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2 Nationalhymnen, 2 Geschichten, 1 Vision

Zusammengehörigkeitsgefühl verwurzelt im „Deutschlandlied“ und „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“

(Autor: Ghassan Abid)

Hymnen, abgeleitet vom griechischen Wort hymnos und mit ´Tongefüge´ zu übersetzen, verfolgen in allen Ländern zwei Ziele. Zum Einen soll mit der Hymne die Einigkeit einer ganzen Nation symbolisiert und zum Andern die Identifikation des Volkes mit ihrer Heimat gestärkt werden. Insbesondere bei sportlichen Anlässen, wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der WM 2010 in Südafrika, wurden Nationalhymnen verstärkt mit viel Euphorie von allen Bevölkerungsgruppen gesungen.


© Joseph Haydn (Quelle: Wikimedia)

Die dritte Strophe des „Deutschlandliedes“ vom Wolfsburger Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben besteht seit 1991 als Hymne des vereinten Deutschlands. Die Melodie jedoch entspringt vom in Österreich geborenen Komponisten Joseph Haydn aus dem Jahr 1797, einem Vertreter der renommierten Stilrichtung Wiener Klassik, der auch Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven angehörten. Das Deutschlandlied hatte schon immer den Zweck verfolgt, den innerdeutschen Zusammenhalt zu stärken, verfiel im 20. Jahrhundert jedoch mit der Verschmelzung des Horst-Wessel-Liedes den Propagandazwecken des Nationalsozialismus. Dementsprechend sind nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die erste und zweite Strophe des Deutschlandliedes seither verboten worden.

© Enoch Mankayi Sontonga (Quelle: Wikimedia)

Ebenfalls erlebte Südafrika hinsichtlich seiner Nationalhymne eine besondere Geschichte. Seit 1996 ist „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“ die offizielle Nationalhymne Südafrikas, bestehend aus den 5 Sprachen Xhosa, Zulu, Sesotho, Afrikaans und Englisch. Die Hymne wurde aus Teilen des vor allem unter der schwarzen Bevölkerung verbreiteten und vom in Uitenhage geborenen sowie der Volksgruppe Xhosa zugehörigen Komponisten Enoch Mankayi Sontonga verfasst.

Nkosi Sikelel’ iAfrika (zu Deutsch: Gott segne Afrika) galt bereits vor Apartheidszeiten als Lied der Widerstandsbewegung und heutigen Regierungspartei „African National Congress (ANC)“ von Nelson Mandela, später auch als Kirchengesang der Zulus. Während die ersten beiden Strophen der Nationalhymne Südafrikas auf Nkosi Sikelel’ iAfrika zurückgehen, basieren die anderen letzten beiden Strophen dem Nationalgesang des Apartheid-Südafrikas „Die Stem van Suid-Afrika“, welches von Cornelis Jacobus Langenhoven gedichtet wurde. Dementsprechend fand hierbei eine Verschmelzung zwischen Schwarz und Weiß statt – zwischen Apartheid und ANC.

Was Deutschland jedoch von Südafrika unterscheidet ist der Umstand, dass man keine einzige Zeile der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ in das Deutschlandlied übernommen hat. Lothar de Maizière, Ministerpräsident der DDR, konnte diesen Vorschlag bei der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl nicht durchsetzen, welches wirklich in Anbetracht des innerdeutschen Zusammengehörigkeitsgefühls und der damit verbundenen Symbolik sehr zu bedauern ist. Südafrika hat es auf jeden Fall richtig gemacht!

Südafrikanische Regierung mit Informationen zur Nationalhymne:

http://www.info.gov.za/aboutgovt/symbols/anthem.htm

2010sdafrika-Artikel mit Rezension zum Nation Building-Film „Invictus“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/02/07/rezension-des-films-„invictus-unbezwungen“/