Schlagwort-Archive: Beleidigung

„Bei den Hells Angels gibt es viele Schwarze“

Rapper Emanuel „Manuellsen“ Twellmann offenbart erstmals dessen Verhältnis zu Nomads Turkey

(2010sdafrika-Redaktion)

In der Vergangenheit versuchte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ mehrfach den äußerst umstrittenen Hells Angels-Rapper Emanuel Twellmann alias „Manuellsen“ von einem Interview zu überzeugen. Ein bereits begonnenes Gespräch musste jedoch abgebrochen werden, nachdem die Antworten des Befragten immer kürzer wurden. Fragen zu den Nomads Turkey wollte Manuellsen partout nicht beantworten. Nun hingegen offenbart er gegenüber Hiphop.de erstmals private Einblicke. Dabei kommt der den türkischen Hells Angels nahestehende Rapper sichtbar ins Schwitzen.

Screenshot

© Der afrodeutsche Rapper Emanuel „Manuellsen“ Twellmann schilderte in einem am 26. Juni 2015 veröffentlichten Video-Interview mit Hiphop.de erstmals dessen Verhältnis zu den Nomads Turkey. Dabei geriet er mächtig ins Schwitzen, nachdem ihn der Journalist Toxik aus der Reserve lockte. (Quelle: Screenshot/ Hiphop.de)

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Hells Angels-Rapper „Manuellsen“ vor Gericht

Mehrere Nomads Turkey-Anhänger vor dem Amtsgericht Oberhausen. Urteil am 28. April 2015 erwartet

(2010sdafrika-Redaktion)

Als die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ am 21. April 2015 exklusiv über die Anklage gegen Erhan B. – eine Führungsperson der Nomads Turkey – berichtete, ist nun ein weiteres Strafverfahren erneut in NRW bekannt geworden. Ein Insider informierte, dass seit dem 22. April vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Oberhausen gegen fünf Hells Angels verhandelt wird. Unter den Angeklagten soll sich auch der afrodeutsche Rapper Emanuel „Manuellsen“ Twellmann befinden.

Manuellsen

© Der Hells Angels-Rapper Emanuel „Manuellsen“ Twellmann und vier weitere Rocker, den Nomads Turkey nahestehend, sollen nach Insider-Informationen wegen diverser Straftaten angeklagt worden sein. Am 28. April 2015 wird das Urteil erwartet, heißt es aus Ermittlerkreisen gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. (Quelle: Facebook/ Manuellsen)

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Heino wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe

Eindruck eines Schlagerstars im Apartheidstaat: „Sah eigentlich ganz ordentlich aus“.

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Über das „HEINO Café im Historischen Kurhaus“ im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel legt sich in diesen Tagen ein dunkler Schleier. Die Gäste reden nicht gerne über das bekannte Aushängeschild des Cafés. Stattdessen wird bei leckeren Torten zugelangt und von einer Diskussion über den Schlagerstar abgesehen. Heino sieht sich diffamiert. Umstrittene Auftritte in Namibia und im Südafrika der 80er Jahre holen ihn heute ein.

bgeissl

© In den 80er Jahren reiste Schlagerstar Heino mehrfach nach Namibia und Südafrika, in zwei Staaten, in welchen die Rassentrennung praktiziert wurde. Die schwarzen Mehrheitsbevölkerungen wurden unterdrückt. Nun holt ihn die Vergangenheit ein. Er sieht sich ungerechtfertigt mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert. (Quelle: flickr/ bgeissl)

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Kap-Kolumne: Kunst in Aktion oder Vandalismus?

Follow-Up: Gericht vertagt „Der Speer-Fall“ und somit die Bewertung der Kunstfreiheit in Südafrika.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

War das Vandalismus oder Aktionskunst? Zwei Galerie-Besucher – angeblich ein Universitätsprofessor und ein Teenager – überschmierten das umstrittene Gemälde des Brett Murray in der Goodman Gallery in Johannesburg mit roter und schwarzer Farbe. Die dem derzeitigen Präsidenten Südafrikas ähnlichen Gesichtszüge und das gemalte Geschlechtsteil sind somit vorerst abgedeckt.

Eklat! Zwei Galerie-Besucher zerstören in der Goodman Gallery in Johannesburg das Gemälde „The Spear“.  Während der ANC das Werk des Künstlers Brett Murray als „rassistisch“ einstufte, vertagte das Gericht am heutigen Tage die weitere juristische Auseinandersetzung zur Bewertung der Kunst- und Meinungsfreiheit am Kap.

Die Klage gegen die Galerie und den Künstler bleibt bestehen, sagte ein ANC-Sprecher nach dem Vorfall. Das Hohe Gericht von Süd-Gauteng vertagte indessen die Anhörung zur Sache auf Donnerstag. Wegen der „nationalen Bedeutung“ der Auseinandersetzung verlangte der Vorsitzende Richter ein volles Gericht mit drei Richtern.

Die Aktion in der Galerie ist vorläufiger Höhepunkt einer rasanten Entwicklung um die Ausstellung „Hail to the Thief II“ des Künstlers Murray seit Freitag vergangener Woche. Als unwürdigen Zirkus bezeichnete der Journalist und Kunstkritiker Matthew Partridge in der Zeitung Mail & Guardian den Umgang der Medien mit dem Gemälde. Partridge spielte damit auch auf die Posen von Kollegen an, die mit ihren Händen am inkriminierten Teil des Bildes herummachten und sich dabei abbilden ließen. Das Bild selber wertere der Kunstkritiker als pubertäre Satire von der Güte eines Schuljungen, der den Rektor ärgern will.

ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe bezeichnete das Bild als „rassistisch“. In afrikanischen Sprachen ist der verbale Ausdruck für Geschlechtsteile die schlimmste Beschimpfung und Beleidigung, die man einer Person zufügen kann. Werde jemand mit einem solchen Wort beschimpft, „bedeutet das Krieg“, brachte es Blade Nzimande auf den Punkt. Nzimande, Chef der mit dem ANC verbündeten Kommunistenpartei SACP, meinte manche Leute wüßten offenbar nicht, „in welcher Welt wir leben“.

In der Tat, in diesem Land treffen „erste“ und „dritte“ Welt unter einem Dach aufeinander. Diese Auseinandersetzung im gesellschaftlichen Überbau spiegelt deutlich die Widersprüche der südafrikanischen Gesellschaft wider. Was Kolonialismus und Apartheid mit Hilfe von Rassenideologie und brutalster Gewalt über 300 Jahre lang zu trennen und unterdrücken versuchte, muss nun zusammenfinden. Südafrika wird sich noch sehr viel Zeit geben müssen.

Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie die Richter in dieser Sache entscheiden werden. Sie haben die salomonische Aufgabe, die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Meinung und der Kunst mit dem Schutz der Menschenrechte und der kulturellen Identität eines jeden Bürgers in Einklang zu bringen.

Zapiro im Exklusiv-Interview

4.000 Cartoons und 15 Bücher. Johnathan Shapiro über sein Leben, Meinungsfreiheit und Politik

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

© Johnathan Shapiro alias Zapiro, Südafrika´s einflussreichster und provokantester Cartoonist. Er stand bereits mehrfach in Konflikt mit der Regierung.

Egal in welche südafrikanische Zeitung man schaut, man wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine von Zapiro gezeichnete Karikatur finden, die die Politik Südafrikas kommentiert. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Cartoon, der den derzeitigen südafrikanische Präsidenten Jacob Zuma mit einem Duschkopf über seinem Haupt zeigt; in Anspielung auf seine Aussage, er habe nach dem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Frau geduscht. Zapiro, geboren 1958 in Kapstadt als Jonathan Shapiro, ist zur Zeit der berühmteste Cartoonist Südafrikas. Seine Zeichnungen erscheinen im Mail and the Guardian , der Sunday Times und der Times. Außerdem wurde seine Kunst bereits in Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt und er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

© Karikatur von Zapiro: Präsident Jacob Zuma glaubt AIDS wegduschen zu können. Die Zeichnung basiert auf eine Aussage Zuma´s.

Zapiro entdeckte seine Leidenschaft für das Zeichnen bereits als Kind, als er in einer Art Selbsttherapie die Monster aus seinen nächtlichen Albträumen malte. Auf diese Weise überkam er diese Träume und genoss zugleich die Malerei. Seit diesem Zeitpunkt war es sein Traum, Künstler zu werden. Er nahm an Zeichenwettbewerben teil und war in der Schülerzeitung aktiv. Für diese erfand er den kleinen ,,Prepi”, der alles kommentierte, was in der Vorschule passierte.

Mit Politik kam Zapiro dann auch als bald in Kontakt. Schon im jungen Alter machte ihn seine Mutter darauf aufmerksam, dass sie in einer ,,falschen” Gesellschaft leben würden. Seine erste, ,,so in der Art„ politische Erfahrung hatte er als Verwoerd1 ermordet wurde und er mit den anderen Kindern in seiner Schule für diesen beten sollte. Zapiro erinnert sich daran, dass er verwirrt war und sich dachte ,,Hey, dieser Typ war nicht gut!”. Im weiteren Verlauf seiner Schulzeit war er stets auf Kriegsfuß mit dem Trend, Apartheid zu unterstützen, welcher sogar unter den englischen Südafrikanern geherrscht habe. Allerdings war er während dieser Zeit noch nicht politisch aktiv. Nach der Schule studierte Zapiro Architektur; nicht weil er sich für das Fach interessierte, sondern um zu verhindern, in die Armee eingezogen zu werden. Als er sich dann dazu entschloss, Grafikdesign zu studieren, um ein Cartoonist zu werden, wurde er einberufen. Bei der Armee verweigerte er eine Waffe zu tragen. Also musste er stattdessen eine schwere Holzattrappe mit sich ,,herumschleppen“ und wurde zum Gespött seiner Kollegen. Einmal habe er sogar mit der Attrappe Wache stehen müssen, was er als absolut lächerlich empfand.

Jedoch konnten seine Kollegen nicht lange über ihn lachen, denn er zeigte ihnen, wie gut er mit der schweren Attrappe umgehen konnte, indem er all das tat und meisterte, was seine Genossen mit ihren Waffen bewerkstelligen mussten. Dies war seine Art zu rebellieren und seine politische Botschaft zu verbreiten. Man habe geglaubt, er sei ein Kommunist und er wurde als gefährlich angesehen. Zu der Zeit war Zapiro noch nicht politisch aktiv, da die UDF (United Democratic Front) erst ein Jahr nach seinem Einzug in die Armee gegründet wurde. Als diese dann ins Leben gerufen wurde, wollte er unbedingt mitwirken. Ebenso taten es seine Mutter, seine Schwester und viele seiner Freunde. Plötzlich gab es da diese ,,non-racial“ Gruppe, die sich für sie richtig anfühlte: Viel offener und viel stärker mit der nationalen Politik verbunden. Es gab auch eine Verbindung mit dem ANC (African National Congress), allerdings wollte er nicht mit diesem involviert sein oder gar darüber sprechen, denn würde dies ,,ans Licht kommen„ wäre es gefährlich geworden. Letztendlich kam es sogar dazu, dass er und einige seiner Familienmitglieder in Gewahrsam genommen wurden.

© Karikatur von Zapiro: Das Gerechtigkeitssystem in Form einer Frau wird von ANC, ANCYL, SACP und Gewerkschaft COSATU zu Boden gedrückt, während Präsident Jacob Zuma seine Hose zum bevorstehenden "Akt" öffnet - zur Vergewaltigung.

Zapiro wollte jedoch nie ein Politiker werden. Er sieht einen großen Unterschied zwischen jemandem, der professionell Politik betreibt und einem politischen Aktivisten. Seiner Meinung nach hätten es nur wenige Leute gemeistert, die Ideale ,welche sie im Kampf gegen die Apartheid hatten, beizubehalten. Der Rest der Leute sei korrupt und bequem geworden; nur ihren persönlichen Gewinn im Blick habend. Auch hätten sich einige gegen die Leute gewendet, welche sich außerhalb der Partei für gute Dinge engagiert hätten. ,,All dies würde ich hassen„, so Zapiro. Seiner Ansicht nach braucht das Land jene Leute, die Politiker werden und sowohl konzentriert bleiben als auch altruistisch und nicht korrupt sind. Allerdings brauche Südafrika auch eine Zivilgesellschaft und die Medien. Deshalb sieht Zapiro seine beste Rolle als visueller Kolumnist und zu einem kleinen Teil auch als Aktivist. Um seine Zeichnungen zu Papier bringen zu können, bedarf es natürlich einer Menge Recherche über die Politik. Hierfür hört Zapiro viel Radio, liest viele verschiedene Zeitungen und nutzt das Internet. Auch zeichnet er einige Sachen im Fernsehen auf. Insgesamt erhält er somit diverse Darstellungen desselben Themas und kann sich seine eigene diesbezügliche Meinung bilden.

Zapiro erklärt, dass Cartoons hauptsächlich Gedanken und Kommunikation seien, quasi 80% Idee und 20% Zeichnung. Man könne der beste Künstler überhaupt sein – das helfe nicht, wenn die Idee hinter der Zeichnung schwach sei. Andererseits, wenn die Botschaft eine starke sei, dann würde die Zeichnung nur einen kleinen Teil des Cartoons ausmachen. Als Beispiel bezieht sich Zapiro auf einen sehr starken, seiner Meinung nach einer seiner besten Cartoons, welcher eigentlich nur eine weiße Seite zeigte mit dem Untertitel „Weiße, die nie von der Apartheid profitiert haben“. Er habe den Cartoon deshalb gemacht, weil er es Leid gewesen sei, dass ein Teil der weißen Bevölkerung bestritt, von der Apartheid gewusst und von dieser profitiert zu haben; für diese verantwortlich gewesen zu sein.

© Karikatur von Zapiro: Weiße Südafrikaner haben von der Apartheid profitiert.

Mit seinen Karikaturen möchte Zapiro die Menschen zum Denken anregen. Vielleicht würden manche Leute sagen „Hey, das ist genau, was ich meine, ich wusste es nur nicht auszudrücken.“ Allerdings sei es nicht seine Absicht, nur die Menschen anzusprechen, welche genau so denken würden wie er; dies würde seiner Meinung nach keinen Sinn ergeben. Manche Leute stimmen ihm zu, manche nicht. Zapiro will auch nicht diejenigen überzeugen, die komplett anders denken als er. Seine Hauptzielgruppe seien die Leute „der Mitte“, welche er mit etwas Überzeugungskraft zu einer neuen Denkweise bewegen könne.

Auf die Frage, zu welchem durch die Gesellschaft oder Politik ,,verbotenen„ Thema er gerne einen Cartoon machen würde, antwortet er , dass er sich nicht sagen lassen würde, worüber er zeichnen könne und worüber nicht. Es sei vielmehr er selbst, der sich von sich aus zurückhalte, wenn es um ein bestimmtes Thema gehe. Er mag es nicht, Menschen extrem zu beleidigen, wenn diese verletzlich seien. Dennoch sei sein Toleranzbereich bezüglich über welches Thema man einen Cartoon zeichnen könne, doch noch viel größer. Wenn er der Auffassung sei, jemand greife andere Menschen an, dann nehme er kein Blatt vor den Mund. Zum Beispiel empfindet er, dass Religion eine großes Ausmaß an Schaden angerichtet habe in Bezug auf homosexuelle Menschen und Frauen. Auch habe sie die Verbreitung von HIV gefördert. Diesbezüglich würde er wirklich hart gegen die hierfür verantwortlichen Personen an der Macht vorgehen.

Zapiro fährt fort. Er habe Cartoons gemacht , die andere Menschen als extrem beleidigend empfunden hätten. Es sei sehr schwierig, sich mit bestimmten Themen rund um Tradition und Kultur in seinen Cartoons auseinanderzusetzen. Denn es gebe Menschen, die diese Themen in einer Weise behandeln würden, als handele es sich um Religion. Und gerade zurzeit käme es sehr oft vor, dass Cartoons absichtlich missinterpretiert würden, um jemanden als Rassisten darzustellen, der gar keiner ist.

Zapiro bekommt nicht nur positive Rückmeldungen bezüglich seiner Arbeit. Präsident Jacob Zuma habe ihn schon verklagt, weil er über ihn in seinen Cartoons gezeichnet hat. Zapiro glaubt an die südafrikanische Verfassung und das diese stark genug sei, Meinungsfreiheit zu schützen. Zapiro erklärt, dass seine eigene Politik sich nicht geändert habe, aber jene von einigen Menschen in Machtpositionen. Und er sei froh, dass er nicht so eingeschränkt sei wie diese, wenn es darum ginge, das zu sagen was denkt. Wenn er an etwas glauben würde, würde er sich dafür einsetzen und sagen was er glaubt.

Ich spreche Zapiro auf die Meinung einiger Leute in Südafrika an, welche behaupten, eine Art ,,umgedrehte Apartheid„ sei im Aufschwung, in welchem schwarze Südafrikaner gegenüber den anderen Kulturen dominieren würden. Zapiro antwortet, dass dies eines der Themen sei, wo er entweder in die eine oder andere Diskussion einsteigen würde, abhängig davon, wer sein Gesprächspartner sei. Einerseits, wenn er mit seinen alten Kameraden sprechen würde, dann würde er sich tierisch aufregen über das Ende von ,,non racialism“ und das Aufkommen von einer gewissen Form von Nationalismus und Elitismus. Andererseits, wenn er mit solchen weißen Südafrikanern sprechen würde, die während Apartheid nie etwas mit Politik zu tun gehabt hätten und sich auf uninformierter Art und Weise darüber aufregen, wie schlimm alles sei und dass es einen ,,umgekehrten Rassismus„ gäbe, dann führe er eine komplett andere Diskussion. Er würde versuchen, ihnen zu erklären, wie viel besser die Dinge jetzt seien. Er sagt, es gäbe immer noch einen bestimmten Rassismus innerhalb der weißen Bevölkerung. Und nach wie vor seien es immer noch vor allem weiße Menschen, die an der Spitze der Macht in vielen wichtigen Bereichen seien. Er denkt, dass die sogenannte ,,affirmative action„ nicht immer fehlerlos praktiziert würde und er sei die letzte Person, die sage, dass alles in Ordnung sei. Aber zu behaupten, die Dinge seien genau wie zu Apartheidszeiten, nur umgedreht, sei nicht wahr, sondern absoluter Blödsinn.

In Bezug auf Julius Malema`s Gesang ,,Kill the Boers„ (Tötet die Buren) sagt Zapiro, dass sein Verhalten ,,krass „ und falsch gewesen sei. Der Song stamme aus der Apartheidsära und habe eine metaphorische Bedeutung. Er sei gegen das System der Apartheid gerichtet gewesen; für die Zerstörung dessen. Ein Kampf gegen die Polizeikräfte und solche Farmer, die andere Leute brutal angegriffen und umgebracht haben. Damals sei der Song verständlich gewesen. Aber den Song heutzutage zu singen, so Zapiro, sei falsch. Es sei der Versuch, eine desillusionierte Jugend zu mobilisieren, weil der ANC es nicht geschafft habe, seine Versprechen zu halten und jetzt die Wut dieser Jugend auf die Leute richten will, welche heutzutage nicht mehr unbedingt die Attackierenden darstellen; zumindest nicht in dem Ausmaß wie zuvor. Allerdings glaubt Zapiro nicht, dass man einen Song verbieten könne. Er empfindet die Entscheidung des höchsten Gerichts in Südafrika demnach als falsch. Als Unterstützer der Meinungsfreiheit kann er dem nicht zustimmen. Man könne jemanden politisch-opportunistisch nennen ohne ihm das Singen des Liedes zu verbieten. Es sei viel komplizierter als dass man einfach sagen könne: Julius Malema sei äquivalent zu dem was Terre Blanche2 war. So funktioniere das nicht. Zapiro sagt, er habe Cartoons gemacht, die die Entscheidung des Gerichts kritisiert haben. Er stimme der Definition von Hassrede zu, welche von der Menschenrechtskommission und der UN beschlossen wurde und finde, dass Hassrede verhindert werden sollte. „ Diese Definition würde beinhalten, dass es eine Verbindung zwischen einem Mord und einer vorausgegangen Aufforderung, wie zum Beispiel eine Rede, ein Lied oder ein Schreiben geben würde. Aber er denke nicht ,, dass Leute andere Menschen auf Grund dessen umgebracht haben, was Julius gesagt hat 3

Slideshow zu Zapiro-Karikaturen mit HIV/AIDS-Bezug

Zapiro sagt weiterhin, dass es auch Beschwerden über seinen ,,Lady Justice-Cartoon“ gegeben hatte und die Menschenrechtskommission ihn diesbezüglich freisprach, da diese meinte, sein Cartoon ermutige keinen Menschen dazu, einem anderen etwas anzutun. Es sei eine Metapher über Zumas Verhalten gegenüber der Justiz gewesen. Meinungsfreiheit ist Zapiro sehr wichtig. Wenn also jemand sagen würde, man solle den Song, gesungen von Malema, verbieten, so müsse man auch seine Cartoons verbieten, denn beides könne in einer Art und Weise als ,,falsch“ interpretiert werden.

Was wünscht sich Zapiro für das neue Südafrika. Er erinnert sich an Desmond Tutu´s Idee der Regenbogennation, während der ,,inconscription campaign“ in 1985. ,,Es war etwas idealistisch.„ Tutu wünschte sich eine politische Bewegung in Form einer Regenbogenkoalition, die gemeinsam für Freiheit, ,,non-racialism“ und Demokratie kämpfen würde. Leider habe Südafrika seit Apartheidsende nur wenige solcher Regenbogenmomente zeigen können, wie zum Beispiel die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995. Er sagt, dass er früher gedacht habe, die weiße Bevölkerung sei hauptsächlich dafür verantwortlich; sie habe sich nicht entschuldigt und keine Verantwortung gezeigt. Er glaube immer noch, dass sie eine sehr große Verantwortung dafür trage, allerdings denke er jetzt, dass viel mehr hätte erzielt werden können, wenn der ANC nicht so ,,fett, bequem und korrupt„ geworden wäre. Und wenn die Leute ganz oben nicht eine kleine Elite promoten würden, sondern versuchen würden, die Lücke zwischen Arm und Reich zu schließen. Nur dann könne man eine Art ,,Versöhnung” haben. Vieles sei nach den Anhörungen der ,,Truth Reconciliation Commission“ ungelöst geblieben. Das Wichtigste sei, die Ungerechtigkeiten in diesem Land zu beseitigen. Südafrika sei das Land mit der größten Ungleichheit zwischen den Menschen; es läge sogar hinter Brasilien. Und das sei skandalös nach 17 Jahren nach Einführung der Demokratie.

Was wünscht sich Zapiro für seine eigene Zukunft, was sind seine Pläne. Für den Moment und solange er noch das Gefühl hat, etwas mitteilen zu können, möchte er weiterhin Cartoons zeichnen. In ferner Zukunft möchte er aber zu anderen Genres von Cartoons und Geschichtserzählungen übergehen. Er habe schon 4.000 Cartoons und 15 Bücher veröffentlicht; er wolle schließlich nicht dieselbe Sache für immer und ewig machen. Auch möchte er mehr Ausgeglichenheit erlangen, denn die Intensität, mit welcher er seine Zeichnerei betreibe, sei sehr einvernehmend . Er möchte einfach mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.

HERE YOU WILL FIND THE ENGLISH VERSION OF THIS INTERVIEW.

1 Er war der dritte Premierminister nach DF Malan und Jacob Strijdom

2 Gründer der Afrikaaner Widerstandsbewegung waehrend Apartheid; als weisser Suprematist angesehen

3 Diskussion in Südafrika über eine mögliche Verbindung zwischen Malema`s Singen des Songs ,,Kill the boers“ und dem Mord an Terre Blanche

Die Antwoord – Eine Band der Präpotenz

Kein Interview für „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“

(2010sdafrka-Redaktion)

Die Antwoord“ ist Südafrikas ´unschönstes´ Musikgesicht des Jahres 2010. Mit übertriebenem Gestikulieren, frechen Rap-Parolen aus der Mitte der Unterschicht heraus und skurrilen Outfits ist diese Künstlergruppe auf dem Siegeszug im World Wide Web. Mit Hilfe des Internets konnten die eigentlichen Comedians aus Kapstadt mit ihren anfänglich in Afrikaans gesungenen Texten das Interesse eines großen US-Plattenlabels wecken. Seither stehen sie unter Vertrag und treten international auf, unter anderem in Deutschland.  Beim Hessentag 2011 im Juni dieses Jahres begrüßte Die Antwoord mit provokanten Sprüchen und beleidigenden non-verbalen Kommunikationsformen das deutsche Publikum. Schnell wurden die Südafrikaner ausgebuht und mit Gegenständen beworfen.

Die Band besteht aus den Mitgliedern Ninja (Gesang), ¥O-LANDI VI$$ER (Gesang), DJ Hi-Tek (Beats), Wanga (Gesang) und anderen Personen. DJ Leon Botha, der im bisher erfolgreichsten Song „Enter the Ninja“ aufgetreten ist, verstarb am 05. Juni 2011 an den Folgen der Erbkrankheit Hutchinson-Gilford-Syndrom/ HGPS (besser bekannt als Progerie, welches mit überschnellem Altern einhergeht).

Das Konzept von Die Antwoord ist einfach – provozieren, provozieren und nochmal provozieren. Im Song „Rich Bitch“ (zu Deutsch: Reiche Schlampe) ist das weibliche Bandmitglied ¥O-LANDI VI$$ER auf der Toilette zu sehen, die ihren Po mit Toilettenpapier abwischt, auf welchem der ANC-Jugendpräsident Julius Malema zu sehen ist. Hingegen erscheint im Song „Evil Boy“ (zu Deutsch: Böser i.S.v. unanständiger Junge) ein dunkelhäutiger Südafrikaner,  der seinen Penis gezielt an die Frauen adressiert und gleichzeitig schwule Männer ablehnt. Neu ist hierbei, dass dieser Künstler namens Wanga in der Lokalsprache Xhosa singt.

Auftritt „Die Antwoord“ zum Song Evil Boy

Die Antwoord ist bemüht den einstigen Erfolgskurs fortzusetzen. Nur so ist zu erklären, dass die Bandzusammenstellung flexibel ausgestaltet wird, Texte in neue Sprachen performt werden und die Produktion von Kurzfilmen verfolgt wird. Nicht zu vergessen ist, dass Die Antwoord ihren Ruhm vor allem den Social Networks und Blogs verdankt. Und doch erfahren diese die größte Ablehnung, so wie es „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ergangen ist – vom technischen System her ebenfalls ein Blog.

Ein Interview mit der 2010sdafrika-Redaktion ist deshalb abgelehnt worden, da Die Antwoord nur großen Medienhäusern und keinen Blogs Rede und Antwort steht – heißt es in einer an uns gerichteten schriftlichen Stellungnahme aus New York. Sollte diese präpotente Einstellung weiter anhalten, so wird Die Antwoord genauso schnell untergehen, wie sie aufgestiegen ist. Doch vielleicht gehört dieses skurrile Verhalten einfach nur zu einem skurrilen Konzept dazu!?

EXKLUSIV-STORY zum Maxwele-Fall

Hintergründe zum Maxwele-Zuma-Vorfall vom 10. Februar 2010

(Autor: Ghassan Abid)

Die 2010sdafrika-Redaktion konnte mit Chumani Maxwele und seinem Verteidiger Neil O’Brien in Kontakt treten und einen Einblick in den Vorfall einholen, wonach Maxwele bei der Vorbeifahrt eines Polizei-Convoys in Kapstadt den Mittelfinger zum Präsidenten Jacob Zuma gehalten haben soll und im Anschluss durch Polizeibeamte und Geheimdienstagenten festgenommen und verhört wurde (wir berichteten hierzu bereits am 19. Februar 2010: Maxwele-Fall: „Skandalöser ANC-Apartheid-Vergleich„).

Der Verteidiger ließ verlauten, dass die Verhaftung seines Mandanten durch die Polizei SAPS eine „gross violation of his constitutional rights to freedom, dignity, privacy, freedom of expression and due process“, zu Deutsch: eine grobe Verletzung seiner verfassungsmäßigen Rechte in Freiheit, Menschenwürde, Privatsphäre, Meinungsfreiheit und beim rechtlichen Gehör darstelle. Demnach läuft nun eine zivilrechtliche Klage gegen das Polizeiministerium Südafrikas wegen Schadensersatz. Neil O´Brien argumentiert, dass Maxwele lediglich seinen Unmut bezüglich der durch den Convoy verursachten Lärmkulisse mit Gestiken zum Ausdruck gebracht habe. Dementsprechend habe er keine Form des Protestes gegenüber dem Präsidenten ausüben wollen. Es verblüfft jedoch die Aussage, dass entgegen erster lokaler Pressemeldungen Maxwele durch die beteiligten Beamte weder aggressiv behandelt noch eingeschüchtert wurde.

© Chumani Maxwele

Mr President J G Zuma, without any conditions attached, I apologise to you as well as to the Republic of South Africa.

I would like also to state that the gesture I have made was not directed to the head of the State of South Africa. I wave my hand in disapproval of the noise which was made by the cars which were passing.

Es wird deutlich, dass der Fall viele Fragen aufwirft. Fest steht, dass Chumani bei der Vorbeifahrt von Präsident Zuma in irgendeiner Form reagiert hatte, jedoch bleibt unklar, was genau geschehen ist. Sein Verteidiger erhofft sich durch diese wirklich sehr diplomatische und einsichtige Stellungnahme, die auch den südafrikanischen Behörden nun zugekommen ist, die Rücknahme der Anklage hinsichtlich des Tatbestandes “crimen injuria. Die größte Oppositionspartei von Helen Zille, die Democratic Alliance (DA), die in der Vergangenheit diesen Fall aufgegriffen hat und Maxwele Unterstützung vor der Independent Complaints Directorate (nationale Beschwerdeinstitution bei Missbrauchsfällen durch Polizisten) in Aussicht gestellt hat, hält sich gegenwärtig bedeckt. Jedoch hat die Partei mehrere Anträge vor Gericht eingereicht, die einen Machtmissbrauch der Regierungspartei ANC thematisieren und die Wiederaufnahme von Prozessen gegen Jacob Zuma bezwecken sollen. Eine Verlagerung der politischen Debatte vom Parlament in den Gerichtssaal hinein stellt sicherlich ein Novum in der südafrikanischen Politik dar, welches einer aufmerksamen Beobachtung bedarf.