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Afrikanisches Kino

Gangsterfilm „Viva Riva“ schockt und fasziniert zugleich: „Geld ist wie Gift. Es bringt dich um.“

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid)

Seit März 2012 ist „Viva Riva“ nun auch in deutschen Kinos zu sehen. Ein Gangsterfilm aus einer multinationalen Produktion von 2010, an welchem auch Südafrikaner beteiligt sind. Er behandelt in narrativ-provokativer Weise und teilweise mit Klischees unterlegten Szenen die Geschichte von Riva (gespielt von Patsha Bay Mukuna), der den angolanischen Gangsterboss Cesar (Hoji Fortuna) um eine wertvolle Lkw-Ladung Benzin beraubt hat. In Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo, begibt sich Riva auf die Suche nach einer gewinnbringenden Absatzmöglichkeit für das Benzin und entdeckt gleichzeitig im Nachtleben dieser Metropole seine große Liebe in Form der rothaarigen Nora (Manie Malone). Sie ist die unglückliche Frau eines Gangsters, die allein des Geldes wegen bei ihm geblieben ist. Riva packt die Schönheit Noras und beide erkennen, dass nichts so bleiben wird wie bisher und beide in große Gefahr sind.

© Die Rolle "Nora" im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

© Die Rolle „Nora“ im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

Macht, Geld und Sex werden in Viva Riva bewusst ins Zentrum des Spielfilms gerückt. An intensiven Sex- und Gewaltszenen mangelt es nicht. Drehbuchautor und Regisseur Djo Tunda wa Munga spricht mit soziokritischer Absicht die bestehenden Verhältnisse Kinshasa´s und wohl damit auch die anderer Städte Afrikas an. Willkür durch Staatsbedienstete, Bürgerkrieg, Diskriminierung von Homosexuellen, Gewalt, zerrüttete Familienstrukturen, Armut, Geldgier, Fremdenhass und der schnelle Sex werden in rascher Abfolge thematisiert und ermöglichen den Zuschauern einen Einblick in eine Welt, die für Europäer äußerst fremd erscheint. Untermalt wird der Film mit lebendiger kongolesischer Musik, vor allem die der skurrilen Band CongopunQ und unter gleichzeitiger Verwendung beeindruckender Bilder zwischen Perspektivlosigkeit und Hoffnung.

Trailer zu Viva Riva

Viva Riva ist ein hochwertig produzierter Film, der die bisherigen afrikanischen Filme größtenteils in den Hintergrund rücken wird. TAZ-Redakteur Lukas Förster bezeichnet den Film als „dynamischen Thriller„.  Seine Weltpremiere feierte Viva Riva 2010 auf dem Filmfestival in Toronto. Auch auf der Berlinale wurde dieser vorgeführt. In den südafrikanischen Kinos fiel der Film auf viel Zustimmung durch Presse und Publikum; teilweise ist dieser auf gleicher Höhe mit südafrikanischen Topfilmen wie District 9 gestellt worden. Im Juni 2010 gewann Viva Riva den MTV Award in der Kategorie bester afrikanischer Film. Ein absolut sehenswerter Spielfilm!

2010sdafrika-Artikel zur Südafrika-Doku „Gangster Project“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/10/03/bonteheuwel-toten-oder-getotet-werden/

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Südafrika mobilisiert für Israel-Boykott

Künstler, Wissenschaftler und Politiker fordern ein Ende der „Apartheid“ bzw. Freiheit Palästinas

(2010sdafrika-Redaktion)

Die südafrikanische Mehrheitsgesellschaft hat infolge der Unterdrückung durch das Apartheidregime lange gelitten. Umso sensibler ist man am Kap, wenn andere Völker ebenfalls um ihre politischen und sozialen Freiheiten entbehrt werden. Dementsprechend war und ist die Politik Israels gegenüber den Palästinensern ein großes Thema in Südafrika. Während in Deutschland ein kritischer Umgang mit dem Staat im Nahen Osten ein äußerst sensibles Thema darstellt, fühlen sich die Menschen am Kap umso mehr in der Verantwortung, sich für mehr Gerechtigkeit im Ausland einzusetzen.

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

Der ehemalige anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat mehrfach den Staat Israel mit der Apartheid verglichen und im Anschluss an einen Israel-Besuch es als unerträglich bezeichnet, welches Leid die Palästinenser durch die Besatzung erleiden müssen. Nun schließen sich dieser Debatte immer mehr namhafte Dichter, Musiker, Entertainer, Comedians, Fotokünstler, Filmregisseure, DJs und Produzenten aus Südafrika an. Tutu forderte bereits 2005 von der angesehenen Cape Town Opera nicht in Israel aufzutreten. Stattdessen wurde ihre Tour zum Politikum, welche von Aktivisten zum öffentlichen Protest genutzt wurde (siehe u.a. Video).

Anlässlich der durchgeführten Israel-Tour der Cape Town Opera von 2005 protestierten Aktivisten für ein Ende der israelischen Apartheid. Seither hat sich eine starke Israel-kritische Bewegung am Kap entwickelt.

In der am 1. November 2010 gegründeten Künstlerinitiative „South African Artists Against Apartheid“ wird festgehalten, dass jede Zusammenarbeit mit Institutionen des jüdischen Staates eine Beteiligung am Unrecht gegenüber den Palästinensern gleichkomme. Nicht nur der renommierte Wissenschaftsrat „Human Sciences Research Council (HSRC)“ verurteilte in einer Studie die Politik Israels als „Anwendung von Kolonialismus und Apartheid in den besetzten Palästinenser-Gebieten, sondern auch populäre Künstler vor allem aus Großbritannien – wie der Schriftsteller John Berger, Filmemacher Ken Loach oder Drehbuchautor Paul Laverty – greifen die Politik des jüdischen Staates an. Auch US-amerikanische Intellektuelle, wie die Autorin Alice Walker oder Dichterin Adrienne Rich, setzen sich auch aktuell für ein freies Palästina ein.

„South African Artists Against Apartheid“ fordert Freiheit für Palästina

Sowohl der South African Jewish Board of Deputies (SAJBD), also der Zentralrat der Juden in Südafrika, als auch die für den Zionismus stehende SA Zionist Federation (SAZF), fühlen sich durch die Politik Südafrikas im Stich gelassen. Präsident Jacob Zuma hat mehrfach in der Presse betont, dass sich die Regierung jederzeit für die Unabhängigkeit Palästinas einsetzen wird. Dementsprechend steht die Regierungspartei ANC grundsätzlich hinter dem Engagement der „South African Artists Against Apartheid“. Problematisch an den südafrikanisch-israelischen Beziehungen ist die Tatsache, dass Tel Aviv sehr eng mit dem Apartheidregime kooperierte und somit maßgeblich an der Unterdrückung der schwarzen Mehrheitsgesellschaft partizipierte. Dieser Makel ist nicht vergessen. Umso weniger überraschend ist die Beobachtung in mehreren Städten Südafrikas, wo Bürger T-Shirts mit Boykott-Aufrufen gegen Israel tragen. Dov Segev-Steinberg, aktueller Botschafter Israels in Pretoria, zeigte sich über die aktuelle Entwicklung besorgt.

Im Vorfeld hatte sich Handelsminister Rob Davies dafür eingesetzt, dass Produkte aus den besetzten Gebieten mit einem diesbezüglichen Label versehen und nicht wie bisher mit „Made in Israel“ importiert werden sollen. Auf diesem Wege könne dann der südafrikanische Verbraucher entscheiden, ob diese  Zitrusfrüchte, Olivenöl oder Kosmetik aus dem Heiligen Land überhaupt in den Einkaufswagen legen wollen. Israel ist empört und droht gar mit Konsequenzen. EU-Staaten wie Dänemark und Irland erwägen ebenfalls solche Schritte, während in Großbritannien schon im Jahr 2009 eine ähnliche Produktkennzeichnung in Kraft getreten ist. In der Schweiz fand die Debatte in Südafrika ebenfalls große Beachtung, sodass der Künstlerinitiative eines gelungen ist – internationale Aufmerksamkeit.

Rezension des Politthrillers „ENDGAME“

Wie die Apartheid bis zum letzten Moment gegen den ANC ankämpfte

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Filmindustrie ist mit keiner anderen des afrikanischen Kontinents vergleichbar. Einerseits prägten die Bestimmungen während der Apartheid die künstlerische Arbeit der Regisseure und Drehbuchautoren. Diejenigen die sich dem widersetzten, mussten mit einem Verbot ihrer Werke rechnen. Ferner war nur weißen Bürgern eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Kinematografie gestattet. Andererseits markierte der politische Wendepunkt von 1994 und der damit verbundene Übergang zu einer Demokratie die „Stunde Null„, sodass sich bisweilen keine eigene und vor allem kontinuierliche Filmkultur in Südafrika entwickeln konnte.

© Der Politthriller „Endgame“ verdeutlicht den Machtkampf zwischen Weißen und Schwarzen um die Zukunft Südafrikas.

Der Politthriller „Endgame“, 2008 unter der Regie des Engländers Pete Travis produziert, unterstreicht genau diesen politischen Umbruch und kann als Versuch aufgefasst werden, modernes südafrikanisches Kino als Werkzeug der Vergangenheitsbewältigung heranzuziehen. Als 1985 der Widerstand der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegenüber dem Apartheid-Regime seinen Höhepunkt erreichte, versucht die Regierung den Freiheitsdrang der Unterdrückten in die „richtigen“ Bahnen zu lenken.

Unter der Federführung des südafrikanischen Geheimdienstchefs Dr. Neil Barnard verfolgte dieser unter den Präsidenten Peter Willem Botha und Frederik Willem de Klerk das ehrgeizige Ziel, mit allen Mitteln die verschiedenen Bewegungen innerhalb des „African National Congress (ANC)“ gegeneinander auszuspielen. Auch der in Haft sitzende Nelson Mandela wurde in diese Überlegungen einbezogen. Parallel hierzu fanden im Exil geheime Gespräche unter der Führung eines britischen Managers der Bergbaugesellschaft Consolidated Goldfield (gespielt von Jonny Lee Miller) mit Anhängern der ANC-Führung statt, namentlich mit Thabo Mbeki (gespielt von Chiwetel Ejiofor).

Während Präsident Botha als autoritärer Verfechter der Rassentrennungspolitik auftrat, machte der moderate de Klerk deutlich mehr Zugeständnisse gegenüber dem ANC. „Endgame“ geht genau auf diese politische Ebene ein und beleuchtet die Versuche des Apartheid-Regimes, den ANC bis zuletzt zu bekämpfen. Die Gefahr, einem Attentat des südafrikanischen Geheimdienstes zum Opfer zu fallen, in Kombination mit diplomatischen Verwirrspielen, ermöglichen dem Zuschauer eine gewisse Sensibilität für die damalige Lage aufzubauen.  Jedoch verliert sich diese Halbdoku allzu oft in lange Monologe, zum Nachteil der eigenen Aufmerksamkeit. Wer sich allerdings für die südafrikanische Geschichte interessiert, dem empfiehlt sich „Endgame“.