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Urlaub in Kapstadt – ohne Mietauto‎

Ein Reisebericht zu Kapstadt- Teil 1

(Autorin: Annemarie Köster)

Oft wird behauptet, es gebe in Kapstadt keinen öffentlichen Nahverkehr, weshalb man unbedingt ein Mietauto brauche. Das stimmt so nicht ganz. Da ich 2007 für Kapstadt kein Ausflugsprogramm gebucht hatte und meine Gastmutter nicht über Gebühr als „Taxi“ in Anspruch nehmen wollte, habe ich den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Natürlich beziehen ‎sich meine Erfahrungen mit Zug, Bus und Minibus-Taxi nur auf Zeiten mit Tageslicht. Das ‎endete leider schon zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr. Danach brauchte man gute Freunde ‎mit Auto oder ein Taxi.‎

© Im Zug

Ostermontag bin ich nach Simonstown gefahren – Pinguine gucken. Der Fahrkartenschalter ‎am Bahnhof Newlands ist an Sonn- und Feiertagen nicht besetzt. Man wartet also während ‎der Zugfahrt auf den Schaffner, um eine Fahrkarte zu kaufen. (manchmal kommt sogar einer). Von einem Security Guard (die gibt es auf jedem Bahnsteig und auch oft in den Zügen) ‎habe ich mich durch den Fußgängertunnel zum anderen Bahnsteig begleiten lassen. Es war ‎noch recht früh am Morgen und kaum Reisende zu sehen. Auch der Zug war ziemlich leer ‎und das gefiel mir nicht so sonderlich.‎

In Simonstown gibt es Rikki-Taxis, die vom Bahnhof zu den Pinguinen fahren. Das Glück ‎hatte ich leider nicht, einen freien Platz zu erwischen. Bis zum Badestrand bin ich von der ‎Ortsmitte mit einem normalen Taxi gefahren und dann etwas oberhalb des Wassers einen hölzernen Pfad entlang gelaufen. Im Gebüsch gab es massig Pinguine zu sehen. Der Pfad ‎endete am offiziellen Eingang zum „Pinguin-Strand“.

Den Weg zurück zum Bahnhof kannte ‎ich von der Taxifahrt. Es war keineswegs zu weit und komplett schattig, was ich an dem Tag besonders wohltuend fand. In Simonstown waren auch genügend Geschäfte geöffnet, um ‎sich ein wenig umzusehen. ‎ Auf dem Rückweg habe ich in Kalkbay Station gemacht, um ein zweites Mal im Schirocco ‎‎(ein Restaurant am Bahnhof komplett im Freien, nur die Toilette hat Wände, Tür und ein ‎Dach) meinen Lunch zu essen und anschließend mal wieder durch die zahlreichen Trödel- ‎und Antiquitätenläden zu bummeln.‎

An einem Sonntagnachmittag bin ich zusammen mit meinem Hostbruder aus Angola nach ‎Falsebay gefahren zum Konzert eines Sängers, der Filmschlager aus alten amerikanischen ‎Filmen dargeboten hat. In Muizenberg hatten wir unseren Lunch und haben dabei das ‎Strandleben beobachtet. Das Masque Theatre befindet sich unmittelbar am Bahnhof Falsebay und so war der letzte Zug bei Tageslicht bequem zu erreichen. Am Wochenende gibt es ‎immer Nachmittagsvorstellungen, die sich aber nur durch ihren geringeren Preis von denen ‎am Abend unterscheiden. Wenn man nur zum Strand will, steigt man natürlich direkt am ‎Bahnhof Muizenberg aus.‎

An einem Montagnachmittag war ich zu einer Geburtstagsparty in Fischhoek eingeladen. ‎Auch das war bequem per Zug zu erreichen. Ich war zwar die Einzige, die in Fishhoek zu ‎Fuß unterwegs war, habe mich aber keineswegs unsicher gefühlt. Einheimische hatten mir ‎zuvor versichert, daß man im „Rentnerdorf“ Fischhoek am Tage gefahrlos herumspazieren ‎kann.‎

Um an die Waterfront zu kommen, habe ich den Zug bis Cape Town Station benutzt und bin ‎dann vor dem Bahnhof in den Golden Arrow Bus umgestiegen. ‎

© Im Linienbus

Für die Fahrt zum Baxter Theatre auf dem Universitätsgelände kann man den Bus ebenfalls ‎benutzen. Busfahrer sind freundliche Leute und halten schon mal da, wo man aussteigen ‎möchte. Für die Rückfahrt muß man dann aber ein Taxi bestellen. Das ist eine Erfahrung ‎meiner Gastmutter. Selbst ausprobiert habe ich es nicht, weil ich immer eine Mitfahrgelegenheit hatte und tagsüber auch schon mal zu Fuß gelaufen bin.‎

Wenn‘s mal schnell in die Stadt gehen sollte, habe ich ein Minibus-Taxi bevorzugt. Es gab ‎die schnellen – zwischen Cape Town Station und Claremont ohne Zwischenstop – oder die ‎interessanten durch die Vororte, die auch der Zug passiert. Das einzige, worauf ich geachtet ‎habe war, daß immer genügend Leute im Taxi saßen bevor ich eingestiegen bin. Mit Fahrer ‎und Kassierer allein oder vielleicht nur ein bis zwei Fahrgästen wäre ich sicher nicht gefahren. Das war aber an einem Wochentag nachmittags sowieso nicht zu erwarten.‎

© Red Bus Rundfahrt

Eine gute Sache waren auch die Sightseeing-Busse, sogenannte Red Buses, die eine „rote“ ‎und eine „blaue“ Runde durch die Stadt fahren. Nach einer wunderschönen Wanderung von ‎ca. 45 Minuten am Sonntag Vormittag habe ich am Tor 2 des Botanischen Gartens Kirstenbosch den Bus der blauen Route bestiegen und bin erst mal nur eine Station bis zur World of ‎Birds mitgefahren. Es ist nunmehr kein reiner Vogelpark mehr sondern beherbergt auch kleine Äffchen (mit denen man zum Teil spielen kann), Meerschweinchen, Schildkröten, Alpakas ‎und vieles mehr. Nach zwei Stunden habe ich die Fahrt dann fortgesetzt, um nach einer gemütlichen Rundfahrt mit 20 Minuten Aufenthalt in Hout Bay am Hafen wieder nach Kirsten-‎bosch zurück zu kommen. (Meinen schönen neuen Paß der „Republik of Hout Bay“, den ich ‎mit dem Busticket, das auch andere Vergünstigungen enthält, bekommen habe, wollte aber ‎niemand sehen). Die Rundfahrt kostete zumindest weniger als ein Taxi zum Vogelpark und ‎zurück.‎

Die rote Route führt unter anderem auch zur Talstation der Tafelberg-Seilbahn. Meine einzige Zusteigemöglichkeit wäre an der Waterfront gewesen. Es soll allerdings auch funktionieren, den Bus einfach am Bahnhof anzuhalten, aber darauf habe ich mich dann lieber doch ‎nicht verlassen. Der erste Red Bus kam vormittags leider so spät an der Talstation an, daß ‎ich – Wartezeit an der Seilbahn eingerechnet – kaum Zeit auf dem Berg gehabt hätte bevor ‎ich die Rückfahrt antreten mußte. So habe ich diesmal auf den Tafelberg und auch auf die ‎gesamte rote Route verzichtet. Es muß ja auch noch was für die nächste Reise bleiben.‎

Für einige Tage in Kapstadt gibt es also wirklich genug zu sehen, was man mit öffentlichen ‎Verkehrsmitteln erreichen kann.‎

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