Schlagwort-Archive: Berlinale

Geheimer Queer-Filmtipp aus Südafrika

Xhosa-Kinodrama „The Wound“ geht auf dem Sundance Film Festival und auf der Berlinale in den Wettbewerb

(Autor: Ghassan Abid)

Es ist schon lange her, dass ein südafrikanischer Film die internationale Kinogemeinschaft begeistern konnte. Zuletzt gewann 2005 das Musikdrama „U-Carmen in eKhayelitsha“ den Goldenen Bären der 55. Berlinale. Ein Jahr später glänzte zudem „Tsotsi“ bei der Oscarverleihung in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Nach einem Jahrzehnt der Ruhe wird „The Wound“ (Originaltitel: Inxeba) als neuer Geheimtipp gehandelt. Auf dem aktuell stattfindenden Sundance Film Festival in den USA und auf der in Kürze beginnenden Berlinale geht die jüngste Kap-Produktion in den Wettbewerb.

The Wound

© Der 88-minütige Spielfilm „The Wound“ unter der Regie des aus Johannesburg stammenden John Trengove geht in den internationalen Wettbewerb auf dem Sundance Film Festival in den USA und auf der Berlinale. Die Produktion aus Südafrika wird als Geheimtipp gehandelt. (Quelle: Screenshot/ The Wound)

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Berlinale-Doku „Coming of Age“

Vier Jugendliche aus dem Königreich Lesotho und ihre Lebensträume zwischen Tradition und Moderne

(Autoren: Serge Aka, Ghassan Abid)

„Coming of Age“ bezeichnet in der Entwicklungspsychologie das Heranwachsen eines Menschen, genauer gesagt den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. In der gleichnamigen Doku unter der Regie von Teboho Edkins, die unter der Sektion Generation auf der Berlinale 2015 lief, sind vier Jugendliche aus Lesotho zu sehen. Der selbst im Königreich aufgewachsene Edkins begab sich ins Dorf Ha Sekake, um zwei Jahre lang die Teenager zu begleiten. Entstanden ist eine beeindruckende und 63 Minuten lange Dokumentation, die das Leben von ganz gewöhnlichen Jugendlichen aus dem südlichen Afrika und deren Träume beleuchtet. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Coming of Age

© Der Regisseur Teboho Edkins begleitete zwei Jahre lang vier junge Menschen in Lesotho beim Erwachsenwerden. Entstanden ist eine beeindruckende und 63 Minuten lange Dokumentation, die der deutschen Öffentlichkeit einen Einblick in eine fremde Kultur gewährt. „Coming of Age“ fand große Aufmerksamkeit beim Publikum der Berlinale 2015. (Quelle: Screenshot/ Coming of Age)

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Kanada-Filmfestival TIFF

Südafrikanischer Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ in Toronto als Favorit gehandelt

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 5. September 2013 beginnt das renommierte „Toronto International Film Festival (TIFF)„, welches in der internationalen Filmbranche zu den wichtigsten Branchenveranstaltungen gezählt wird. Regisseure, Produzenten und Schauspieler aus aller Welt schauen mit großem Interesse nach Toronto, um die weltweite künstlerische Arbeit zu begutachten. TIFF-Auszeichnungen werden von nordamerikanischen Journalisten gerne mit denen des Festivals von Cannes gleichgestellt. Die südafrikanische Produktion „iNUMBER NUMBER“ wird bereits als Favorit gehandelt.

© Auf dem Toronto International Film Festival (TIFF) wird der südafrikanische Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ unter der Regie des Johannesburgers Donovan Marsh erstmals dem Publikum vorgeführt. Dieser Spielfilm zählt zu den Favoriten auf dem wichtigsten Filmfestival Kanadas.

© Auf dem Toronto International Film Festival (TIFF) wird der südafrikanische Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ unter der Regie des Johannesburgers Donovan Marsh erstmals dem Publikum vorgeführt. Dieser Spielfilm zählt zu den Favoriten auf dem wichtigsten Filmfestival Kanadas.

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Berlinale 2013 – Filmkritik „Fynbos“

Depressives Verhalten in der Wohlfühloase. Der Zuschauer erhält einen Interpretationsauftrag

(2010sdafrika-Redaktion)

© Sequenz aus dem Film “Fynbos”. (Quelle: Berlinale/ a four letter word)

© Sequenz aus dem Film “Fynbos”. (Quelle: Berlinale/ a four letter word)

Offizielle Handlung:

Meryl, eine verheiratete weiße Frau wirft in einem südafrikanischen Township ihre offizielle Identität in den Mülleimer – und gibt damit das erste große Rätsel dieses Films auf. Ihr Mann Richard ist Immobilienhändler, auf der verzweifelten Suche nach Käufern für ein Traumhaus.

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Südafrika auf der Berlinale 2013

Zwischen Zwangsehe und Paranoia: Johannesburger Regisseure greifen soziale Missstände auf

(2010sdafrika-Redaktion)

Es ist wieder soweit, wenn Filme aus aller Welt bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt werden. Auf der 63. Berlinale ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: Elelwani (Sektion Forum), Fynbos (Sektion Forum) und Layla Fourie (Sektion Wettbewerb). Im letzten Jahr lief mit Man on Ground lediglich ein einziger Film vom Kap.

© Auf der Berlinale 2013 ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: Elelwani vom Regisseur Ntshavheni Wa Luruli (Sektion Forum), Fynbos von Harry Patramanis (Sektion Forum) und Layla Fourie von Pia Marais (Sektion Wettbewerb).

© Auf der Berlinale 2013 ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: „Elelwani“ vom Regisseur Ntshavheni Wa Luruli (Sektion Forum), „Fynbos“ von Harry Patramanis (Sektion Forum) und „Layla Fourie“ von Pia Marais (Sektion Wettbewerb).

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Afrikanisches Kino

Gangsterfilm „Viva Riva“ schockt und fasziniert zugleich: „Geld ist wie Gift. Es bringt dich um.“

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid)

Seit März 2012 ist „Viva Riva“ nun auch in deutschen Kinos zu sehen. Ein Gangsterfilm aus einer multinationalen Produktion von 2010, an welchem auch Südafrikaner beteiligt sind. Er behandelt in narrativ-provokativer Weise und teilweise mit Klischees unterlegten Szenen die Geschichte von Riva (gespielt von Patsha Bay Mukuna), der den angolanischen Gangsterboss Cesar (Hoji Fortuna) um eine wertvolle Lkw-Ladung Benzin beraubt hat. In Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo, begibt sich Riva auf die Suche nach einer gewinnbringenden Absatzmöglichkeit für das Benzin und entdeckt gleichzeitig im Nachtleben dieser Metropole seine große Liebe in Form der rothaarigen Nora (Manie Malone). Sie ist die unglückliche Frau eines Gangsters, die allein des Geldes wegen bei ihm geblieben ist. Riva packt die Schönheit Noras und beide erkennen, dass nichts so bleiben wird wie bisher und beide in große Gefahr sind.

© Die Rolle "Nora" im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

© Die Rolle „Nora“ im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

Macht, Geld und Sex werden in Viva Riva bewusst ins Zentrum des Spielfilms gerückt. An intensiven Sex- und Gewaltszenen mangelt es nicht. Drehbuchautor und Regisseur Djo Tunda wa Munga spricht mit soziokritischer Absicht die bestehenden Verhältnisse Kinshasa´s und wohl damit auch die anderer Städte Afrikas an. Willkür durch Staatsbedienstete, Bürgerkrieg, Diskriminierung von Homosexuellen, Gewalt, zerrüttete Familienstrukturen, Armut, Geldgier, Fremdenhass und der schnelle Sex werden in rascher Abfolge thematisiert und ermöglichen den Zuschauern einen Einblick in eine Welt, die für Europäer äußerst fremd erscheint. Untermalt wird der Film mit lebendiger kongolesischer Musik, vor allem die der skurrilen Band CongopunQ und unter gleichzeitiger Verwendung beeindruckender Bilder zwischen Perspektivlosigkeit und Hoffnung.

Trailer zu Viva Riva

Viva Riva ist ein hochwertig produzierter Film, der die bisherigen afrikanischen Filme größtenteils in den Hintergrund rücken wird. TAZ-Redakteur Lukas Förster bezeichnet den Film als „dynamischen Thriller„.  Seine Weltpremiere feierte Viva Riva 2010 auf dem Filmfestival in Toronto. Auch auf der Berlinale wurde dieser vorgeführt. In den südafrikanischen Kinos fiel der Film auf viel Zustimmung durch Presse und Publikum; teilweise ist dieser auf gleicher Höhe mit südafrikanischen Topfilmen wie District 9 gestellt worden. Im Juni 2010 gewann Viva Riva den MTV Award in der Kategorie bester afrikanischer Film. Ein absolut sehenswerter Spielfilm!

2010sdafrika-Artikel zur Südafrika-Doku „Gangster Project“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/10/03/bonteheuwel-toten-oder-getotet-werden/

Im Untergrund zählt nur die Disziplin

Eine Rezension zum Dokumentarfilm „Memories of Rain“. Der Kampf für Ideale fordert seinen Tribut.

(Autor: Ghassan Abid)

Wir schreiben das Jahr 1976. In Soweto bricht der sogenannte Schüleraufstand aus. Mehrere Kinder demonstrieren gegen die rassistische Bildungspolitik des Apartheidregimes, welcher blutig niedergeschlagen wird. Die Dominanz von Afrikaans als Unterrichtssprache in den Schulen Südafrikas erwies sich als Ventil einer generationsübergreifenden Frustration der entmündigten schwarzen Mehrheitsgesellschaft. Hector Pieterson wird als erstes Todesopfer in die Geschichtsbücher eingehen.

© "Memories of Rain" ist in zehnjähriger Produktion durch die Regisseurinnen Gisela Albrecht und Angela Mai erstellt worden. 2004 ist dieser Dokumentarfilm auf der Berlinale präsentiert worden. 2005 wurde "Memories of Rain" mit dem durch das Land NRW vergebenen Eine-Welt-Filmpreis honoriert.

© „Memories of Rain“ ist in zehnjähriger Produktion durch die Regisseurinnen Gisela Albrecht und Angela Mai erstellt worden. 2004 ist dieser Dokumentarfilm auf der Berlinale präsentiert worden. 2005 wurde „Memories of Rain“ mit dem durch das Land NRW vergebenen Eine-Welt-Filmpreis honoriert.

Soweto veränderte alles
Mittendrin im Chaos befindet sich die in Stettin geborene Journalistin Gisela Albrecht, die die dramatischen Ereignisse vor Ort begleitete und diese gemeinsam mit der Südafrikanerin Angela Mai im Dokumentarfilm „Memories of Rain: Szenen aus dem Untergrund“ künstlerisch verarbeitete. Soweto stellte den Wendepunkt des Untergrundkampfes gegen die Apartheid dar, hält Albrecht zutreffend fest. Der Afrikanische Nationalkongress agierte vom In- und Ausland gegen die rassistischen Machthaber in Pretoria. Albrecht ist mit mehreren Personen des Untergrundkampfes während und nach der Apartheid in Kontakt getreten, führte Interviews, skizzierte Werdegänge und hob deren Träume & Ängste hervor. Ihr ist ein eindrucksvoller und vor allem persönlicher Film gelungen, der den Zuschauern Einblicke in eine völlig fremde Welt gewährt.

© Jenny Cargill studierte Wirtschaftswissenschaften in Durban und arbeitete im Anschluss als Wirtschaftsjournalistin. Die Ungerechtigkeiten der Apartheid konnte sie nicht ertragen, so entschloss sie sich für den Untergrundkampf gegen das Regime. Mit einer Militärausbildung durch die Stasi in Ost-Berlin fungierte sie als wichtige Person für den ANC. Ihr oblagen neben der Observation von Militäreinrichtungen, auch die Rekrutierung von neuen Untergrundkämpfern.

© Jenny Cargill studierte Wirtschaftswissenschaften in Durban und arbeitete im Anschluss als Wirtschaftsjournalistin. Die Ungerechtigkeiten der Apartheid konnte sie nicht ertragen. So entschloss sie sich für den Untergrundkampf gegen das Regime. Mit einer Militärausbildung durch die Stasi in Ost-Berlin fungierte sie als wichtige Person für den ANC. Ihr oblagen neben der Observation von Militäreinrichtungen, auch die Rekrutierung von neuen Untergrundkämpfern. (Quelle: YouTube)

Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane: Bereit zu sterben
Im Mittelpunkt der Doku stehen die Protagonisten Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane. Sie aus der weißen Mittelschicht, er aus einem den Schwarzen vorbestimmten Townships. Beide waren im Nachrichtendienst des bewaffneten Flügels des ANC aktiv. Die studierte Ökonomin Jenny arbeitete als Wirtschaftsjournalistin, verspürte allerdings zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Howard Barrell das Verlangen, sich gegen die staatlich verordneten Ungerechtigkeiten einzusetzen. Sie suchte von sich aus den Kontakt zum ANC und bot ihre Unterstützung an. Anfänglich sammelte sie Informationen über Militäreinrichtungen. Sie observierte das Armeeareal Eastgate und beobachtete Armeeangehörige. Später absolvierte sie eine halbjährige Militärausbildung bei der Stasi in Ost-Berlin. Kevin hingegen zog es nach Angola, wo er ebenfalls an militärischen Ausbildungen teilnahm und vom Ausland aus gegen die Apartheid agierte.

Als Untergrundkämpfer lebt man länger als 6 Monate
Wer in Südafrika als ANC-Mann enttarnt wurde, musste genauso wie der Gewerkschaftsführer Sam Pholoto mit Folter rechnen; oder gar sein Leben geben. Nach der Section 29 hatte die Regierung sämtliche Bürgerrechte im juristischen Verfahren abgeschafft: kein Anwalt, kein faires Gehör und keinen Kontakt zur Außenwelt. Dr. Zweli Mkhize, ein im Dokumentarfilm interviewter Arzt, ist als Untergrundkämpfer enttarnt worden und musste ins Exil flüchten.  Andernfalls wäre er wohl nicht am Leben geblieben. Es galt der Grundsatz, dass ein Untergrundkämpfer eine Lebenserwartung von maximal 6 Monaten habe.
Die Polizei setzte alles, um ihren Widersachern entgegenzutreten. Beispielsweise kooperierte sie mit sogenannten A-Teams, eine Art Terrormiliz in den Townships, die für Unruhe sorgte und ANC-Mitglieder tötete. Einige dieser Kollaborateure leben heute noch unbestraft mit den Angehörigen ihrer Opfer Tür an Tür.

Disziplin geht immer vor!

© Kevin Qhobosheane stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Aufgewachsen in einem Township, ohne Schulbildung und konfrontiert mit der ständigen Frustration durch die weiße Minderheitsregierung. In Angola agierte er für den ANC. Er absolvierte Militärausbildungen im Ausland und kehrte nach der Verbotsaufhebung nach Südafrika zurück. Mit Jenny Cargill schmuggelte er Waffen in die Townships.

© Kevin Qhobosheane stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Aufgewachsen in einem Township, ohne Schulbildung und konfrontiert mit der ständigen Frustration durch die weiße Minderheitsregierung. In Angola agierte er für den ANC. Er absolvierte Militärausbildungen im Ausland und kehrte nach der Verbotsaufhebung des ANC nach Südafrika zurück. Mit Jenny Cargill schmuggelte er Waffen in die Townships. (Quelle: YouTube)

Der ANC stand  unter gewaltigem Druck. Die Untergrundkämpfer hatten immer wieder das Gefühl, dass jederzeit ihr Dasein beendet werden könne. Eine ständige Angst wurde zur Begleitung des eigenen Alltags.  Infiltrierungen durch Nachrichtendienste, Folter in den Polizeigefängnissen oder Terror durch apartheidstreue Milizen drohten den Untergrundkämpfern.

Doch die genauen Folgen des Widerstandes bleiben bisweilen unbekannt. Welche psychotraumatischen Konsequenzen hat der Kampf gefordert, wie viele Ehen sind zerbrochen und wie hoch ist die Anzahl jener Menschen, die für ihre Ideale ihr Leben lassen mussten. Auch Jenny erläuterte ihren Frust, dass ein von ihr gewollter Austritt aus dem ANC nicht möglich war. Sie teilte der ANC-Führung mit, dass sie aufgrund eines Burnouts nicht mehr am Kampf teilnehmen könne. Doch ihre Emotionen und ihr persönlicher Zustand interessieren den ANC nicht. Sie musste ihren Kampf fortsetzen.

ANC-Folter gegen mögliche Verräter
Der Afrikanische Nationalkongress akzeptierte keine persönlichen Befindlichkeiten. Vielmehr forderte er seinen Mitgliedern absolute Disziplin ab, um der größten Herausforderung des Untergrundes wirksam begegnen zu können: Die Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen internen und externen ANC-Kräften, also zwischen In- und Ausland. Problematisch ist die Herangehensweise der Mandela-Bewegung mit möglichen Spitzeln gewesen. Folter wurde angewandt. So ist von einem Fall bekannt, bei dem ein junger Mann aus einem Township durch den ANC zu Tode gefoltert wurde. Ihm wurde eine Komplizenschaft mit dem südafrikanischen Nachrichtendienst nachgerufen. Seine Verhaltensauffälligkeiten infolge eines Nervenzusammenbruchs wurde allerdings nicht erkannt – ein Unschuldiger starb. Ferner bemängelt Jenny, dass der Untergrundkampf keine Antworten für die Zeit nach dem Widerstand anbot. Ein normales Leben ist für viele Kämpfer nicht möglich gewesen. Wie zur Tagesordnung übergehen, wenn diese vorher nie existierte.

Terror der Inkatha
Als das Verbot des ANC im Jahr 1990 aufgehoben wurde, befand sich diese in einer großen Legitimationskrise. Jacob Zuma machte deutlich, dass der Afrikanische Nationalkongress den Widerstand innerhalb Südafrikas aufbauen müsse. Der Terror durch die Inkatha-Bewegung, welche viele Tote in den Townships hervorrief, brachte den ANC in große Bedrängnis. Die heutige Regierungspartei hatte in der Übergangsphase 1990 bis 1994 keine Strategie parat. Jenny und Kevin agierten trotz dieser destabilen Lage auch in dieser Zeit weiterhin für den ANC im Untergrund und schmuggelten Waffen in die Townships.

Ausschnitt aus „Memories of Rain“

Gisela Albrecht im Gespräch
Die Co-Regisseurin und Journalistin Gisela Albrecht erläuterte im Anschluss zum Dokumentarfilm ihre Sichtweisen zur heutigen Politik Südafrikas und zur Entstehungsgeschichte des Films. Albrecht bemängelt die zweite Generation innerhalb der ANC-Führung, die die „Mehrheit der Südafrikaner heute zurückgelassen“ hat. Macht, Habgier und Eigennutz sind ein Problem, die der Gesellschaft letztendlich schadet. Auch Vizepräsident Kgalema Motlanthe kritisierte kürzlich diese ANC-interne Entwicklung. Ebenso hält Albrecht fest, dass „das Erbe der Apartheid“ weiterhin nachwirke. Es wird ihrer Meinung nach noch eine Generation dauern, um diesen Prozess abzuschließen. Beim Film machte die Filmemacherin auf den Kontrast zwischen Jenny und Kevin deutlich – sie hochausgebildet mit Universitätsabschluss und er ohne Schulabschluss aus ärmlichen Verhältnissen. Und dennoch fanden sich beide in derselben Organisation mit denselben Idealen wieder. Letztendlich hat Gisela Albrecht den Film auf den Wunsch von Jenny Cargill produziert, an welchem sie rund 10 Jahre saß. Beide Frauen verfolgten den Anspruch, die Wahrheit zu zeigen. Finanziert wurde diese Produktion nicht durch die staatliche Filmförderung, sondern vielmehr mit kirchlichen Geldern. Im Jahr 2004 ist „Memories of Rain“ dem deutschen Publikum auf der Berlinale präsentiert worden. Ein Jahr später gewann dieser den Eine-Welt-Filmpreis. Ein Anschauen dieses Dokumentarfilmes lohnt sich!