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„Die Arbeit des BMZ in Südafrika zeigt Wirkung“

Im Interview mit Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Herrn Hans-Jürgen Beerfeltz.

Frauen in Südafrika sind besonders stark von sexueller Gewalt betroffen. Laut aktuellsten Angaben des „SA Institute of Race Relations (SAIRR)“ werden pro Jahr 2.500 Frauen getötet und über 200.000 Frauen attackiert. Hervorzuheben ist hierbei die Vergewaltigung der 17-jährigen Anene Booysens in Bredasdorp. Wie erklären Sie sich diese gesellschaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts am Kap?

Antwort: Die erschreckende Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südafrika hat viele Ursachen: Traditionelle Geschlechterrollen gehören dazu, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft durch die Apartheid wirkt heute noch nach. Viele Familien wurden durch das System der Wanderarbeit auseinander gerissen. Wo in den Arbeiterwohnheimen der Bergbaustädte nur Männer unter sich waren – und zum Teil heute immer noch sind – hat Gewalt immer weiter um sich gegriffen. Arbeitslosigkeit und Alkohol unter jungen Männern verstärken die Brutalisierung.

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Südafrika als ethnisches Pulverfass?

Weiße (Ultranationalisten) mobilisieren zunehmend gegen das Südafrika à la ANC

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika soll sich zu einer Regenbogennation entwickeln, so die Wunschvorstellung des anglikanischen Erzbischofes und Friedensnobelpreisträgers Demond Tutu. Dieses Projekt erweist sich vom heutigen Standpunkt aus in Anbetracht der bisherigen gesellschaftspolitischen Erfolge weiterhin als vorstellbar: Bürgerliche Freiheits- und Grundrechte für Jedermann, Einbindung damaliger benachteiligter Bevökerungsgruppen zu Apartheidzeiten im Politischen System des demokratischen Südafrikas, langsam fortschreitender Wohlstand und andere Errungenschaften.

Jedoch blieb ein wichtiger Aspekt zum „Nation-Building“ bisweilen aus – der unmittelbare Dialog miteinander und nicht wie bisher übereinander. Damit gemeint ist die Gesprächbereitschaft von Weiß mit Schwarz, Coloured mit Indern oder als Post-Apartheid-Novum, der Kontakt von Schwarzen mit jenen Schwarzen, die als Arbeitsmigranten aus Nachbarstaaten wie Mosambik, Simbabwe oder Lesotho nach Südafrika kamen. Unvergessen sind ebenso die innersüdafrikanischen Kämpfe zwischen Mitgliedern der Regierungspartei ANC und der Inkatha Freedom Party, welche bei den Parlamentswahlen im Jahre 2009 im Osten des Landes erneut aufflammten. Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass neben den „big challenges“ wie HIV/AIDS, Mord, Vergewaltigung, Korruption und extreme Armut, auch die Herausforderung des Nation-Buildungs – dem Heranwachsen einer gemeinsamen Identität aller südafrikanischer Ethnien – nicht wie gegenwärtig aus den Augen verloren werden darf.

Konsequenz dieser verschlafenen Dialogförderung konnte jüngst über die Osterfeiertage beobachtet werden, als der Führer der rechtsextremen Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), Eugène Terre’Blanche, auf seiner Farm in Ventersdorp von zwei seiner schwarzen Angestellten wegen ausbleibender Lohnzahlungen erschlagen worden ist. Die Mitglieder der AWB weisen die Schuld für diese Straftat unmittelbar dem ANC zu. Tatsächlich ist es in der Vergangenheit laut Erkenntnissen der BBC seit 1994 zu über 3.000 Morden an weißen Farmer gekommen. Auch hat der Präsident der Jugendorganisation ANC Youth League, Julius Malema, eine Rüge vorm Obersten Gericht des Landes erhalten, wonach er nicht mehr das Lied „Kill the Boer“ (sinngemäß übersetzt: Tötet die holländischstämmigen Farmer) in der Öffentlichkeit vorzutragen hat.

© Presidency erkennt gefährliche Lage

Ungeachtet der besonnenen Reaktionen auf der politischen Ebene, bedarf es in Südafrika einem umfassenden politischen Dialog aller Ethnien, welcher „miteinander“ zu erfolgen hat. Denn immer mehr weiße Südafrikaner nähern sich radikalen Vorstellungen an oder kehren ihrer Heimat den Rücken (Phänomen auch als „brain drain“ bezeichnet). Allein bei Facebook, dem größten globalen Social Network, ist zu entnehmen, dass die Mitgliedschaft in rassistischen Gruppen rapide im Anstieg  und seit dem Mord an den AWB-Führer teilweise sogar sprunghaft explodiert ist.  Allein in der Gruppe „In Memory of our leader Eugene Terre’Blanche“ (zu Deutsch: In Gedenken an unseren Führer Eugene Terre´Blanche) fanden sich bereits innerhalb weniger Tage schon fast 3.000 User zusammen, in welcher Stimmung gegen den ANC gemacht, der Rassist Terre´Blanche mit Jesus Christus gleichgesetzt und Ideologien aus der Apartheid vertreten werden.

Eine Institution, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Deutschland, könnte auch in Südafrika als richtungsweisendes Organ zum Dialog gegründet werden und diesbezügliche Informationen zur Implementierung einer Regenbogennation für Schulen und Gesellschaft kostenfrei zur Verfügung stellen. Denn die politische Bildung  in der jungen afrikanischen Demokratie erweist sich in punkto Versöhnung notwendiger denn je. Andernfalls wird die vergangene Apartheid als ideologisches Unrecht zunehmend seinen Platz in der Gegenwart wiederfinden.

Präsident Jacob Zuma verurteilt Mord an AWB-Führer:

http://www.thepresidency.gov.za/show.asp?include=president/pr/2010/pr04031258.htm&ID=2050&type=pr

Präsident Jacob Zuma betont Besonnenheit und Zusammengehörigkeitsgefühl:

http://www.thepresidency.gov.za/show.asp?include=president/pr/2010/pr04041456.htm&ID=2051&type=pr

BBC-Artikel zu Julius Malema:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/8603048.stm

Terre´Blanche-Profilanalyse des Al Jazeera Channels:

http://english.aljazeera.net/news/africa/2010/04/201044125732809976.html

Facebook-Gruppe zum Gedenken an den AWB-Führer:

http://www.facebook.com/home.php#!/group.php?gid=111635918856368&v=wall&ref=search