Schlagwort-Archive: Athlet

Staatsanwaltschaft hält Pistorius für schuldig

„Sie wollten Reeva töten!“. Staatsanwalt Gerrie Nel geht von eindeutiger Mordabsicht aus

(Autor: Ghassan Abid)

Die Familie des Opfers Reeva Steenkamp konnte es nicht fassen, als der angeklagte Oscar Pistorius nach einem Kreuzverhör durch den Staatsanwalt Gerrie Nel Autogramme an Passanten verteilte. Außerhalb des Gerichts trat der Sportler wie ein sorgenloser Promi auf und innerhalb des Gebäudes sieht er sich als Unschuldiger in einem Strafverfahren. Dabei steht der Südafrikaner unter gewaltigem Druck. Seine Glaubwürdigkeit hat einen Tiefstand erreicht.

EFFER LECEBE

© Oscar Pistorius steht enorm unter Druck. Die Staatsanwaltschaft ist fest davon überzeugt, dass der Sportler seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 gezielt getötet hatte. (Quelle: flickr/ EFFER LECEBE)

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Für Südafrika nicht gut genug

Sive Speelman qualifizierte sich für Olympische Winterspiele in Sotschi, wurde aber nicht zugelassen

(2010sdafrika-Redaktion)

Sive Speelman ist gerade einmal achtzehn Jahre alt und leidenschaftlicher Wintersportler. Der vom Ostkap stammende Slalomläufer trainierte lange auf sein Ziel hin, an den Olympischen Winterspielen in Sotschi für Südafrika antreten zu dürfen. Die Qualifikation schaffte der schwarze Südafrikaner. Dennoch durfte er nicht als einziger Vertreter seines Landes nach Russland reisen. Der Lebenstraum des jungen Mannes ist geplatzt.

    © Sive Speelman qualifizierte sich für die Olympischen Winterspiele in Sotschi, wurde jedoch vom Olympischen Komitee Südafrikas nicht zugelassen. Der Wintersportler würde die "minimalen Voraussetzungen" nicht erfüllen. Bedeutet im Klartext, dass er sein Land mit der eigenen Teilnahme blamiert hätte. Nicht alle Sportrepräsentanten teilen diese Entscheidung.

© Sive Speelman qualifizierte sich für die Olympischen Winterspiele in Sotschi, wurde jedoch vom Olympischen Komitee Südafrikas nicht zugelassen. Der Wintersportler würde die „minimalen Voraussetzungen“ nicht erfüllen. Bedeutet im Klartext, dass er sein Land mit der eigenen Teilnahme blamiert hätte. Nicht alle Sportrepräsentanten teilen diese Entscheidung.

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Pistorius-Prozess vertagt

Staatsanwaltschaft bemüht sich bei ihren Ermittlungen um stichhaltige Beweise gegen den Sportler

(2010sdafrika-Redaktion)

Am vergangenen Dienstag hielt sich Oscar Pistorius im Saal C des zuständigen Gerichts in Pretoria auf, um nach kurzer Zeit wieder gehen zu können. Der Vorsitzende Richter gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, wonach die nächste Sitzung im Anklageverfahren wegen Mordes auf den 19. August 2013 verschoben wurde – dem 30. Geburtstag des Opfers Reeva Steenkamp.

© Das Strafverfahren gegen Oscar Pistorius ist auf den 19. August 2013, dem 30. Geburtstag von Reeva Steenkamp, vertagt worden. Der Vorsitzende Richter gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, die noch mehr Zeit bei ihren Ermittlungen gegen den Sportler benötigt. (Quelle: flickr/ Jonny Ross)

© Das Strafverfahren gegen Oscar Pistorius ist auf den 19. August 2013, dem 30. Geburtstag von Reeva Steenkamp, vertagt worden. Der Vorsitzende Richter gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, die noch mehr Zeit bei ihren Ermittlungen gegen den Sportler benötigt. (Quelle: flickr/ Jonny Ross)

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Der unhaltbare Medienhype um Oscar Pistorius

Südafrikas Sprinter entzweit Sport-Community. Ein Mensch mit Fähigkeiten eines Formel-1-Wagens?

(Autor: Ghassan Abid)

Der in Johannesburg geborene Oscar Pistorius ist in diesen Tagen in aller Munde. Tagesspiegel Online titelte heute zum Sportler „Schnellster Mann auf keinen Beinen“, Welt Online mit „Pistorius schreibt Olympia-Geschichte“ und FOCUS Online mit „Pistorius läuft in die Geschichtsbücher“.

© Oscar Pistorius ist einer der erfolgreichsten internationalen Sprinter bei den Paralympics. Bei den London 2012 Olympic Games schafft er heute den Einzug ins Halbfinale in der Olympia-Disziplin 400 Meter. Doch seine Prothesen sorgen für Ärger und werfen Fragen nach Chancengerechtigkeit für gesunde Sportler auf. (Quelle: Erik van Leeuwen/ Wikimedia)

© Oscar Pistorius ist einer der erfolgreichsten internationalen Sprinter bei den Paralympics. Bei den London 2012 Olympic Games schafft er heute den Einzug ins Halbfinale in der Olympia-Disziplin 400 Meter. Doch seine Prothesen sorgen für Ärger und werfen Fragen nach Chancengerechtigkeit für gesunde Sportler auf. Zurecht. (Quelle: Erik van Leeuwen/ Wikimedia)

Im Gegensatz zu den bisherigen Goldmedaillenträgern Südafrikas bei den Olympischen Spielen 2012 in London – gemeint sind die Schwimmer Cameron van der Burgh & Chad le Clos und der Leichtgewichts-Vierer bestehend aus James Thompson, Matthew Brittain, John Smith und Sizwe Ndlovu – wird im aktuellen Fall nicht nach dem erfolgten Sieg vom Sportler gesprochen, sondern im Vorfeld dessen schon. Allein diese Tatsache verdeutlicht die Besonderheit dieser aktuellen Diskussion. Und doch verhärten sich die Zweifel an der Chancengerechtigkeit gegenüber den anderen Sportlern der Olympischen Spielen.

Pistorius verfügt über keine Unterschenkel. Aufgrund eines Gendefekts mussten beide Körperteile amputiert werden. Seither nahm er ausschließlich an den Paralympics teil, welche er mit vier Goldmedaillen erfolgreich abschloss. Ermöglicht wurde ihm diese Teilnahme durch Prothesen. Allerdings wollte sich der bei einem US-Sporthersteller unter Vertrag stehende Pistorius nie damit abfinden lediglich bei den Paralympischen Spielen teilzunehmen, sodass dieser vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) auf eine Zulassung zu Olympia klagte. Am 16. Mai 2008 entschied das Gremium dann, dass der unterschenkelamputierte Leichtathlet bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking grundsätzlich antreten darf.

Das Problem ist, dass die Prothesen des Südafrikaners aus Karbon hergestellt wurden, aus Kohlenstofffasern, die in der Luft- und Raumfahrt und bei der Herstellung von Sportgeräten eine Anwendung finden. Vor allem die Raumfahrt ist auf bestes Material angewiesen, sodass durchaus die Frage gestellt werden muss, inwieweit Pistorius hieraus einen sportlichen Vorteil für sich ziehen kann.

Ein nicht genannter Motorsport-Experte äußerte sich auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ dahingehend, dass Karbon im Motorsport als „der Wunderstoff schlechthin“ gehandelt wird. „Die Leistungsfähigkeit eines Formel-1-Rennwagens begründet sich im geringen Gewicht der aus Karbon bestehenden Bremsscheiben. Karbon ist kostenintensiv, aber sehr leistungsfähig … und ultraleicht“, so der Süddeutsche. Weitere Recherchen haben ergeben, dass diese These tatsächlich stimmt. Im Beitrag „Karbon – die schwarze Magie“ auf Handelsblatt Online, datiert mit dem 06.03.2011, erläutert der stellvertretende Chefredakteur und WiWo-Autoindustrie-Experte Franz Rother die immensen Kräfte dieses Stoffes für die Autoindustrie.

© Karbon gilt in Motorsportkreisen als „Wunderstoff". Der Erfolg von Formel-1-Rennwagen basiert auf den Einsatz von Karbon in den Bremsscheiben. Auch die Luft- und Raumfahrt wendet diese Kohlenstofffaser an. (Quelle: Wikimedia)

© Karbon gilt in Motorsportkreisen als „Wunderstoff“. Der Erfolg von Formel-1-Rennwagen basiert auf den Einsatz von Karbon in den Bremsscheiben. Auch die Luft- und Raumfahrt wendet diese Kohlenstofffaser an. (Quelle: Wikimedia)

Pistorius musste sich immer wieder verteidigen, wonach er gerade durch diese Prothesen Wettbewerbsvorteile gegenüber den anderen regulären Sportlern verschafft bekommen würde. Er hielt gegen, auch aktuell in London, dass mehrere Gutachten keine anderweitigen Erkenntnisse aufkamen ließen, wonach seine technischen Hilfsmittel einen Nachteil Dritter mit sich bringen würden.

Die Debatte um Oscar Pistorius wirkt ziemlich unauthentisch und sehr öffentlichkeitswirksam inszeniert. Nicht seine sportlichen Leistungen stehen im Mittelpunkt, sondern eher seine Person. Er fühlt sich in dieser Rolle sichtlich wohl. Der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes Karl Quade hielt am 10.08.2011 fest, dass Oscar Pistorius „...seit Jahren der herausragende Athlet mit zwei Beinprothesen auf der Kurz- und Mittelstrecke“, aber nicht der erste seiner Art ist.

Die beiden US-Athleten Jason Smyth und Marla Runyan, beide mit einer Sehbehinderung konfrontiert, nahmen auch an internationalen Wettbewerben teil, erhielten aber keineswegs dieselbe mediale Aufmerksamkeit wie der Südafrikaner. Marla Runyan trat bereits bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf; also acht Jahre nach der Zulassung Pistorius. Dementsprechend könnte der Behindertensport durch den Südafrikaner mittelfristig betrachtet in Misskredit gebracht werden, zumal der Johannesburger zusätzlich zu den Olympischen nun auch noch an den Paralympischen Spielen mitwirken will. Sportler ohne Prothesen hätten dann das Nachsehen.