Schlagwort-Archive: Dorf

Das Erbe von Nelson Mandela

„Der Speer ist gefallen, wir müssen ihn aufnehmen“

(Autor: Detlev Reichel)

– MANDELA-Spezial –

Ein Tsunami von Nachrufen, Zitaten, Rückblicken, Anekdoten, Einschätzungen, Bildern, Aufzeichnungen und Interviews stürzt derzeit auf uns ein. Es ist als habe jemand mit der Todesnachricht Nelson Mandelas irgendwo im Meer der Medien einen Stöpsel gezogen. Es gibt kaum eine Ecke auf dem Planeten, in die der Name Nelson Mandela noch nicht gedrungen ist.

    © Mandela ist der Nationalheld Südafrikas. Überall im Lande ist er präsent. Straßennamen, Denkmäler und Geldscheine sind dem Idol gewidmet. Doch was bleibt wirklich zurück? (Quelle: flickr/ chaouki)

© Mandela ist der Nationalheld Südafrikas. Überall im Lande ist er präsent. Straßennamen, Denkmäler und Geldscheine sind dem Idol gewidmet. Doch was bleibt wirklich zurück? (Quelle: flickr/ chaouki)

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Filmkritik „Orania – Der Film“

Eine Afrikaaner-Gemeinschaft, zwischen Selbstbestimmung und Ausgrenzung

(Autor: D. Tamino Böhm)

In Orania, einem 1.000 Einwohnerdorf in Südafrika, leben ausschließlich Buren, die sich selbst verwalten und versorgen. Sie streben einen Volksstaat nach dem Vorbild einiger Versuche aus den 1990er Jahren an. Im Juni dieses Jahres läuft die gleichnamige Dokumentation „Orania“ in den deutschen Kinos an, in der Regisseur Tobias Lindner versucht, die Stimmung im Dorf festzuhalten. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ war bei der Deutschlandpremiere am 23. April im Filmtheater Friedrichshain dabei.

© Filmsequenz aus “Orania – Der Film”.

© Filmsequenz aus “Orania – Der Film”.

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Kulturelle Identität in Südafrika

Regisseur Tobias Lindner über Afrikaanerkultur, Orania und seinen Dokumentarfilm

(Autor: Ghassan Abid)

© Tobias Lindner, Dokumentarfilmregisseur aus Berlin. Mehrfach hielt sich Lindner zwecks Recherche und Dreh in der südafrikanischen Burengemeinschaft Orania auf. Der Film entstand zunächst als Abschlussfilm an der Beuth Hochschule für Technik. Mit Unterstützung der Verleihfirma kinostar ist "Orania - Der Film" auch in den deutschen Kinos zu sehen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da nur wenige Dokus dem Kinopublikum zugänglich gemacht werden.

© Tobias Lindner, Dokumentarfilmregisseur aus Berlin. Mehrfach hielt sich Lindner zwecks Recherche und Dreh in der südafrikanischen Burengemeinschaft Orania auf. Der Film entstand zunächst als Abschlussfilm an der Beuth Hochschule für Technik. Mit Unterstützung der Verleihfirma kinostar ist „Orania – Der Film“ auch in den deutschen Kinos zu sehen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da nur wenige Dokus dem Kinopublikum zugänglich gemacht werden.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Dokumentarfilmregisseur Tobias Lindner. Am 13.06.2013 startet Ihr Dokufilm „ORANIA“ in den deutschen Kinos. Wie kam es zu diesem Vorhaben?Antwort: Ich habe einige Zeit in Südafrika gelebt und da hört man irgendwann zwangsläufig von Orania. Der Ort ist zwar auf Grund seiner geringen Größe auf den ersten Blick nicht sonderlich relevant, zieht aber trotzdem eine ungeheure Aufmerksamkeit auf sich. Das liegt sicherlich an seiner politischen Brisanz. Viele finden es mindestens kurios, dass es im Post-Apartheid Südafrika einen Ort gibt, in dem nur Weiße leben.

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Berlinale 2013 – Filmkritik „Elelwani“

Ist Liebe stärker als Tradition? Ein außergewöhnliches Drama mit sozialkritischem Anspruch

(2010sdafrika-Redaktion)

© Sequenz aus dem Film "Elelwani". (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

© Sequenz aus dem Film „Elelwani“. (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

Offizielle Handlung:

Es beginnt mit einer Autofahrt, die sich für Elelwani und Vele anfühlt wie der Aufbruch in die Sommerfrische des Lebens. Elelwani hat gerade ihr Studium abgeschlossen, ist verliebt in Vele, der neben ihr sitzt. Sie fahren durch die immer grüner werdende Landschaft in Elelwanis Heimatdorf, wo sie ihren Eltern ihre Pläne von ihrer Heirat und Zukunft erzählen wollen. Sie werden mit einem dramatischen Tanz empfangen – zu Ehren der ersten Frau aus dem Dorf, die es zu akademischen Würden gebracht hat. So vermutet Elelwani.

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Kurzfilme aus Südafrika

Ein Bericht zum 28. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin (interfilm)

(Autorin: Anne Schroeter)

Am 17. November 2012 sind im Rahmen des 28. Kurzfilmfestivals „interfilm“ im Berliner Kino Passage fünf Kurzfilme aus Südafrika präsentiert worden. Leider war die Publikumsresonanz nicht so groß, wie die Kurzfilme es verdient hätten – das Kino war nicht einmal halb voll.

© Cover zum Film "Protect the Nation".

© Cover zum Film „Protect the Nation“.

Der erste Film, „Protect the Nation“ (2010, Regisseur: Candice Reisser), behandelt die Geschichte eines Jungen namens Sizwe, der in Alexandra lebt. Um die Familie unterstützen zu können, geht er tagsüber kleineren Arbeiten nach und nicht zur Schule. Er belügt seine Tante, die sich um ihn sorgt. Aus dem Off klingen seine Gedanken: „When somebody is good to you, it makes you want to do good. It’s a circle, it goes round and round“. Eines Tages holt er im Auftrag eines Verwandten eine Schallplatte in einem Club ab. Ein Mitarbeiter des Clubs erkennt offensichtlich, dass etwas nicht stimmt mit Sizwe. Er zeigt auf ein Foto Mandelas und fragt den Jungen, ob er Liebe in seinem Herzen trage. Nach der Übergabe der Schallplatte, auf dem Weg nach Hause, wird Sizwe von anderen Jungen angegriffen. Dabei stürzt er und bleibt ohne Regung am Boden liegen.

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Exklusivbilder aus Marikana

Ein einzigartiger Einblick in die Lebensverhältnisse einer kleinen südafrikanischen Minengemeinde.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Marikana und Rustenburg haben in den letzten sieben Tagen eine traurige internationale Berühmtheit erlangt, nachdem insgesamt nach aktuellem Stand 44 Menschen starben. Unter den Opfern befanden sich auch zwei Polizisten. Doch kaum jemand weiß etwas über Marikana, dem Ort, an welchem die aktuellsten Proteste der Minenarbeiter ihren Ursprung nahmen.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

Marikana zählt rund 4.000 Einwohner. Das Dorf liegt in der Provinz North West und ist bekannt für seine Nähe zu zahlreichen Platinminen. Die Einwohner von Marikana leben größtenteils von ihren Tätigkeiten in den Minen. Die Arbeiter stammen mehrheitlich aus ärmlichen Verhältnissen. Sie verließen das Eastern Cape, um im Norden Südafrikas ihrer Armut zu entkommen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

Pro Monat verdient ein Minenarbeiter rund 4.000 Rand, was umgerechnet etwa 389 Euro entspricht. Laut Angaben eines NGO-Vertreters verdient hingegen Frans Baleni, der Generalsekretär der Minengewerkschaft NUM, im Monat weit über 105.000 Rand; also 10.215 Euro. Aus diesem Grund hat sich aus den Reihen der NUM im Jahr 2001 eine Splittergewerkschaft etabliert, die den Namen AMCU trägt. Sie ist deutlich kritischer gegenüber dem ANC eingestellt als NUM. Beide Gewerkschaften buhlen seit der Koexistenz um die Minenarbeiter, die in der Region schwerpunktmäßig bei den Bergbaukonzernen Lonmin und Implats beschäftigt sind.

David van Wyk von der gemeinnützigen Stiftung Bench Marks Foundation, die die Zusammenhänge zwischen Minenindustrie und Gemeinden untersucht, kommt zum Ergebnis, dass die Menschen in Marikana weiterhin in großer Armut leben. Er hält gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ fest, dass die Zustände in Marikana unstrittig untragbar sind. Die Minenarbeiter sind während ihres Dienstes Unter Tage nach wie vor großen Risiken ausgesetzt, die die Bergwerkkonzerne letztendlich schlichtweg missachten.Vor allem die finanzielle Misere beschäftigt die Menschen sehr, da sie wissen, dass die Kumpels in Kanada 6 bis 9 Mal mehr verdienen als die Südafrikaner. Die Gemeinde fühlt sich von der Wirtschaft wie eine Weihnachtsgans ausgenommen.

Eine exklusive Bilderserie, die den Einblick in eine Welt ermöglicht, die geprägt ist von Armut, Ermüdung und Perspektivlosigkeit. Zugleich erkennt man auf den Bildern auch positive Emotionen der Lebensfreude, Hoffnung und des Lebenswillens. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ dankt den Fotografen für diese einzigartige Möglichkeit.

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© Exklusive Bilder aus Marikana und Umgebung

„Dorf des Todes“ atmet auf

Festnahme des Frauenmörders: Angeklagt wegen Vergewaltigung und Mordes an 19 Frauen.

(Autor: Ghassan Abid)

In der Nacht zum vergangenen Samstag schlief Nophumzile Lubambo ganz fest in ihrem heimischen Bett im Dorf Toleni im Eastern Cape. In dieser Zeit brach Bulelani Mabhayi in ihr Haus ein und zerstückelte die 55-jährige Frau in mehrere Einzelteile. Kurze Zeit darauf gelang es der südafrikanischen Polizei SAPS am Morgen des Sonntags den 39-jährigen Tatverdächtigen festzunehmen. Die Beweise seien erdrückend, heißt es.

© Die südafrikanische Polizei SAPS hat den seit 2008 gesuchten Frauenmörder von Toleni bei Butterworth endlich gefasst. Die Beweise sollen erdrückend sein. Der Tatverdächtige ist unterdessen der Justiz übergeben worden. Ihm wird die Vergewaltigung und der Mord an 19 Frauen vorgeworfen. (Quelle: flickr/ ER24 EMS (Pty) Ltd.)

© Die südafrikanische Polizei SAPS hat den seit 2008 gesuchten Frauenmörder von Toleni bei Butterworth endlich gefasst. Die Beweise sollen erdrückend sein. Der Tatverdächtige ist unterdessen der Justiz übergeben worden. Ihm wird die Vergewaltigung und der Mord an 19 Frauen vorgeworfen. (Quelle: flickr/ ER24 EMS (Pty) Ltd.)

Mabhayi wird beschuldigt, für die Mord- und Vergewaltigungsserie in Toleni bei der Stadt Butterworth mit seinen rund 37.000 Einwohnern verantwortlich zu sein. Lubambo war nun sein 19. Opfer.

Seit 2008 begann das Schreckensszenario an den Frauen. Stets verfolgte der Serienmörder dasselbe Prinzip: Hauseinbruch, Vergewaltigung und im Anschluss ein bestialischer Mord. Alle Frauen sollen aus derselben Gegend stammen. Nicht wenige Bewohner zogen in Anbetracht dieses auf Angst basierenden Klimas die Abwanderung aus Toleni vor. Im Eastern Cape wird dieses Dorf umgangssprachlich auch als „village of death”, als Dorf des Todes, bezeichnet.

Laut Angaben der südafrikanischen Zeitung „Daily Dispatch“ versammelten sich nach Kenntnisnahme der Verhaftung sämtliche Bewohner am Anwesen des Tatverdächtigen, um dieses mit Benzin zu übergießen und in Brand zu setzen. Als nichts mehr stand, ist die Menschenmasse weitergezogen.

Die Bewohner vertrauten dem Mann; dem netten Nachbarn von nebenan. Mabhayi wurde sogar der Zutritt in die Häuser der Einwohner gewährt. Nichts deutete auf das Verhalten eines Serienmörders hin. Umso größer ist die Überraschung und der Zorn jener, die sich nun ausgenutzt fühlen. Die Polizei verurteilte die Tat der Gemeindebewohner als Selbstjustiz, zumal es bislang zu keiner Verurteilung gekommen ist und auch in Südafrika die Unschuldsvermutung Bestand hat.

Toleni steht weiterhin im Schock, da bisweilen nicht bekannt ist, ob Bulelani Mabhayi alleine oder mit anderen gehandelt hat. Für den 23. August 2012 ist der nächste Gerichtstermin angesetzt.