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Nuthin but Net – nichts als Nylon

NBA-Africa-Game: Team Africa vs. Team World am 1. August 2015 in Südafrika. Ein historischer Moment

(Autor: Johannes Woywodt)

Swish. Es ist nicht nur ein Geräusch. Es ist vielmehr als das. Ein Glücksgefühl. Es ist die Vollendung eines perfekten Wurfes, wenn das orangefarbene runde Leder die Hand verlässt und in schöner Flugkurve in 3,05 Meter Höhe im Korb landet, ohne den Ring oder das Brett zu berühren. Doch Basketball bietet noch weit mehr als dieses eine Glücksgefühl. Basketball ist die Mischung aus purer Dramatik, Spannung, Glück und Trauer. Sie wechseln ständig, abrupt, in Bruchteilen von Sekunden. Garniert werden diese Emotionen durch die Athletik und individuelle Fähigkeiten von Spielern, die mitunter physische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen scheinen.

NBA

© Am 1. August 2015 um 15.00 Uhr (CAT/MESZ) treten US-Basketball-Stars im Rahmen der NBA-Africa-Game erstmals in Südafrika an. Das Team Africa wird dabei mit NBA-Profis spielen, die in Afrika geboren worden sind oder afrikanische Vorfahren haben. Bei ihren Kontrahenten des Team World spielen unter anderem Allstars wie Chris Paul und Pau Gasol. Diese Sport-Begegnung wird live im TV übertragen. (Quelle: NBA)

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Veranstaltungsbericht zu „Thierse trifft … EXTRA“

Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika, in der Retrospektive: Mit 10 Jahren beim ANC aktiv.

(Autor: Ghassan Abid)

Am 23. Mai 2012 lud die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin den Botschafter Südafrikas in Deutschland im Rahmen der Veranstaltungsreihe Solidaritäten über Grenzen: 100 Jahre ANC“ zum Interview-GesprächThierse trifft … EXTRAein. In chronologischer Reihenfolge sind die verschiedenen Lebensabschnitte des Botschafters zu Zeiten der Apartheid, der Demokratisierung von 1994 bis hin zur Post-WM-Ära beleuchtet worden. Makhenkesi A. Stofile hatte hierbei stets den Afrikanischen Nationalkongress, welcher im Januar dieses Jahres seinen hundertsten Geburtstag zelebrierte und somit die älteste Bewegung des gesamten afrikanischen Kontinents darstellt, in den Blick genommen. Moderiert wurde die deutsch-südafrikanische Begegnung von Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker.

© Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika in Deutschland, im Gespräch mit Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika in Deutschland, im Gespräch mit Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Aufgewachsen auf einer Farm, mit dem Segen von Gott und der Leidenschaft für Sport
Stofile wuchs auf einer kleinen südafrikanischen Farm in der Provinz KwaZulu-Natal auf. Seine Familie brachte ihm schon früh die christliche Religion nahe. Er spricht isiXhosa, eine Sprache mit Klicklauten, welche von heute rund 6,7 Millionen Südafrikanern gesprochen wird und die zweitgrößte Sprachgruppe ausmacht. Genauso ist er ein großer Fan und Mannschaftssportarten und praktizierte Fußball, Cricket, Rugby und gar Tennis. Er erinnert sich an die Schwierigkeiten beim Schulbesuch – keine Stühle in den Klassenräumen, lange Wege zu den Schulen und äußerst enge Räume. Das beim Sport notwendige Durchhaltevermögen hat er unter anderem den schwierigen Umständen während der Schulzeit zu verdanken. „Wir konnten sogar die Decken anfassen“, führte Stofile an. Nach dem Bestehen des Abiturs ging er gleich arbeiten. In einer Weberei in Port Elizabeth erwirtschaftete er bei einer belgischen Familie ein wenig Geld, welches er für ein angefangenes Medizinstudium an der Universität Fort Hare am Ostkap dringend brauchte. Fort Hare, eine in Südafrika äußerst bekannte Einrichtung, auf welche viele südafrikanische Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur gingen. Zudem begab er sich regelmäßig auf Sponsorensuche, um die Kosten der Hochschulausbildung abdecken zu können.

Hochschulen nach Ethnien untergliedert
Der heutige Botschafter erinnert sich noch gut an die ungerechten Zustände von damals, als die Hochschulen für Schwarze weitgehend verschlossen blieben. Allerdings gab es einige wenige „liberale Universitäten“, die auf Basis von Quoten einigen schwarzen oder farbigen Studenten eine Ausbildung gewährten. Die renommierte Witwatersrand-Universität (Wits) in Johannesburg, an welcher Nelson Mandela sein Jurastudium aufnahm, war einer dieser Einrichtungen. Genauso gab es Hochschulen, die ausschließlich den Schwarzen oder anderen Ethnien vorbestimmt waren. Die Universität Fort Hare, welche Stofile zum Medizinstudium besuchte, war bis in die 1960er Jahre die „einzige und erste Hochschule für Schwarze. Dann folgten landesweit weitere solcher Institutionen“.
Schließlich entschied sich Stofile dann zur Aufnahme eines weiteren Studiengangs im Bereich der Theologie, nachdem er sein Geschichtsstudium aufgrund von Lerninhaltskonflikten mit einem Universitätsprofessor abbrechen musste. Er bedauert nach wie vor diesen Schritt.

© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Alle Eltern waren Aktivisten des ANC
Als Antwort auf die Frage von Thierse, wann Stofile zum Afrikanischen Nationalkongress beitrat, erwiderte er: „Alle Eltern waren Aktivisten … das war normal“. Dementsprechend fand er bereits 1954 seine erste politische Betätigung im ANC. Im Alter von 10 Jahren wohlgemerkt! Die Widerstandsbewegung wandte sich zum damaligen Zeitpunkt den Familien zu, welche mit der Verhaftung von Familienmitgliedern konfrontiert waren. Auf diese Weise konnte der ANC stetig seine Gefolgschaft vergrößern. Doch erst als Student begab sich der heutige Botschafter in den sogenannten Untergrund. Er traf mehrere Persönlichkeiten, etwa Thabo Mbeki – der zweite Präsident des demokratischen Südafrikas – oder die „Mutter der Nation“ Winnie Madikizela-Mandela –damalige Ehefrau von Nelson Mandela.

Verhaftung und Anklage wegen Terrorismus und Verrat
So wie unzählige ANC-Aktivisten war auch Stofile von Verhaftungen durch die Polizei nicht verschont geblieben.“Ich weiß nicht, wie oft ich verhaftet wurde“, beklagte der Botschafter das Leben in der Apartheid. Ausgangssperren für Schwarze dienten oft als diesbezügliche Rechtfertigung. „Die Polizei hat uns vor der Weberei aufgelauert. Nach 10 Uhr galt nämlich eine Ausgangssperre. Da einige Arbeiter doch einige Minuten später die Weberei verließen und auf den Bus warteten, wurden wir verhaftet“, so der ANC-Aktivist. Schließlich ist er eines Tages von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden. Ihm wurden Terrorismus und Verrat vorgeworfen. „Mir hat man eine Verschwörung vorgeworfen“, sagte Stofile mit lauter Stimme. Das Gericht verurteilte ihn dann zu einer Haftstrafe von 12 ½ Jahren, wovon er 4 Jahre abgesessen hatte.

Die Deutschen waren sehr gute Freunde der Apartheid
Stofile hielt fest, dass die Bundesrepublik sehr gute Beziehungen zum Apartheidsregime pflegte. Sogar der „Vater der Apartheid“, Hendrik Frensch Verwoerd, stattete Deutschland einen Besuch ab. Während die DDR, die Sowjetunion und die Staaten Osteuropas den ANC umfassend beim Widerstand unterstützten, waren die Westdeutschen weniger für die Probleme der schwarzen Mehrheitsbevölkerung sensibilisiert. „Wir sind [im Westen] als Agenten des Kommunismus betitelt worden… In [Ost]Deutschland hatten wir hingegen viele Freunde und 1975 hielt ich mich in Berlin auf“. Der Botschafter untermauerte die damaligen Bestrebungen des ANC, dass die Westdeutschen auf Produkte aus dem Apartheids-Südafrika verzichten sollten, da die Wirtschaft das Rückgrat des Regimes darstellte. „Es war schwer, hier gehört zu werden“, erinnert er sich. Umso entschlossener setzte der ANC seinen Widerstand fort. Sämtliche Entscheidungen der Bewegung sind durch Nelson Mandela abgesegnet gewesen, der auch aus dem Gefängnis heraus einen enormen Einfluss auf die Bewegung – ob im In- oder im Ausland – entfaltete.

Der Apartheids-Geheimdienstchef als Parlamentskollege
Als Nelson Mandela 1990 vom Apartheidsregime und der ihr vorstehenden National Party (NP) aus der Haftanstalt entlassen wurde, schickte der erste schwarze Präsident Südafrikas zwei Männer zu Stofile, die ihn für eine Tätigkeit im Parlament gewannen: „Sie haben mir 2 Jahre angeboten. Dann sagten sie mir, dass ich länger bleiben kann.“. Als besonderen Umstand empfand der gewählte Parlamentarier die Zusammenarbeit mit Abgeordneten, die während der Apartheid hohe Ämter inne hatten und am Unrechtssystem beteiligt waren. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienstchef, der bis 1999 Mitglied der Nationalversammlung war und heute als Geschäftsmann tätig ist, sorge bei ihm bisweilen für besondere Eindrücke.

Vom  Ministerpräsidentenamt des Ostkaps ins Sportministerium
Nachdem Raymond Mhlaba mit dem Amt des Ministerpräsidenten am Ostkap – bedingt durch die 35 jährige Haftzeit auf Robben Islands – überfordert war, wurde Makhenkesi A. Stofile zum neuen Regierungschef der Provinz ernannt. Gleichzeitig ist er auch nach erfolgter Abstimmung mit Mandela in die ANC-Spitze gewählt worden. Da Stofile ein großer Sportfan ist und auch selber regelmäßig sportlich aktiv war, erhielt er kurz vor der WM 2010 das Angebot, der nächste Sportminister Südafrikas zu werden. „Nach der WM war ich so erschöpft“, untermauert er die  immense Arbeit der Südafrikaner im Hinblick auf die Durchführung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika. Mit lächelndem Blick in Richtung Thierse unterstrich der Botschafter seine Freude über den Sieg gegen Frankreich: „Wir haben das erste Tor der WM überhaupt geschossen und dazu Frankreich besiegt!“.

© Botschafter Stofile erinnert sich an die großen Anstrengungen im Hinblick auf die Vorbereitung der ersten Fußball-WM in Afrika.  „Nach der WM war ich so erschöpft“, sagte er. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Botschafter Stofile erinnert sich an die großen Anstrengungen im Hinblick auf die Vorbereitung der ersten Fußball-WM in Afrika. „Nach der WM war ich so erschöpft“, sagte er. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Der Islam gehört ganz klar zu Südafrika
Nach dem sportlichen Großspektakel ist Stofile ein Botschaftsposten in Finnland angeboten wurden, welches er gerne angenommen hätte. Doch die Entscheidung ist von den zuständigen Personen revidiert worden und Berlin wurde ihm nun vorgeschlagen. Seit 2011 ist er nun der höchste Repräsentant Südafrikas in Deutschland. Thierse fragte nach den Unterschieden von Südafrikanern und Deutschen. Der Botschafter machte deutlich, dass in Südafrika die Einwanderung ein großes Thema darstelle, während hierzulande über die Einwanderung UND Religion debattiert werde. „Der Islam gehört ganz klar zu Südafrika.“ Stofile spielt die kontrovers geführte Auseinandersetzung im Hinblick auf den Umgang mit Muslimen und dem Islam in Deutschland an.

© Südafrikas höchster Repräsentant in Deutschland sprach die deutsche Islamdebatte an. Mit ein wenig Verwunderung erläuterte Botschafter Stofile den Standpunkt seines Landes, dass der Umgang mit dem Islam und den Muslimen am Kap völlig normal ist und keineswegs kontroverse Debatten auslöst. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

© Südafrikas höchster Repräsentant in Deutschland sprach die deutsche Islamdebatte an. Mit ein wenig Verwunderung erläuterte Botschafter Stofile den Standpunkt seines Landes, dass der Umgang mit dem Islam und den Muslimen am Kap völlig normal ist und keineswegs kontroverse Debatten auslöst. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Ich wünsche mir …
Botschafter Stofile hielt zum Ende der Veranstaltung fest, dass er sich einen Ausbau des Zugangs der Bevölkerung zu Wasser und Strom wünsche. Vor allem die „rural areas“, die ländlichen Gegenden Südafrikas, weisen weiterhin große Entwicklungsdefizite auf – gesteht er ein. „Alles außerhalb von Kapstadt braucht weitere Unterstützung. Südafrika ist ein armes Land.“ Aus diesem Grund verfolgt der Botschafter das Bestreben, dass die südafrikanischen Minister für ländliche Entwicklung nach Deutschland kommen. Außerdem bewertet Stofile den Landwirtschaftssektor, welcher im Vergleich zu anderen Sektoren wie den Minen an ökonomischer Bedeutung abgenommen hat, als wichtig. Die Landwirtschaft trägt zur Wohlstandsentwicklung der Nation bei. Diese schaffe viele Arbeitsplätze und produziere Nahrungsmittel, lautet seine Begründung. „Beides brauchen wir“, so Stofile. Ferner muss das Land noch große Anstrengungen im Bildungsbereich und beim Klima- bzw. Umweltschutz unternehmen. Die gegenwärtigen Machtkämpfe innerhalb des ANC bewertet das langjährige Parteimitglied als „sehr, sehr, sehr traurig“.

424-Tagesbilanz zur Fußball-WM in Südafrika

Inwieweit konnte Südafrika von der WM 2010 profitieren?

(Autorin: Anne Schroeter)

Im letzen Jahr war die Aufregung groß – die erste Fußballweltmeisterschaft, die in Afrika stattfinden würde. War Südafrika bereit dieses Großevent auszutragen? Würde es nicht viel zu gefährlich sein? Ist die Organisation zuverlässig genug?

Vor der WM zeichnete sich Südafrika vor allem durch Negativschlagzeilen aus: Xenophobische Übergriffe auf Immigranten, hohe AIDS- und Kriminalitätsrate und Armut sind wohl die ersten Begriffe, die viele mit Südafrika assoziierten. All diese Fragen ließen sich relativ schnell während und noch kurz nach der WM beantworten. Shuttle-Busse von zentralen Plätzen, die zum Stadion fuhren, große neugebaute Stadien und Flughäfen, tolle Atmosphäre – wenn auch für einige zu „afrikanisch“, durch den Lärm der Vuvuzelas, Fans aus aller Welt die gemeinsam feierten. Viele Bilder erinnerten an die WM 2006 in Deutschland.

424 Tage nach der WM lässt sich nun auch eine klare Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften ziehen. Vor dem Beginn der WM wurde über hohe Kosten geklagt, für den Bau von neuen Stadien, Investitionen in die Infrastruktur und die Errichtung des neuen Gau-Trains geflossen sind.

Kurz nach der WM sagte Jacob Zuma, Präsident Südafrikas, dass die WM einen „Anfang einer besseren Zukunft für Südafrika und für ganz Afrika“ darstelle. Aber, inwieweit stimmt das? Für die WM wurden Stadien neu- und umgebaut, unter anderem das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, oft als das schönste Stadion der WM bezeichnet, das Greenpoint-Stadium in Kapstadt und Soccer City Stadium in Johannesburg. Dort werden nun andere Sportwettkämpfe ausgetragen und Konzerte (zum Beispiel Coldplay und Kings of Leon) gespielt. Während das Soccer City Stadium Profit erwirtschaftet und viele große Veranstaltungen austrägt, schreiben sowohl das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, als auch das Green-Point-Stadium in Kapstadt keine schwarzen Zahlen und gehen somit zu Lasten der Steuerzahler.

© Moses-Mabhida-Stadium in Durban (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als große Infrastrukturmaßnahmen, sind vor allem der Bau von Gau-Train und eines neuen Flughafen in Durban genannt worden. Insgesamt flossen rund 30 Mrd. Rand in die beiden obengenannten Großprojekte, den Umbau des Flughafens von Johannesburg und die Erneuerung des Straßennetzes. Die prekären Verhältnisse in den Townships dagegen, wurden kaum angegangen, und erfuhren lediglich Nebenbeachtung.

Hinzu kamen Investitionen in Stadionneu- und -umbau sowie in die Sicherheit. Insgesamt wurden ca. 43 Mrd. Rand investiert, jedoch nur 13 Mrd. Rand Einnahmen verzeichnet, es entstand also ein Defizit von ca. 30 Mrd. Rand. Trotzdem hatte die WM auch eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum, das um 0,5% gestiegen ist. Dieses geringe Wachstum lässt sich jedoch direkt mit der WM in Zusammenhang bringen und zeugt nicht unbedingt von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, sowohl für die Bevölkerung als auch für Investoren. Zumindest die 500.000 Arbeitsplätze, die in der Baubranche entstanden waren, konnten für einige Zeit, vielen Familien das Leben erleichtern. Die meisten dieser Stellen waren Bauarbeiterstellen, die oft an Beschäftigte aus einkommensschwachen Familien vergeben werden. Hinzu kommt, dass in Südafrika weit mehr Personen von einem Gehalt ernährt werden, als es in Europa üblich ist.

Inwiefern der Neubau von Gau-Train und Flughäfen für die Bevölkerung Südafrikas von Nutzen ist, lässt sich relativ einfach sagen: Der überwiegende Großteil der Südafrikaner wird in naher Zukunft nicht in die Bedrullie kommen, zum Flughafen fahren zu müssen, und dafür den Gau-Train zu nutzen, um dann an einem super-modernen Flughafen abzufliegen.

© Der einfache Bürger profitiert kaum von einer WM (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Volk, insbesondere unter den Schwarzen ist es der beliebteste Sport. Klar, dass viele Südafrikaner versuchen wollten, während der WM ein kleines wirtschaftliches Wunder zu erleben und liebevoll selbstgemachte Fußball-Souvenirs verkaufen wollten. Dies wurde ihnen schnell untersagt. Lediglich offizielle FIFA-Fan-Artikel durften in und in der Nähe der Stadien verkauft werden, sodass Händler gezwungen waren an weniger geeigneten Orten ihr Handwerk zu verkaufen. Dies sorgte für Abneigung gegenüber der FIFA, und der Ansicht, dass sie die höchsten Gewinne einnehmen würde.

Als nachhaltigen Gewinn der WM, ist das youthzones-Projekt zu nennen. Davon gibt es 13 verteilt in ganz Südafrika, und jeweils eins in Mozambik und Zimbabwe. Diese Youth Zones haben das Ziel durch Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere durch die Vermittlung von Computerkenntnissen und sogenannten Life-Skills, wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Konfliktschlichtung, Teamwork, Gesundheit und ähnlichem. Dadurch sollen die Kinder Selbstvertrauen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, dass es ihnen später ermöglicht ein erfolgreiches, und vor allem kriminell-freies, Leben zu leben.

Ähnliche Projekte, wie das der Youth Zones, wurden auch zu anderen Themengebieten initiiert, wie zum Beispiel Bildung, Umweltbewusstsein sowie –erhaltung und andere. Diese werden teilweise von der FIFA oder dem südafrikanischen Organisationskomitee in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführt.

Kurz nach Ende der WM in Südafrika, wurde die Entstehung eines Fonds angekündigt. Dieser nennt sich Legacy Trust Fond und verfügt über insgesamt 100 Millionen Dollar, von denen bereits 20 Millionen Dollar vor Beginn der WM in den Bau einer neuen Geschäftsstelle für den Südafrikanischen Fußballverband (SAFA) flossen. Die verbleibenden 80 Millionen Dollar sollen nun zur weiteren positiven Entwicklung genutzt werden. Verwaltet wird der Fonds vom Beratungsunternehmen ´Ernst and Young´, geleitet von Vertretern von FIFA, SAFA, der südafrikanischen Regierung und privaten Investoren. Sie entscheiden, welche gemeinnützigen Projekte Zuschüsse für die Durchführung von sozialen Projekten erhalten.

Die WM in Südafrika hat die Einstellung vieler Touristen gegenüber dem Land verändert. Die niedrige Anzahl von Gewaltvorkommen, über die sich vorher so gesorgt wurde, brachte dem Land großes Vertrauen und Respekt ein. Viele Besucher der WM würden gerne wieder nach Südafrika fliegen (96%) oder ihren Freunden Südafrika als Reiseland empfehlen (94%). Dieser Reputationsgewinn kann sich noch lange auf Südafrikas Tourismus auswirken, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, und somit langfristig einen positiven Effekt auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes haben.

Außer einem Überfall auf Journalisten zu Beginn der WM, beschränkten sich die Vorfälle, die direkt mit dem Turnier in Verbindung zu bringen waren auf Diebstähle und ähnliche Delikte. An den 25 Spieltagen der WM, besuchten insgesamt 3.082.514 Besucher die Stadien. 704 Vorfälle wurden der Polizei gemeldet, die sich in einem 1,5 Kilometerradius um die Stadien herum zugetragen hatten. Das bedeutet, dass nur 0,02% der Besucher von Kriminalität betroffen waren. In den Stadien wurden im gleichen Zeitraum 290 Vorfälle gemeldet, so dass nur 0,009% der Besucher im Stadion kriminelle Erfahrungen machen mussten. Auch die Zahlen der Fan-Feste-Besucher liegen ähnlich tief, wie die der Stadionbesucher (0,13% im 1,5 Kilometerradius; 0,005% im Fan-Fest).

Somit hat sich auch der Ausspruch des südafrikanischen Polizeichefs, Jackie Selebi, vor der WM bestätigt, dass die WM problemlos kommen und gehen werde. Außerdem hatte Südafrika schon vor der WM viele große Sportereignisse ausgerichtet, so zum Beispiel Cricket -und Rugby-Weltmeisterschaften, oder Spiele der indischen Cricket-Liga, die aus Sicherheitsgründen nach Südafrika verlegt worden waren. Durch den zusätzlichen Einsatz von 44.000 neu ausgebildeten Polizisten und der Schaffung spezieller WM-Gerichte konnten Straftaten verhindert, beziehungsweise schnell aufgeklärt und Täter zeitnah verurteilt werden.

Gerade die positiven Kriminalstatistiken der WM beweisen, dass Touristen in Südafrika nicht mehr gefährdet sind, als an anderen Urlaubszielen. Mit den richtigen Verhaltensregeln und guter Vorbereitung, lässt es sich dort wunderbar urlauben, ohne sich selber in Gefahr zu bringen

Doch so drastisch, wie sich unser Empfinden gegenüber Südafrika verändert hat, so stark haben sich auch die Hoffnungen der Südafrikaner an die WM gewendet. Während der Vorbereitungen für das Turnier, hatte die Mehrheit der Südafrikaner angegeben, dass die WM vor allem die wirtschaftliche Lage verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde. Am Ende des Turniers, sah dies anders aus. Die meisten der Befragten waren der Meinung, dass die FIFA der größte Profiteur der WM sei, gefolgt von „den Reichen“ und Unternehmen. Mit der Frage nach Nationalgefühl und dem Zusammenwachsen der Bürger, stellte es sich anders herum dar. Vor Beginn der WM dachten lediglich 2-4%, dass sich die WM positiv auf das gemeinsame Nationalgefühl auswirken könnte, nach der WM ist durch alle ethnischen, sozialen und wirtschaftlichen Schichten hindurch, die Meinung vertreten worden, dass die WM einen positiven Effekt hatte, mehr noch als auf das wirtschaftliche Vorankommen des Landes.

Schon während der WM, und auch kurz danach noch, wurde eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas diskutiert. Diese wurden nun doch erst mal wieder auf Glatteis gelegt. Offiziell lautet die Erklärung, dass man sich zunächst auf die Versorgung aller mit Wasser und Strom und die einhergehende Armutsbekämpfung konzentrieren wolle. Hätte die Fußball-WM den erhofften wirtschaftlichen Effekt gehabt, dann würde man gerne wieder ein sportliches Großereignis ausrichten, um somit die Probleme im Lande schneller angehen zu können.

So, wird der Wunsch nach einem weiteren Riesenevent, den viele Südafrikaner, den besonders die wirtschaftlich und sozial schwächer angesiedelten Bürger hegen, zunächst ein Traum bleiben. Aber zwischen der Arbeit für eine bessere Zukunft des Landes, ist es erlaubt zu Träumen, um seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Artikel basiert auf die Präsentationsprüfung zum Abitur (Mai 2011) von Konstantin Schroeter.

2010sdafrika-Artikel zum FIFA-Südafrika-Verhältnis:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel zu WM-Ausgaben:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Schriftsteller Roger Smith im Interview

Die Wahrnehmung des demokratischen Südafrikas aus der Sicht eines Bestseller-Autors

Bestseller-Autor Roger Smith

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika ist jetzt eine Demokratie mit der Möglichkeit einer politischen Partizipation für alle Bevölkerungsgruppen. Welche sind die größten Herausforderungen, die diese Nation zu bewältigen hat?

Antwort: Die Apartheid endete Mitte der 90er Jahre und Südafrika wurde unter Nelson Mandela vom einstigen Paria der Weltgemeinschaft zum Liebling aller Nationen. Bedauerlicherweise platzte die Blase als Mandela abtrat.

Die Lücke zwischen Reich und Arm war niemals größer. Wir haben heute die höchste HIV/AIDS-Verbreitung weltweit und Kriminalität sowie Korruption haben die Apartheid als größtes gesellschaftliches Übel abgelöst. Südafrikas Spitzenpolizist [damit gemeint ist Jackie Selebi] – während seiner Verhaftung Police Commissioner und Präsident von Interpol gewesen – steht wegen kriminellen Geschäften und der Annahme von Bestechungsgeldern durch die Organisierte Kriminalität unter Anklage.

Die südafrikanischen Tötungsdeliktstatistiken sind erschreckend – eine von vier südafrikanischen Frauen wird im Laufe ihres Lebens vergewaltigt. Um die 1.500 Kinder sind letztes Jahr in Südafrika ermordet worden. Die meisten dieser Kinder wurden zudem sexuell missbraucht.

Südafrikaner haben eine Menge worauf sie stolz sein können und sollten sich trauen, die sozialen Übel in unserem Lande nicht zu ignorieren.

2010sdafrika-Redaktion: Ihr neues Buch „Wake Up Dead“ (zu Deutsch: Blutiges Erwachen) gibt eine atemraubende Wahrnehmung der südafrikanischen Gesellschaft wieder. Das deutsche Magazin FOCUS bezeichnete Ihr Roman als „blutiger Bilderrausch“.  Um was geht es in Ihrem Buch und in welchem Kontext steht es mit der Realität?

Antwort: Meine Bücher sind natürlich reine Fiktion, beschreiben jedoch sehr realistisch Südafrika und Kapstadt. Das ganze Kapstadt, nicht nur die touristischen Gegenden.

Roman "Blutiges Erwachen"

Die „Cape Flats“ – die Kehrseite einer Postkarte Kapstadts – handeln von gewalttätigen Orten, welche man außerhalb von Kriegsgebieten findet. Vor 40 Jahren  hatte die Apartheid jeden nicht weißer Hautfarbe in diesem windgepeitschten Hüttenlabyrinth und Streichholzschachtelhäuser abgeladen. Regiert von Drogenbossen und Verbrechern, haben diese Hütten die höchsten Vergewaltigungs- und Mordraten in Südafrika überhaupt und die Sexualdelikte gegenüber Kindern sind erschreckend.

Mein Partner – welcher in einem dieser Hütten aufgewachsen ist – berät missbrauchte Kinder und erzählt mir Geschichten, die mir Albträume bereiten. Wenn dies im Westen passieren würde, würde es zu einem Aufschrei kommen. Hier bringt es kaum Schlagzeilen.

All dies hat seinen Niederschlag in meinen Büchern gefunden.

2010sdafrika-Redaktion: Denken Sie, dass Südafrika in der Lage ist die Weltmeisterschaft 2010 abzuhalten und die Basissicherheit von einer halben Million Gäste – so die Erwartung des Gastgebers – zu gewährleisten?

Antwort: Die Weltmeisterschaft wird ein gewaltiger Auftrieb für Südafrika sowie für den afrikanischen Kontinent sein und ich prognostiziere einen großen Erfolg. Südafrika veranstaltete 1995 die Rugby-Weltmeisterschaft, 2003 die Cricket-Weltmeisterschaft sowie letztes Jahr den COSAFA Cup [ = regionale Fußballmeisterschaft]. Natürlich kommt keine dieser Veranstaltungen an die Bedeutung der FIFA-Weltmeisterschaft heran, aber was ich sehe ist, dass die Infrastruktur/ Kapazitäten vorhanden sind.

Ich denke nicht, dass die Besucher der Weltmeisterschaft in Gefahr sein werden. Denn die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Opfer von Kriminalität und Gewalt in den Ghettos und in den ländlichen Regionen leben; weit weg von der Blase der privilegierten Touristen, in der sich diese selbst befinden, wenn sie Südafrika zu Besuch kommen.

2010sdafrika-Redaktion: Roger Smith, wir danken Ihnen für Ihre Sicht der Dinge!

—— Das Interview wurde in Englisch geführt und ist ins Deutsche übersetzt worden. Unten ist das Originalinterview ebenfalls abgebildet.

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—> Blutiges Erwachen

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The perception of South Africa by Roger Smith, South African bestseller author

(Editor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-editorial staff: South Africa is now a democracy with political participation for all sections of the population. Which are the biggest national challenges?

Answer: Apartheid ended by the mid-nineties, and South Africa went from being pariah of the world to everybody’s darling under Nelson Mandela. Unfortunately, the bubble burst when Mandela moved on.

The gap between rich and poor has never been greater. We now have the highest incidence of HIV/ Aids statistics in the world, and crime and corruption has replaced apartheid as our number one social ill. South Africa’s top cop – still commissioner of police and head of Interpol at the time of his arrest – is on trial for racketeering and taking bribes from organized crime.

The South African homicide statistics are off the charts, and one in four South African women will be raped in her lifetime. Nearly 1 500 children were murdered in South Africa last year. Most of these children were also sexually violated.

South Africans have much to be proud of, be we dare not ignore the social ills in our country.

2010sdafrika-editorial staff: Your new book „Wake Up Dead“ (in German: Blutiges Erwachen) is reflecting a very breathtaking perception on the South African society. The German magazin FOCUS declared your novel as „bloody inebriation of images“ (in German: Blutiger Bilderrausch). What is your book talking about and in which context is it connected with the reality?

Answer: My books are fiction, of course, but they are a very realistic depiction of South Africa and Cape Town. All of Cape Town, not just the tourist spots.

Novel "Wake Up Dead"

The Cape Flats – the flipside of the Cape Town picture postcard – is about as violent a place as you’ll find outside of a war zone. Forty years ago, the apartheid government dumped anybody who wasn’t white out in this windswept maze of shacks and matchbox houses. Ruled by drug lords and gangsters, the Flats has the highest number of rapes and murders in South Africa, and sex crimes against children are off the charts.

My partner – who grew up out on the Flats – counsels abused children, and tells me stories that give me nightmares. If this was happening anywhere in the West there would be an outcry. Here it barely makes the newspapers.

All of this has found its way into my books.

2010sdafrika-editorial staff: Do you think South Africa is already poised for hosting the World Cup 2010 and to ensure the basically security of the estimated half million of guests?

Answer: The World Cup will be a huge boost for the country, and for the African continent, and I predict that it will be a great success. South Africa has hosted the 1995 Rugby World Cup, the 2003 Cricket World Cup, as well as the COSAFA Cup last year. Of course, none of these are on the scale of the FIFA World Cup, but from what I have seen, the infrastructure is in place.

I don’t think visitors to the World Cup will be in danger. The sad truth is that most victims of crime and violence live in the ghettoes and rural areas, far from the bubble of privilege tourists find themselves in when they visit South Africa.

2010sdafrika-editorial staff: Roger Smith, we would like to thank you for your personal view to this matter!

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—> Wake Up Dead: A Thriller