Schlagwort-Archive: Bildungswesen

Kaufen, aber nicht nutzen

Absurde Kampfjet-Anschaffung durch das Verteidigungsministerium Südafrikas. Ein ignorierter Skandal

(Autor: Ghassan Abid)

Man stelle sich vor, man kaufe sich ein Auto, benutze es aber nicht, weil die Nutzung des Fahrzeugs zu kostspielig wäre. In diesem Fall würde man, nach logisch-rationalen Maßstäben, auf eine Anschaffung verzichten. Nicht so in Südafrika. Das Verteidigungsministerium in Pretoria hat, wie aus Fachkreisen erfahren, mehrere Kampfjets gekauft und diese nun einfach einlagern lassen. Ein Skandal, der von der südafrikanischen Presse ignoriert wird.

© Das Verteidigungsministerium Südafrikas beschaffte für die ihr unterstehende Luftwaffe 26 schwedische Kampfjets des Typs Gripen. Rund die Hälfte der Maschinen kann die Air Force nicht nutzen, da das Geld für die Inbetriebnahme fehlt. Eine Steuerverschwendung ohnegleichen. Die Presse am Kap hinterfragt diese Anschaffung nicht. (Quelle: flickr/ Wesley Nitsckie)

© Das Verteidigungsministerium Südafrikas beschaffte für die ihr unterstehende Luftwaffe 26 schwedische Kampfjets des Typs Gripen. Rund die Hälfte der Maschinen kann die Air Force nicht nutzen, da das Geld für die Inbetriebnahme fehlt. Eine Steuerverschwendung ohnegleichen. Die Presse am Kap hinterfragt diese Anschaffung nicht. (Quelle: flickr/ Wesley Nitsckie)

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Kap-Kolumne: Bildung als Ware

Marodes Bildungssystem Südafrika: Wenn Schulbücher auf dem Müllberg landen. Ein Skandal!

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Schulbuch-Skandal in Limpopo nimmt kein Ende. Jetzt hat der Präsident eine gründliche Untersuchung der „Textbook Saga“ angeordnet. Inzwischen sind vier (4!) Taskteams in der Provinz unterwegs, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vor allem die ländlichen Schulen, dort, wo die Ärmsten in der nördlichen Provinz Südafrikas leben, haben in diesem Schuljahr noch keine Schulbücher gesehen – und das nach mehreren Abmahnungen und Gerichtsbeschlüssen.

© Korruption und Vetternwirtschaft sind mittlerweile fester Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems in Südafrika, an welchem sich Politiker und Firmenrepräsentanten im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungsverfahren bereichern. Das Nachsehen hat die Gesellschaft. Im konkreten Fall werden schulpflichtige Kinder ohne Schulmaterial auskommen müssen. Die Schulaufsichtsbehörden auf Landes- und Bundesebene haben komplett versagt. Das südafrikanische Bildungssystem ist marode. Der Staat kommt zum erneuten Male seiner Verantwortung nicht nach und große Reformen bleiben aus. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Korruption und Vetternwirtschaft sind mittlerweile fester Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems in Südafrika, an welchem sich Politiker und Firmenrepräsentanten im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungsverfahren bereichern. Das Nachsehen hat die Gesellschaft. Im konkreten Fall werden schulpflichtige Kinder ohne Schulmaterial auskommen müssen. Die Schulaufsichtsbehörden auf Landes- und Bundesebene haben komplett versagt. Das südafrikanische Bildungssystem ist marode. Der Staat kommt zum erneuten Male seiner Verantwortung nicht nach und große Reformen bleiben aus. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Stattdessen hat man Tausende Bücher – Lehr- und Lernmaterial – gefunden, auf Müllkippen, im offenen Feld, in Flüssen und teils vebrannt. Die Provinzregierung schweigt weitgehend, weil sie ja derzeit unter Zentralverwaltung steht und damit alle Verantwortung abschieben kann. Die Ministerin für Basic Education hat den ganzen Misthaufen nun auf ihrem Tisch und eiert auch gewaltig herum.

Wie so häufig in derartigen Fällen liegt auch hier ein Ursachen-Mix vor: Zuvorderst das System staatlicher Ausschreibungen (Tender System) mit seinem inherenten Potential an Korruption und Vetternwirtschaft sowie die Überforderung der Bürokratie, in diesem Fall der Schulbehörden.

Ich denke, dies ist nur die Spitze des Eisbergs namens Bildungswesen, das in einer tiefen Krise steckt. An fehlenden staatlichen Mitteln liegt das nicht. Verglichen mit anderen Staaten des südlichen Afrika steckt Südafrika mehr Geld ins Bildungswesen. Doch diese Mittel versickern offenbar woanders und nähren die saftigen Wiesen privater Firmen.

Inzwischen haben Journalisten herausgefunden, dass die private Firma EduSolutions („Bildungslösungen“), die für die Schulbuchlieferungen zuständig ist, enge Verbindungen mit Politikern hat, darunter auch mit der Bildungsstiftung des Präsidenten Jacob Zuma. EduSolutions verdient Milliarden Rand mit staatlichen Aufträgen in mehreren Provinzen. Auf insgesamt 1,2 Milliarden Rand wird allein der Limpopo-Auftrag beziffert.

Und die Schulbehörde in Limpopo? Die hat das Schuljahr über ganz offensichtlich geschlafen und ihre Aufsichtspflicht sträflich vernachlässigt bzw. ist ihr gar nicht erst nachgekommen. Der Non-Profit-Organisation Section27 ist es zu verdanken, dass die Schulbehörden und das Ministerium aus ihrem Schlaf der (Selbst)Gerechten geweckt wurden. Die Bürgerrechtsorganisation (“SECTION27 is a public interest law centre that seeks to influence, develop and use the law to protect, promote and advance human rights.”) brachte den Schulbuchskandal vor Gericht und damit die Sache an die Öffentlichkeit und ins Rollen.

Nun beginnt die Suche nach den Schuldigen, ich denke eher: nach den Sündenböcken. „Name-and-Shame“ ist eine Art Volkssport hierzulande. Das Problem dabei: Es ändert sich nichts, solange der Fehler im System steckt. Wer Geld hat, kann sich eine gute Bildung leisten, d.h. seine Kinder auf private Schulen oder Universitäten schicken. Wer sich‘s nicht leisten kann, muss mit dem öffentlichen Schulwesen vorlieb nehmen. Dabei sind Schule und Bildung die vornehmste Verfassungsaufgabe des Staates. Diese Verantwortung sollte er nicht auslagern in die Privatwirtschaft. Bildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft. Sie darf nicht zur Ware verkommen, mit der man auf dem Markt Profit erzielt.

Kap-Kolumne: Der zweite Übergang?

Politische Strategie-Konferenz des ANC bereitet den „zweiten Übergang“ Südafrikas vor.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Lauscht man dem Rauschen im Blätterwald, so könnte man auf den Gedanken kommen, im nächsten halben Jahr stehe Südafrika, mal wieder, vor einer Schicksalsentscheidung. Da ist von Machtkämpfen im ANC die Rede, vermeintliche Grabenkämpfe zwischen „Marxisten“ und „nicht-Marxisten“, zwischen Nationalisierungsbefürwortern und -gegnern usw. Ich erinnere mich noch an die Atmosphäre in den Monaten vor dem ANC-Parteitag in Polokwane vor fünf Jahren. Damals sprachen viele Medien auch von einer Schicksalentscheidung, einer „Wasserscheide“. Gern wurde das Gespenst der „Zimbabwesierung“ an die Wand gemalt. Der Name Jacob Zuma, der seinerzeit gegen Thabo Mbeki antrat, wurde gleichgesetzt mit Kapitalflucht, Abzug ausländischer Investoren – schlechthin mit der Katastrophe.

© Der Afrikanische Nationalkongress wird seinen bisherigen politischen Kurs auf die Bereiche Gesellschaft und Wirtschaft ausweiten. Doch was dem Land konkret bevorstehen könnte, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungewiss. Die einen Beobachter sprechen von einer drohenden "Zimbabwesierung", die anderen von einer positiven "Schicksalsentscheidung" Südafrikas. (Quelle: flickr/The Presidency of the Republic of South Africa)

© Der Afrikanische Nationalkongress wird seinen bisherigen politischen Kurs auf die Bereiche Gesellschaft und Wirtschaft ausweiten. Doch was dem Land konkret bevorstehen könnte, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungewiss. Die einen Beobachter sprechen von einer drohenden „Zimbabwesierung“, die anderen von einer positiven „Schicksalsentscheidung“ Südafrikas. (Quelle: flickr/The Presidency of the Republic of South Africa)

Ein wenig ist es jetzt wieder so. In dieser Woche führt der ANC seine politische Strategie-Konferenz auf nationaler Ebene durch. Dort werden die politischen Grundlinien für den kommenden Parteitag in Mangaung im Dezember diskutiert. Das Nationale Exekutivkomitee, das ANC-Leitungsorgan zwischen den Parteitagen, hat dazu ein Strategie-Papier veröffentlicht mit dem Titel: „Der zweite Übergang?“ (The Second Transition?). Der „erste Übergang“ hat demnach die demokratischen Mehrheitsverhältnisse im Land gesichert. Im zweiten Übergang müssen nun die sozio-ökonomischen Verhältnisse diesem demokratischen Machtverhältnis angepasst werden.

Derartige Phasenmodelle sind meist probelamtisch, weil zu sehr vereinfachend. Wann denn der erste Umbau beendet worden sei, fragte Zumas Stellvertreter, Vizepräsident Kgalema Motlanthe, in einem Votrag. Es müsse noch so viel getan werden. Auch der stellvertetende Chef der Südafrikanischen Kommunistischen Partei, Jeremy Cronin, warnte vor einer einfachen Trennung der beiden Prozesse, die ja dialektisch eng miteinander verwoben sind.

Beiden kann man zustimmen, dem Pfarrer Kgalema Motlanthe und dem Marxisten Jeremy Cronin. Vieles ist in den achtzehn Jahren demokratischer Entwicklung erreicht worden, wie beispielsweise die progressive Natur der Verfassung. Aber es liegt eben auch einiges im Argen. Beispiel: Weder das Gesundheitswesen noch das Bildungswesen dienen wirklich allen Menschen gleich. An diesen beiden maroden doch lebenswichtigen sozialen Säulen spiegelt sich noch immer die rassische Spaltung der südafrikanischen Gesellschaft.

Die Herausforderung der nächsten Jahrzehnte sind zweifelsohne auch sozio-ökonomischer Natur. Die krasse Ungleichheit in der Gesellschaft, die große Armut, die Lösung der Landfrage, die Beseitigung der extremen Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit – all das sind große gesellschaftliche Baustellen. Werden sie nicht vollendet, droht eine Explosion.

Die Frage ist, ob die, längst nicht vollendete, Befreiung der Wirtschaft von ihren rassistischen Strukturen allein ausreicht. Es sind ja die viel tiefer sitzenden kolonialen Strukturen, die der südafrikanischen Ökonomie die Luft zum atmen nehmen – wie die weitreichende Abhängigkeit vom Rohstoff-Export ohne nennenswerte gesellschaftliche Teilhabe, die weitreichende Abhängigkeit von Kapital-Importen, die absolute Dominanz des monopolistischen Minen-Finanzsektors und die geerbte Schwäche des verarbeitenden Industrie und des Kleingewerbes.

An der politischen Strategie-Konferenz des ANC ab Dienstag werden immerhin 3554 Delegierte aus allen Landesteilen teilnehmen. Sollte dies auch eine konstruktive gesamtgesellschaftliche Debatte um die Zukunft Südafrikas lostreten, kann das dem Land nur nützen. Das wiederum hängt nicht allein vom ANC ab.

Noch einmal zurück zu Ausgangspunkt: Tasächlich war nach der Wahl Zumas zum Präsidenten Business as usual angesagt. Die Geschäfte gehen weiter, das Kapital bleibt im Land, die Investoren ebenso.

Über das Ergebnis des ANC-Parteitages im Dezember mögen berufenere Zeitgenossen spekulieren. Ob Wasserschheide oder nicht können eh erst die Historiker nachfolgender Generationen entscheiden. Eines wage ich vorauszusagen: Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Name „Mangaung“ den Namen „Bloemfontein“ ersetzen. So war es vor fünf Jahren auch mit Polokwane, dem ehemaligen Pietersburg.

Kap-Kolumne: Wann sagt die Jugend – Es reicht!

Schüler zwischen Aufstand gegen die Apartheid und Bildungsnotstand im Neuen Südafrika.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Am 16. Juni, am heutigen Tage, gedenkt Südafrika des Schüleraufstandes in Soweto 1976. Erinnern wir uns: Das Diktat des weißen Apartheid-Regimes, Afrikaans als Unterrichts- und Prüfungssprache an allen schwarzen Schulen einzuführen, war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Apartheidstaat verschärfte damit die so genannte Bantu-Erziehung („Bantu Education“), deren erklärtes Ziel es war, die schwarze Mehrheit in Südafrika auf ewig als Knechte und Mägde der weißen Herren(rasse) zu erhalten. Einer der Architekten des Apartheid-Systems, Hendrik Frensch Verwoerd, stellte in den fünfziger Jahren zynisch fest, den Schwarzen könne nur so viel Wissen zugemutet werden, wie sie „als Holzsammler und Wasserträger“ benötigten.

© Der landesweite Bildungsnotstand stellt ein großes Problem für die Entwicklung des Landes dar. Die Jugend im Neuen Südafrika könnte infolge der Perspektivlosigkeit den Aufstand gegen die Regierung proben. Es ist allgemeines Wissen, dass Schüler die Grundschulen verlassen, ohne wirklich lesen, schreiben oder rechnen zu können. Die Bildungsmisere verursacht verherrende Gefahren für die Demokratie am Kap: Armut, Arbeitslosigkeit oder Kriminalität.

© Der landesweite Bildungsnotstand stellt ein großes Problem für die Entwicklung des Landes dar. Die Jugend im Neuen Südafrika könnte infolge der Perspektivlosigkeit den Aufstand gegen die Regierung proben. Es ist allgemeines Wissen, dass Schüler die Grundschulen verlassen, ohne wirklich lesen, schreiben oder rechnen zu können. Die Bildungsmisere verursacht verherrende Gefahren für die Demokratie am Kap: Armut, Arbeitslosigkeit oder Kriminalität.

Vor sechsunddreißig Jahren also sagte die Jugend Südafrikas: Es reicht! Und der Apartheidstaat erklärte dieser Jugend den Krieg. Das erste Opfer, Hector Petersen, ging in die Annalen der Weltgeschichte ein. Abertausende Tote, Verletzte, Gefolterte folgten ihm. Die Protagonisten des Apartheidsystems verloren am Ende ihre politische Macht. Südafrika ist heute eine konstitutionelle Demokratie, frei vom staatlich verordneten Rassismus, alle Bürger und Bürgerinnen sind vor dem Gesetz gleich.

Hat damit die schwarze Jugend ihren Kampf um Freiheit, um eine gleiche und bessere Bildung gewonnen? Diese Frage darf gestellt werden, angesichts der täglichen Misere an den Schulen. Diese Misere zeigt sich in vielerlei Symptomen. Nehmen wir Beispiele aus der Provinz Limpopo, wo ich als Freiwilliger in einem Kinderprojekt tätig bin. In Limpopo blieben die meisten Schulen bis sechs Monate nach Beginn des Schuljahres 2012 ohne Schulbücher, wegen Unfähigkeit der Schulbehörden. Dieser Skandal beschäftigt die nationalen Medien und nun auch die Gerichte. Lehrkräfte sind schlecht ausgebildet, kommen häufig nicht zur Arbeit. Ich höre die Klagen von Schülerinnen und Schülern, dass sie „heute mal wieder ein paar Schulstunden ohne Lehrer“ in der Klasse verbracht haben. Es ist allgemeines Wissen, dass die Schüler und Schülerinnen die Grundschulen verlassen, ohne wirklich lesen, schreiben oder rechnen zu können. Und das setzt sich munter in der Oberschule fort. Jeder Pädagoge weiß, wenn die Grundlagen nicht gelegt sind, kann der Unterricht noch so gut sein, das Ergebnis wird im besten Falle mager ausfallen. Die Liste der Mängel ist lang.

Das in Limpopo erlebte ist leider ein landesweiter Zustand, um nicht zu sagen ein nationaler Bildungsnotstand. An zu geringen staatlichen Mitteln für die Bildung liegt das nicht. Und doch ist es keine Seltenheit, dass Angestellte des Staates wie Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter, höhere Beamte Nebengeschäften nachgehen. Frei nach dem Motto: Die unternehmerische Initiative ergreifen, beispielsweise bei staatlichen Ausschreibungen mitmischen. „Tenderpreneurship“ heißt das hier. Der Traum vom großen Geld ohne Maloche von „8 to 6“ ist eben eine starke Versuchung.

Soweto-Schüleraufstand von 1976 in Bildern

Die Misere im Bildungswesen Südafrikas steht im krassen Widerspruch zu den hehren Zielen der Befreiungsbewegung und auch zur Verfassung. Kein geringerer als Nelson Mandela hat der Jugend immer wieder eingehämmert, Bildung ist der Schlüssel zur Freiheit, zur Teilhabe am Aufbau einer neuen Gesellschaft. Doch irgendwo bei den Mühen der Ebene ist diese Geisteshaltung am Wegesrand liegengeblieben. Ich denke, einen wesentlichen Anteil an diesem Verlust hat der fast religiöse Glaube an den freien Markt, die Orientierung der Gesellschaft auf den individuellen ökonomischen Erfolg. „Reich sein ist geil“ ist auch in Südafrika der Wahlspruch der Eliten, die, übrigens, ihren Kindern auf teuren Privatschulen eine bessere Bildung zukommen lassen können. Wer wirtschaftlich erfolgreich ist, ist „gesegnet“. Auf wessen Kosten? Diesen unbequemen Gedanken überläßt man, so er denn überhaupt gehegt wird, gern den „Sozialheinis“ und „Weltverbessern“.

Die herrschenden Eliten in Südafrika haben nicht mehr viel Zeit, einen neuen Aufstand der Jugend unter anderen Vorzeichen zu vermeiden. Sie müssen nur die Schrift an der Wand lesen: „Come back to the people“.