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„Südafrikas Armee ist ein verlässlicher Partner“

Im Interview mit Generalleutnant Martin R. Schelleis, Kommando Einsatzverbände Luftwaffe

(Autor: Ghassan Abid)

General Schelleis (2)

© Generalleutnant Martin Richard Schelleis leitet das „Kommando Einsatzverbände Luftwaffe“, eines von drei Säulen der Luftwaffe. Im Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erläutert der leitende Offizier die Bedeutung Südafrikas für die deutschen Streitkräfte. (Quelle: Luftwaffe)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Generalleutnant Martin Richard Schelleis. Kurz zur Struktur der Luftwaffe: Diese ist in drei Säulen unterteilt. Eine davon ist das „Kommando Einsatzverbände Luftwaffe“, das unter Ihrer Führung steht. Welchen Auftrag verfolgt das Kommando und welche Verbände sind dem untergeordnet?

Antwort: Zusammen mit den unterstellten Verbänden und militärischen Dienststellen bildet das Kommando den Kern der deutschen Einsatzluftwaffe. Als Haupttruppensteller der Luftwaffe sind wir im Wesentlichen verantwortlich für Ausbildung und Bereitstellung fliegender und bodengebundener Luftstreitkräfte für Einsatzaufgaben. Dies nicht nur für die laufenden Auslandseinsätze der Bundeswehr, wie in Afghanistan oder Afrika, sondern auch für die Bereitschaftsverbände von NATO und EU sowie für die Dauereinsatzaufgaben im Inland, etwa die Sicherheit im Luftraum. Mir unterstehen die mit EUROFIGHTER und TORNADO ausgestatteten Taktischen Luftwaffengeschwader, die mit TRANSALL – demnächst A400M – und CH 53 ausgestatteten Transportgeschwader, die fliegerischen Ausbildungseinheiten sowie die u.a. mit PATRIOT ausgerüstete bodengebundene Flugabwehr, die Objektschutzkräfte, die Radareinheiten zur Einsatzführung und Kontrolle des Luftraumes und schließlich die luftwaffenspezifischen IT-Kräfte.

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Rüstungskonzerne in der Nord-Süd-Transition

Rheinmetall baut Marktanteile in Südafrika aus

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Rheinmetall AG baut ihr Geschäft in der Defence-Sparte mit Südafrika erheblich aus. Wie nun bekannt wurde, übernimmt der Düsseldorfer Rüstungskonzern zum November dieses Jahres das südafrikanische Unternehmen Laingsdale Engineering (Pty) Ltd vom Kapstädter Technologie-Riesen Tellumat (Pty) Ltd.

© Puma-Panzer des Düsseldorfer Konzerns (Quelle: Rheinmetall AG)

Laingsdale Engineering ist auf die Herstellung von feinmechanischen Bauteilen und Munition für die Rüstungsindustrie spezialisiert und erzielte mit 180 Mitarbeitern für 2009 einen Umsatz von umgerechnet 10 Millionen Euro. Über den genauen Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Der Zukauf an Laingsdale Engineering wird zu 51 Prozent über die Rheinmetall Waffe Munition GmbH in Unterlüß abgewickelt, während die restlichen Anteile von 49 Prozent über die südafrikanische Rheinmetall Denel Munition (Pty) Ltd in Somerset West gehalten werden.

Rheinmetall Denel Munition, die südafrikanische Gesellschaft des Düsseldorfer Konzerns, welche sich zu 49 Prozent im Staatsbesitz Südafrikas befindet, ist bereits jetzt mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2009 der führende Munitionsanbieter in Südafrika. Mit dem Beteiligungskauf an Laingsdale Engineering soll dieser Spitzenplatz weiterhin ausgebaut und das regionale Abnehmernetz im südlichen Afrika erweitert werden. Somit werden die bisherigen fünf Standorte der südafrikanischen Tochtergesellschaft der Rheinmetall AG in Boksburg, Mitchells Plain, Potchefstroom, Somerset West und Wellington, nun um eine Manufaktur in Kapstadt ergänzt.

Der auf die deutsch-südafrikanischen Beziehungen spezialisierte Politikwissenschaftler Ghassan Abid sieht im Zukauf am Kap eine „präventive Gegenmaßnahme zu erwarteten Umsatzeinbrüchen im europäischen Raum. Alles deute zurzeit darauf hin, dass die Bundesregierung den Verteidigungsetat von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) drastisch kürzen sowie nach Empfehlung der Strukturkommission unter Frank-Jürgen Weise sowohl die Beschäftigtenzahl des Bundesverteidigungsministeriums, als auch die Truppenstärke dem Rotstift unterziehen wird. Auch der britische Premierminister David Cameron ließ verlauten, dass in den nächsten vier Jahren der nationale Verteidigungsetat um acht Prozent gedrosselt  werden soll. Demnach wird das Engagement deutscher Rüstungskonzerne im nichteuropäischen Ausland kurz- und mittelfristig expandieren – vor allem in Afrika – um einen institutionellen Ausbalancierungseffekt erzielen zu können“, so Abid weiter.

© Hauptsitz der Rheinmetall AG in Düsseldorf (Quelle: Rheinmetall AG)

Laut Berichten der Financial Times Deutschland erwartet Rheinmetall mit dem Ausbau seiner Aktivitäten in Südafrika eine höhere Chance beim Zuschlag von staatlichen Ausschreibungen im Wehrbereich, unter anderem beim Verkauf von mehr als 4.000 Militär-Lkw sowie eventuell von Leopard-Panzern an das Verteidigungsministerium Südafrikas. Fakt ist, dass Südafrika seit Jahren seine militärische Regionalmachtstellung zu See, Luft und Boden ausbaut, unter maßgeblicher Hilfe aus Deutschland.

2010sdafrika-Artikel zur deutsch-südafrikanischen Militärzusammenarbeit:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/03/04/manover-good-hope-iv-in-action/

Presseerklärung von Rheinmetall AG zu Südafrika-Geschäft:

http://www.rheinmetall.de/index.php?lang=2&fid=2263