Schlagwort-Archive: Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012/2013

Schavan in Südafrika

Promotionsaffäre überschattet Arbeitsbesuch der Bundesforschungsministerin

(Autor: Ghassan Abid)

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger liegen können. Vor Kurzem trifft die Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Südafrika ein und schon wird in sämtlichen Medien – ob Spiegel, Zeit, taz, n-tv oder ZDF – hierzulande über ihren Rücktritt spekuliert. Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag verstärken den Druck. Das Nachsehen haben die Beteiligten der deutsch-südafrikanischen Forschungskooperation.

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

Weiterlesen

Wissenschaftsstandort Südafrika

Forscher erhoffen sich Antworten auf die Entstehung des Universums und einen Kontakt zu Aliens

(Autor: Ghassan Abid)

In Großbritannien debattiert, in den Niederlanden beschlossen, für Südafrika sowie weitere Staaten des südlichen Afrikas entschieden und unter der Einbindung von Australien bzw. Neuseeland. So kann die komplizierte Entwicklung Ende Mai 2012 beschrieben werden, als die SKA Organisation dem Bau von weiteren Radioteleskop-Schüsseln in Südafrika und Australien zugestimmt hat.

© Die SKA Organisation hat sich beim SKA-Projekt schwerpunktmäßig für Südafrika entschieden. Geplant sind nun der Bau von 64 Antennen des Typs „MeerKat“ in der Halbwüste Karroo. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

© Die SKA Organisation hat sich beim SKA-Projekt schwerpunktmäßig für Südafrika entschieden. Geplant sind nun im Jahr 2016 der Bau von 64 Antennen des Typs „MeerKat“ in der Halbwüste Karroo. Nach Abschluss dieser ersten Phase folgen weitere solcher Antennen. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

Die Gesamtheit dieser Anlagen mit einer Fläche von einem Quadratkilometer wird als Square Kilometre Array (SKA) bezeichnet, welche zu 70 Prozent in Südafrika aufgebaut wird. In Südafrika selbst stehen bereits sieben Radioantennen des Typs „Kat-7“. Nun geht es um die Realisierung von 64 Antennen des Typs „MeerKat“ in der ersten Phase im Jahr 2016. Jede Einzelne ist so groß wie ein dreistöckiges Haus, die insgesamt aus tausenden Einzelantennen bestehen. Es heißt, so zumindest die Information der SKA Organisation, dass die Anlage50-mal empfindlicher und 10.000-mal schneller“ als bisherige Projekte dieser Art sein wird. Weitere Antennen folgen in der anschließenden zweiten und dritten Phase.

Die National Research Foundation, als unabhängige und regierungsnahe Fördergesellschaft Südafrikas, ist Mitglied der SKA-Organisation. Darüberhinaus befinden sich mit Dr. Phil Mjwara und Dr. Bernie Fanaroff zwei Südafrikaner im „Board of Directors“, dem obersten Entscheidungsgremium dieser zwischenstaatlichen Institution.

© Die SKA Organisation erhofft sich nicht nur weitere Anworten zur Entstehung des Universums, sondern auch Beweise für außerirdisches Leben. Sollten Signale aus dem Weltall empfangen werden, so deutet dies auf die Existenz von fremden Wesen. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

© Die SKA Organisation erhofft sich nicht nur weitere Anworten zur Entstehung des Universums, sondern auch Beweise für außerirdisches Leben. Sollten Signale aus dem Weltall empfangen werden, so deutet dies auf die Existenz von fremden Wesen hin. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

Die SKA-Planungen liefen bereits im Jahr 2005 an, welche 2016 mit den Baumaßnahmen umgesetzt werden sollen. Die komplette Inbetriebnahme der wissenschaftlichen Arbeiten ist jedoch erst 2024 vorgesehen. Dieses Forschungsprojekt wird rund 1,5 Milliarden Euro kosten, wobei zusätzliche Wartungskosten von rund 200 Millionen Euro pro Jahr auftreten könnten. Die genaue Höhe der Beteiligung Südafrikas ist bisweilen nicht bekannt.

In der Halbwüste Karroo ist der Bau dieser gigantischen Anlage vorgesehen. Die Wüste bietet sich aufgrund der geringen Frequenzstörungen und größtenteils unbebauten Fläche als optimales Terrain. Die Teleskopanlage soll noch tiefer ins Weltall blicken können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums und weitere Antworten zum Urknall. Ebenso erhofft man sich, dies ist von der Presse weitgehend ausgeblendet worden, erste Hinweise zu einem möglichen Leben im Weltall – einen Kontakt zu Außerirdischen, heißt es im „Fact sheet for journalists“ der SKA-Organisation.

Animationsvideo zum SKA-Projekt

Australien, Kanada, China, Italien, die Niederlande, Neuseeland, Großbritannien und schließlich Südafrika gehören der SKA Organisation an. Deutschland wird sich erst seit der Eröffnung der „Deutsch-Südafrikanischen Jahres der Wissenschaft 2012/2013“ im April 2012 in der SKA Organisation mit finanziellen Zuschüssen beteiligen. Eine Vollmitgliedschaft steht zurzeit nicht zur Disposition. In Chile, in den USA und in den Niederlanden stehen bereits große Teleskopanlagen.

Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012/2013

Bekämpfung des Klimawandels als bilaterales Forschungsschwerpunkt

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen Tage beginnt das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013, welches „die Zusammenarbeit beider Länder stärken und neue Netzwerke ins Leben rufen“ soll, heißt es in den offiziellen Pressemeldungen. Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf ihrer Homepage das Jahr bereits öffentlichkeitswirksam zelebriert, lässt der Online-Auftritt des südafrikanischen Gegenparts, des Departments of Science and Technology (DST), bislang keine diesbezügliche Ankündigung erkennen.

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

Die Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird mit der südafrikanischen Wissenschaftsministerin Naledi Pandor das auf insgesamt acht Themenfelder fokussierte Aktionsprogramm eröffnen. Neben dem Klimawandel als akademisches Betätigungsfeld, stehen darüberhinaus das Human Capital Development, die Bioökonomie, Urbanisierung/ Megastädte, Astronomie, Innovation in der Gesundheitswirtschaft und Geistes- bzw. Sozialwissenschaften auf der Agenda. Allerdings bleibt die Bekämpfung des Klimawandels infolge der zurückliegenden Kooperationen als wichtigstes Forschungsfeld bestehen.

Bereits am 5. März 2012 machte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ auf die Klima- und Nachhaltigkeitsforschung als wichtigen Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik aufmerksam. Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung stehen im Mittelpunkt der staatlichen Förderung. In diesem Kontext wurden beim Wettbewerb „Green Talents 2011“ gleich drei junge südafrikanische Wissenschaftler für ihre Arbeiten prämiert: Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town) für seine Verdienste auf dem Gebiet der Wiederaufbereitung von Minenabwässern, Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) im Hinblick auf eine effiziente Wasserwirtschaft und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) für die Gewährleistung der Wassersicherheit sowie nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Kapland erweist sich für Deutschland angesichts seiner Universitäten und Forschungseinrichtungen als bedeutendester afrikanischer Staat in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Dennoch verliert die südafrikanische Hochschullandschaft bedingt durch die ausufernde Kriminalitätsproblematik bis zum heutigen Tage hochqualifizierte Wissenschaftler in Richtung Großbritannien, Australien oder die Vereinigten Staaten. Interessant ist zudem die zu beobachtende Intensivierung der Süd-Süd-Forschungskooperationen, welche schwerpunktmäßig auf China ausgelegt sind. Mögliche Konsequenzen für die deutsch-südafrikanische Partnerschaft sind noch nicht absehbar.

© Offizielles Logo

© Offizielles Logo

Mit Südafrika setzt das BMBF die nun sechste Auflage des Jahres der Wissenschaft um (Deutsch-Ägyptisches Jahr 2007, Deutsch-Israelisches Jahr 2008, Deutsch-Chinesisches Jahr 2009/2010, Deutsch-Brasilianisches 2010/2011 und Deutsch-Russisches Jahr 2011/2012).  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wird im Laufe seiner Berichterstattung zu mehreren deutsch-südafrikanischen Forschungsprojekten berichten.