Schlagwort-Archive: Filmregisseur

Multikulturalismus in Südafrika

Afrikaaner unter sich. Eine Podiumsdiskussion zum Dokumentarfilm „Orania“

(2010sdafrika-Redaktion)

© Podiumsdiskussion zum Dokumentarfilm "Orania" im Berliner Sputnik-Kino.

© Podiumsdiskussion zum Dokumentarfilm „Orania“ im Berliner Sputnik-Kino.

Kulturelle Identität in Südafrika erweist sich in einem Land, das die Spuren der Apartheid immer noch zu verarbeiten hat, als äußerst sensible Angelegenheit. Tobias Lindner, Berliner Filmregisseur, widmete sich der Gemeinschaft Orania mit einem gleichnamigen Dokumentarfilm. Einem 1.000-Seelendorf, das ausschließlich den Afrikaanern vorbehalten ist. Schwarze, Inder oder Farbige trifft man in Orania nicht an. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema kamen Ghassan Abid (Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“), Anna Veigel (Leiterin Freiwilligendienst »kulturweit« Deutsche UNESCO-Kommission), Christoph Brandl (freier Journalist, Filmschaffender), Thabo Thindi (JOZI TV), Prof. Dr. Carola Lentz (Ethnologin) und der Regisseur zusammen. Ab heute ist „Orania“ in den deutschen Kinos zu sehen.

Aufzeichnung zum Orania-Podium in Berlin

Berlinale 2012

Südafrika-Filme auf dem 62. Filmfestival unterrepräsentiert

(Autor: Ghassan Abid)

© Berlinale 2012 - Ein Zuschauermagnet für Filmfreunde. In diesem Jahr ist Südafrika in Berlin mit dem Spielfilm "Man on Ground" des Regisseurs Akin Omotoso vertreten.

Und wieder ist in Berlin der rote Teppich für die Stars der  Filmbranche ausgerollt worden. Die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin begannen letzte Woche und enden am 19. Februar 2012. Erneut stehen, traditionsgetreu den konzeptionellen Grundideen der Berlinale, sozialkritische Filme im Fokus dieses Events.

Sind auf der 61. Berlinale 2011 mehrere Filme aus bzw. zu Südafrika der Öffentlichkeit vorgestellt worden, erweist sich das diesjährige Südafrika-Angebot als äußerst übersichtlich. Doch manchmal übertrifft die Qualität jeden Grad an Quantität. Mit „Man on Ground“ unter der Regie des nigerianischen Filmregisseurs Akin Omotoso und der südafrikanischen Produktionsfirma T.O.M. Pictures wird ein interessanter Spielfilm des Genres Drama präsentiert.

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„Man on Ground“ handelt von Ade, einem in London lebenden Banker und seinem Halbbruder Femi. Letzterer verließ seine Heimat Nigeria aus politischen Gründen in Richtung Johannesburg. Beide pflegten zueinander kein besonders gutes Verhältnis, bis Ade nach Südafrika reiste, um sich auf die Suche nach Femi zu begeben. Denn auf den Straßen der Townships bricht die brutale Gewalt gegen Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten aus. Beide Brüder kämpfen um ihr Überleben und entdecken, dass sie mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben.

Trailer zu „Man on Ground“

Die musikalisch-afrikanische Begleitung des Films, die emotional-spannende Story und fesselnde Bilder machen neugierig auf einen Kinobesuch.  „Man on Ground“ thematisiert die prekäre Situation von Flüchtlingen in Südafrika  und verdeutlicht, dass sich die südafrikanische Nation mit der Xenophobie stärker als bisher auseinandersetzen muss. Allerdings sind nach Angaben der Berlinale sämtliche Tickets zum Film bereits ausverkauft. Demnach dauert es ein wenig, bis dieser im normalen Kinogeschäft zu sehen bzw. im Handel zu erwerben ist.

2010sdafrika-Artikel zum Südafrika-Filmfestival in Potsdam

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/07/filmfestival-in-potsdam/

2010sdafrika-Interview mit dem deutsch-südafrikanischen Regisseur Teboho Edkins:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/08/06/filmregisseur-teboho-edkins-im-interview/


„Kultur-in-Potsdam.de“ berichtet übers Südafrika-Portal

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ –  ein Projekt der politischen Bildungs- und Kulturarbeit

Das gemeinnützige Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – kurz: Südafrika-Portal – beobachtet, berichtet und analysiert Sachverhalte der Republik Südafrika, unter Einbeziehung deutschen Engagements in der jungen afrikanischen Demokratie am Kap der guten Hoffnung.

Hintergründe, Fakten und Meinungen werden für die deutschsprachige Leserschaft und Presseinstitutionen aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Hierbei deckt das Südafrika-Portal fünf Ressorts ab:
1.) Business,
2.) Kultur und Gesellschaft,
3.) Literatur und Wissenschaft,
4.) Politik und
5.) Sport.

© Screenshot: Südafrika-Portal auf "KulturinPotsdam.de"

Hierbei werden zwei Ziele verfolgt: Einerseits soll mit dem Südafrika-Portal die Bereitstellung von Informationen zu Südafrika erfolgen, unter Einbeziehung deutschen Engagements – eine Aufklärungsarbeit für deutschsprachige Bürger. Die Öffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiß nach wie vor trotz der Weltmeisterschaft 2010 zu wenig über Land, Leute, Hintergründe und aktuelle Geschehnisse im südlichen Afrika, sodass sich dieses auf PHP-basierende Blog als ein Projekt der Bildungsarbeit etablieren konnte und einer großen Beliebtheit erfreut.

Neben der Komponente der Bildungsarbeit, hat sich als zweite Zielvorstellung der interkulturelle Austausch zwischen der deutschen und südafrikanischen Gesellschaft herauskristallisiert. Führende südafrikanische und deutsche Promis sind im Portal bereits in Erscheinung getreten und thematisierten unter anderem ihre Perzeption von Deutschland bzw. von Südafrika. Die Kommunikation mit Persönlichkeiten der deutsch-südafrikanischen Beziehungen ermöglichte der 2010sdafrika-Redaktion, dem ehrenamtlichen Betreiber-Team, einen weiteren Zuwachs in Popularität. Hier eine Auswahl der Promis, die sie interviewen durften:

© Ghassan Abid mit Kindern der Provinz Limpopo

– Schriftsteller: Roger Smith
– Band: Freshlyground
– Fotokünstlerin: Zanele Muholi
– Graffiti-Künstler: Falko Starr
– Topmodel: Sam Pegg
– Band: The Parlotones
– Maler: Mbongeni Buthelezi
– Politiker: Oliver Krischer
– Filmregisseur: Teboho Edkins
– Journalistin: Ute Schaeffer und andere.

Das wichtigste Resultat ihrer Arbeit besteht demnach darin, in erster Linie die deutsche Öffentlichkeit über sämtliche Ereignisse auf der staatlichen und nicht-staatlichen Ebene in der Regenbogennation zu informieren sowie zur Diskussion anzuregen. Auch die interkulturelle Kulturvermittlung liegt in ihrem Fokus, sodass sie auf Südafrika bezogene Veranstaltungen verstärkt in Potsdam und Berlin aufsuchen.

Für das kommende Jahr 2011 möchten sie ihr Engagement ausbauen und professionalisieren. Das heißt, dass sie eine eigene hochwertige Webseite entwickeln möchten und sich zusätzlich als gemeinnützigen Verein beim Amtsgericht eintragen lassen wollen. Auch sind sie bestrebt eine finanzielle Grundlage zur dauerhaften Absicherung ihrer Arbeit zu etablieren. Für diesen ressourcenintensiven Prozess in punkto Geld und Zeit braucht das Team von Ghassan Abid, Südafrika-Forscher und Initiator dieses Mediums, noch weitere Partner und Mitwirkende, sodass jeder diesbezügliche Kooperationsvorschlag höchst willkommen ist!

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Artikel bei Kultur-in-Potsdam.de veröffentlicht:

http://www.kultur-in-potsdam.de/kultur-international/648-suedafrika-land-der-kontraste.html

Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Filmregisseur Teboho Edkins im Interview

Deutsch-südafrikanischer Filmregisseur über das Ich und die Welt

(Autor: Ghassan Abid)

Teboho Edkins, 1980 in den USA geboren und in Lesotho, Deutschland, Südafrika sowie Frankreich aufgewachsen, ist Filmemacher und tritt somit in die Fußstapfen seines renommierten Vaters Don Edkins, einem der bekanntesten Filmproduzenten Südafrikas.

In Kapstadt studierte er Kunst und rundete dieses Studium mit Ausbildungen in Frankreich und Deutschland ab. Teboho Edkins zeichnet sich insbesondere durch sozialkritische Dokumentationen aus, für welche er mehrfach Auszeichnungen gewinnen konnte. Auch nahm er bereits an mehreren Filmfestivals teil, etwa beim FID Marseille, Festival panafricain du cinéma et de la télévision de Ouagadougou (FESPACO), International Filmfestival Innsbruck, Vision du Reel Nyon, Tampere Short Film Festival oder an der Berlinale.  Teboho Edkins erläuterte dem Südafrika-Portal seine beruflichen Visionen und dessen Südafrika-Dokumentationen.

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2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den in Berlin lebenden Filmemacher Teboho Edkins. Sie konzentrieren sich in Ihrer Arbeit auf Dokumentationen mit sozialkritischer Ausrichtung, welche südafrikanische Themen aufgreifen. In Ihren Dokus „Ask me I´m positive“, „True Love“ oder „Looking Good“ konzentrieren Sie Ihre Produktionen auf HIV. Was veranlasst Sie diese Pandemie zu thematisieren?

Antwort: Die HIV-Pandemie in Lesotho war zum Zeitpunkt meines ersten produzierten Filmes „ Ask me I’m positive“ ein Monster, welches einfach nicht ignoriert werden konnte. Diese war weit verbreitet und zugleich unsichtbar – einfach nicht nachzuvollziehen. Gerade das Abbild von Lesotho von 2004 verdeutlicht, dass ungefähr 30 % der Bevölkerung mit HIV infiziert ist, aber der Zustand von nur einer handvoll von Menschen öffentlich wurde und drei von denen Protagonisten im Film waren. Dort herrschte (und es ist immer noch enorm) solche Verwirrung und Voreingenommenheit über die Erkrankung, sodass ich fühlte, dass es das einzige Thema war, worüber ich einen Film machen konnte.

Was die Entstehung des Filmes ermöglicht hat war der Umstand, dass es ein Stück einer wirklich hochinteressanten aus 35 Titeln bestehenden revolutionären Filmreihe zu HIV war – „STEPS for the future“ – welche im Jahr 2000 von Filmemachern aus dem südlichen Afrika herausgebracht worden ist.

In meinem anderen Film „True Love“, gehe ich nicht wirklich auf die HIV-Pandemie ein, aber auf eine Person in Lesotho mit dem HI-Virus, sodass es nicht um dessen HIV-positiv Dasein geht, sondern eher um einen Menschen der HIV-positiv durch Liebes- und Sex-Erfahrungen erlebt. (Der Status quo ist dessen HIV-Positivität. Ich versuche aufzuzeigen, wie jemand jenseits des Virus ein normales Leben führt – und ich denke dieses ist wirklich wichtig zu verstehen; insbesondere im Kontext zum Südlichen Afrika, wo viele Menschen infiziert sind).

2010sdafrika-Redaktion: In „Gangster Project 1“, greifen Sie ein neues Thema im Hinblick auf die Kriminalität in Südafrika auf. Wechseln Sie Ihren Fokus auf andere soziale Herausforderungen?

Antwort: Naja, ich bin wirklich kein politischer Analyst oder Aktivist, sodass ich Filme zu Themen mache, die ich relevant und interessant finde sowie filmisch erforschen möchte. Nach den HIV-Filmen beispielsweise, machte ich das „Gangster Project 1“, eine Art Dekonstruktion eines Gangster Rap-Videos mit realen Gangstern und im Anschluss „Kinshasa 2.0“, einen Kurzfilm über Demokratie und übers Internet genutzte Second Life, einer virtuellen Welt …

2010sdafrika-Redaktion: Ihr neuer Film behandelt auch auch die Kriminalität in Südafrika. Was ist der genaue Titel Ihrer neuesten Produktion, wann wird diese in Deutschland zu sehen sein und worum geht es?

Antwort: Der Titel meines letzten Filmes lautet „Gangster Project“ (es ist sozusagen eine Fortsetzung von „Gangster Project 1“). Kurz gesagt ist es ein Langspielfilm und Halbdoku-Gangsterfilm, gedreht in Kapstadt/ Südafrika. Die Story geht auf einen jungen weißen Menschen ein, der einen perfekten Gangsterfilm drehen möchte, jedoch nicht wirklich etwas über Gangsters weiß. Er trifft zahlreiche Ganoven, besetzt letztendlich diejenigen für seinen Film die er für die perfekten Gangsters hält, hängt mit Ihnen rum. Er findet ihr Leben ziemlich schnell wenig reizvoll und langweilig, ihre begangene Gewalt für belanglos und dreckig, sodass er selbst anfängt Handlungen der Gewalt anzuzetteln (alles im Geiste der Entstehung seines Gangsterfilmes). Paradoxerweise entwickelt er sich enger an sie und versteht diese als Menschen mit realen Ängsten; verängstigt um ihre Häuser zu verlassen …

© Teboho Edkins (dritter von links) mit Darstellern seines Films „Gangster Project“

Wir sind noch in der Postproduktionsphase des Films, sodass dieser erst sachgerecht fertiggestellt werden muss, wenn dieser das Color Grading, die Vertonung etc. durchläuft – zum Ende November. Wir werden diesen dann in Filmfestival-Kreisen herausbringen, inklusive der Festivals in Deutschland und vielleicht könnte dann eine Rundfunkanstalt diesen kaufen oder dieser wird in einem kleinen Kino hier und dort kurzzeitig vorgeführt … aber noch ist es zu früh, um hierbei etwas sagen zu können.

2010sdafrika-Redaktion: Wie würden Sie die aktuelle Kriminalitätslage in Südafrika beschreiben?

Antwort: Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der Kriminalität in Südafrika, aber sämtliche Statistiken bekräftigen, dass es einer der gewaltigsten Länder weltweit ist, eine der höchsten Mord- und Vergewaltigungsraten aufweist etc.

Ich verstehe die Kriminalität als äußerst ungleiches Phänomen (Südafrika ist ja als Land der Gegensätze bekannt, oder?). Wenn man arm ist und in einem Township lebt, wird man eher getötet und vergewaltigt, sodass die Kriminalität als geopolitisch aufgefasst werden kann – innerhalb des Kontextes der politischen Apartheid in Südafrika. Das ist der Grund, warum in meinem Film der weiße Junge seine relative sichere Umgebung verlässt und dorthin geht, wo Gewalt herrscht und die Umgebung durch diese verzehrt ist …

2010sdafrika-Redaktion: Welche Erfahrungen konnten Sie bereits mit deutschen Partnern in punkto Verbreitung/Verleih sammeln? Ihre Dokumentationen thematisieren explizit südafrikanische Probleme, sodass sich die Frage stellt, ob Ihre Werke ein positives Feedback seitens der deutschen Kinos, Rundfunkanstalten und Zuschauer erhalten?

Antwort: Das ist eine interessante Frage. Ich studierte an einer Postgraduierten-Institution in Frankreich und an einer Filmschule in Berlin. Gerade als ich Filme im südlichen Afrika gemacht habe, tat ich es oft mittels europäischer Institutionen und Förderungen. Und ich würde denken wenn der Film ein guter Film ist, dann ist die Wahl des Standortes nicht so wichtig wie die Filmentstehung und dessen Produktionsprozess, welche jenseits des Standortes diesen interessant machen.

Genau genommen haben meine Filme den meisten Erfolg und beste Verbreitung bei europäischen Filmfestivals – wie das Oberhausen Short film festival, Visions Du Reel, Leipzig, Berlinale, Marseille etc. – als auch bei europäischen Fernsehsendern wie ARTE, YLE, TV2.

2010sdafrika-Redaktion: Können Sie sich vorstellen, eines Tages Filme des Genres Entertainment/ Science-Fiction zu drehen, so wie Ihr südafrikanischer Kollege Neill Blomkamp mit seinem Film „District 9“? Diese Filme sind in punkto Umsatz sehr erfolgreich, aber sie verlieren in vielen Fällen die Botschaft gegenüber dem Publikum. Stimmen Sie dieser Meinung zu?

Antwort: Es ist oft der Fall, dass je größer das Budget eines Filmes ist, desto stärker ist dieser unter dem Einfluss des Produzenten oder des Studios – jedoch immer weniger unter der Kontrolle des Regisseurs. Und ich denke nicht, dass ich jemals einen Film machen möchte, worüber ich keine Regelung habe; gerade (oder besonders) wenn es sich um eine Slasher-/ Zombie-Filmkulisse im Naturreservoir handelt.

2010sdafrika-Redaktion: Was sind Ihre nächsten kinematografischen Ideen und werden Sie einen Film mit Ihrem Vater Don Edkins drehen, einem der bekanntesten Filmproduzenten Südafrikas?

Antwort: Genau genommen arbeite ich zurzeit an meiner nächsten Idee (teilweise, weil ich in Südafrika war, als ich diesen schrieb), jedoch möchte ich hierzu für diesen Moment lieber wenig sagen, weil es noch unausgereift ist. Und ja, das Arbeiten mit meinem Vater Don Edkins, welcher meine ersten beiden Dokumentationen produzierte, war sehr bereichernd für mich (auch wenn es meine Mutter ein wenig irritierte, dass wir nur darüber sprechen wollten und somit den Stress zum Esstisch transportierten). Ich würde es lieben, verstärkt mit ihm beim Filmdreh zusammenzuarbeiten.

2010sdafrika-Redaktion: Teboho Edkins, vielen Dank für das Interview!