Schlagwort-Archive: Department of Defense

Rüstungskonzerne in der Nord-Süd-Transition

Rheinmetall baut Marktanteile in Südafrika aus

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Rheinmetall AG baut ihr Geschäft in der Defence-Sparte mit Südafrika erheblich aus. Wie nun bekannt wurde, übernimmt der Düsseldorfer Rüstungskonzern zum November dieses Jahres das südafrikanische Unternehmen Laingsdale Engineering (Pty) Ltd vom Kapstädter Technologie-Riesen Tellumat (Pty) Ltd.

© Puma-Panzer des Düsseldorfer Konzerns (Quelle: Rheinmetall AG)

Laingsdale Engineering ist auf die Herstellung von feinmechanischen Bauteilen und Munition für die Rüstungsindustrie spezialisiert und erzielte mit 180 Mitarbeitern für 2009 einen Umsatz von umgerechnet 10 Millionen Euro. Über den genauen Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Der Zukauf an Laingsdale Engineering wird zu 51 Prozent über die Rheinmetall Waffe Munition GmbH in Unterlüß abgewickelt, während die restlichen Anteile von 49 Prozent über die südafrikanische Rheinmetall Denel Munition (Pty) Ltd in Somerset West gehalten werden.

Rheinmetall Denel Munition, die südafrikanische Gesellschaft des Düsseldorfer Konzerns, welche sich zu 49 Prozent im Staatsbesitz Südafrikas befindet, ist bereits jetzt mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2009 der führende Munitionsanbieter in Südafrika. Mit dem Beteiligungskauf an Laingsdale Engineering soll dieser Spitzenplatz weiterhin ausgebaut und das regionale Abnehmernetz im südlichen Afrika erweitert werden. Somit werden die bisherigen fünf Standorte der südafrikanischen Tochtergesellschaft der Rheinmetall AG in Boksburg, Mitchells Plain, Potchefstroom, Somerset West und Wellington, nun um eine Manufaktur in Kapstadt ergänzt.

Der auf die deutsch-südafrikanischen Beziehungen spezialisierte Politikwissenschaftler Ghassan Abid sieht im Zukauf am Kap eine „präventive Gegenmaßnahme zu erwarteten Umsatzeinbrüchen im europäischen Raum. Alles deute zurzeit darauf hin, dass die Bundesregierung den Verteidigungsetat von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) drastisch kürzen sowie nach Empfehlung der Strukturkommission unter Frank-Jürgen Weise sowohl die Beschäftigtenzahl des Bundesverteidigungsministeriums, als auch die Truppenstärke dem Rotstift unterziehen wird. Auch der britische Premierminister David Cameron ließ verlauten, dass in den nächsten vier Jahren der nationale Verteidigungsetat um acht Prozent gedrosselt  werden soll. Demnach wird das Engagement deutscher Rüstungskonzerne im nichteuropäischen Ausland kurz- und mittelfristig expandieren – vor allem in Afrika – um einen institutionellen Ausbalancierungseffekt erzielen zu können“, so Abid weiter.

© Hauptsitz der Rheinmetall AG in Düsseldorf (Quelle: Rheinmetall AG)

Laut Berichten der Financial Times Deutschland erwartet Rheinmetall mit dem Ausbau seiner Aktivitäten in Südafrika eine höhere Chance beim Zuschlag von staatlichen Ausschreibungen im Wehrbereich, unter anderem beim Verkauf von mehr als 4.000 Militär-Lkw sowie eventuell von Leopard-Panzern an das Verteidigungsministerium Südafrikas. Fakt ist, dass Südafrika seit Jahren seine militärische Regionalmachtstellung zu See, Luft und Boden ausbaut, unter maßgeblicher Hilfe aus Deutschland.

2010sdafrika-Artikel zur deutsch-südafrikanischen Militärzusammenarbeit:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/03/04/manover-good-hope-iv-in-action/

Presseerklärung von Rheinmetall AG zu Südafrika-Geschäft:

http://www.rheinmetall.de/index.php?lang=2&fid=2263

Werbeanzeigen

Manöver „Good Hope IV“ in Action

Militärische Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und South African National Defence Force

(Autor: Ghassan Abid)

Vom 15. Februar bis zum 15. März 2010 findet die vierte See- und Luftstreitkräfteübung zwischen Deutschland und Südafrika unweit von Kapstadt statt. Mehrere Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe des Typs Tornado und Fregatten der Bundesmarine sind am Manöver „Good Hope IV“ beteiligt, in welcher auch Marschflugkörper (= Raketen) zum Einsatz kommen. Die wichtigsten Ziele dieser Übung sind neben einer Vertiefung der „engen und vertrauensvollen Partnerschaft“ zwischen beiden Nationen, auch der Ausbau von Verteidigungskompetenzen, die Weiterentwicklung operativer Mittel und Methoden im multilateralen Kontext und  die Vorbereitung auf mögliche internationale Einsätze.

© Fregatte BRANDENBURG bei Good Hope IV (Quelle: Marine)

Das Verteidigungsministerium Südafrikas (DOD) schätzt die bilaterale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigungspolitik hoch an, sodass die Navy ihre beiden Fregatten SAS AMATOLA und SAS SPIOENKOP sowie das U-Boot SAS QUEEN MODJADJI I für das Manöver disponiert hat. Hingegen entsandt die Bundesmarine unter anderem die Fregatten BRANDENBURG und NIEDERSACHSEN. In diesem Jahr möchte sich die Bundeswehr zusätzlich verstärkt der südafrikanischen Öffentlichkeit präsentieren. Geplant sind daher ein Tag der offenen Tür auf den Schiffen der Bundesmarine sowie ein Konzert im Tourismusareal Kapstadts.

Die Republik Südafrika plant seit etwa einem Jahrzehnt ein ehrgeiziges ordnungsmachtpolitisches Konzept, um sich im südlichen Afrika auch im militärischen Bereich als Regionalmacht aufstellen zu können. Die Bundesregierung unterstützt dieses Vorhaben im „out of area„, dem Terrain außerhalb des NATO-Gebietes. Unstrittig ist, dass die South African Army schon jetzt zu einer der schlagkräftigsten auf dem gesamten Kontinent gezählt werden kann. Das Heer, die Luftwaffe und die Marine des Landes erhielten in den letzten Jahren umfangreiche Haushaltszuweisungen, die vor allem den Erwerb von modernen Kriegsgeräten vorsahen. So ist die südafrikanische Navy in der Vergangenheit mehrfach durch deutsche Rüstungsbetriebe der maritimen Wirtschaft beliefert worden.

© Südafrikanischer Helikopter vom Typ ORYX (Quelle: Marine)

Dementsprechend entstammen die am Manöver beteiligten Seestreitkräfte Südafrikas mehrfach aus deutscher Produktion. Während das U-Boot SAS QUEEN MODJADJI I und die Fregatte SAS SPIOENKOP durch die Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH hergestellt wurden, ist die Fregatte SAS AMATOLA durch Blohm + Voss (einem Tochterunternehmen der ThyssenKrupp Marine Systems) an Südafrika verkauft worden.