairs (vergleichbar mit: Innenministerium), die Polizei SAPS, das Department of Defence (vergleichbar mit: Verteidigungsministerium) und der Energieversorger Eskom zeichnen sich durch teilweise ungültige E-Mail-Adressen aus. Andere oberste nationale Behörden, etwa die Presidency (vergleichbar mit: Bundeskanzleramt), antworten, doch ist es verwunderlich, dass allgemeine Floskeln der Anrede oder Verabschiedung schlichtweg fehlen. Der Empfänger erhält auf diesem Wege einen negativ behafteten Eindruck vom Gegenüber; ein Desinteresse.

Sind die Damen und Herren in diesen einflussreichen Institutionen faul, überfordert oder haben diese so viel wichtigeres um die Ohren, sodass die Korrespondenz kürzer gehalten werden muss? Diese Fragen sind gerechtfertigt. Die Klärung von Hintergrundinformationen, Urheberrechten oder Vorwürfen wird dadurch (bewusst) erschwert.

Besonders traurig ist die Tatsache, dass die sogenannten Communication Officers (vergleichbar mit: Pressevertreter) in vielen Fällen ebenfalls nicht reagieren. In anderen Situationen schiebt man sich gegenseitig die Verantwortung zu – so geschehen zwischen Presidency und dem Department of International Relations and Cooperation (vergleichbar mit: Außenministerium) im Hinblick auf das südafrikanisch-chinesische Regierungstreffen.

Doch die ständige Gelassenheit der Staatsbediensteten bei der Beantwortung von externer Post sprengt – unter Ausschöpfung sämtlicher subjektiver Geduldsgrenzen und eines Verständnisses für die Arbeitsbelastung staatlicher Behörden –  jegliches Fundament eines professionellen Verhältnisses zwischen Staat und Bürger.

© Public Administration Leadership and Management Academy (Palama) in Pretoria - Ausbildungsstätte der Regierung zur Verbesserung der Fähigkeiten seiner Bediensteten. Eine Evaluierung zur Wirksamkeit dieser Behörde ist längst hinfällig, zumal deutsche Steuergelder im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit im Spiel sind.

Wie soll eine Regierung gesellschaftspolitische Probleme wie HIV/ AIDS, die Kriminalität oder Arbeitslosigkeit angehen, wenn diese nach wie vor vom Missmanagement geprägt ist. Mehrere Presseberichte und Studien belegten die Inkompetenzmisere in den staatlichen Organen. Das Innenministerium konnte sich in dieser Debatte zum obersten Negativbeispiel katapultieren – Menschen wurden für tot erklärt, die Ausstellung von Genehmigungen/ Visas ist vergessen worden und Verträge sind nicht eingehalten worden. Der leidtragende ist der Bürger, der fristgerecht seinen Verpflichtungen nachgekommen ist. Die Public Service Commission unter der Leitung von Ben Mthembu, eine staatliche und unabhängige Organisation zur Kontrolle staatlicher Finanzaktivitäten im Sinne von Good Governance, kommt im „Overview on Financial Misconduct for the 2008/2009 Financial Year“ von 2010 zum Ergebnis, dass auf der nationalen Ebene das  Department of Justice and Constitutional Development (vergleichbar mit: Justizministerium) und Innenministerium am stärksten vom Missmanagement betroffen sind. Von 260 Fällen entfielen 121 auf das Ressort Justiz und 22 andere auf die Innenverwaltung. Auf der provinziellen Ebene, im Bundesländer-Vergleich, belegen Kwazulu-Natal (258) und Limpopo (255) die schlechtesten Plätze. An dritter Stelle folgt die von der Oppositionspartei Democratic Alliance (DA) regierte Provinz Westkap mit 132 Fällen.

Transparenz, Bürgernähe und wirksame Politikmechanismen wurden immer wieder versprochen. Deren Umsetzungen lassen sich jedoch – zumindest auf den ersten Blick – nicht erkennen. Die Glaubwürdigkeit in den südafrikanischen Staat kann zurecht solange in Frage gestellt werden, bis die Regierung diesen Grundaufgaben nachkommt.