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Cyber-Angiff auf südafrikanische Botschaftsseite

Trojaner-Warnung: Malware aus den USA könnte auf den PCs deutscher Internetuser installiert worden sein

(2010sdafrika-Redaktion)

Wer am heutigen Freitag die Webseite der südafrikanischen Botschaft in Deutschland besuchen wollte, erhielt nach wenigen Sekunden einen Hinweis, wonach diese Homepage einen VLC-Download benötige. Der Internetuser war genötigt, diese Software downzuloaden, um auf der Botschaftsseite überhaupt surfen zu können. Allerdings entpuppte sich hinter diesem Download eine Malware Dritter, die den PC des Users höchstwahrscheinlich befallen hatte.

© Trojaner-Warnung: Am heutigen Freitag war die Webseite der südafrikanischen Botschaft in Deutschland Ziel eines Cyber-Angriffs. Der Webseitenbesucher wurde aufgefordert, einen VLC-Download zwecks Surfen durchzuführen. Wer dies tat, muss nun mit Malware auf dem eigenen PC rechnen, die sensible Informationen wie Bankdaten ausschöpft.

© Trojaner-Warnung: Am heutigen Freitag war die Webseite der südafrikanischen Botschaft in Deutschland Ziel eines Cyber-Angriffs. Der Webseitenbesucher wurde aufgefordert, einen VLC-Download zwecks Surfen durchzuführen. Wer dies tat, muss nun mit Malware auf dem eigenen PC rechnen, die sensible Informationen wie Bankdaten ausschöpft.

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Richter Eben Jordaan zerlegt Boeremag-Terrorzelle

Südafrikas Justiz zeigt Härte gegen burische Rechtsextreme: „Document 12“ als Hauptbeweismittel.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Eine Anklageschrift, bestehend aus 5.000 Seiten, reichten dem North Gauteng High Court in Pretoria für eine Verurteilung von Mike du Toit aus. Das Gericht sah es nach rund 10-jähriger Verhandlungsdauer am 26. Juli 2012 als erwiesen an, dass sich der Hauptbeschuldigte wegen Hochverrats schuldig gemacht hat. Seine maßgebliche und federführende Beteiligung an der Koordination und Planung eines Staatsstreiches ist ausführlich im Sitzungssaal thematisiert worden. Unterdessen sind Tom Vorster, Magiel Burger, Adriaan van Wyk und Rooikoos du Plessis als weitere Mitangeklagte ebenfalls für schuldig befunden worden. Andre du Toit, der Bruder des Hauptangeklagten, wurde genauso verurteilt, hieß es vergangenen Freitag. Über die genaue Höhe des Strafmaßes äußerte sich die Justiz bislang nicht.

© Das North Gauteng High Court im Justizpalast in Pretoria steht zurzeit unter höchster Sicherheitsstufe. Der Vorsitzende Strafrichter Eben Jordaan statuiert ein deutliches Exempel gegen Rechtsextreme in Südafrika. Die Boeremag-Terrorzelle erinnert an die aktuellen NSU-Entwicklungen in Deutschland. (Quelle: Wikimedia)

© Das North Gauteng High Court im Justizpalast in Pretoria steht zurzeit unter höchster Sicherheitsstufe. Der Vorsitzende Strafrichter Eben Jordaan statuiert ein deutliches Exempel gegen Rechtsextreme in Südafrika. Die Boeremag-Terrorzelle erinnert an die aktuellen NSU-Entwicklungen in Deutschland. (Quelle: Wikimedia)

Das Gericht zog als Beweise die Aussagen von mehreren Zeugen und eine Liste von Beteiligten am Staatsstreich heran, welche 2001 bei der Beschlagnahmung des Computers von Mike du Toit sichergestellt wurde. Das „Document 12“, in der Presse auch als „Kriegsplan“ umschrieben, nimmt in der aktuellen Rechtssprechung eine zentrale Bedeutung ein, da die Namen aller Angeklagten auf dieser vorzufinden sind.

Die gezielte Liquidierung von Schwarzen, der Abschuss eines Boeing-Passagierflugzeuges über dem drittgrößten Township Khayelitsha und die Nutzung von Massenvernichtungswaffen gegen die Mehrheitsbevölkerung standen laut Auffassung des Vorsitzenden Richters Eben Jordaan als Pläne des Komplotts auf der Agenda. Desweiteren wurde die Ermordung von Nelson Mandela und die Kappung der Energieversorgung vorbereitet. Ein Zeuge hielt fest, dass du Toit ihm mitgeteilt hätte, dass mehrere Mitarbeiter des staatlichen Energiekonzerns Eskom in den Plan eingewiesen wurden. Ein anderer Zeuge habe jene Informationen zu Protokoll gegeben, wonach du Toit Coloureds und Inder zuerst gegen die Schwarzen als Verbündete nutzen, sie jedoch bei einem erfolgreichen Machtwechsel auch erschießen wollte.

Insgesamt wurden 20 Männer verhaftet, die der burischen Bewegung „Boeremag“ (zu Deutsch: Burenmacht) angehört haben sollen. Ihr oberstes Ziel war der Sturz der ANC-Regierung und damit verbunden die Verhinderung der weiteren Machtausübung durch die schwarze Mehrheitsbevölkerung. Ihnen wird Mord, versuchter Mord, Hochverrat, Sabotage, Terrorismus und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Bombenserie von 2002 mit einer Toten in Soweto steht im direkten Zusammenhang mit dieser rechtsextremen Bewegung.

SABC-TV-Beitrag zur Verurteilung von Mike du Toit

Das letzte Urteil zu einem Hochverratsprozess wurde laut dem Rundfunksender SABC am 21. Oktober 1982 gegen Barbara Hogan ausgesprochen. Die spätere Ministerin für Gesundheit und Staatsunternehmen musste 8 von 10 Jahren absitzen, da sie für den verbotenen ANC arbeitete. 2009 ließ sie Präsident Jacob Zuma aus dem Kabinett entfernen, nachdem sie sich mehrfach sehr kritisch – auch gegenüber Zuma bezüglich seiner HIV-Wegdusch-Philosophie – geäußert hatte.

Wenn der Verfassungsschutz klingelt

Anti-Apartheid-Aktivisten erinnern sich an ihren Kampf für ein demokratisches Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

Anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Afrikanischen Nationalkongresses fand am 14. Juni 2012 eine Podiumsdiskussion im August-Bebel-Institut in Berlin statt. Unter dem Titel „Aufdecken, Schmuggeln, Streiten“ berichteten Eric Singh (Vertriebsverantwortlicher für die ANC-Publikation „Sechaba“), Peter Stobinski (Mitglied des Solidaritäts-Komitees der DDR)  und Ingeborg Wick (Anti-Apartheid-Bewegung/AAB) über ihr einstiges Engagement zur Bekämpfung des Rassentrennungsregime, welches mit Westdeutschland eng kooperierte.

© Anti-Apartheid-Aktivisten aus West- und Ostdeutschland erzählen von ihren Erfahrungen im Kampf gegen die Apartheidsbefürworter. Von links nach rechts: Ingeborg Wick (AAB), Eric Singh (ANC/ Sechaba), Manuela Bauche (Moderatorin) und Peter Stobinski (Solidaritäs-Komitee der DDR).

© Anti-Apartheid-Aktivisten aus West- und Ostdeutschland erzählen von ihren Erfahrungen im Kampf gegen die Apartheidsbefürworter. Von links nach rechts: Ingeborg Wick (AAB), Eric Singh (ANC/ Sechaba), Manuela Bauche (Moderatorin und Mitarbeiterin des August-Bebel-Instituts) und Peter Stobinski (Solidaritäs-Komitee der DDR).

Während Singh und Stobinski vom Boden der DDR aus agierten, lebte Wick in der Bundesrepublik; einem engen Verbündeten des Apartheidstaates. Allein die Entwicklung um die Zeitschrift „Sechaba“ verdeutlicht die damaligen Anstrengungen und Herausforderungen der Aktivisten. Diese wurde als erste ANC-Publikation überhaupt in London redaktionell erstellt, ist jedoch in der DDR – in Dessau – in englischer Sprache gedruckt und weltweit verschickt worden. Ihre anfängliche Auflage wird mit 7.500 Exemplaren beziffert, welche im Laufe der nachfolgenden Jahre auf 20.000 und später auf 25.000 Stück ausgeweitet wurde. Auch in Südafrika fand Sechaba durch den Schmuggel ihren Weg zur Leserschaft.

Monopol der südafrikanischen Propaganda brechen
Eric Singh ist in Durban aufgewachsen, in den 1960er Jahren verhaftet worden und 1965 ins Exil geflohen. Ihm wurde von der ANC-Bewegung ein Aufenthalt in London oder in der DDR angeboten. Schließlich fand sich der junge Mann in Bernau wieder und studierte Gewerkschaftsrecht. 1968 erhielt er dann den Auftrag, die Zeitschrift „Sechaba“ im Hinblick auf den Vertrieb zu betreuen.“Sechaba hat einen Bann gebrochen“, untermauerte Singh den hohen Stellenwert dieses Printmediums. Denn das Monopol von Informationen begründete den Erfolg einer gesamten Propagandamaschinerie. Neuigkeiten, Hintergründe und Veranstaltungstipps verschafften Sechaba ein internationales Echo. Ferner war Singh auch in Betrieben und Schulen der DDR präsent, um die Bevölkerung über die Verhältnisse am Kap aufzuklären. „Überall in der DDR“ hat er politische Bildungsarbeit betrieben, um die Ungerechtigkeiten der Apartheid anzuprangern. Doch der Widerstandskampf in Befreiungsbewegungen ist nicht zu unterschätzen. Singh untermauerte, dass in solchen Konstellationen „kein Platz für eigene Träume, sondern die Disziplin für die Gemeinschaft“ entscheidend ist. Denn ursprünglich wollte er den klassischen Beruf des Druckers ausüben.

Ausbildungshilfe, Medikamente und Bildungsarbeit aus der DDR
Peter Stobinski hielt fest, dass das Solidaritäts-Komitee der DDR die Arbeit von Sechaba finanziert hatte. 23 Jahre ist die Produktion, auch das Gehalt von Singh, von dieser Einrichtung getragen worden. Stobinski hob hervor, wie wichtig Singh für die Kommunikation zwischen ANC und DDR gewesen war. „Singh war die Stimme des ANC“, welche erst mit der offiziellen Eröffnung einer ANC-Repräsentanz in der DDR an Bedeutung abnahm. Stobinski macht darüber hinaus deutlich, dass das Solidaritäts-Komitee als Koordinierungsgremium in Erscheinung trat, um zu informieren, moralische sowie politische Solidarität zu leisten und zu mobilisieren. Diese Arbeit lief oft in Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern aus der DDR – etwa dem Schriftstellerverband. Den Kampf gegen die Apartheid bewertet der Ostdeutsche als „heilige Sache“, die in verschiedenster Form ihre Umsetzung fand. Neben den Ausbildungshilfen für südafrikanische Studenten schwarzer Hautfarbe, erhielten Opfer der Apartheid eine umfassende Heilbehandlung. Genauso sind über Finanzen des Komitees und unter der Beteiligung staatlicher Stellen Medikamente bzw. Nahrungsmittel geliefert worden. Zudem sind mit den DDR-Geldern, die sich aus staatlichen Zuschüssen und Spenden zusammensetzten, mehrere Flüchtlingslager finanziert worden.

Militärisch-nukleare Zusammenarbeit mit Bonn
Ingeborg Wick hatte es im Westen Deutschlands hingegen deutlich schwerer. Die Anti-Apartheid-Bewegung ist 1974 gegründet worden und sollte über die Verbrechen der Apartheid in Südafrika, Namibia und Rhodesien aufklären. In den 70er Jahren fand  „nicht jeder die Apartheid schlecht“, verdeutlichte Wick die Schwierigkeit der westdeutschen Bildungsarbeit. Zudem war die südafrikanische Propaganda in der Bundesrepublik gut aufgestellt und der Nachrichtendienst des Apartheidregimes, das South African Bureau of State Security (BOSS), äußerst aktiv.

Wick betonte den Stellenwert von Kampagnen für den Kampf gegen die Apartheid, welche beispielsweise über die militärisch-nukleare Zusammenarbeit auf staatlicher und privatwirtschaftlicher Ebene aufklärten. „400 deutsche Unternehmen waren in Südafrika“ vertreten. Auch die kulturelle Kooperation zwischen Bundesregierung und Apartheidregime fandeihre Kritik durch die AAB. Wick erinnert sich noch gut an die Debatte zur deutsch-südafrikanischen Atomkooperation, welche durch den Verkauf von durch STEAG produzierte Urananreichungsanlagen einen ihrer Höhepunkte fand. 1979 unternahm das Regime in Pretoria mehrere Atomtests, obwohl (inter)nationale Übereinkünfte und Resolutionen des UN-Sicherheitsrates solche Mitwirkungen verboten hatten. 1978 sah sich die Bundesregierung zur Veröffentlichung einer Gegenposition im Hinblick auf die militärisch-nukleare Zusammenarbeit gezwungen. Demnach wurde der AAB vorgeworfen, dass diese lediglich den Ruf der Bonner Republik schaden wolle und die Vorwürfe schlichtweg unwahr wären. Eine anschließende Anklage der AAB wegen Verleumdung ist vom Bundesverfassungsgericht aufgrund einer fehlenden juristischen Relevanz ins Leere verlaufen; das Verfahren wurde kurzerhand eingestellt. Trotz der Diffamierungen durch Bonner Politiker – etwa durch Bundeskanzler Helmut Schmidt, wonach die AAB „professionelle Lügner“ seien – fand die Arbeit dieser zivilgesellschaftlichen Einrichtung zunehmend auf größeren Zuspruch. Kirchliche Vertreter, Gewerkschaften und Studentenbewegungen saßen mit im Boot. Die externe „politisch starke Auseinandersetzung“ fand sich auch innerhalb der AAB wieder, wenn es darum ging, welchem südafrikanischen Akteur Beistand geleistet werden sollte. Wick verwies auf den Umstand, dass der Panafrikanische Kongress (PAC) eher durch maoistische Staaten unterstützt wurde, während der ANC seine Freunde vielmehr in sozialistischen Nationen wiederfand. Dieser Richtungsstreit stellte für die AAB eine bedeutende Herausforderung dar.

Besuch vom Verfassungsschutz
Einmal hatte die AAB sogar Besuch vom deutschen Verfassungsschutz bekommen, nachdem die Rote Armee Fraktion (RAF) in den 70er Jahren einen Anschlag auf das Nürnberger Werk des Industrieunternehmens MAN verübte. Wick erläuterte, dass die RAF im Zusammenhang mit dem Anschlag mehrere Flugblätter mit Zitaten der AAB vervielfältigten, sodass Vertreter der Sicherheitsbehörde die Computer der AAB mitnehmen wollten, um den Verteiler auf mögliche Kontakte zur RAF analysieren zu können. Wick verweigerte eine Datenzugriff und der Verfassungsschutz hat sich seither nicht mehr gemeldet. Klar ist, so Peter Stobinski, dass in der DDR mehrere ANC-Kämpfer eine militärische Ausbildung durch die Stasi erhielten. Einen Kontakt zwischen AAB und Stasi soll es nach Angaben von Ingeborg Wick jedoch nie gegeben haben.

Rückblick: Südafrika als lebendiges Beispiel
Zum Schluss der Veranstaltungen blickten alle drei Podiumsgäste rückblickend auf ihre Arbeit zurück. Während Stobinski bedauert, dass „wir [gemeint: Solidaritäts-Komitee) zu wenig gegeben haben“, hinterfragt Wick die Arbeit anderer solcher Einrichtungen, etwa die des Palästina-Komitees, welche bisweilen keinen Erfolg verbuchen können. „Südafrika ist ein lebendiges Beispiel“ für eine diesbezügliche Bewusstseinsarbeit. Eric Singh bedankte sich für jede geleistete Solidarität zur Freiheit des südafrikanischen Volkes.