Schlagwort-Archive: Chaos

Chaos in Südafrikas Parlament

Rede zur Lage der Nation von Präsident Jacob Zuma endet in Schlägereien. Polizei stürmt Plenum

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Erst am 13. November 2014 ereignete sich ein beispielloser Vorgang in Südafrikas Parlament, der als Tiefpunkt in die Geschichte eingegangen ist. Polizeikräfte stürmten das Hohe Haus in Kapstadt, um eine EFF-Oppositionspolitikerin des Saales zu verweisen. Die Nkandla-Affäre des Präsidenten sorgte damals für handfeste Emotionen. In der heutigen Parlamentssitzung eskalierte die Situation erneut. Wieder einmal ging es um Nkandla und wiederholt sollten EFF-Abgeordnete das Plenum verlassen.

Chaos

© Präsident Jacob Zuma musste seine Rede zur Lage der Nation unterbrechen, nachdem Abgeordnete der Oppositionspartei EFF mit Zwischenrufen störten. Daraufhin stürmten zivile Polizeikräfte das Plenum des Hohen Hauses, da die EFF-Politiker den Saal nicht freiwillig verlassen wollten. Es gab mehrere Schlägereien und Chaos brach aus. Aus Protest verließ auch die DA-Oppositionspartei den Saal. (Quelle: Screenshot/ YouTube)

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Staatsrundfunk weiterhin in der Krise

SABC-CEO Lulama Mkhobo tritt nach nur zwei Jahren im Amt zurück. Chaos im Auckland Park hält an

(2010sdafrika-Redaktion)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Südafrikas, die „South African Broadcasting Corporation (SABC)”, muss sich wiederholt von einer führenden Mitarbeiterin trennen. Die oberste Chefin der Rundfunkgruppe, Lulama Mokhobo, erklärte kürzlich ihren Rücktritt. Medienbeobachter überrascht diese Meldung nicht. Denn die Sendergruppe mit Sitz im Auckland Park befindet sich schon seit Jahren unter anderem in einem Führungschaos.

© Die staatliche Rundfunkanstalt SABC befindet sich weiterhin im Führungschaos. Nun trat die oberste Chefin der Mediengruppe, Lulama Mkhobo, von ihrem Posten zurück. Medienbeobachter bewerten die SABC schon länger als einen Spielball der Regierungspartei ANC. (Quelle: flickr/ mngani)

© Die staatliche Rundfunkanstalt SABC befindet sich weiterhin im Führungschaos. Nun trat die oberste Chefin der Mediengruppe, Lulama Mkhobo, von ihrem Posten zurück. Medienbeobachter bewerten die SABC schon länger als einen Spielball der Regierungspartei ANC. (Quelle: flickr/ mngani)

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Südafrika entzweit Afrikanische Union

Ministerinnen-Duo attackiert afrikanische Regierungschefs – und Gabuns Top-Diplomaten Ping

(Autor: Ghassan Abid)

Zwei Frauen, eine Stimme. Südafrikas Ministerinnen für Innen- und Außenpolitik, Nkosazana Dlamini-Zuma und Maite Nkoana-Mashabane, haben immer wieder den Anspruch betont, dass Südafrika den Vorsitz für die Kommission der Afrikanischen Union (AU) übernehmen möchte – oder besser gesagt übernehmen sollte. Erstere Ministerin ist für dieses Amt vorgesehen.

© Südafrika will unbedingt den Kommissionsvorsitz der Afrikanischen Union (AU). Das Exekutivgremium gibt die politische Richtung dieses Staatenverbundes an. Präsident Jacob Zuma, Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma und Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane (hier im Bild von links nach rechts) verweisen auf die regionale Fairness und Geschlechtergerechtigkeit. Die Innenministerin soll Afrika leiten. Kritiker befürchten, dass Südafrika die AU für eigene Vorhaben (aus-)nutzen könnte. Zurzeit halten sich alle drei ANC-Politiker in Addis Abeba auf. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Südafrika will unbedingt den Kommissionsvorsitz der Afrikanischen Union (AU). Das Exekutivgremium gibt die politische Richtung dieses Staatenverbundes an. Präsident Jacob Zuma, Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma und Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane (hier im Bild von links nach rechts) verweisen auf die regionale Fairness und Geschlechtergerechtigkeit. Die Innenministerin soll Afrika leiten. Kritiker befürchten, dass Südafrika die AU für eigene Vorhaben (aus-)nutzen könnte. Zurzeit halten sich alle drei ANC-Politiker in Addis Abeba auf. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Die mit Exekutivrechten ausgestattete Kommission wird von einem Vorsitzenden geleitet, die wichtige Entscheidungen in den Bereichen Frieden & Sicherheit, politische Angelegenheiten, Handel & Industrie, Infrastruktur & Energie, soziale Angelegenheiten, ländliche Entwicklung & Landwirtschaft, Personalmanagement, Wissenschaft & Technologie und wirtschaftliche Angelegenheiten trifft. Oberstes Ziel dieser Kommission ist demnach eine afrikanische Integration in sämtlichen Gesellschaftsbereichen. Diese wird mit der Erarbeitung von Strategiepapieren und Zielvorgaben in die Wege geleitet.

Südafrika fühlt sich in Anbetracht dieser bedeutenden Machtposition des Vorsitzenden angesprochen, sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit und regionale Fairness einzusetzen. Mit der Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma würde zum ersten Mal eine Frau das Amt ausüben, die vor allem das englischsprachige Afrika repräsentieren würde. Die Ex-Frau von Präsident Jacob Zuma war selber von 1999 bis 2009 Außenministerin Südafrikas, die gute Beziehungen zum damaligen deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) pflegte.

Der gabunische Top-Diplomat Jean Ping, derzeitiger Vorsitzender der Kommission, hat eine Fortsetzung seines seit Februar 2008 ausgeübten Mandats bekräftigt. Er gilt als einflussreicher und erfahrener Diplomat auf dem Gebiet der innerafrikanischen Beziehungen. Den Konflikt in der Elfenbeinküste konnte er trotz großer Vermittlungsanstrengungen nicht beilegen. Hingegen wird Dlamini-Zuma für das Chaos innerhalb des ihr unterstehendem Innenministeriums verantwortlich gemacht. Sie gilt als wenig durchsetzungsstark, kaum strategisch handelnd und fachlich überfordert – heißt es unter vorgehaltener Hand im politischen Pretoria.

© Flagge der AU: Gewählt ist derjenige, der Zweidrittel der Stimmen der AU-Mitglieder erhält. Die regionale Organisation SADC hat der südafrikanischen Innenministerin bereits das Vertrauen ausgesprochen. West- und Ostafrika halten hingegen weiterhin vielerorts zum amtierenden gabunischen Diplomaten Ping.

© Flagge der AU: Gewählt ist derjenige, der Zweidrittel der Stimmen der AU-Mitglieder erhält. Die regionale Organisation SADC hat der südafrikanischen Innenministerin bereits das Vertrauen ausgesprochen. West- und Ostafrika halten hingegen weiterhin vielerorts zum amtierenden gabunischen Diplomaten Ping.

Beim nächsten Gipfeltreffen der Afrikanischen Union benötigt der Kommissionsvorsitzende eine Zweidrittelmehrheit. Die südafrikanische Außenministerin konnte sich bereits die Unterstützung der Regionalorganisation „Southern African Development Community (SADC)“ zusichern. Mehrere west- und ostafrikanische Staaten halten hingegen an Jean Ping fest. Dieser Führungsstreit verdeutlicht die Kluft zwischen den französisch- und englischsprachigen Staaten Afrikas.

Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane greift in einem BBC-Interview die ehemaligen Vorsitzstaaten der Afrikanischen Union für die Selbstbereicherung an.

Unstrittig ist, dass Südafrika mit seinen Einflüssen im BRICS-Bündnis und UN-Sicherheitsrat punkten kann. Doch auch der gabunische Top-Diplomat pflegt wertvolle Kontakte in die Türkei, nach Indien und China. Allein die von China erfolgte Finanzierung des AU-Hauptquartiers in Addis Abeba mit rund 200 Millionen US-Dollar wird Ping als persönlicher Erfolg zugesprochen. Dementsprechend wird Südafrika versuchen, so die Annahme, weitere Mitglieder innerhalb des Panafrikanischen Parlaments anzuwerben – einem AU-Gremium mit Beratungskompetenzen, welches im Johannesburger Stadtteil Midrand untergebracht ist.

Im Untergrund zählt nur die Disziplin

Eine Rezension zum Dokumentarfilm „Memories of Rain“. Der Kampf für Ideale fordert seinen Tribut.

(Autor: Ghassan Abid)

Wir schreiben das Jahr 1976. In Soweto bricht der sogenannte Schüleraufstand aus. Mehrere Kinder demonstrieren gegen die rassistische Bildungspolitik des Apartheidregimes, welcher blutig niedergeschlagen wird. Die Dominanz von Afrikaans als Unterrichtssprache in den Schulen Südafrikas erwies sich als Ventil einer generationsübergreifenden Frustration der entmündigten schwarzen Mehrheitsgesellschaft. Hector Pieterson wird als erstes Todesopfer in die Geschichtsbücher eingehen.

© "Memories of Rain" ist in zehnjähriger Produktion durch die Regisseurinnen Gisela Albrecht und Angela Mai erstellt worden. 2004 ist dieser Dokumentarfilm auf der Berlinale präsentiert worden. 2005 wurde "Memories of Rain" mit dem durch das Land NRW vergebenen Eine-Welt-Filmpreis honoriert.

© „Memories of Rain“ ist in zehnjähriger Produktion durch die Regisseurinnen Gisela Albrecht und Angela Mai erstellt worden. 2004 ist dieser Dokumentarfilm auf der Berlinale präsentiert worden. 2005 wurde „Memories of Rain“ mit dem durch das Land NRW vergebenen Eine-Welt-Filmpreis honoriert.

Soweto veränderte alles
Mittendrin im Chaos befindet sich die in Stettin geborene Journalistin Gisela Albrecht, die die dramatischen Ereignisse vor Ort begleitete und diese gemeinsam mit der Südafrikanerin Angela Mai im Dokumentarfilm „Memories of Rain: Szenen aus dem Untergrund“ künstlerisch verarbeitete. Soweto stellte den Wendepunkt des Untergrundkampfes gegen die Apartheid dar, hält Albrecht zutreffend fest. Der Afrikanische Nationalkongress agierte vom In- und Ausland gegen die rassistischen Machthaber in Pretoria. Albrecht ist mit mehreren Personen des Untergrundkampfes während und nach der Apartheid in Kontakt getreten, führte Interviews, skizzierte Werdegänge und hob deren Träume & Ängste hervor. Ihr ist ein eindrucksvoller und vor allem persönlicher Film gelungen, der den Zuschauern Einblicke in eine völlig fremde Welt gewährt.

© Jenny Cargill studierte Wirtschaftswissenschaften in Durban und arbeitete im Anschluss als Wirtschaftsjournalistin. Die Ungerechtigkeiten der Apartheid konnte sie nicht ertragen, so entschloss sie sich für den Untergrundkampf gegen das Regime. Mit einer Militärausbildung durch die Stasi in Ost-Berlin fungierte sie als wichtige Person für den ANC. Ihr oblagen neben der Observation von Militäreinrichtungen, auch die Rekrutierung von neuen Untergrundkämpfern.

© Jenny Cargill studierte Wirtschaftswissenschaften in Durban und arbeitete im Anschluss als Wirtschaftsjournalistin. Die Ungerechtigkeiten der Apartheid konnte sie nicht ertragen. So entschloss sie sich für den Untergrundkampf gegen das Regime. Mit einer Militärausbildung durch die Stasi in Ost-Berlin fungierte sie als wichtige Person für den ANC. Ihr oblagen neben der Observation von Militäreinrichtungen, auch die Rekrutierung von neuen Untergrundkämpfern. (Quelle: YouTube)

Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane: Bereit zu sterben
Im Mittelpunkt der Doku stehen die Protagonisten Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane. Sie aus der weißen Mittelschicht, er aus einem den Schwarzen vorbestimmten Townships. Beide waren im Nachrichtendienst des bewaffneten Flügels des ANC aktiv. Die studierte Ökonomin Jenny arbeitete als Wirtschaftsjournalistin, verspürte allerdings zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Howard Barrell das Verlangen, sich gegen die staatlich verordneten Ungerechtigkeiten einzusetzen. Sie suchte von sich aus den Kontakt zum ANC und bot ihre Unterstützung an. Anfänglich sammelte sie Informationen über Militäreinrichtungen. Sie observierte das Armeeareal Eastgate und beobachtete Armeeangehörige. Später absolvierte sie eine halbjährige Militärausbildung bei der Stasi in Ost-Berlin. Kevin hingegen zog es nach Angola, wo er ebenfalls an militärischen Ausbildungen teilnahm und vom Ausland aus gegen die Apartheid agierte.

Als Untergrundkämpfer lebt man länger als 6 Monate
Wer in Südafrika als ANC-Mann enttarnt wurde, musste genauso wie der Gewerkschaftsführer Sam Pholoto mit Folter rechnen; oder gar sein Leben geben. Nach der Section 29 hatte die Regierung sämtliche Bürgerrechte im juristischen Verfahren abgeschafft: kein Anwalt, kein faires Gehör und keinen Kontakt zur Außenwelt. Dr. Zweli Mkhize, ein im Dokumentarfilm interviewter Arzt, ist als Untergrundkämpfer enttarnt worden und musste ins Exil flüchten.  Andernfalls wäre er wohl nicht am Leben geblieben. Es galt der Grundsatz, dass ein Untergrundkämpfer eine Lebenserwartung von maximal 6 Monaten habe.
Die Polizei setzte alles, um ihren Widersachern entgegenzutreten. Beispielsweise kooperierte sie mit sogenannten A-Teams, eine Art Terrormiliz in den Townships, die für Unruhe sorgte und ANC-Mitglieder tötete. Einige dieser Kollaborateure leben heute noch unbestraft mit den Angehörigen ihrer Opfer Tür an Tür.

Disziplin geht immer vor!

© Kevin Qhobosheane stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Aufgewachsen in einem Township, ohne Schulbildung und konfrontiert mit der ständigen Frustration durch die weiße Minderheitsregierung. In Angola agierte er für den ANC. Er absolvierte Militärausbildungen im Ausland und kehrte nach der Verbotsaufhebung nach Südafrika zurück. Mit Jenny Cargill schmuggelte er Waffen in die Townships.

© Kevin Qhobosheane stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Aufgewachsen in einem Township, ohne Schulbildung und konfrontiert mit der ständigen Frustration durch die weiße Minderheitsregierung. In Angola agierte er für den ANC. Er absolvierte Militärausbildungen im Ausland und kehrte nach der Verbotsaufhebung des ANC nach Südafrika zurück. Mit Jenny Cargill schmuggelte er Waffen in die Townships. (Quelle: YouTube)

Der ANC stand  unter gewaltigem Druck. Die Untergrundkämpfer hatten immer wieder das Gefühl, dass jederzeit ihr Dasein beendet werden könne. Eine ständige Angst wurde zur Begleitung des eigenen Alltags.  Infiltrierungen durch Nachrichtendienste, Folter in den Polizeigefängnissen oder Terror durch apartheidstreue Milizen drohten den Untergrundkämpfern.

Doch die genauen Folgen des Widerstandes bleiben bisweilen unbekannt. Welche psychotraumatischen Konsequenzen hat der Kampf gefordert, wie viele Ehen sind zerbrochen und wie hoch ist die Anzahl jener Menschen, die für ihre Ideale ihr Leben lassen mussten. Auch Jenny erläuterte ihren Frust, dass ein von ihr gewollter Austritt aus dem ANC nicht möglich war. Sie teilte der ANC-Führung mit, dass sie aufgrund eines Burnouts nicht mehr am Kampf teilnehmen könne. Doch ihre Emotionen und ihr persönlicher Zustand interessieren den ANC nicht. Sie musste ihren Kampf fortsetzen.

ANC-Folter gegen mögliche Verräter
Der Afrikanische Nationalkongress akzeptierte keine persönlichen Befindlichkeiten. Vielmehr forderte er seinen Mitgliedern absolute Disziplin ab, um der größten Herausforderung des Untergrundes wirksam begegnen zu können: Die Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen internen und externen ANC-Kräften, also zwischen In- und Ausland. Problematisch ist die Herangehensweise der Mandela-Bewegung mit möglichen Spitzeln gewesen. Folter wurde angewandt. So ist von einem Fall bekannt, bei dem ein junger Mann aus einem Township durch den ANC zu Tode gefoltert wurde. Ihm wurde eine Komplizenschaft mit dem südafrikanischen Nachrichtendienst nachgerufen. Seine Verhaltensauffälligkeiten infolge eines Nervenzusammenbruchs wurde allerdings nicht erkannt – ein Unschuldiger starb. Ferner bemängelt Jenny, dass der Untergrundkampf keine Antworten für die Zeit nach dem Widerstand anbot. Ein normales Leben ist für viele Kämpfer nicht möglich gewesen. Wie zur Tagesordnung übergehen, wenn diese vorher nie existierte.

Terror der Inkatha
Als das Verbot des ANC im Jahr 1990 aufgehoben wurde, befand sich diese in einer großen Legitimationskrise. Jacob Zuma machte deutlich, dass der Afrikanische Nationalkongress den Widerstand innerhalb Südafrikas aufbauen müsse. Der Terror durch die Inkatha-Bewegung, welche viele Tote in den Townships hervorrief, brachte den ANC in große Bedrängnis. Die heutige Regierungspartei hatte in der Übergangsphase 1990 bis 1994 keine Strategie parat. Jenny und Kevin agierten trotz dieser destabilen Lage auch in dieser Zeit weiterhin für den ANC im Untergrund und schmuggelten Waffen in die Townships.

Ausschnitt aus „Memories of Rain“

Gisela Albrecht im Gespräch
Die Co-Regisseurin und Journalistin Gisela Albrecht erläuterte im Anschluss zum Dokumentarfilm ihre Sichtweisen zur heutigen Politik Südafrikas und zur Entstehungsgeschichte des Films. Albrecht bemängelt die zweite Generation innerhalb der ANC-Führung, die die „Mehrheit der Südafrikaner heute zurückgelassen“ hat. Macht, Habgier und Eigennutz sind ein Problem, die der Gesellschaft letztendlich schadet. Auch Vizepräsident Kgalema Motlanthe kritisierte kürzlich diese ANC-interne Entwicklung. Ebenso hält Albrecht fest, dass „das Erbe der Apartheid“ weiterhin nachwirke. Es wird ihrer Meinung nach noch eine Generation dauern, um diesen Prozess abzuschließen. Beim Film machte die Filmemacherin auf den Kontrast zwischen Jenny und Kevin deutlich – sie hochausgebildet mit Universitätsabschluss und er ohne Schulabschluss aus ärmlichen Verhältnissen. Und dennoch fanden sich beide in derselben Organisation mit denselben Idealen wieder. Letztendlich hat Gisela Albrecht den Film auf den Wunsch von Jenny Cargill produziert, an welchem sie rund 10 Jahre saß. Beide Frauen verfolgten den Anspruch, die Wahrheit zu zeigen. Finanziert wurde diese Produktion nicht durch die staatliche Filmförderung, sondern vielmehr mit kirchlichen Geldern. Im Jahr 2004 ist „Memories of Rain“ dem deutschen Publikum auf der Berlinale präsentiert worden. Ein Jahr später gewann dieser den Eine-Welt-Filmpreis. Ein Anschauen dieses Dokumentarfilmes lohnt sich!

History Documentary from South Africa

The real face of Apartheid

(Editor: Annalisa Wellhäuser)

The largest film festival in Germany, the „Berlinale„, has been attended by „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, the German Gateway to South Africa. With thanks to the Berlinale section Generation, we have observed selected events and made a report. „History Uncut: Manenberg“ and „History Uncut: Crossroads“ – a documentary collection –  are focussing on South Africa during the apartheid.

Afravision (Brian Tilley, Laurence Dworkin): History Uncut

Co-curated by Darryl Els and Claus Löser

Sunday, 2/13/2010, Cinema Arsenal at Potsdamer Platz in Berlin

Episode 1: Crossroads

Switch off the lights, the movie starts, open your eyes: as if I had used a time-machine for a journey back into the past ,out of a sudden I find myself in May/June 1986 of the former Apartheid-State of South Africa. Place of the setting: „Crossroads„, an informal settlement for „ black„ South Africans ,important centre for movements of resistance; actually it was given the status of an „emergency camp„ and therefore being immune to the mass clearance of townships by the state. Of course the government was not pleased about this immunity…..So here I am….in the middle of a brutal battle between-well, one does not even know who belongs to which group, it is a chaos…People ,especially boys who are only teenagers are running from one site to the other…they are chasing each other….shooting….screams…wherever I look I see destroyed and burning houses of corrugated iron sheet…It is this group with the strips of white cloth, they are attacking us…it is the „Witdoeks„, our vigilance committee. Why are they doing that? It`s our own people! Where did they get the weapons from? We have to fight back…self-made arms out of wood, stones, gunpowder in plastic bottles, which are being thrown…on the street: two men on the floor…covered by blood all over… they are dead…. I see women sitting on the street corner with their babies and the things which they still managed to rescue from their homes…they are waiting for help….

© Scene from „Histroy Uncut: Manenberg“ (Source: Berlinale)

© Logo of film festival „Berlinale“ (Source: Wikimedia)

Cut- change of scene

Women standing with their babies at the entrance of the parliament of Cape Town. They are hopeless and are looking for help. „ We don`t know what you are talking about, we cannot do anything for you„, they get told in Afrikaans by a politician. As a symbol of protest the women start to feign crying and lay down their crying babies in front of the parliament.

According to the TRC, the Truth Reconciliation Commission of South Africa, South African police contributed weapons to and supported groups of „black„ South Africans like the ,,Witdoeks„, a vigilance committee in Crossroads, and thereby „used „ them in order to suppress movements of resistance during the time of Apartheid. Thus the government seeked their aim without being blamed for anything. In total 60.000 people became homeless and 60 people died.

Episode 2: Manenberg

It is September 1989, the election day of the tricameral parliament of South Africa. „white„ and limitedly „coloured„ and „indian´` South Africans are allowed to vote.

The „black„ population is excluded from the right to vote. In „Manenberg„ , a township for „coloured„ South Africans there are protests taking place. And me- I see, no, I experience closely what happens on that day in the streets of Manenberg: I am in a house and I am looking out of a window. The police pitches up out of nowhere and starts shooting randomly with rubber munition at the residents of the place. Yes, it even seems like they do so because they enjoy seeing other people suffering. The police men throw stones at the people, use tear gas and chase them into their houses with whips. The inhabitants ,especially young people, react by throwing stones as well and by building street barriers out of car wheels, litter, pieces of furniture and stones to which they set fire. It is a seesaw. The police arrives frequently and it results in a conflict: Shooting, screams….I`m afraid that they will discover me, but I`m lucky-they don`t.

Cut- Change of scene:

A boy is lieing half covered in a bed, his entire body is full bullet wounds caused by the rubber munition of the police. Another boy`s head is bandaged up and his nose is covered by plasters…A women expresses a direct appeal to the South African government, she claims a democratic, NON- racial discriminatorial electoral system.

These scenes were never shown on South African television; they are part of the archive`s material of the video collective Afravision, which contains the biggest documentation of video of the history of resistance. Afravision was founded by Brian Tilley, Laurence Dworkin und Mokoenyana Moletse in order to keep records of the numerous battles in South Africa in the 1980s .

An extraordinary and fascinating contribution to the Berlinale of 2010. Uncut and pure- this film shows simply the reality and truth-the tragic reality of the past South Africa. Such a close experience of history; it feels as if having been present at that time. It is unbelievable, because suddenly it is not a „story„ anymore that one happened to read in a „history book„ and that seems unreal and far away from oneself. Out of a sudden it is my own reality too. I`m part of it. After watching the film, I`m only left with one single thought dominating my mind: While I can return into my secure reality of the present Germany, this „ film„ did continue for the people in South Africa at that time. Those people, who I met just now, could not flee in contrary to me who just switches off the movie. For them it was a nightmare and they did not know if it would ever end. This is horrible.

The 2010sdafrika-editorial staff would like to thank to the team of Berlinale section Panorama for supporting our service.