Schlagwort-Archive: Briten

„Ihr seid nicht im gottverdammten Zoo!“

Fehlverhalten von Touristen im Krüger-Nationalpark. Das Schweigen wird der Aufklärung vorgezogen

(Autor: Ghassan Abid)

Der auf zwei Millionen Hektar erstreckende Krüger-Nationalpark zählt zu den beliebtesten Touristenzielen in Südafrika. Safari-Fans aus aller Welt wollen wilde Tiere beobachten. 147 Säugetierarten, 49 Fischarten, 34 Amphibienarten, 114 Reptilienarten und 507 Vogelarten sind aktuell gezählt worden. Die 336 Baumarten gehen bei dieser Auswahl schnell unter. Was ebenfalls untergeht bzw. von der Parkleitung bewusst verschwiegen wird, sind die unzähligen Vorfälle, die durch das Fehlverhalten von Touristen hervorgerufen werden.

    © Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen im Krüger-Nationalpark. Wegen des Fehlverhaltens von Touristen sind wiederholt Angriffe durch Tiere zu beobachten. Die für den Krüger-Nationalpark zuständige Staatsgesellschaft SANParks verschweigt ganz bewusst sämtliche Informationen zu solchen Vorkommnissen. Im Bild ist der Ausgang eines Elefantenangriffs auf britische Touristen im November 2012 zu sehen. (Quelle: Privat)

© Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen im Krüger-Nationalpark. Wegen des Fehlverhaltens von Touristen sind wiederholt Angriffe durch Tiere zu beobachten. Die für den Krüger-Nationalpark zuständige Staatsgesellschaft SANParks verschweigt ganz bewusst sämtliche Informationen zu solchen Vorkommnissen. Im Bild ist der Ausgang eines Elefantenangriffs auf britische Touristen im November 2012 zu sehen. (Quelle: Privat)

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Südafrika – Einreisemagnet sondergleichen

254.714 Deutsche kamen aus Freude, 2.363.806 Simbabwer aus Verzweiflung im Jahr 2011 ans Kap

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Regierung veröffentlicht jedes Jahr das Statistische Jahrbuch, um Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft, auf dem Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft und bei den Preisen mit Zahlen aufzeigen zu können. Hieraus leiten sich in der Regel wirtschafts-, arbeitsmarkt- und finanzpolitische Maßnahmen des Staates ab. Aus der Publikation „South African Statistics 2012“ gehen auch Zahlen mit Deutschlandbezug hervor – und eine starke Diskrepanz zur Einreise von Millionen Menschen.

    © Südafrika zählt zu den beliebtesten Einreiseländern weltweit. Arbeitsmigranten, Flüchtlinge und Touristen suchen in großer Zahl das Kapland auf. 254.714 Deutsche bereisten im Jahr 2011 die Regenbogennation, meist für touristische Zwecke. (Quelle: flickr/ South African Tourism)

© Südafrika zählt zu den beliebtesten Einreiseländern weltweit. Arbeitsmigranten, Flüchtlinge und Touristen suchen in großer Zahl das Kapland auf. 254.714 Deutsche bereisten im Jahr 2011 die Regenbogennation, meist für touristische Zwecke. (Quelle: flickr/ South African Tourism)

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Glück im Unglück in den Flitterwochen

Safari-Erlebnis unter Gefahr: 24-jährige Südafrikanerin überlebt Nashornangriff

(2010sdafrika-Redaktion)

© Das junge Johannesburger Ehepaar Chantal Beyer und Zven Fouché hatten Glück im Unglück. Beim Fotografieren mit Nashörnern ist die Frau von einem Nashorn schwerverletzt worden. Nur durch das Eingreifen ihres Mannes konnte Schlimmeres verhindert werden. Das Aloe Ridge Hotel & Game Reserve schweigt zum Vorfall. (Quelle: Privatbestand)

© Das junge Johannesburger Ehepaar Chantal Beyer und Zven Fouché hatten Glück im Unglück. Beim Fotografieren mit Nashörnern ist die Frau von einem Nashorn schwer verletzt worden. Nur durch das Eingreifen ihres Mannes konnte Schlimmeres verhindert werden. Das Aloe Ridge Hotel & Game Reserve schweigt zum Vorfall. (Quelle: Privatbestand)

Am 28. März 2011 sind Chantal Beyer und Zven Fouché aus Johannesburg offiziell als Liebespaar zusammengekommen. Am 30. Oktober 2011 folgte die Verlobung und am 1. Dezember 2012 der große Tag in ihrem Leben – die Hochzeit. In diesem Monat, so eine Information aus dem unmittelbaren Freundeskreis der Beiden, verbrachte das junge Ehepaar ihre Flitterwochen am Pool und mit Tieren.

Vor wenigen Tagen hielten sich Chantal und Zven im Aloe Ridge Hotel & Game Reserve auf. Sie wollten ihre Flitterwochen mit einem klassischen Safari-Erlebnis abschließen, heißt es. Nach einem Artikel der Afrikaans-Zeitung „Beeld“[zu Deutsch: Bild] soll der Reserve-Eigentümer Alex Richter die in unmittelbarer Umgebung befindlichen Nashörner mit Futter angelockt haben.

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Power of Zulu – Tanzen als integraler Bestandteil

Ob Krieg oder Heirat – bei den Zulus wird getanzt

(Autor: Ghassan Abid)

Afrikaner tanzen gerne. Die Lebensfreude vieler afrikanischer Völker spiegelt sich insbesondere im Tanz umd im Gesang wieder, unter anderem auch bei den Zulus. Die Zulus sind eine Ethnie der Volksgruppe Bantu. Sie stellt mit knapp 11 Millionen Volkszugehörigen die größte Ethnie Südafrikas dar.  Ihre Sprache ist IsiZulu, welche in der östlichen Provinz Südafrikas, in KwaZulu-Natal, beheimatet ist. Ebenfalls leben im Königreich Swasiland weitere  Zulus, welches seit dem 25. April 1986 durch den autokratischen König Mswati III.  regiert wird.

Die Zulus sind eine stolze Bevölkerungsgruppe, die nach den Erkenntnissen von Afrikawissenschaftlern aus dem heutigen Kongo in Zentralafrika stammt und nach Südafrika wanderte. Sie verdrängten sehr erfolgreich andere Völker. Das Stammeshäuptling spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da die Zulus bis zum heutigen Tage ihre Herrscher nach wie vor verehren und schätzen. König Shaka gilt als eines der populärsten Vorbilder, denn war er jenes Oberhaupt, welches die Zulu-Bevölkerung im 19. Jahrhundert zu großen Siegen verschaffte und erstmalig eine professionelle Kriegerausbildung organisierte. Die Einbindung von unterlegenen Stämmen in die Strukturen der Zulus erwies sich als neuartig und raffiniert zugleich, da die Kriegeranzahl somit erheblich angestiegen ist und territoriale Expansionsbestrebungen leichter zu erzielen waren.

Als die Briten ihre Kolonialpolitik im südlichen Afrika ausweiten wollten, erkannten sie die Gegenmacht der Zulus. Blutige Kriege und die Schlacht bei Ulundi am 04. Juli 1879 zerstörten letztendlich die regionale Vormachtsstellung der Zulus. Das Königreich der Zulus ist in 13 kleinere Einheiten zersplittert worden. Was heute geblieben ist, ist der Stolz der Zulus auf ihre eigene kulturelle Identität. Vor allem der Tanz verbunden mit musikalischer Begleitung spielt bei den Zulus eine bedeutende Rolle.

Der gegenwärtige Präsident Südafrikas, Jacob Zuma, ist ebenfalls ein  Zulu, der mehrfach mit großem Stolz seine ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Verbundenheit betont hat, unter anderem seine Vorliebe für die Polygamie. Allerdings werden die Zulus für genau dieses patriarchalische Verhältnis zu Frauen sehr kritisiert. Laut Angaben der südafrikanischen NGO ´Bobbi Bear´- aber auch andere Organisationen vertreten diese Auffassung – blockieren vor allem Zulus die Aufdeckung von sexuellen Missbrauchsfällen an Kindern und Frauen.

Klassischer Zulu-Tanz zur Vorbereitung auf den Krieg

Südafrika nach der Fußballweltmeisterschaft – Quo vadis?

Experten ziehen in der Brandenburgischen Landeszentrale ein Fazit zur ´Regenbogennation´

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Im August 2010 fand in der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam eine Veranstaltung zum Thema „Südafrika nach der Fußballweltmeisterschaft“ statt. Die politische und soziale Situation des letzten WM-Gastlandes stand im Mittelpunkt der Diskussion.

Neben Bärbel Möller als Moderatorin, standen als Referenten Gerd Rüdiger Stephan, ehemaliger Leiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) im südlichen Afrika, sowie Dr. Klaus Freiherr von der Ropp von SA Consulting Potsdam, dem Publikum für Fragen zur Verfügung.

© v.l.: Gerd Rüdiger Stephan, Dr. Bärbel Möller und Dr. Klaus Freiherr von der Ropp

Gerd Rüdiger Stephan betonte zunächst die positiven Entwicklungen Südafrikas seit Apartheidsende, welche trotz der großen Probleme nicht vergessen werden dürften. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten seien dank der progressiven Verfassung des Landes die bisherigen Wahlen stets demokratisch und fair abgelaufen. Zudem habe Südafrika bis 2005 ein Wirtschaftswachstum von 5 Prozent zu verzeichnen und besitze eine relativ stabile Währung. Grund dafür seien unter anderem der Rohstoff-Reichtum und der produktive Tourismussektor.

Als Erfolg bezeichnete er ausserdem die diesjährige Fußballweltmeisterschaft. Entgegen aller Befürchtungen sei es weder während der WM, noch nach Abflauf dieses Großspektakels zu Unruhen gekommen. Auch die Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur würden nach dem Ende der WM dem Lande nachhaltig zugute kommen. Interessant erweist sich dessen Feststellung, dass die aktuellen Probleme in Südafrika gewisse

Parallelen zur ehemaligen DDR aufweisen. Arbeitslosigkeit, die riesige Diskrepanz zwischen Arm und Reich, die zunehmende Inflation und somit drastischer Preisanstieg der Grundnahrungsmittel – all dies bedinge den „sozialen Zündstoff“. In Südafrika löste diese explosive Stimmung umfrangreiche Streiks und sogar tödliche Ausschreitungen aus, welche sich 2008 gegen afrikanische Einwanderer in den Townships richteten. Gewaltverbrechen wie Mord, Totschlag, Raub und Vergewaltigung gehören zudem zum südafrikanischen Alltag.

Die Aufklärungsrate bezifferte Stephan allerdings mit nur 13 Prozent; eine erschreckende Statistik. Bestehende Energieprobleme, verursacht durch unregelmässige oder ausgebliebene Wartungen in Kraftwerken, sei ein weiteres Faktum zu den aktuellen Herausforderungen dieser jungen Demokratie. Der Strom werde manchmal für Stunden abgeschaltet, sodass Notstromaggregate genutzt werden müssen, mit der Konsquenz eines extremen Energiepreisanstieges.

Als weiteres Problem nannte er die abnehmende Qualität des Schul-und Gesundheitssystems. Zwar genießen die Patienten einen hohen Versorgungsstandard, dennoch sind die meisten Bürger hierbei ausgeschlossen. Hinzu kommt die Aidsrate, die dritthöchste weltweit. Zu bemängeln sei auch das gegenwärtige politische System Südafrikas, mit dem damaligen unter Korruptionsverdacht stehenden Präsidenten Jacob Zuma sowie die schwache Rolle der Opposition gegenüber der Regierungspartei ANC. Summa summarum sind in Südafrika positive und negative Entwicklungen zu beobachten, beendete der ehemalige RLS-Leiter im südlichen Afrika auf diesem Wege dessen soziopolitische Analyse.

Dr. Klaus Freiherr von der Ropp schloss sich der Position Stephans bezüglich der ,,scheinbaren Parallelität zwischen Südafrika und dem Deutschland von 1989“ an. Allerdings sei eine demokratische Struktur, wie es sie in Deutschland gibt, in Südafrika „überhaupt nicht“ vorhanden.

Zur Weltmeisterschaft sagte er, diese sei eine ,,hervorragende Leistung“, da es zu keinen Aufständen gekommen ist. Dies sei nämlich vor allem der internationalen Unterstützung zu verdanken, besonders die der Amerikaner und Briten. Er warf allerdings die interessante Frage auf, ob die während der WM herrschende Stabilität und Sicherheit auch von Dauer sein kann. Denn in jeglichen Verwaltungsbereichen mangele es nach wie vor an qualifizierten und erfahrenen Fachkräften. So gelinge es der Polizei weiterhin nicht, die hohe Kriminalität zu bekämpfen und Verbrechen aufzuklären. Auch der Zoll in Südafrika erfordere enorme Anstrengungen. Durch den ,,löchrigen“ Zoll drückten illegale Importe aus China die lokale Produktion, verstärkt durch mangelnde Kontrolle an den Außengrenzen. Beides führe zu mehr Arbeitslosen sowie zur Abwanderung von Fachkräften ins Ausland. Korruption spiele hierbei auch eine große Rolle, so Dr. von der Ropp.

Weiterhin würden Trink-und Abwassersysteme sowie Kraftwerke nicht mehr ordnungsgemäß gewartet. Die Folge seien kontaminiertes Wasser, Stromausfälle und Strompreiserhöhungen, wie es Gerd Rüdiger Stephan bereits angemerkt hat. Der Grund für die nicht funktionierenden Verwaltungsbereiche sei die nach Apartheidsende eingeführte Affirmative Action Policy, welche die Einbindung der bisher benachteiligten Mehrheit vorsieht. Diese sei aber in der Realität nicht umzusetzen. Denn die Mehrheit der schwarzen Südafrikaner erfuhr während der Apartheid nicht die nötige Ausbildung und Berufserfahrung. Hingegen wurden fachkundige Afrikaaner, also holländischstämmige (weiße) Südafrikaner, im Gegenzug entlassen. Der einzige Bereich, in welchem die Affirmative Action noch keinen Einzug erhalten hat, sei die Finanzverwaltung und Zentralbank. Dr. von der Ropp betonte, dass diese Tatsachen in Südafrika einfach totgeschwiegen würden.

Zum Schluss seines Vortrages plädierte der Vertreter von SA Consulting Potsdam die Einsetzung eines funktionierenden Beamtenapparates. Er habe die Hoffnung, dass Präsident Zuma dies erkennt und berufserfahrene, fachkundige Afrikaaner einstellen würde. Zudem sollten die Afrikaanssprachigen sowie die indischstämmigen Südafrikaner ein Minderheitenschutz genießen.

Überwacht könnte dieses System durch die Briten, bedingt durch den hohen Anteil britischstämmiger Südafrikaner. Deutschland hingegen werde hierbei keine bedeutende Rolle einnehmen können, denn schließlich, so Dr. von der Ropps weiter, habe sich die Bundesregierung auch in der Vergangenheit stets zurückgehalten.

Das Publikum fand ein großes Interesse an der Veranstaltung der Brandenburgischen Landeszentrale. Während der Diskussion eröffneten sich den Teilnehmern stets Fragen nach den Lösungsmöglichkeiten der Regierung unter Präsident Jacob Zuma. Wie solle der Präsident die bestehenden Probleme im Lande lösen, besprach das Publikum im direkten Gespräch mit den Referenten diese komplexe Fragestellung. Fest stand, dass Zuma als Person sowie dessen Handlungen bei den Veranstaltungsteilnehmern umstritten war.

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2010sdafrika-Artikel bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung  veröffentlicht:

http://www.politische-bildung-brandenburg.de/programm/veranstaltungen/2010/aug18_bericht.html