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„Ghosting“ – Trennung ohne Kommunikation

Im Interview mit Evelyn Rosar, Kolumnistin bei “BZ am Sonntag“, “Bild.de“ und Liebes-Bloggerin

(Autorin: Susanne Zeckler)

Evelyn Rosar

© Evelyn Rosar, 1984 in Saarbrücken geboren. Sie absolvierte ein Volontariat an der Axel-Springer-Akademie und ist als Kolumnistin bei „BZ am Sonntag“ sowie „Bild.de“ tätig. Als ihr Partner sie verließ, griff sie nach Stift und Papier. Die Wahlberlinerin schreibt solange über die Liebe, bis sie den Trennungsschmerz überwunden hat – auf ihrem Blog „Rosarote Zeilen„. Und wenn dieser irgendwann ganz weg ist, wird sie beim Schreiben bleiben. (Quelle: Privat)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Redakteurin Evelyn Rosar. Sie schreiben für „BZ am Sonntag“ sowie „Bild.de“ die Kolumne “30.Single.Berlin“. Zudem sind Sie Betreiberin des Blogs „Rosarote Zeilen“. 30 Jahre jung, Berlinerin und Single – sind diese Parameter die idealen Voraussetzungen für einen Blog über die Liebe?

Antwort: Absolut. Nach dem Ende meiner letzten Beziehung stürzte sich mein Ex-Freund gleich in die nächste Beziehung, ich mich in die Arbeit meines Liebes-Blogs, aus dem eine Kolumne für die „BZ am Sonntag“ wurde.

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“Ihr seid ja wohl verrückt.”

Eine deutsche Bloggerin über ihre mutige Hilfsaktion in Alexandra – ein Gastbeitrag aus Joburg.

(Autorin: Sine Thieme)

© Sine Thieme lebt seit 2010 mit ihrem Mann und vier Kindern in Johannesburg. Ihr Blog, Joburg Expat (www.joburgexpat.com) beschreibt ihre dortigen Abenteuer aber vor allem den südafrikanischen Alltag in all seinen schönen und manchmal auch lästigen Variationen.

© Sine Thieme lebt seit 2010 mit ihrem Mann und vier Kindern in Johannesburg. Ihr Blog, Joburg Expat (www.joburgexpat.com) beschreibt ihre dortigen Abenteuer, aber vor allem den südafrikanischen Alltag in all seinen schönen und manchmal auch lästigen Variationen.

Das war die häufigste Antwort, die uns Freunde und Familienangehörige gaben, als wir Ende 2009 unseren baldigen Umzug nach Johannesburg ankündigten. Überfallen werde man uns und ausrauben, aber das nur im besten Fall, denn ganz sicher würden wir im eigenen Bett umgebracht werden. Denn wer zieht schon in die „Hauptstadt des Verbrechens?

Trotz aller Warnungen, aber zugegebenermaßen doch ein wenig besorgt, kamen wir Anfang 2010 am OR Tambo International Airport an, unsere vier Kinder im Schlepptau. Als wir auf dem „Motorway“ unserem neuen Haus entgegenfuhren, zeigte der Fahrer auf ein vorbeihuschendes Ausfahrtsschild. „Dort ist Alexandra. Dort dürft ihr NIE alleine hingehen.“ Ich legte dies mental bei all den anderen Informationen zum Thema “Vorsicht in Johannesburg” ab. Wenn jemand davor warnt, der in Soweto lebt – ein weiterer Ort, den man als Weisser auch eher mit Gefahr assoziiert – dann sollte man Alexandra wohl tatsächlich um jeden Preis vermeiden.

Ungefähr neun Monate später befinde ich mich am Steuer meines – nach vielem bürokratischem Hin- und Her – neu erworbenen Autos auf dem Weg nach Alexandra. Neben mir sitzt Lucky, den ich gerade vor einer Stunde persönlich kennengelernt habe, und weist mir den Weg. Ich versuche nicht daran zu denken, was mich dort erwartet. Dass Johannesburg keine verrückte Entscheidung war, weiss ich inzwischen, doch bei Alexandra bin ich mir nicht so sicher. Aber alle meine Zweifel fallen bald beiseite, weil ich vollauf damit beschäftig bin, mich auf die Straße zu konzentrieren und nicht irgendwen oder –was anzufahren. Alexandra ist rund um die Uhr voller Leben. Tausende von Menschen drängen sich auf den Straßen und Gassen, um ihren verschiedenen Geschäften nachzugehen. Ziegen wandern besitzerlos umher. Kinder starren mich durch das Autofenster an, wahrscheinlich das einzige weisse Gesicht, dass sie den ganzen Tag zu sehen bekommen werden. Die Straßen werden zunehmend enger, je weiter wir vordringen, und sind mit Schlaglöchern übersät. Nach mehreren Kreuzungen habe ich schnell gelernt, dass nur drankommt wer mutig mittenhinein fährt.

© Alexandra als Ort, wo Weiße in der Regel nicht anzutreffen sind.

© Alexandra als Ort, wo Weiße in der Regel nicht anzutreffen sind.

Während wir von einer Seitenstraße zur nächsten kriechen, bemühe ich mich, nicht zu sehr von dem Schaubild um mich herum abgelenkt zu werden. Denn sowas bekomme ich in meinem wohlgeordneten und eher langweiligen Dasein im Security Estate nie zu sehen: Der Typ, der mitten auf dem Gehweg seine uralte Nähmaschine bedient. Die Kinder, die einen alten Fussball die Straße hinunterkicken. Die Frau mit der unförmigen Tasche, die sie mit stocksteifem Rücken auf dem Kopf balanciert. Die klapprige Bude, wo alles von Kleidern bis zu SIM-Karten verkauft wird (und etwas, was wie Ziegenköpfe aussieht, aber so genau schaue ich nicht hin). Ja, die typischen Anzeichen der Armut sind überall zu sehen, die halb-fertiggebauten Häuser, die verfallenen Mauern, die aus Blech und Pappe zusammengestückelten und mit Steinen beschwerten Dächer, die barfüssigen Kinder, die Abwesenheit von jeglichem Grünzeug weil jeder neue Spross zerquetscht wird von tausenden Füßen und Minibustaxis, die sich um den Verkehr herum neue Wege bahnen. Aber der übergreifende Eindruck all derjeniger, die zum ersten Mal nach Alex kommen – so wird es liebevoll von den Einheimischen genannt – ist der einer pulsierenden Gemeinschaft voller Lebensfreude und Energie.

© Fläche zum Spielen von Baseball in Alexandra.

© Fläche zum Spielen von Baseball in Alexandra.

Seitdem habe ich Alexandra noch oft besucht, und es ist jedesmal ein neues Abenteuer. Der Grund warum ich allen Warnungen zum Trotz immer wieder zurückkehre, und deswegen oft ungläubiges Kopfschütteln meiner südafrikanischen Freunde aus dem wohlhabenden Vorort ernte, ist simpel: Es gibt Leute in Alexandra, die meine Hilfe brauchen, und ich bin diejenige mit dem Auto. Ich hatte mich damals mit Lucky getroffen um zu besprechen, wie ich am besten gebrauchtes Baseballzubehör aus Amerika besorgen könnte, um die von ihm gegründete Township-Mannschaft zu unterstützen. Bei meinem ersten Besuch zeigte er mir das Feld, auf dem die Spieler trainieren, wo es hinten und vorne an dem Zubehör fehlte, was man von amerikanischen Gemeindefeldern gewohnt ist. Ich startete eine Hilfskampagne über meinen Blog, und einige Monate später, als die Schläger, Helme und Handschuhe nach und nach eintrafen, drehte ich viele Runden, um alles auszuliefern. Wie sonst hätte es nach Alexandra gelangen sollen, wenn nicht mit meinem Auto? Lucky ist seitdem verschwunden, wie es nicht selten in dieser Kultur vorkommt, die doch oftmals sehr befremdlich scheint, aber ich arbeite seither eng mit den anderen Trainern und Managern – ein etwas großspuriges Wort – zusammen, damit möglichst viele unterprivilegierte Kinder durchs Baseballspiel den vielen Problemen des Townshiplebens zumindest zeitweise entgehen können.

© Die Bewohner von Alexandra entdecken das Baseball und somit ein Stück Zusammengehörigkeitsgefühl.

© Die Bewohner von Alexandra entdecken das Baseball und somit ein Stück Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ich bin froh, Alexandra und einige seiner Bewohner kennengelernt und damit mein Leben auf so viele Arten bereichert zu haben.

Mehr Details über Alexandra Baseball können hier nachgelesen werden: Mzansi Africa Baseball Originals.

Johannesburg-Bloggerin Laurice Taitz im Interview

Eine Frau über ihr Engagement für ein „schönes Johannesburg“

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Johannesburg ist eine Stadt, die mit vielen negativen Begleiterscheinungen einer Metropole in Verbindung gebracht wird – Kriminalität, Rassismus, Verkehrschaos, Armutsviertel und Arbeitslosigkeit. Laurice Taitz hingegen bloggt nur Positives aus und zu Jo´burg. Sie liebt ihren Wohnort, den man aus verschiedenen Perspektiven her betrachten müsse. Arme und Reiche leben hier beinahe nebeneinander. Viele Gesellschaften sind in einer Gesellschaft integriert. Die einstige Goldgräberstadt hat sich zu einer riesigen Heimat von Millionen von Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Sozialschicht und Nationalität entwickelt. Die Innenstadt mit dem Constitution Hill, dem Verfassungsgerichtshof Südafrikas, bewertet die Bloggerin als schönsten Ort Johannesburgs. Ebenso faszinieren sie die seit hundert Jahren bestehende Public Library, die öffentlichen Kunstinstallationen, das künstlerisch-hippe Viertel Maboneng, die Shopping-Straßen unweit der Diagonal Street und das äthiopische Viertel im Osten der Stadt. „Die Stadt ist voller Gegensätze und Plätze, die es zu entdecken gilt“, sagt Laurice. Und dennoch bevorzugen Europäer eher Kapstadt aufzusuchen. Sie selber war bereits zweimal in Deutschland und auch in Berlin. Die deutsche Hauptstadt beneidet sie für ihre schöne Architektur. „Es ist ein Ort, welcher viele Lektionen für Südafrika bereithält“, hält sie abschließend fest.

© Johannesburg is offering a reams of public arts (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© Johannesburg is offering a reams of public arts (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

© Laurice Taitz, Blogger from Johannesburg

© Laurice Taitz, Blogger from Johannesburg

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – the German Gateway to South Africa – the in Johannesburg based blogger Laurice Taitz.

You started your blog „nothing to do in joburg besides…“, in which you present a cultural view on this megacity. What is Johannesburg standing for?

Answer: Johannesburg is a city on the move. It was founded on a gold rush and it remains true to that, a city that in parts flashes its wealth and that also hides a rich seam of gold. It can be a difficult place to get to know but for me it’s a vibrant urban African metropolis.

2010sdafrika-editorial staff: Which is from your point of view the most beautiful place in Johannesburg and for which reason?

Answer: The inner city is the most beautiful place because every time I am there I see that the huge efforts to revive it are showing results. Some of my favourite sites include: Constitution Hill, where the values of one of the most progressive constitutions in the world are brought to life each day; Johannesburg’s newly-renovated Public Library, a 100-year-old architectural masterpiece; the city’s growing collection of public art; the up-and-coming hip urban district of Maboneng; the maze of shopping streets of old Johannesburg around Diagonal street; the Ethiopian district on the east side of the city; and Braamfontein’s lively streetlife.

Diagonal Street on Google Street View

The city is full of contrasts, and places to explore. And while you didn’t ask, the second most beautiful place is Johannesburg’s suburbs in spring when the jacaranda trees are in bloom and this tree-lined city is full of purple blossoms.

© The Public Library in Johannesburg (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© The Public Library in Johannesburg (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: You demonstrate on your blog mostly lovely sights of Johannesburg. Why aren´t you writing on difficult topics like crime, poverty, xenophobia or corruption?

Answer: While I focus on what I love about the city and what it has to offer I never shy away from dealing with its less comfortable aspects, as these are part of the city’s challenges. As a former political reporter I am also acutely aware of giving readers the full story. I just don’t dwell on it because I see enormously positive changes taking place.

© Johannesburg is the home of different cultures (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© Johannesburg is the home of different cultures (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: Today, South Africa has developed a huge blogging scene. How would you evaluate the importance of blogs for the public opinion making process in South Africa?

Answer: I think that particularly the Joburg blogs that have emerged are helping to shape a new perception of the city for locals and foreigners. So many voices, filled with pride, in exploring a city, discovering its secrets and creating a sense of belonging from diverse perspectives.

2010sdafrika-editorial staff: Johannesburg is a big cosmopolitan city with many cultures and nationalities. Do you think that in Joburg is one society or rather several societies living side by side?

Answer: It depends where you stand. You can choose a pocket of the city and never see what’s beyond that corner but I think Joburg is many societies in one. A place where rich and poor live side by side, not always easily, and where people from all over Africa and the world congregate. The mix is what makes this city exciting.

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2010sdafrika-editorial staff: The most Germans and Europeans are preferring to live in Cape Town as in Johannesburg. How far could you understand this decision and which pros is Joburg providing?

Answer: I think people from Europe are easily seduced by Cape Town’s incredible beauty and promise of a cosmopolitan lifestyle. Who isn’t? But saying that, Joburg has a perceptible pulse all year round, and that makes it an exciting place to be with its mix of people, cultures, commerce and arts.

2010sdafrika-editorial staff: Which perception do you have from Germany and Germans?

Answer: I have visited Germany twice and each time been struck by a country that has rebuilt itself into a modern and dynamic society and that continues to deal with its past but is looking to its future. It is a place that has many lessons for South Africa. I also fell in love with Berlin’s incredible architecture and hope to visit again soon.

© A spirit mix of religion and arts in Jo´burg (Picture Source: www.todoinjoburg.co.za)

© A spirit mix of religion and arts in Jo´burg (Picture Source: http://www.todoinjoburg.co.za)

2010sdafrika-editorial staff: Laurice Taitz, blogger from Jo´burg, thank you very much for this urban interview!

2010sdafrika-Interview mit dem Architekten Luyanda Mpahlwa zur Johannesburger Städtekultur:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/16/johannesburg-im-architektur-boom/