Schlagwort-Archive: Europäer

In eigener Sache: Gewinnspiel „Kalender“

Gewinner kommen aus Weimar und Berlin. Herzlichen Glückwunsch!

(2010sdafrika-Redaktion)

Im Hinblick auf das Gewinnspiel „Kalender“ erhielt das Online-Medium „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ eine Vielzahl an Zuschriften aus dem gesamten Bundesgebiet, aus der Schweiz und aus Österreich. Die richtige Antwort auf die Frage, in welcher südafrikanischen Provinz die Stadt Paarl liegt, lautet a) Westkap.

    © Das "Afrikaanse Taalmonument" ist das Wahrzeichen der Stadt Paarl. Paarl zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftstädten in der Provinz Westkap. Nelson Mandela verbrachte einen Teil seiner Haftzeit in dieser Kommune. (Quelle: flickr/ wbayer.com)

© Das „Afrikaanse Taalmonument“ ist das Wahrzeichen der Stadt Paarl. Paarl zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftstädten in der Provinz Westkap. Nelson Mandela verbrachte einen Teil seiner Haftzeit in dieser Kommune. (Quelle: flickr/ wbayer.com)

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Anders Breivik und „sein Südafrika“

Norwegens Extremist fordert eine Trennung des Kaplandes in eine weiße und schwarze Nation

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Die norwegische Hauptstadt Oslo liegt rund 9.700 Kilometer Luftlinie von der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria entfernt. Ideologisch betrachtet, fühlen sich südafrikanische Rassisten und nordische Rechtsextremisten jedoch nahezu unmittelbar miteinander verbunden.Die räumliche Distanz spielt kaum eine Rolle, wenn es um die Ablehnung multikultureller Gesellschaften geht.

    © Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik geht in seinem "Manifest 2083" über vierzigmal auf das Land Südafrika ein. Er kritisiert einen angeblichen Genozid an weißen Südafrikanern und fordert, Südafrika in einen weißen und schwarzen Staat zu trennen. Er fürchtet, die Buren könnten sonst bis in das Jahr 2050 nahezu ausgestorben und dem "diabolischen Verhalten schwarzer Südafrikaner" vollständig zum Opfer gefallen sein. (Quelle: flickr/ Panorama Mercantil)

© Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik geht in seinem „Manifest 2083“ über vierzigmal auf das Land Südafrika ein. Er kritisiert einen angeblichen Genozid an weißen Südafrikanern und fordert, Südafrika in einen weißen und schwarzen Staat zu trennen. Er fürchtet, die Buren könnten sonst bis in das Jahr 2050 nahezu ausgestorben und dem „diabolischen Verhalten schwarzer Südafrikaner“ vollständig zum Opfer gefallen sein. (Quelle: flickr/ Panorama Mercantil)

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Exklusiv-Interview mit Bundestagsvize Thierse

Wenn Beweise zum deutschen Rechtsextremismus in Südafrika vorliegen, muss gehandelt werden

(Autoren: Ghassan Abid, Ranem, 2010sdafrika-Redaktion)

    © Wolfgang Thierse. Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Seit 2005 ist er Vizepräsident des höchsten legislativen Verfassungsorgans. Er gilt als einer der aktivisten Politiker, die sich in aller Schärfe gegen Rechtsextremismus positionieren und gleichzeitig regelmäßig an Protestveranstaltungen - unter anderem an Blockadeaktionen - teilnehmen. Gegenüber "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" hält Thierse fest: "... Wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann."

© Wolfgang Thierse. Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Seit 2005 ist er Vizepräsident des höchsten legislativen Verfassungsorgans. Er gilt als einer der aktivisten Politiker, die sich in aller Schärfe gegen Rechtsextremismus positionieren und gleichzeitig regelmäßig an Protestveranstaltungen – unter anderem an Blockadeaktionen – teilnehmen. Gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ hält Thierse fest: „Wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann.“

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf ‚“SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident.

Sie engagieren sich gegen den Rechtsextremismus, welcher ein riesen Problem darstellt, insbesondere im Hinblick auf deutsch-südafrikanische Aktivitäten. Es gab jetzt Recherchen einer niederländischen Reporterin, dass auch NPD-Publizisten und -Funktionäre vom Kap aus aktiv sind. Wie sollte das Bundesinnenministerium auf diese Gefahr von Rechts reagieren?

Antwort: Also das auch die Rechtsextremisten international vernetzt sind, ist nicht neu. Es ist auch nicht ganz neu, dass es nicht nur für europäische Länder gilt. Aber da müssen, wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann. Weiterlesen

Afrikanisches Kino

Gangsterfilm „Viva Riva“ schockt und fasziniert zugleich: „Geld ist wie Gift. Es bringt dich um.“

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid)

Seit März 2012 ist „Viva Riva“ nun auch in deutschen Kinos zu sehen. Ein Gangsterfilm aus einer multinationalen Produktion von 2010, an welchem auch Südafrikaner beteiligt sind. Er behandelt in narrativ-provokativer Weise und teilweise mit Klischees unterlegten Szenen die Geschichte von Riva (gespielt von Patsha Bay Mukuna), der den angolanischen Gangsterboss Cesar (Hoji Fortuna) um eine wertvolle Lkw-Ladung Benzin beraubt hat. In Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo, begibt sich Riva auf die Suche nach einer gewinnbringenden Absatzmöglichkeit für das Benzin und entdeckt gleichzeitig im Nachtleben dieser Metropole seine große Liebe in Form der rothaarigen Nora (Manie Malone). Sie ist die unglückliche Frau eines Gangsters, die allein des Geldes wegen bei ihm geblieben ist. Riva packt die Schönheit Noras und beide erkennen, dass nichts so bleiben wird wie bisher und beide in große Gefahr sind.

© Die Rolle "Nora" im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

© Die Rolle „Nora“ im Film Viva Riva wird durch die in Frankreich lebende Newcomerin Manie Malone gespielt.

Macht, Geld und Sex werden in Viva Riva bewusst ins Zentrum des Spielfilms gerückt. An intensiven Sex- und Gewaltszenen mangelt es nicht. Drehbuchautor und Regisseur Djo Tunda wa Munga spricht mit soziokritischer Absicht die bestehenden Verhältnisse Kinshasa´s und wohl damit auch die anderer Städte Afrikas an. Willkür durch Staatsbedienstete, Bürgerkrieg, Diskriminierung von Homosexuellen, Gewalt, zerrüttete Familienstrukturen, Armut, Geldgier, Fremdenhass und der schnelle Sex werden in rascher Abfolge thematisiert und ermöglichen den Zuschauern einen Einblick in eine Welt, die für Europäer äußerst fremd erscheint. Untermalt wird der Film mit lebendiger kongolesischer Musik, vor allem die der skurrilen Band CongopunQ und unter gleichzeitiger Verwendung beeindruckender Bilder zwischen Perspektivlosigkeit und Hoffnung.

Trailer zu Viva Riva

Viva Riva ist ein hochwertig produzierter Film, der die bisherigen afrikanischen Filme größtenteils in den Hintergrund rücken wird. TAZ-Redakteur Lukas Förster bezeichnet den Film als „dynamischen Thriller„.  Seine Weltpremiere feierte Viva Riva 2010 auf dem Filmfestival in Toronto. Auch auf der Berlinale wurde dieser vorgeführt. In den südafrikanischen Kinos fiel der Film auf viel Zustimmung durch Presse und Publikum; teilweise ist dieser auf gleicher Höhe mit südafrikanischen Topfilmen wie District 9 gestellt worden. Im Juni 2010 gewann Viva Riva den MTV Award in der Kategorie bester afrikanischer Film. Ein absolut sehenswerter Spielfilm!

2010sdafrika-Artikel zur Südafrika-Doku „Gangster Project“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/10/03/bonteheuwel-toten-oder-getotet-werden/

ANC warnt den Westen

Europäische Diplomaten in Südafrika sind sauer, während China seinen Einfluss weiter ausbaut

(Autor: Ghassan Abid)

Die Regierungspartei ANC lässt vor ihrem Bundesparteitag im Dezember in Mangaung kräftig die Muskeln spielen. Führende Politiker des Afrikanischen Nationalkongresses haben ihre politisch gewollte Achtung gegenüber dem Westen abgelegt. Der Unmut von deutschen Konzernvertretern, Entwicklungshelfern und Diplomaten am Kap ist hinter den Kulissen nicht mehr zu unterschätzen. Zunehmend mehr Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft bedauern den bereits verfolgten Kurswechsel südafrikanischer Partner im Hinblick auf die Kooperationsumverlagerung in Richtung Osten.

© Beim EU-Südafrika-Treffen von 2011 wurde noch gemeinsam gelacht. Mittlerweile ist den beiden (Noch-)Partnern dieses Lachen vergangen. Es brodelt kräftig im politischen Pretoria. Die Politelite Südafrikas fühlt sich vom Westen ausgenommen und nicht fair behandelt. (Quelle: flickr/ Delegation of the European Union to South Africa)

© Beim EU-Südafrika-Treffen von 2011 wurde noch gemeinsam gelacht. Mittlerweile ist den beiden (Noch-)Partnern dieses Lachen vergangen. Es brodelt kräftig im politischen Pretoria. Die Politelite Südafrikas fühlt sich vom Westen ausgenommen und nicht fair behandelt. (Quelle: flickr/ Delegation of the European Union to South Africa)

Gemeint ist die Zusammenarbeit Südafrikas mit den aufstrebenden Wirtschaftsmächten China, Indien, Brasilien und Russland. Der Beitritt Südafrikas in den BRICS-Klub im vergangenen Jahr ist auch als Reaktion auf die gestörten Beziehungen des Landes zu seinen westlichen Verbündeten zu verstehen. Schon die südafrikanisch-europäischen Verhandlungen zum Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zeigten, dass beide Seiten erhebliche Differenzen zu bereinigen haben.

Nun hat Gwede Mantashe – Generalsekretär des ANC, Vorsitzender der Kommunistenpartei SACP und Gewerkschaftsvertreter – erstmalig gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters eine Warnung an den Westen ausgesprochen. Gleichzeitig hat dieser ein zustimmendes Signal nach Peking gesendet. Solche klaren Worte hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch kein ANC-Politiker gewagt.

Mantashe bemängelt letztendlich die gefühlte Arroganz westlicher Vertreter gegenüber Südafrika bei der Gewährung von Finanzhilfen und Umsetzung von Investitionen. Vor allem die vom Westen dominierte Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) stehen in der Kritik, die freie Marktwirtschaft mit einseitigen Konditionen zu Lasten der Dritten Welt durchsetzen zu wollen. Die BRICS-Staaten streben aus diesem Grund die Errichtung eigener Finanzinstitute an.

Im Vorfeld hatte bereits Vizepräsident Kgalema Motlanthe bei seinem Deutschlandbesuch im Mai 2012 den Westen für seine „asymmetrischen Beziehungen zu Afrika“ angeprangert und das BRICS-Bündnis mit Brasilien, Russland, Indien und China als eine “einzigartige Chance für Afrika” gelobt.

Roeland van de Geer, Leiter der Delegation der Europäischen Union in Südafrika, soll – so heißt es aus diplomatischen Kreisen – regelrecht sauer auf den ANC geworden sein. Die gegenwärtige „Look East Policy“ des ANC soll auch auf den internen und regelmäßig stattfindenden Konsultationen zwischen den europäischen Botschaften in Pretoria thematisiert werden. Man hat den Eindruck, dass speziell Mantashe seit seiner Entlassung aus dem Botshelong Hospital am 1. November 2011 das diplomatische Gespür verloren hat.

Der ANC ist seit letztem Jahr klar nach links gerutscht. Der Staatsinterventionismus Südafrikas, welcher auch in China und Brasilien praktiziert wird, dürfte weiter intensiviert werden. Westliche und deutsche Unternehmen könnte diese Entwicklung auf Dauer weitere Probleme bereiten. Das Investitionsvolumen wird in der Konsequenz weiter abnehmen.

Eine Fortdauer der „Look East Policy“ stellt in erster Linie ein Nachteil für Südafrika dar. Zwar ist die Nation dann vom Westen politisch unabhängiger, jedoch schaffen die Chinesen im Gegensatz zu deutschen Unternehmen keine Arbeitsplätze am Kap. Während das Reich der Mitte bei Großprojekten seine eigene Belegschaft in die Partnerländer einfliegen lässt, bauen die Europäer in vielen Fällen ganze Gewerbe- und Industriekomplexe auf.

© Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, empfängt 2010 Präsident Jacob Zuma beim dritten "EU-South Afica Summit" in Brüssel. Die EU ist bemüht, ihre Handelsbeziehungen mit dem Kapland zu intensivieren. (Quelle: flickr/ President of the European Council)

© Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, empfängt 2010 Präsident Jacob Zuma beim dritten „EU-South Afica Summit“ in Brüssel. Die EU ist bemüht, ihre Handelsbeziehungen mit dem Kapland zu intensivieren. (Quelle: flickr/ President of the European Council)

Der Westen und allen voran die Bundesregierung müssen eine offene Debatte mit dem ANC führen und alle Karten auf den Tisch legen. Während bei vielen ANC-Mitgliedern die „kapitalistischen Europäer“ als Apartheidsunterstützer in schlechter Erinnerung geblieben sind, erweisen sich die „chinesischen Genossen“ als Freunde gleichen Ranges. Dieses Bild hat sich in der Wahrnehmung der Südafrikaner festgesetzt. China als größter nationaler Handelspartner Südafrikas hat das Vertrauen des ANC längst für sich gewinnen können.

2010sdafrika-Interview mit Handelsblatt-Korrespondent Wolfgang Drechsler:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/20/handelsblatt-korrespondent-im-interview/

Hilfe – die etwas andere Art

Ein Reisebericht zu Kapstadt und KwaZulu-Natal – Teil 4

(Autorin: Annemarie Köster)

Auf Grund meiner Erfahrungen mit sogenannten Solidaritätsspenden, die ich bis 1989 jahrzehntelang in nicht unwesentlichem Umfang geleistet habe, wollte ich nun etwas anderes ausprobieren.

Ich erfuhr von einem nach Südafrika ausgewanderten Paar, das sich speziell um Hilfe für Kinder bemüht und wurde von ihnen eingeladen. Da ich mir vor Ort erst mal selbst ein Bild machen wollte, habe ich lediglich im Bekanntenkreis ein paar Spenden gesammelt – ca. 100,00 Euro.

Ursprünglich hatte ich an Kinder in Waisenhäusern gedacht. Dann habe ich aber erfahren, daß die Heime, von unterschiedlichen Organisationen geführt, auf verschiedene Art unterstützt werden. Nicht nur Waisen und Straßenkinder sondern auch solche aus Problemfamilien finden Aufnahme– teilweise bis zum Alter von 21 Jahren.

© Lebensmittelkauf

Schnell ließ ich mich überzeugen, daß mein weniges Geld besser für zwei bedürftige Familien – konkret für Frauen, die mit ihren Kindern und Enkeln allein leben – ausgegeben werden sollte. So sind wir erst einmal zum nächsten Supermarkt gefahren. Es war bekannt, was speziell verwendet wurde und wir haben von Maismehl über Zucker, Milch und Brot bis zu Öl, Obst und Gemüse verschiedene Lebensmittel – natürlich auch ein paar Süßigkeiten – besorgt.

Dazu kamen – wegen des Kälteeinbruchs zu dieser Zeit – ein paar Jogging-Anzüge für die Kinder. Die Sachen haben wir den Familien nach Hause gebracht.

© Hilfebedürftiges Kind

© Hilfebedürftiges Kind

Auf diese Weise habe ich Dörfer kennengelernt, die auf den ersten Blick eigentlich recht idyllisch aussahen. Ein weites, grünes Hügelland mit verstreut stehenden traditionellen Rundhütten aber auch neueren viereckigen Steinhäuschen. Hier und da ein paar magere Kühe, Ziegen oder Hühner. Keinerlei Obst- oder Gemüsegärten.

Bei näherem Hinsehen ist von der Idylle jedoch nichts übrig geblieben. Es gab zumeist keine befestigten Straßen (glücklicherweise war es trocken), nur teilweise Strom und keine privaten Wasseranschlüsse. Wasser mußte von den öffentlichen Zapfstellen zu den Hütten getragen werden – oft eine Aufgabe der Kinder. Die Häuser liegen einfach zu weit auseinander und es ist zu teuer, einzelne Wasserleitungen zu verlegen.

Eine weitere Erkenntnis war, daß das Leben in den traditionell gewachsenen Dörfern nicht zu vergleichen ist mit dem Leben in den riesigen Townships am Rande der großen Städte auch wenn es äußerlich ähnlich zu sein scheint.

© Tristes Township-Leben

Das Gefühl, nun etwas Gutes getan zu haben für Bedürftige, hat sich bei mir eigentlich nicht so recht eingestellt. Eher habe ich die Erkenntnis gewonnen, daß man einen so kleinen Betrag auf diese Weise zwar effektiv verwenden kann aber es ist unbedingt Hilfe zur Selbsthilfe nötig. Wie das aussehen könnte? Ich habe keine Ahnung. Dazu ist mehr nötig als nur mal gesehen zu haben, wie man in südafrikanischen Dörfern lebt. Mit europäischen Vorstellungen von Hilfsprojekten kommt man hier sicherlich nicht weiter.

Hilfe – die etwas andere Art (Kapstadt 2008)

2008 habe ich mir als Abschluß all’ meiner Sprachschulaufenthalte ein paar Wochen Einzelunterricht gegönnt. Das beinhaltete auch diverse Exkursionen.

Zusammen mit einer anderen Lehrerin und ihrer Klasse führte uns unsere letzte Exkursion in das Saartjie Bartman Centre für Frauen und Kinder in Manenberg, Cape Flats. Das ist eine Einrichtung, in die sich misshandelte Frauen mit ihren Kindern für einige Zeit flüchten können, um Entscheidungen über ihr weiteres Leben zu treffen: http://www.saartjiebaartmancentre.org.za/.

© Überraschungsbesuch

Wir organisierten eine kleine vorzeitige Weihnachtsfeier. Einer unserer Schweizer Mitstudenten musste der Weihnachtsmann sein. Es war ein interessanter Vormittag. Die 100 Euro für bedürftige Kinder, die ich wieder in Deutschland gesammelt hatte, waren bereits an meine Freunde in KwaZulu- Natal überwiesen. (Sie wurden später ratenweise einer jungen Frau zum Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt, die im Rollstuhl sitzen muß, weil sie als Kind in eine Schießerei geriet).

Aber es ist für uns Europäer nicht teuer, Kinder glücklich zu machen, und es ist uns sicherlich ein wenig gelungen

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar..

Cape Town is not South Africa

Südafrikas Tourismussektor als Hoffnung einer vielfältigen Nation

(Autorin: Susanne Zeckler)

Südafrika ist ein Land der Kontraste, wie es dem Titel dieses Webportals bereits zu entnehmen ist. Nicht nur in sozialen Dingen unterscheidet sich die südafrikanische Bevölkerung drastisch voneinander, sondern auch von ihrer jeweiligen Kultur, vom regionalen Erlebnisangebot und vom Klima ihres Wohnsitzes. Während im Südosten eher eine tropische Umwelt vorzufinden ist, erhält man in der Zentralregion einen Einblick in ein trockenes Wüstenklima. Das Western Cape mit Kapstadt entfaltet hingegen ein mediterranes Feeling und modernes Stadtbild, sodass diese City vor allem bei deutschen Anreisenden sehr beliebt ist. „Cape Town is not South Africa„, äußerte sich mal eine südafrikanische Beamtin uns gegenüber auf die Frage, was an Kapstadt so besonders sei. Die Stadt hat eine Menge anzubieten, jedoch muss diese lebendige Destination in einem gesonderten Artikel untergebracht werden. Mit über 20 Nationalparks und vielfältigen Lodges im ganzen Lande, erweist sich Südafrika auch als Reisetipp für Safari-Fans.

© Victoria & Alfred Waterfront-Stadtgebiet von Kapstadt

Den Tourismussektor gab es schon vor dem ersten Weltkrieg und auch während der Apartheid. Doch als 1994 die Demokratisierung des Landes offiziell ihren Gang nahm, sprang der Tourismus sprunghaft an. Waren es 1994 nur 3,9 Millionen Personen an ausländischen Gästen, kletterte diese Zahl im letzten Jahr auf über 9,9 Millionen an. Vor allem US-Amerikaner und Europäer suchen das südlichste Land Afrikas auf, aber zunehmend auch Gäste aus Lateinamerika und Asien. Mit etwa einer Viertelmillion an deutschen Touristen, gehört diese Nationalität zu einer der größten Besuchergruppen. Die sehr gastfreundlichen Einreisebestimmungen für EU-Bürger, indem man bei der Ankunft am Airport eine dreimonatige Besuchsgenehmigung (visitor´s permit) erhält, stimulieren diesen Trend.

Der Tourismus ist nach wie vor eine der am schnellsten wachsenden Branchen des Landes, in welchem rund 7 Prozent der Erwerbstätigen des Landes (etwa 1,3 Millionen Bürger) unmittelbar und mittelbar beschäftigt sind. Der Tourismus steuert am BIP des Landes einen Anteil von rund 8 Prozent bei. Speziell zur Fußball-WM 2010 ist festzuhalten, dass rund eine halbe Million Besucher aus Übersee erwartet wurden, jedoch allerhöchtens nur 250.000 Gäste nach Südafrika kamen. Begründet wird das Verfehlen dieser Erwartungshaltung unter anderem mit den überteuerten Preisen für Flug sowie Unterkunft.

Insgesamt unterhält das Kapland, wie es gerne von deutschen Touristen bezeichnet wird, acht Welterbestätten, die alle nach dem Ende der Apartheid in die Liste der UNESCO aufgenommen wurden. 1999 wurde das Feuchtgebiet iSimangaliso-Wetland-Park, mit den größten Krokodil- und Flusspferdbeständen Südafrikas, zum Weltnaturerbe erklärt. Hingegen wurde die Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt zum Weltkulturerbe, in welchem Nelson Mandela den Großteil seiner 27-jährigen Haftzeit abgesessen hatte. Ebenfalls 1999 erhielten die Fundstätten fossiler Hominiden (also Menschenaffen)  den Status des Weltkulturerbes, welche 2005 um weitere Fundorte ausgedehnt wurde. 2000 sind die Drakensberge bei Lesotho bisweilen einmalig in Südafrika zum Weltnatur- und zugleich Weltkulturerbe deklariert worden. 2003 folgte der  Mapungubwe-Hügel mit seinen archäologischen Fundstätten, 2004 das Naturschutzgebiet Cape Floral, 2005 der Meteoritenkrater Vredefort als größte Einschlagsstelle weltweit sowie 2007 die von Ureinwohnern der Nama bewohnte Landschaft Richtersveld bei Namibia.

© UNESCO-Weltkulturerbe Robben Island

Es wird einem schnell ersichtlich, dass Südafrika sehr vielfältig ist und genau aus diesem Grund zu einem der beliebtesten Reiseziele der Welt hinzugezählt werden kann. Paradoxerweise gehört diese Nation auch zu den kriminellsten Ländern auf dem Globus, wo Mord- und Vergewaltigungsrate die Lebensqualität der Südafrikaner erheblich einschränken. Immer mehr vor allem weiße Bürger kehren ihrer Heimat den Rücken zu und emigrieren nach Australien, Neuseeland oder in das Vereinigte Königreich. Dieses Phänomen, in Fachkreisen als „brain drain“ bezeichnet, wird mit traurigen Rekorden bei HIV/AIDS und ungleichen sozialen Lebenslagen ergänzt. Demnach kann Südafrika als das Land aufgefasst werden, in welchem das Paradies in gleicher Augenhöhe zum absoluten Elend auftritt.

Offizielle Tourismusseite „SouthAfrica.info“ zur Branche:

http://www.southafrica.info/overview/deutsch/tourismus.htm

UNESCO-Welterbestätten in Südafrika:

http://www.unesco.org/new/en/unesco/worldwide/unesco-regions/africa/south-africa/

WELT ONLINE-Artikel zum Tourismussektor Südafrikas:

http://www.welt.de/reise/article8387933/Jetzt-peilt-Suedafrika-Tourismus-Rekorde-an.html

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Südafrika:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Suedafrika/Sicherheitshinweise.html#t4