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Südafrika mobilisiert für Israel-Boykott

Künstler, Wissenschaftler und Politiker fordern ein Ende der „Apartheid“ bzw. Freiheit Palästinas

(2010sdafrika-Redaktion)

Die südafrikanische Mehrheitsgesellschaft hat infolge der Unterdrückung durch das Apartheidregime lange gelitten. Umso sensibler ist man am Kap, wenn andere Völker ebenfalls um ihre politischen und sozialen Freiheiten entbehrt werden. Dementsprechend war und ist die Politik Israels gegenüber den Palästinensern ein großes Thema in Südafrika. Während in Deutschland ein kritischer Umgang mit dem Staat im Nahen Osten ein äußerst sensibles Thema darstellt, fühlen sich die Menschen am Kap umso mehr in der Verantwortung, sich für mehr Gerechtigkeit im Ausland einzusetzen.

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

Der ehemalige anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat mehrfach den Staat Israel mit der Apartheid verglichen und im Anschluss an einen Israel-Besuch es als unerträglich bezeichnet, welches Leid die Palästinenser durch die Besatzung erleiden müssen. Nun schließen sich dieser Debatte immer mehr namhafte Dichter, Musiker, Entertainer, Comedians, Fotokünstler, Filmregisseure, DJs und Produzenten aus Südafrika an. Tutu forderte bereits 2005 von der angesehenen Cape Town Opera nicht in Israel aufzutreten. Stattdessen wurde ihre Tour zum Politikum, welche von Aktivisten zum öffentlichen Protest genutzt wurde (siehe u.a. Video).

Anlässlich der durchgeführten Israel-Tour der Cape Town Opera von 2005 protestierten Aktivisten für ein Ende der israelischen Apartheid. Seither hat sich eine starke Israel-kritische Bewegung am Kap entwickelt.

In der am 1. November 2010 gegründeten Künstlerinitiative „South African Artists Against Apartheid“ wird festgehalten, dass jede Zusammenarbeit mit Institutionen des jüdischen Staates eine Beteiligung am Unrecht gegenüber den Palästinensern gleichkomme. Nicht nur der renommierte Wissenschaftsrat „Human Sciences Research Council (HSRC)“ verurteilte in einer Studie die Politik Israels als „Anwendung von Kolonialismus und Apartheid in den besetzten Palästinenser-Gebieten, sondern auch populäre Künstler vor allem aus Großbritannien – wie der Schriftsteller John Berger, Filmemacher Ken Loach oder Drehbuchautor Paul Laverty – greifen die Politik des jüdischen Staates an. Auch US-amerikanische Intellektuelle, wie die Autorin Alice Walker oder Dichterin Adrienne Rich, setzen sich auch aktuell für ein freies Palästina ein.

„South African Artists Against Apartheid“ fordert Freiheit für Palästina

Sowohl der South African Jewish Board of Deputies (SAJBD), also der Zentralrat der Juden in Südafrika, als auch die für den Zionismus stehende SA Zionist Federation (SAZF), fühlen sich durch die Politik Südafrikas im Stich gelassen. Präsident Jacob Zuma hat mehrfach in der Presse betont, dass sich die Regierung jederzeit für die Unabhängigkeit Palästinas einsetzen wird. Dementsprechend steht die Regierungspartei ANC grundsätzlich hinter dem Engagement der „South African Artists Against Apartheid“. Problematisch an den südafrikanisch-israelischen Beziehungen ist die Tatsache, dass Tel Aviv sehr eng mit dem Apartheidregime kooperierte und somit maßgeblich an der Unterdrückung der schwarzen Mehrheitsgesellschaft partizipierte. Dieser Makel ist nicht vergessen. Umso weniger überraschend ist die Beobachtung in mehreren Städten Südafrikas, wo Bürger T-Shirts mit Boykott-Aufrufen gegen Israel tragen. Dov Segev-Steinberg, aktueller Botschafter Israels in Pretoria, zeigte sich über die aktuelle Entwicklung besorgt.

Im Vorfeld hatte sich Handelsminister Rob Davies dafür eingesetzt, dass Produkte aus den besetzten Gebieten mit einem diesbezüglichen Label versehen und nicht wie bisher mit „Made in Israel“ importiert werden sollen. Auf diesem Wege könne dann der südafrikanische Verbraucher entscheiden, ob diese  Zitrusfrüchte, Olivenöl oder Kosmetik aus dem Heiligen Land überhaupt in den Einkaufswagen legen wollen. Israel ist empört und droht gar mit Konsequenzen. EU-Staaten wie Dänemark und Irland erwägen ebenfalls solche Schritte, während in Großbritannien schon im Jahr 2009 eine ähnliche Produktkennzeichnung in Kraft getreten ist. In der Schweiz fand die Debatte in Südafrika ebenfalls große Beachtung, sodass der Künstlerinitiative eines gelungen ist – internationale Aufmerksamkeit.

Gareth Cliff about „kleptomania“ in government

TV star about his disapointment in South African politics

(Autor/ Editor: Martin Hiebsch)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Gareth Cliff ist in gewisser Weise das südafrikanische Gegenstück von Dieter Bohlen. Er ist im TV-Business aktiv, sitzt als Juror bei der Fernsehshow „Idols“ (= DSDS) und äußert sich gerne provokativ und ziemlich hart. Einen Unterschied gibt es jedoch – Gareth Cliff kritisiert auch die Politik des Landes, die ANC-Elite um Präsident Jacob Zuma. Die Eigenbereicherungen, die fehlende Motivation der Politiker die Probleme Südafrikas wie HIV/ AIDS, Korruption, Arbeitslosigkeit, Kriminalität oder Armut anzugehen, sind ihm ein gewaltiger Dorn im Auge, sodass er einen offenen Brief an die Regierung verfasst hat. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ konnte mit Gareth Cliff dessen Brief sowie seine Wahrnehmung von Deutschland erörtern.

© Gareth Cliff, Entertainer

2010sdafrika-editorial staff: Hello Gareth Cliff and welcome on „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“! Your “letter to the government” kicked off a wave of reactions and was read thousands of times. While you were quite popular in South Africa before, but now you have become famous in many other countries too. Did you expect this result?

Answer: No, I simply put into writing what I am sure many South Africans feel. The government needed to be told some cold, hard truths.

2010sdafrika-editorial staff: In your letter you talk about very well-known problems in your country such as the bad education policy, corruption, unemployment and poverty. Like many others, you criticize the government for doing more for themselves than for the people. Why do you think the reputation of the current government is so bad? And why do people have the feeling that their elected representatives can not solve the problems of South Africa?

Answer: There seems to be a bout of kleptomania going on in government, and I blame the ANC’s policy of deployment – where the party deploys loyal cadres to powerful and important positions without consideration to the job that needs doing, the qualifications of the person being deployed, or the urgency of the task. Too many of those people then occupy the position with a sense of entitlement and pillage the office of any value.

2010sdafrika-editorial staff: Do you think that another government could solve problems like unemployment or the HIV-epidemic? In your opinion, what has to change within the South African society to approach those problems?

Answer: I think most governments try to address societal problems, even ones that are not of their doing. I’m not interested in ANOTHER government. This is the one we have got, and we deserve more from them. Having said that, civil society isn’t playing enough of a role. South Africans are apathetic and expect government to solve all their problems for them. We need to meet them halfway.

2010sdafrika-editorial staff: People express their resentment in strikes and protests. Do you think that the situation could escalate sometime in future? If not, what is your picture of the country in, lets say, 10 years?

Answer: Yes, I imagine that if these problems are not urgently addressed, people will become violent, rebellious and ungovernable. New leaders will emerge and threaten national stability and the government of the day. All the more reason to take these issues very seriously indeed.

2010sdafrika-editorial staff: Lets leave South Africa and get on to the topic of Germany. Name three things, you think of, when you hear the word Germany!

Answer: Friedrich der Große; Wagner, beer.

2010sdafrika-editorial staff: As a South African, you are probably not a soccer fan. Soccer is huge in Germany! Did you follow the performance of the German Team during the World Cup 2010?

Answer: I’m a huge soccer fan. I have been watching the World Cup since 1990 and have not missed a single game. I think Germany were fantastic and most unlucky to lose to Spain when they did.

2010sdafrika-editorial staff: The audience of your breakfast show is growing fast and you are getting more and more popular. Are people recognizing you on the street and do you like to get recognized?

Answer: Ha ha ha. Yes, but having been on TV for ten years means I’m not shocked or surprised anymore.

2010sdafrika-editorial staff: You got famous through a radio program. Do you want to stay at your broadcaster 5FM or could you imagine switching to a TV channel?

Answer: Well I think one can do both.

2010sdafrika-editorial staff: Gareth Cliff, entertainer and presenter, thank you very much for this interview!


Website of Gareth Cliff:

http://www.garethcliff.com/