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Filmfestival „Afrikamera“ ein voller Erfolg

Kairo, Timbuktu oder Johannesburg: Ein Kontinent zwischen Krisen und Chancen. Ein Veranstaltungsbericht

(Autor: Ghassan Abid)

Rund 2.500 Zuschauer, darunter der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler und seine Gattin, folgten vom 11. bis 16. November dem afrikanischen Kino, welches sich unter dem Namen „Afrikamera“ als feste Institution in der Berliner Kunstszene etablieren konnte. Mit Produktionen vom Norden bis hin zum Süden und vom Westen bis zum Osten Afrikas, stand Afrikamera für ein abwechslungsreiches und informatives Filmprogramm. Längst ist dieses Afrika-Filmfestival eine Veranstaltung für Jedermann und ein Things To Do Event in der Bundeshauptstadt.

Afrikamera

© Das afrikanische Filmfestival „Afrikamera“ lockte in diesem Jahr rund 2.500 Kinobesucher an. Produktionen aus den verschiedensten Winkeln Afrikas sind dem Berliner Publikum präsentiert worden. Das öffentliche Interesse am afrikanischen Kino war sehr groß. Denn das Kino Arsenal als Veranstaltungsort war überfüllt und die einzelnen Vorstellungen komplett ausgebucht [siehe Bild].

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Rezension des Politthrillers „ENDGAME“

Wie die Apartheid bis zum letzten Moment gegen den ANC ankämpfte

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Filmindustrie ist mit keiner anderen des afrikanischen Kontinents vergleichbar. Einerseits prägten die Bestimmungen während der Apartheid die künstlerische Arbeit der Regisseure und Drehbuchautoren. Diejenigen die sich dem widersetzten, mussten mit einem Verbot ihrer Werke rechnen. Ferner war nur weißen Bürgern eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Kinematografie gestattet. Andererseits markierte der politische Wendepunkt von 1994 und der damit verbundene Übergang zu einer Demokratie die „Stunde Null„, sodass sich bisweilen keine eigene und vor allem kontinuierliche Filmkultur in Südafrika entwickeln konnte.

© Der Politthriller „Endgame“ verdeutlicht den Machtkampf zwischen Weißen und Schwarzen um die Zukunft Südafrikas.

Der Politthriller „Endgame“, 2008 unter der Regie des Engländers Pete Travis produziert, unterstreicht genau diesen politischen Umbruch und kann als Versuch aufgefasst werden, modernes südafrikanisches Kino als Werkzeug der Vergangenheitsbewältigung heranzuziehen. Als 1985 der Widerstand der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegenüber dem Apartheid-Regime seinen Höhepunkt erreichte, versucht die Regierung den Freiheitsdrang der Unterdrückten in die „richtigen“ Bahnen zu lenken.

Unter der Federführung des südafrikanischen Geheimdienstchefs Dr. Neil Barnard verfolgte dieser unter den Präsidenten Peter Willem Botha und Frederik Willem de Klerk das ehrgeizige Ziel, mit allen Mitteln die verschiedenen Bewegungen innerhalb des „African National Congress (ANC)“ gegeneinander auszuspielen. Auch der in Haft sitzende Nelson Mandela wurde in diese Überlegungen einbezogen. Parallel hierzu fanden im Exil geheime Gespräche unter der Führung eines britischen Managers der Bergbaugesellschaft Consolidated Goldfield (gespielt von Jonny Lee Miller) mit Anhängern der ANC-Führung statt, namentlich mit Thabo Mbeki (gespielt von Chiwetel Ejiofor).

Während Präsident Botha als autoritärer Verfechter der Rassentrennungspolitik auftrat, machte der moderate de Klerk deutlich mehr Zugeständnisse gegenüber dem ANC. „Endgame“ geht genau auf diese politische Ebene ein und beleuchtet die Versuche des Apartheid-Regimes, den ANC bis zuletzt zu bekämpfen. Die Gefahr, einem Attentat des südafrikanischen Geheimdienstes zum Opfer zu fallen, in Kombination mit diplomatischen Verwirrspielen, ermöglichen dem Zuschauer eine gewisse Sensibilität für die damalige Lage aufzubauen.  Jedoch verliert sich diese Halbdoku allzu oft in lange Monologe, zum Nachteil der eigenen Aufmerksamkeit. Wer sich allerdings für die südafrikanische Geschichte interessiert, dem empfiehlt sich „Endgame“.