Schlagwort-Archive: Blatter

Kap-Kolumne: Weltkapitale des Vogelstrauß

Am Krankenbett: Seuche und Kommerz bedrohen die Existenz des südafrikanischen Lifestyle-Tieres

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Vogelstrauß dürfte eines der außergewöhnlichsten Exemplare der Tierwelt sein. Er ist ein Vogel, der nicht fliegen kann, aber eine Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h zu Lande hinlegt. Der größte lebende Vogel unseres Planeten hat schöne große runde Augen und einen Fußtritt, der einen Löwen töten kann. Bei über hundert Kilogramm Lebendgewicht und bis zu 2,4 Meter Größe kein Wunder. Und weil sie ein Vogel ist, legt Frau Strauß natürlich Eier. Deren dicke Schale ist für die daraus schlüpfenden Küken der erste beinharte Überlebenstest ihres Vogeldaseins. Diese Geburtsarbeit spricht nicht nur für die Stärke des Straußenschnabels, sondern zeigt auch den zähen Lebenswillen dieses Federviehs.

© Der Strauß in Südafrika ist längst zu einem beliebten Lifyestyle-Produkt geworden: Schuhe, Jacken, Koffer oder die Ostrich-Mahlzeit - alle basieren auf Substanzen des größten lebenden Vogels der Erde. Doch seine Existenz ist bedroht. (Quelle: flickr/ amorimur)

© Der Strauß in Südafrika ist längst zu einem beliebten Lifyestyle-Produkt geworden: Schuhe, Jacken, Koffer oder die Ostrich-Mahlzeit – alle basieren auf Substanzen des größten lebenden Vogels der Erde. Doch seine Existenz ist bedroht. (Quelle: flickr/ amorimur)

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Kap-Kolumne: Auf den Hund gekommen

„Who let the dogs out?“

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

© Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Kolumnist Detlev Reichel geht dieser Sommerloch-Schicksalsfrage nach. (Quelle: flickr/ animalrescueblog)

© Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Kolumnist Detlev Reichel geht dieser Sommerloch-Schicksalsfrage nach. (Quelle: flickr/ animalrescueblog)

Über Langeweile können sich die Medien hierzulande nicht beklagen. Kaum war das politische Südafrika nach dem ANC-Wahlkongress in Mangaung dem Rest des Landes in den Sommerurlaub gefolgt, bellt es laut aus allen Blättern. Berufene Vor- und Nachdenker aller Couleur stellen die steil aufsteigende Schicksalsfrage: Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Die Vorlage lieferte Staatspräsident Jacob Zuma höchstpersönlich (siehe auch die Ubuntu-Kolumne zum Thema) und half, das Sommerloch zu stopfen. City Press vom Sonntag (30.12.2012) titelte sinnig: „Zuma dogmatics in Nkandla“.

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Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“

Warum die WM in erster Linie keinen Gewinn für Südafrika darstellt

(Autor: Ghassan Abid)

Gewaltig war im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft die Freude in Südafrika. „We will befenit from this event“ (zu Deutsch: Wir werden von dieser Veranstaltung profitieren), so die einstige These in den südafrikanischen Medien. Ob in Kapstadt, Durban oder Johannesburg – überall erwartete man mit großer Spannung das bisher größte Spektakel auf dem afrikanischen Kontinent und einen fiskalischen Gewinn für die Nation und den einzelnen Bürger. Doch spätestens als bekannt wurde, dass die WM-Hymne auf dem afrikanischen Kontinent nicht an einen (süd)afrikanischen Sänger vergeben wurde, empfand man den Song „This time for Africa“ der Lateinamerikanerin Shakira als reinen Zynismus.

Mittlerweile hat sich eine Gruppe von südafrikanischen Künstlern etabliert, die „Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA), welche öffentlich die FIFA anprangert und in der Vergangenheit sogar zu einem Boykott des WM-Eröffnungskonzertes aufgerufen hatte. Ihre Kritik erhielt inbesondere nach dem Ausscheiden von Bafana Bafana in der Vorrundenphase viel Resonanz. Auch die staatliche Rundfunkanstalt „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ hat den Unmut seiner Zuschauer und Hörer zur Kenntnis nehmen müssen, sodass zumindest in den Radiosendern zunehmend nur afrikanische Musik zu hören ist.

Die „Fédération Internationale de Football Association“, kurz FIFA, hat klare Vorgaben zur Vergabe einer Weltmeisterschaft an das Gastland aufgestellt. Im „Reglement“ zur WM 2010 betont die FIFA, dass die Meisterschaft eine „Veranstaltung der FIFA“ ist. Der südafrikanische Fußballverband SAFA und das Lokale Organisationskomitee (LOC) erhalten hierbei nur die Funktion des „ausrichtenden Verbandes„. Zwischen FIFA und SAFA sind daher zahlreiche Übereinkünfte abgeschlossen worden, die den Gestaltungsspielraum der Südafrikaner stark einschränken. Im Reglement, dem Basispapier der FIFA mit dem Gastland, ist notiert: „Der ausrichtende Verband unterliegt der Überwachung und der Kontrolle der FIFA, die in allen Punkten bezüglich der Weltmeisterschaft letztinstanzlich entscheidet. Die Entscheidungen der FIFA sind endgültig„. Es ist hierbei ersichtlich, dass SAFA zum ausführenden Instrument des Züricher Weltfußballverbandes umfunktioniert wurde. Der Veranstaltungsvertrag, das Pflichtenheft, die FIFA-Richtlinien und -Zirkularen sowie FIFA-Statuten und -Reglementen ermöglichen der FIFA schließlich die totale Kontrolle über die südafrikanischen „Partner“.

Neben der Kontrolle über SAFA und LOC, erlaubt sich die FIFA ebenfalls einem Verzicht von jeglicher Verantwortung. So ist im Punkt 2.3. des Reglements notiert: „Der ausrichtende Verband entbindet die FIFA von jeglicher Verantwortung und verzichtet auf jegliche Ansprüche gegenüber der FIFA und ihren Delegationsmitgliedern für Schäden durch irgendeine Handlung oder Unterlassung in Zusammenhang mit der Organisation und dem Ablauf der Weltmeisterschaft„. Im Gegenzug dürfen die Südafrikaner in Zusammenarbeit mit der Regierung Südafrikas unter anderem für die Wahrung von Sicherheit und Ordnung im Innen- und Aussenbereich der Stadien die gesamte Last tragen.

© WM-Maskottchen Zakumi und Bälle wurden in China produziert (Quelle: Ndaba Dlamini/ MediaClubSouthAfrica.com)

Doch wie verhält es sich überhaupt bei den Gewinnen. Klar ist, dass die FIFA ihre wachende Hand über sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen sowie Übertragungsrechten hält und diese strikt nach Zürich abfließen. Experten erwarten allein für die WM 2010 einen Gewinn in Höhe von 2 bis 3 Milliarden Dollar, die die FIFA kassieren wird. Während Maskottchen Zakumi und Fußbälle in Asien und nicht auf dem afrikanischen Kontinent produziert wurden, obliegt nach Punkt 14.1. des Reglements die Hoheit über gewerbliche Erträge ebenfalls allein beim Weltfußballverband: „Alle gewerblichen Rechte in Bezug auf die Weltmeisterschaft liegen bei der FIFA und werden von ihr kontrolliert“.

Zwar werden Einnahmen aus der Verwertung der gewerblichen Rechte für Vorrundenspiele und aus dem Eintrittskartenverkauf dem ausrichtenden Verband, also den Südafrikanern, zugesprochen, aber erweisen sich diese Summen in Anbetracht der Gelder aus Sponsorenverträgen und TV-Übertragungsrechten als fiskalisch obsolet. Ferner kommt hinzu, dass diese Einnahmen an die Südafrikaner gewissen Ausgaben unterliegen, die unter anderem abermals an die FIFA abgeführt werden müssen. Andere Kosten, etwa Infrastrukturmaßnahmen oder der Stadionbau, werden ausschließlich von der südafrikansichen Regierung übernommen. Wenn man sich diese Situation vor Augen hält, dann ist es verständlich, dass vor allem der kleine Mann im Lande sauer auf die FIFA ist, welche nun gerne auch als „FIFA-Mafia“ bezeichnet wird. Straßenhändler, Künstler und Gewerbetreibende beklagen die Verbotspraxis der FIFA im Stadion und in Umgebung sowie in den Fanmeilen.

Da es sich um eine afrikanische WM handelt, wie von der FIFA mehrfach betont, wäre es angebracht den Armen und Bedürftigen vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 einen Nutzen von ihrer WM zu ermöglichen. Schlussfolgernd kann die Zusammenarbeit zwischen der FIFA – welche übrigens den Status einer gemeinützigen Organisation in der Schweiz unterhält und somit von der Steuerpflicht befreit ist – und den südafrikanischen Ausrichtern als nicht gleichberechtigt bewertet werden:

– Ungleiches Verhältnis bei der Arbeitsbelastung

– Ungleiches Verhältnis bei der Gewinnbeteiligung

– Ungleiches Verhältnis bei Rechten und Pflichten.

Doch die wahren Verlierer dieser WM ist nicht die südafrikanische Nationalmannschaft Bafana Bafana, sondern der kleine Mann, der von „seiner WM“ keinen fiskalischen Gewinn erzielen durfte. Die FIFA müsse, weil sie einen gemeinnützigen Charakter vertritt und keine privatwirtschaftliche Organisation [zumindest offiziell] darstellt, den Ärmsten im Ausrichterland die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung ermöglichen. In punkto soziales Profil hat die Fédération Internationale de Football Association schlichtweg versagt.

Reglement der FIFA zur WM 2010:

http://de.fifa.com/mm/document/tournament/competition/56/42/69/fifawcsouthafrica2010inhalt_d.pdf

Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA):

http://www.vansa.co.za/resources/profile-creative-workers-union-of-south-africa-cwusa.html/

Kritischer WM-Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/themen/Q7O169,0,Eine_Fu%DFballWM_ist_das_letzte_was_S%FCdafrika_braucht.html

2010sdafrika-Hintergrundartikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Bafana Bafana will Cup am Kap

Südafrika´s Auswahl will seine Fans nicht enttäuschen

(Autor: Ghassan Abid)

Morgen wird die südafrikanische Nationalmannschaft das erste Mal seit ihrer Geschichte unter massiver internationaler Beobachtung stehen. Die Erwartungen an die „Jungs“ von Teamchef Carlos Alberto Parreira sind gewaltig. Der Präsident Südafrikas, Jacob Zuma, erwartet sogar den Einzug ins Finale.

© Bafana Bafana (Quelle: Chris Kirchhoff, MediaClubSouthAfrica.com)

Doch wie gut sind die Südafrikaner tatsächlich? Diese Frage ist schwer zu beantworten, zumal das Spielen im eigenen Land so manches Wunder ermöglichen kann – z.B. mit dem Erreichen des Halbfinales beim Confederations Cup 2009. Auf jeden Fall konnten die Spieler vom Kapland bei den bisherigen Freundschaftsspielen stets glänzen. Am 27. Mai besiegten sie die Auswahl Kolumbiens mit 2:1, am 31. Mai Guatemala mit 5:00 und zuletzt am 05. Juni 2010 Dänemark mit 1:0.

Sportexperten machen die Euphorie und den Patriotismus für diesen positiven Trend verantwortlich. Denn zehn Spiele in Folge konnte diese Nationalmannschaft nun ungebrochen gewinnen. Torhüter Moeneeb Josephs knüpfte seine Leistung unmittelbar an das Vertrauen der südafrikanischen Fans und will das Maximum erzielen.

Die Geheimwaffe der Mannschaft ist jedoch 1,80 Meter groß und trägt den Namen Katlego Mphela. Der mit der Nummer 9 auf seinem Trikot versehene Spieler, der aufgrund seiner geschossenen Tore den Titel „Killer“ erhalten hat, spielt gegenwärtig für den südafrikanischen Top-Verein Mamelodi Sundowns, verfügt aber wie die Mehrheit seiner nationalen Mitspieler über keine Erfahrung bei ausländischen Clubs. Hiervon ausgenommen ist unter anderem der Mittelfeldspieler Steven Pienaar mit der Nummer 10, der für Borussia Dortmund spielen durfte und gegenwärtig beim FC Everton unter Vertrag steht – auch in ihm wird viel Hoffnung gesetzt. Beide sehen sich, wie der südafrikanischen Presse zu entnehmen, sogar in der Pflicht, Südafrika bei der Weltmeisterschaft 2010 soweit wie möglich durchzuschießen.

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter machte jedoch deutlich, dass er den Südafrikanern einen Einzug ins Achtelfinale zutraut. Wollen wir es abwarten, wie gut sich die Mannschaft unter der Leitung des brasilianischen Teamchefs Parreira behaupten kann.


Folgende Spieler stehen für die morgige Partie gegen Mexiko zur Verfügung:

Stammbelegschaft: Khune (16) – Gaxa (2), Mokoena (4), Khumalo (20), Masilela (3), Modise (11), Dikgacoi (13), Pienaar (10), Letsholonyane (12), Tshabalala (8), Mphela (9)

Ersatzauswahl: Josephs (1), Walters (22), Booth (14), Ngcongoa (5), Sangweni (21), Davids (7), Moriri (19),  Thwala (15), Sibaya (6), Khuboni (23), Nomvethe (18), Parker (17)