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„Es mangelt an qualifiziertem Schulpersonal“

Im Interview mit Bernadette Gräfin von Hardenberg, Bildungsforscherin zum Land Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

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© Die Bildungsforscherin Bernadette Gräfin von Hardenberg befasst sich seit Jahren mit dem Bildungssystem in Südafrika. Sie hält fest, dass die Qualitätsunterschiede zwischen den Schulen gravierend sind. Es fehlt an guten Schulleitern und Lehrern. In der Konsequenz gehen viele junge Menschen von den Schulen ab, die weder richtig lesen noch schreiben können. Die Abgänger haben es dann auf dem Arbeitsmarkt schwer, eine entsprechende Anstellung zu bekommen.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Bernadette Gräfin von Hardenberg, Bildungsforscherin zu Südafrika. Wie kam Ihr Interesse für das Land überhaupt zustande?

Antwort: Für Afrika interessiere ich mich schon seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einem kleinen polnischen Dorf nahe der deutschen Grenze erschien mir Afrika immer wie ein großes faszinierendes Abenteuer. Später habe ich Afrika dann selber durch Reisen kennengelernt und meine Anziehung zu dem Kontinent hat sich verstärkt. Als sich dann vor ca. drei Jahren die Möglichkeit ergab nach Südafrika umzuziehen, habe ich diese Gelegenheit sofort ergriffen. Als Bildungswissenschaftlerin ist dieses Land für mich so interessant, weil das Bildungssystem eines der Hauptursachen für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes ist. Es gibt kaum andere Bereiche, in denen man einen so wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung Südafrikas leisten kann wie im Bildungsbereich.

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Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Südafrika

Im Interview mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka

(Autor: Ghassan Abid)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF). Das „Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr“ nahm im April 2013 sein offizielles Ende. Welches Fazit ziehen Sie?

Antwort: Das Wissenschaftsjahr hat uns die Gelegenheit gegeben, die fast 20-jährige Zusammenarbeit zu reflektieren, zu würdigen und in die Zukunft zu blicken. Die intensive gemeinsame Vorbereitung des Wissenschaftsjahres führte zu neuen wichtigen Projekten wie beispielsweise der Vereinbarung zur Einrichtung eines deutsch-südafrikanischen Forschungslehrstuhls. Gleichzeitig haben wir einem breiten Publikum die Vielfalt und Ergebnisse der jahrelangen Zusammenarbeit gezeigt. Wissenschaftsjahre dienen auch dem Aus- und Aufbau von Kontakten für Wissenschaftler und Forscher, Lehrende und Lernende.

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Schavan in Südafrika

Promotionsaffäre überschattet Arbeitsbesuch der Bundesforschungsministerin

(Autor: Ghassan Abid)

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger liegen können. Vor Kurzem trifft die Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Südafrika ein und schon wird in sämtlichen Medien – ob Spiegel, Zeit, taz, n-tv oder ZDF – hierzulande über ihren Rücktritt spekuliert. Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag verstärken den Druck. Das Nachsehen haben die Beteiligten der deutsch-südafrikanischen Forschungskooperation.

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

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Vizepräsident Südafrikas in Berlin

Eröffnung der 7. Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommission

(Autor: Ghassan Abid)

Am 7. und 8. Mai 2012 tagt in der deutschen Hauptstadt zum nun siebten Mal die Deutsch-Südafrikanische Binationale Kommission unter der Leitung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und Vizepräsident Kgalema Motlanthe (ANC). Die Kooperation im UN-Sicherheitsrat steht auf dem Programm, da beide Staaten seit Anfang 2011 als nicht-ständige Mitglieder im wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen repräsentiert sind. Ebenso werden die Erneuerbaren Energien, Bildung und Ausbildung als weitere Tagesordnungspunkte behandelt. Motlanthe zeigte sich bereits auf der 6. Binationalen Kommission von 2010 von deutschen Umwelttechnologien beeindruckt.

© Der Vizepräsident Südafrikas ist zu einem Arbeitsbesuch in Deutschland eingetroffen. Mehrere Treffen mit hochrangigen Politikern und Wirtschaftsbossen in Berlin sowie München stehen auf dem Programm. Kgalema Motlanthe wird eine Schlüsselrolle im ANC-internen Machtkampf nachgesagt. Einige Analysten sehen in den Johannesburger gar eine Bedrohung für Präsident Jacob Zuma im Hinblick auf seine Ämter als Regierungs- und Parteichef. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic South Africa)

© Der Vizepräsident Südafrikas ist zu einem Arbeitsbesuch in Deutschland eingetroffen. Mehrere Treffen mit hochrangigen Politikern und Wirtschaftsbossen in Berlin sowie München stehen auf dem Programm. Kgalema Motlanthe wird eine Schlüsselrolle im ANC-internen Machtkampf nachgesagt. Einige Analysten sehen in den Johannesburger gar eine Bedrohung für Präsident Jacob Zuma im Hinblick auf seine Ämter als Regierungs- und Parteichef. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic South Africa)

Der Vizepräsident Südafrikas wird durch die Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane, den Finanzminister Pravin Gordhan, den Handelsminister Rob Davies, der Wissenschaftsministerin Naledi Pandor, den stellvertretenden Minister für Staatsunternehmen Ben Dikobe Martins und weitere hochrangige Ministerialbeamte begleitet. Die südafrikanische Verteidigungsministerin Lindiwe Sisulu wird nicht in Deutschland erwartet. Diese hochrangige Delegation begründet sich in der Struktur der Binationalen Kommission, welche in die Fachkommissionen Verteidigung, Wirtschaft, Umwelt, Kultur, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft und Soziales untergliedert ist.

Die Deutsch-Südafrikanische Binationale Kommission existiert bereits seit 1996, die die Förderung der bilateralen Zusammenarbeit in politischer und ökonomischer Hinsicht zum Ziel hat. Alle zwei Jahre tagt die Kommission. Zuletzt bereisten Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel am 8. und 9. April 2010 die südafrikanische Hauptstadt Pretoria, um den Klimawandel, die HIV/AIDS-Epidemie und die Erneuerbaren Energien zu erörtern.

Die Binationale Kommission stellt in Anbetracht der vielfältigen Kooperationen zwischen Deutschland und Südafrika ein reines Forum zum Gedankenaustausch dar. Vielmehr erweisen sich die von  den Bundes-, Länderministerien und Kommunen betriebenen Projekte und Programme als tatsächliche kooperative Austauschprozesse, wie zuletzt zwischen dem südafrikanischen Arbeitsministerium und dem Bundesarbeitsministerium & der Bundesagentur für Arbeit oder zwischen dem südafrikanischen Wissenschaftsministerium und dem Bundesforschungsministerium.

Am 9. Mai  2012 wird die Regierungsdelegation zu einem deutsch-südafrikanischen Wirtschaftstreffen in München eintreffen. Politische Analysten rechnen Kgalema Motlanthe eine Schlüsselrolle im gegenwärtigen ANC-Machtkampf zu.

Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012/2013

Bekämpfung des Klimawandels als bilaterales Forschungsschwerpunkt

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen Tage beginnt das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013, welches „die Zusammenarbeit beider Länder stärken und neue Netzwerke ins Leben rufen“ soll, heißt es in den offiziellen Pressemeldungen. Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf ihrer Homepage das Jahr bereits öffentlichkeitswirksam zelebriert, lässt der Online-Auftritt des südafrikanischen Gegenparts, des Departments of Science and Technology (DST), bislang keine diesbezügliche Ankündigung erkennen.

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

Die Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird mit der südafrikanischen Wissenschaftsministerin Naledi Pandor das auf insgesamt acht Themenfelder fokussierte Aktionsprogramm eröffnen. Neben dem Klimawandel als akademisches Betätigungsfeld, stehen darüberhinaus das Human Capital Development, die Bioökonomie, Urbanisierung/ Megastädte, Astronomie, Innovation in der Gesundheitswirtschaft und Geistes- bzw. Sozialwissenschaften auf der Agenda. Allerdings bleibt die Bekämpfung des Klimawandels infolge der zurückliegenden Kooperationen als wichtigstes Forschungsfeld bestehen.

Bereits am 5. März 2012 machte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ auf die Klima- und Nachhaltigkeitsforschung als wichtigen Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik aufmerksam. Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung stehen im Mittelpunkt der staatlichen Förderung. In diesem Kontext wurden beim Wettbewerb „Green Talents 2011“ gleich drei junge südafrikanische Wissenschaftler für ihre Arbeiten prämiert: Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town) für seine Verdienste auf dem Gebiet der Wiederaufbereitung von Minenabwässern, Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) im Hinblick auf eine effiziente Wasserwirtschaft und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) für die Gewährleistung der Wassersicherheit sowie nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Kapland erweist sich für Deutschland angesichts seiner Universitäten und Forschungseinrichtungen als bedeutendester afrikanischer Staat in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Dennoch verliert die südafrikanische Hochschullandschaft bedingt durch die ausufernde Kriminalitätsproblematik bis zum heutigen Tage hochqualifizierte Wissenschaftler in Richtung Großbritannien, Australien oder die Vereinigten Staaten. Interessant ist zudem die zu beobachtende Intensivierung der Süd-Süd-Forschungskooperationen, welche schwerpunktmäßig auf China ausgelegt sind. Mögliche Konsequenzen für die deutsch-südafrikanische Partnerschaft sind noch nicht absehbar.

© Offizielles Logo

© Offizielles Logo

Mit Südafrika setzt das BMBF die nun sechste Auflage des Jahres der Wissenschaft um (Deutsch-Ägyptisches Jahr 2007, Deutsch-Israelisches Jahr 2008, Deutsch-Chinesisches Jahr 2009/2010, Deutsch-Brasilianisches 2010/2011 und Deutsch-Russisches Jahr 2011/2012).  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wird im Laufe seiner Berichterstattung zu mehreren deutsch-südafrikanischen Forschungsprojekten berichten.

Deutsch-südafrikanische Forschungskooperation

Im Interview mit Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium

(Autor: Ghassan Abid)

© Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Herrn Thomas Rachel.

Herr Rachel, seit einigen Jahren widmet sich Ihr Haus dem Klimawandel. Welche konkreten Anstrengungen unternimmt das BMBF, um dieser globalen Herausforderung entgegenzutreten?

Antwort: Selbstverständlich sind Klima- und Nachhaltigkeitsforschung ein ganz wichtiger Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik. Und in diesem Jahr rücken wir das besonders ins Blickfeld. Das Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“, das Bundesministerin Annette Schavan vor wenigen Tagen eröffnete, zeigt die Wirksamkeit wissenschaftlicher Arbeit für die Nachhaltigkeit mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen und Initiativen in ganz Deutschland. Das betrifft sowohl geowissenschaftliche Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung. Beides, also die Suche nach einem Verständnis des „Systems Erde“, als auch die Entwicklung von Lösungen zur Anpassung an unvermeidbare Folgen der Erwärmung, fördern wir mit zahlreichen Initiativen und Projekten. Deutschland ist, um nur ein Beispiel zu nennen, in der Meeres- und Polarforschung sehr aktiv, die zentrale Erkenntnisse über das Klimasystem liefert. 2015 wird das neue Forschungsschiff Sonne in Dienst gehen.

Klimaschutz ist eine grenzüberschreitende, globale Aufgabe. Wir wissen, dass andere Länder stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden als Deutschland. Das betrifft vor allem Afrika. Daher startet das Bundesforschungsministerium jetzt die Initiative „WASCAL – West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use“ gemeinsam mit zehn westafrikanischen Staaten und SASCAL mit Südafrika und anderen Staaten des südlichen Afrika. Ziel ist bei beiden Initiativen die Erforschung der Folgen des Klimawandels für das Wassermanagement und die Landnutzung und die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen gegen klimabedingte Risiken.

2010sdafrika-Redaktion: Mit der Initiative „Green Talents“, einem internationalen Wettbewerb, würdigen Sie junge Wissenschaftler, die sich der nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels verdient machen. Diese Green Talents besuchen deutsche Universitäten, Forschungseinichtungen und Unternehmen. Inwieweit entfalten sich hierbei mittelfristige Synergieeffekte zwischen ausländischen Nachwuchswissenschaftlern einerseits und deutschen Forschungsinstitutionen andererseits?

Antwort: Ich freue mich sehr, dass wir durch das „Green Talents“-Programm bereits Synergieeffekte zwischen den Preisträgern und deutschen Einrichtungen erzielen konnten. Das liegt vor allem daran, dass die Initiative an sich nachhaltig angelegt ist. Der erste Teil des Preises, das „Green Talents“-Forum, ist eine Reise durch Deutschland, um die deutsche Forschungslandschaft kennenzulernen und erste Kontakte mit hiesigen Experten zu knüpfen. Im darauffolgenden Jahr werden die „Green Talents“ vom BMBF zu einem dreimonatigen Forschungsaufenthalt an einer deutschen Forschungseinrichtung ihrer Wahl eingeladen. Es kommt oft vor, dass die aufnehmenden Institutionen eine Verlängerung des Aufenthaltes finanzieren. Zwei Preisträgern aus dem Jahr 2010 wurden nach ihrem Aufenthalt Festanstellungen in deutschen Unternehmen angeboten. Zwei weitere absolvieren derzeit ihren Post-Doc an deutschen Universitäten. Von einigen anderen wissen wir, dass sie sich um hochdotierte deutsche Forschungsstipendien oder das Bundeskanzlerstipendium bewerben. Zudem werden die geknüpften Kontakte zu deutschen Experten für bilaterale Projekte mit den jeweiligen Heimatinstituten genutzt.

Der „Green Talents“ Wettbewerb trägt also dazu bei, junge Wissenschaftler früh für Deutschland zu interessieren und durch längerfristige Aufenthalte und Forschungskooperationen dauerhaft für Deutschland zu gewinnen.

2010sdafrika-Redaktion: Der „Green Talents“-Wettbewerb wurde 2011 nun zum dritten Mal ausgeschrieben. Drei Südafrikaner – Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town), Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) – wurden ausgezeichnet. Können Sie uns darlegen, warum diese Personen für welchen Untersuchungsgegenstand prämiert wurden?

Antwort: Ich freue mich über die rege Beteiligung junger südafrikanischer Wissenschaftler. Südafrika gehört zu den Schwerpunktländern des Wettbewerbs.

Die Qualität südafrikanischer Forschungsarbeiten schlägt sich in der Zahl der bisherigen Preisträger nieder: Seit 2009 gab es sechs südafrikanische Preisträger, zwei weitere Gewinner haben zwar nicht die südafrikanische Staatsbürgerschaft, arbeiten jedoch seit vielen Jahren dort.

Die Auszeichnung als „Green Talent“ wird nicht für einzelne Forschungsprojekte, sondern an junge Wissenschaftler mit herausragendem Potential im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung, vergeben. Es geht um junge Menschen, denen wir zutrauen, die Welt positiv zu verändern.

Dr. Dyllon Randall hat für sein junges Alter (27) bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Er ist promovierter Chemieingenieur und arbeitet hauptsächlich an der Wiederaufbereitung von Minenabwässern. Südafrika ist ein weltweit führendes Bergbauland und dieser Industriezweig dort besonders wichtig. Dabei spielen Umweltaspekte eine wichtige Rolle. Dr. Randall beschäftigt sich damit, die bei der Förderung von Kohlen und Metallen anfallenden Abwässer umweltschonend von Schadstoffen zu reinigen. Zu diesem Zweck hat er ein absolut neuartiges Verfahren entwickelt: Eutectic Freeze Crystallization. Mit Hilfe dieser Technologie ist es möglich, 96% des verunreinigten Wassers in brauchbare Salzprodukte und Trinkwasser umzuwandeln. Die Jury ehrte ihn für seine Innovation und seine weitergehende ganzheitliche Betrachtung der Bergbauwirtschaft auch vor dem Hintergrund, dass die Versorgung mit sauberem Wasser weltweit eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Es ist für uns alle lebensnotwendig, die Verschwendung von Wasser zu minimieren und den Wasserkreislauf zu schließen. Dr. Randall trägt signifikant dazu bei und unterstreicht damit die erfreuliche Entwicklung der südafrikanischen Wasserwirtschaft. Dr. Randall hat den Aufenthalt in Deutschland genutzt, um sich über deutsche Spitzenforschung und –technologien im Bereich des Wassermanagements zu informieren und Forschungskooperationen in diesem Bereich anzubahnen.

Hier knüpft auch die Arbeit von Dr. Owen Horwood an. Nach drei Master-Abschlüssen und der Promotion an der Universität Oxford ist Dr. Horwood nun als Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit in seinem Heimatland Südafrika tätig, das ihm besonders am Herzen liegt. Mit seinem besonders breit gefächerten fachlichen Hintergrund hat er sich auf das Thema Wasserwirtschaft spezialisiert. Er bezieht dabei politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte ein. In einer Studie verglich er die Wasserwirtschaft im Rhein-Ruhr-Gebiet in Deutschland mit dem Olifants-Wassergebiet in Südafrika.

Alanna Rebelo von der Stellenbosch University wurde ebenfalls aufgrund ihrer hohen Interdisziplinarität und ihres sozialen Engagements ausgewählt. Sie befindet sich noch im Masterstudium, doch lassen ihre bisherigen Leistungen auf eine vielversprechende Forscherkarriere schließen. Frau Rebelo nutzt ihre Expertise in den Bereichen der Hydrologie, Ökologie, Wirtschaft und Soziologie, um die Auswirkungen von Änderungen in der Landnutzung zu untersuchen. Ihre Forschung trägt dazu bei, Wassersicherheit zu gewährleisten sowie nachhaltige Landwirtschaft durch angemessenes Landmanagement und die Beseitigung invasiver fremder Pflanzenarten zu fördern.

Der interdisziplinäre Ansatz, den alle drei „Green Talents“ zeigen, ist ein Schlüssel zu globaler Nachhaltigkeit. Wir müssen voneinander und miteinander lernen. Das „Green Talents“ Forum bringt Menschen verschiedenster Fachrichtungen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam an den Problemstellungen zu arbeiten, die uns alle betreffen: Klimawandel, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust und Rohstoffmangel.

© Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel mit den südafrikanischen Preisträgern von 2011 (Quelle: Internationales Büro des BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika gilt ja als „Tor zu Afrika“ und gleichzeitig als wichtigster Wissenschaftspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Erklärung des BMBF und seines südafrikanisches Counterparts Department of Science and Technology (DST) von 2008, konzentriert sich die bilaterale Kooperation auf die Nachhaltigkeitsforschung. Welche Ziele werden hierbei verfolgt und wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Antwort: Bei der Nachhaltigkeitsforschung geht es darum, Fragen zu nachhaltiger Entwicklung wissenschaftlich aufzubereiten und Nachhaltigkeitsstrategien auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene und in Praxisfeldern zu bearbeiten. Afrika ist vom Klimawandel in hohem Maße betroffen. Hier gilt es, zusammen mit Südafrika, besonders effektive Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um den durch den Klimawandel entstehenden Herausforderungen zu begegnen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Nachhaltigkeitsforschung wird aber nicht die alleinige Ausrichtung der vielfältigen Kooperationen mit Südafrika sein. Allerdings werden alle Projekte und Maßnahmen aus den oben genannten Gründen dem Gesichtpunkt der Nachhaltigkeit in besonderer Weise Rechnung tragen.

2010sdafrika-Redaktion: Erwägt das BMBF einen Ausbau der Kooperationen mit Südafrika?

Antwort: Die Kooperation mit Südafrika soll weiter ausgebaut werden. Am 16. April 2012 eröffnet Bundesministerin Schavan gemeinsam mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Ministerin Naledi Pandor in Kapstadt das „Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/13“. Dieses Jahr wird ein Anreiz sein, um durch eine Vielzahl von Projekten, Vorhaben und Veranstaltungen die bereits jetzt sehr gute und fruchtbare Kooperation zwischen Deutschland und Südafrika weiter zu vertiefen.

2010sdafrika-Redaktion: Der Einfluss Chinas in Südafrika, unter anderem im Forschungsbereich, manifestiert sich zunehmend. Befürchten Sie eine akademische Kooperations-Umverlagerung zu Lasten Deutschlands?

Antwort: Die Bemühungen Chinas sind bekannt. Für Südafrika ist es wie für uns selbst von Interesse, weltweit in der Forschung zu kooperieren. Wenn Deutschland in der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung die Kooperation mit den weltweit Besten anstrebt, verstehen wir jeden sehr gut, der dies ebenfalls anstrebt. Die deutsche Forschung ist aber auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt und fürchtet die Konkurrenz nicht. Im Gegenteil. Ich betrachte dies als Anreiz und als Herausforderung, globale Probleme gemeinsam zu lösen.

Chinas Präsident Hu Jintao begrüßte am 14.04.2011 den Beitritt Südafrikas in den Klub der Schwellenländer, den BRICS-Staaten, und betont u.a. die Zukunft der Süd-Süd-Forschungskooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. 

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie persönlich schon in Südafrika und welche Aspekte verbinden Sie rein intuitiv mit diesem Land?

Antwort: Ja, ich war vor längerer Zeit einmal in Südafrika. Es ist für mich ein wunderschönes, ein spannendes Land mit atemberaubender Landschaft. Ich verbinde mit Südafrika insbesondere auch gesellschaftlichen Aufbruch, aber auch enorme Herausforderungen.

2010sdafrika-Redaktion: Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, vielen Dank für dieses informative Interview!

Westerwelle und Niebel in Südafrika

Report I: HIV-Bekämpfung und Erneuerbare Energien nehmen Schlüsselrolle ein

(2010sdafrika-Redaktion)

Zum ersten Mal in der bisherigen Geschichte der Bundesrepublik haben der Bundesaußenminister und Bundesentwicklungsminister dem Partnerland Südafrika und somit dem afrikanischen Kontinent einen gemeinsamen Arbeitsbesuch abgestattet. Die FDP-Politiker Guido Westerwelle und Dirk Niebel eröffneten im April 2010 mit ihrem Amtskollegen Kgalema Motlanthe die alle zwei Jahre tagende „Deutsch-südafrikanische Binationale Kommission“. Die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane sprach sich gemeinsam mit Westerwelle für einen Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit aus und plädierte ebenfalls ab 2011 die Binationale Kommission jährlich einzusetzen.

Bundesentwicklungsminister Niebel gab hingegen bekannt, dass Deutschland in den nächsten zwei Jahren (2010/11) die junge Demokratie am Kap der guten Hoffnung mit 112,5 Millionen Euro bei der HIV-Vorbeugung, der Förderung erneuerbarer Energien und der Verbesserung der öffentlichen Verwaltung unterstützen wird. Für 2008/09 standen 86 Mio. Euro für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika bereit, welches einem Anstieg von knapp 31 Prozent entspricht. Auch ist von beiden Regierungen festgehalten worden, dass ein Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Unterstützung des jeweiligen Partners seine Zusicherung findet.

Zwischen der Bundesregierung und der südafrikanischen Regierung besteht seit 1996 eine „strategische Partnerschaft“, welche mit der Einsetzung der Binationalen Kommission offiziell ins Leben gerufen wurde. Das alle 2 Jahre tagende Gremium gilt als wichtigste Institutionen des bilateralen Dialogs, welche in den sechs Arbeitsbereichen der Wirtschaft, Kultur, Umwelt, Wissenschaft/ Forschung, Verteidigung und Entwicklungszusammenarbeit gegliedert ist, in diesem Jahr jedoch um den Bereich Arbeit/ Soziales erweitert wurde. Ebenfalls ist die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien neu gegründet worden, dem als Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika eine gewichtige Rolle zukommt.

Laut Angaben des Pressereferats des Auswärtigen Amtes (AA) „kooperieren im Energiebereich neben dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) auch das Bundesumweltministerium, das Bundesforschungsministerium, das Bundeswirtschafts-ministerium und das Auswärtige Amt mit Südafrika“. Die Schaffung „grüner Arbeitsplätze“ wird demnach vor allem deutschen Unternehmen zugute kommen, so das AA weiter. Knapp 70 % der vom BMZ zugesagten Mittel entfallen auf den Bereich Energie und Klima.

Wie allerdings die gemeinsame Afrikareise von Außenminister und Entwicklungsminister insgesamt zu bewerten ist, erscheint vielen Experten bisweilen als Rätsel. Die in der Vergangenheit als „Afrikapolitik aus einem Guss“ erklärte FDP-Doktrin, besagt grundsätzlich eine abgestimmte Außen- und Entwicklungspolitik. Kritiker werfen den Liberalen vor, das Bundesentwicklungsministerium allmählich zugunsten des Auswärtigen Amtes zu entmachten, wenn nicht gar vollständig aufzulösen. Entwicklungsminister Niebel ließ bereits gegenüber der Presse verlauten, dass diese Vorwürfe gegenstandslos seien und das BMZ nicht um seinen Fortbestand fürchten müsse.

© Auswärtiges Amt in Berlin

Ungeachtet dessen ist in den Leitlinien für die Afrika-Politik des AA vom Juni 2009 eine Umstrukturierung der bisherigen Außenpolitik erkennbar, wonach es heißt: „Dies erfordert eine Abkehr von rein entwicklungspolitisch ausgerichteten Einzelprojekten. Daher setzt das Auswärtige Amt sein gesamtes, weltweit bewährtes Instrumentarium der Außenwirtschaftsförderung ein“. Dieser ressortübergreifende Aspekt spiegelt sich auch im Weißbuch zur Entwicklungs-politik vom Juni 2008 wieder und wird vom BMZ hinsichtlich der Südafrika-Reise ihres Ministers aktuell wie folgt festgehalten: „Südafrika fällt als aufstrebende Volkswirtschaft eine bedeutende Rolle für die wirtschaftliche, soziale und demokratische Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent zu. So steht die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Südafrika im Kontext einer umfassenden Außen-, Sicherheits-, Umwelt- und Außenwirtschaftspolitik“.

Auf jeden Fall kann die Visite beider Bundesminister nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Ghassan Abid als erfolgreich bewertet werden. Während Westerwelle mit seiner Amtskollegin Nkoana-Mashabane das Vertrauensverhältnis zwischen beiden Nationen ausbauen konnte, intensivierte Niebel die Rahmenbedingungen für (Geschäfts-)Projekte auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien im Kontext der klimapolitischen Verantwortung Deutschlands. Die 2010sdafrika-Redaktion wird die Dienstreise des Bundesaußenministers und die Stellungnahmen der Presidency hinsichtlich der diesjährigen Deutsch-südafrikanischen Binationalen Kommission in zwei weiteren Reports in Kürze unter die Lupe nehmen.

siehe Report II vom 21.04.2010: Technologie „Made in Germany“ gefragt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/04/21/technologie-made-in-germany-gefragt/

siehe Report III vom 23.04.2010: Außenwirtschaftsförderung als Kernelement deutscher Außenpolitik:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/04/23/ausenwirtschaftsforderung-als-kernelement-deutscher-ausenpolitik/

Pressemitteilung von BMZ und AA zur Sitzung der Binationalen Kommission 2010:

http://www.pretoria.diplo.de/Vertretung/pretoria/de/BNK__PM__AA,property=Daten.pdf

Pressemitteilung des BMZ zur Sitzung der Binationalen Kommission 2010:

http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2010/april/20100409_suedafrika/index.html

Leitlinien für die Afrikapolitik des Auswärtigen Amtes:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/Afrika/downloads/2009-LeitlinienAfrikapolitik.pdf