Schlagwort-Archive: Frauenrechte

Uni-Stipendium nur an Jungfrauen

Uthukela-Distrikt in Südafrika fördert ausschließlich junge Frauen, die auf Geschlechtsverkehr verzichten

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Mehrheit der 54 Millionen Südafrikaner bezeichnet sich selbst als christlich, gläubig und gottesfürchtig. Konservative Werte sind in der Bevölkerung im südlichen Afrika, die zu fast 80 Prozent dem Christentum angehört, weit verbreitet. Allerdings ist der aktuelle Vorstoß eines Distrikts, die der Uthukela-District-Municipality in der KwaZulu-Natal-Provinz, auch für südafrikanische Verhältnisse äußerst umstritten. Denn ein Uni-Stipendium soll nur weiblichen Jungfrauen vorbehalten sein.

 Kehitys Lehti

© Die Uthukela District Municipality in Südafrika vergibt 16 Uni-Stipendium ausschließlich an weibliche Jungfrauen. Ihre Enthaltsamkeit solle regelmäßig überprüft werden. Frauenrechtsgruppen und die Opposition legten bereits Protest ein, da das Stipendium gegen die Verfassung verstoße. (Quelle: flickr/ Kehitys Lehti)

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Afrikanische Union vor Führungswechsel?

Nkosazana Dlamini-Zuma erwägt Gerüchten zufolge keine Fortdauer als AU-Kommissionsvorsitzende

(2010sdafrika-Redaktion)

Seit dem Jahr 2012 ist die Ex-Innenministerin Südafrikas, Nkosazana Dlamini-Zuma, die Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU). Für ihren Amtsantritt warb sie gemeinsam mit Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane für den weiblichen Führungswechsel. Beide ANC-Politikerinnen entzweiten dabei den Staatenbund. Nun endet im Juli 2016 ihre Amtszeit. Gerüchten zufolge hat die Ex-Frau Jacob Zumas – die kürzlich 67 Jahre alt geworden ist – jedoch kein Interesse mehr an einer Fortdauer ihres Amts. Sie sehne sich nach dem Ruhestand, heißt es am Rande des zurzeit stattfindenden 26. Gipfeltreffens der Afrikanischen Union.

ILO

© Die amtierende Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma, soll Gerüchten zufolge keine zweite Amtszeit erwägen. Als ihr Nachfolger wird der Außenminister Algeriens, Ramtane Lamamra, gehandelt. (Quelle: flickr/ International Labour Organization (ILO) Department of Communications))

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Anene Booysens als Spiegelbild Südafrikas

Politik und Medien fordern nach Vergewaltigung weitreichende Folgen – ein Trugschluss?

(2010sdafrika-Redaktion)

Am vergangenen Donnerstag verbreitete sich im In- und Ausland die Schreckensnachricht der Vergewaltigung von Anene Booysens. Vier Männer haben die Siebzehnjährige in der Kleinstadt Bredasdorp brutal vergewaltigt und im Anschluss verstümmelt. Wenig später verstarb sie. Seither ist am Kap eine Debatte darüber angestoßen worden, inwieweit die südafrikanische Gesellschaft aus dem Tod Booysens seine Lehren ziehen kann.

    © Anene Booysens starb in der Nacht vom 2. zum 3. Februar 2013 mit jungen 17 Jahren an den Folgen einer brutalen Vergewaltigung in Bredasdorp. Medien und Politik fordern ein Umdenken, doch die breite Masse der südafrikanischen Gesellschaft reagiert passiv.

© Anene Booysens starb in der Nacht vom 2. zum 3. Februar 2013 mit jungen 17 Jahren an den Folgen einer brutalen Vergewaltigung in Bredasdorp. Medien und Politik fordern ein Umdenken, doch die breite Masse der südafrikanischen Gesellschaft reagiert passiv.

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Frauenquote in Südafrikas Chef-Etagen kommt

4,4 Prozent aller Chefs sind Frauen. Frauenministerin Xingwana hat die Schnauze voll. Frauenlobby siegt

(Autor: Ghassan Abid)

Während Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sich mittlerweile entgegen ihrer Amtskollegin, der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), für eine gesetzlich verordnete Frauenquote für die Wirtschaft ausgesprochen hat, ist die Entscheidung dessen am Kap nun heute gefallen. Südafrikas Frauenministerin Lulu Xingwana verkündete die verbindliche Einführung einer solchen Quote, um die „Ausgrenzung und Unterrepräsentation“ der Frauen in den Führungsetagen der Unternehmen künftig zu unterbinden.

    © 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

© 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als Anlass dient der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“, eine Erhebung der Frauenlobby in Kooperation mit dem einflussreichen Handelsministerium DTI und der Nedbank, wonach Frauen in Führungspositionen nach wie vor eine Minderheit darstellen.

Die Studie kommt für das Jahr 2011 zum Ergebnis, dass lediglich 4,4 Prozent aller Führungskräfte (gemeint sind hierbei die Positionen Chief Executive Officer (CEO) und Managing Director (MD)) von Frauen besetzt sind. Ebenfalls werden 5,3 Prozent aller Vorsitzenden- und 15,8 Prozent der Direktorenfunktionen von einer weiblichen Minderheit wahrgenommen. Im Öffentlichen Dienst beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen rund 35 Prozent. Somit ist der Anteil dessen höher als in der Privatwirtschaft.

Der "Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011" ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“ ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Frauenministerin Xingwana gab auf Grundlage dieser Werte bekannt, dass sie die weitere Entwicklung nicht den privaten Marktkräften überlassen wird. Das vernachlässigte „Woman Empowerment“ in Südafrikas Unternehmen begründet nun eine Bekämpfung der Frauendiskriminierung, sagte sie. Dementsprechend ist ein Gesetzentwurf im Haushaltsjahr 2012/13 vorgesehen, welcher den Öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft gleichermaßen in die Verpflichtung nehmen soll.

Zudem wird am 25. August 2012 das Gremium „National Council Against Gender-Based Violence“ zur Stärkung der Frauenrechte eröffnet. In diesem Zusammenhang soll der weibliche Opferschutz stärker als bisher gestärkt werden. Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder stehen durch die Koordinierungsarbeit dieses Gremiums nun ganze 365 Tage im Jahr auf der Agenda. Die Leitung dessen übernimmt Vizepräsident Kgalema Motlanthe, dem eine entsprechende Geschäftsstelle im Frauenministerium unterstehen wird.

Die deutsche Bundesarbeitsministerin und die südafrikanische Frauenministerin haben beide bei der Einführung einer verbindlichen Frauenquote mit Wohlstandszuwächsen argumentiert. Eine Reaktion der südafrikanischen Wirtschaft auf diesen entschlossenen Kurs von Südafrikas Frauen ist bisweilen nicht zu erkennen.  Der Schock scheint tief zu sitzen.

Exklusiv-Interview mit Zanele Muholi

Im exklusiven Hintergrundgespräch mit der wohl provokantesten Künstlerin Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

© Künstlerin Zanele Muholi

Zanele Muholi, 1972 im Township Umlazi/Durban geboren, ist ausgebildete Fotografin sowie Aktivistin für Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Ihre Foto-Kunstwerke präsentieren den Körper schwarzer Frauen, insbesondere deren Intimität. Im konservativen Südafrika stößt dieser offene Umgang mit dem weiblichen Körper nicht immer auf Gegenliebe.  Als im März 2010 die südafrikanische Kulturministerin Lulu Xingwana eine Ausstellung mehrerer schwarzer Künstlerinnen in Johannesburg eröffnen sollte, jedoch diese die Fotos von Zanele Muholi zu Gesicht bekam, denunzierte die Ministerin ihre Kunst als „unmoralisch, pornografisch und entgegen eines nationalen Zusammenwachsens“ und verließ daraufhin empört die Ausstellung. Nicht desto trotz erhält Zanele Muholi, welche in einer lesbischen Beziehungen lebt, seitens der internationalen Kunstszene viel Zuspruch, Respekt und Auszeichnungen. Das Südafrika-Portal freut sich umso mehr, diese interessante „Power-Frau“, die keinen Blatt vor den Mund nimmt, interviewen zu dürfen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, wir freuen uns Sie auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ begrüßen zu dürfen! Die Mehrheit der südafrikanischen Gesellschaft, vor allem Männer, verabscheuen Homosexualität. In Deutschland ist diese aggressive Atmosphäre gegenüber diesen Bürgern ebenfalls existent. Ich habe von Ihrer lesbischen Beziehung erfahren. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie und Ihre Partnerin bereits machen müssen?

Antwort:Es sind nicht nur Männer, die mit der Homosexualität Schwierigkeiten haben, sondern auch die Frauen. Wir können nicht sagen, dass das Problem der Homosexualität einer patriarchalischen Natur unterliegt – es geht vielmehr um die Tatsache, dass unsere Gesellschaft nach heterosexuellen Wertmaßstäben ausgerichtet ist. Ja, Männer sind diejenigen, die Lesben zwecks „Heilung“ zu einer „richtigen“ Frau vergewaltigen. Mir sind aber auch Fälle bekannt, wonach Familienangehörige – gerade Mütter – Männer zur Vergewaltigung ihrer lesbischen Tochter bitten, damit diese zu einer sauberen „Afrikanischen“ Frau rückgängig gemacht wird; gemeint ist hierbei eine Frau die heiratet und ein Kind gebärt. Das ist der Zustand, in welcher das Patriarchat und die Heterosexualität sich überkreuzen und eine falsche Auffassung darüber erzeugen, wonach nur heterosexuelle Frauen heiraten und Kinder zur Welt bringen können. Aber es gibt in meiner Gemeinschaft so viele lesbische Mütter, deren Kinder unter den verschiedensten Umständen gezeugt wurden.

Ich persönlich musste vor vielen Jahren zuvor ein aus Hass begangenes Verbrechen erfahren, als die Mutter meiner Partnerin mich aufgrund meiner lesbischen Ausrichtung geschlagen hatte. Sie beschuldigte mich ihre Tochter zu „solchen Dingen“ zu beeinflussen und beschimpfte mich als „Perversling“.

So habe ich die Homophobie begreifen und diesbezügliche Erfahrungen mit der Mutter meiner Ex-Freundin machen müssen. Aber andererseits habe ich niemals eine schlimme homofeindliche Erfahrung in meiner eigenen Familie, als auch bei meinen Freunden gemacht.

© Fotografie: Musa Ngubane and Mabongi Ndlovu, Johannesburg

Meine geliebte Mutter Bester Ziqubu Muholi, die am 27. September 2009 von uns ging, betrachtete alle meine Partnerinnen als ein Bestandteil ihrer Familie. Sie lehrte uns jeden zu lieben und zu akzeptieren. Meine Ex-Partnerinnen sind weiterhin bei uns zu Hause seitens meiner Brüder und Schwestern willkommen, auch nachdem meine Mutter von uns gegangen ist, weil sie meiner Familie die Akzeptanz und den Respekt der Vertrautheit lehrte, als auch die Liebe zwischen mir und meinen Partnerinnen. Sie akzeptierte jede Einzelne nicht als meinen Freund oder meine Schwester, sondern als meine Partnerinnen.

Als Aktivistin, bin ich gerade als schwarze Lesbe in Südafrika diskriminiert worden. 2004 schrieb mir ein Dienstleister einen Brief und erklärte, dass er kein Projekt finden könne, welches mit verworrener Homosexualität zu tun hat. Der aktuellste Vorfall ereignete sich als die Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana, eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Innovative Women“ anlässlich meiner Fotografien verlassen hatte, da Sie der Überzeugung ist, dass diese Bilder nackter Lesben „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ seien.

2010sdafrika-Redaktion: Wie geht die südafrikanische Regierung unter Jacob Zuma mit diesem Intoleranz-Problem um?

Antwort:2006 ist Jacob Zuma von einer jungen Frau, einer langjährigen Freundin der Familie, der Vergewaltigung beschuldigt worden. Die Frau ist in den Medien unter dem Namen Khwezi bekannt, allerdings ist das nicht ihr richtiger Name. Der Fall landete vor Gericht und Zuma wurde von den Anklagevorwürfen freigesprochen. Die junge Frau ist als Lesbe identifiziert worden und die alten sexisischen Geschichten über weibliche Opfer sexueller Übergriffe sind vor Gericht zwecks Verunglimpfung weitergeführt worden – sie wollte Sex; sie sei eine unbeständige Frau und die ältere Männer-Version wurde zur glaubwürdigen des ganzen Falles. Das ist nicht neu. Aber was am Fall so erschreckend ist, dass gleichwohl Männer und Frauen Khwezi mit heftigen Reaktion und Gefühlen begegnet haben. Täglich sindDemonstrationen zur Verurteilung ihrer Person abgehalten worden, wenn nicht gar zu ihrem Tod. Khwezi ist heute ausgewandert und fühlt sich bei einer Rückkehr nach Südafrika nicht mehr sicher. Wenn man in dieser Dynamik die Handlungen der Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana,  bewertet – welche eine Frauen-Ausstellung verlassen hatte, weil sie die Fotografien von nackten Lesben als „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ auffasste – dann würde ich sagen, dass das Zusammengehörigkeitsprojekt in Südafrika über die bloßen Rechte auf Papier hinausgehen sollte, als in unserer Verfassung von 1996 niedergelegt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie sind eine Angehörige der Zulus, einer ethnischen Gruppe im Osten Südafrikas. Welche Charakteristika prägen Zulus im Vergleich zu anderen Gruppen?

Antwort: Die Sprache, traditionelle Gewohnheiten auch als „ilobolo“ – in der Sprache Sesotho mit „Mahadi“ – bezeichnet; manchmal mit „bride price“ (= Brautpreis) übersetzt, stellt einen traditionellen Brauch im südlichen Afrika dar, wo der Mann bei einem Heiratsantrag der Familie seiner Verlobten Geld zahlt.

Wir haben traditionelle Medizin, Tanz, Musik, Essen, Religion – so steht die Shembe Kirche in Verbindung mit einigen Mitgliedern unseres Stammes, traditioneller Bekleidung und Dekoration wie zum Beispiel Perlen und vielen anderen Elementen, welche Tag für Tag aufgrund der Modernität entschwinden; von vielen als Kultur empfunden.

2010sdafrika-Redaktion: Viele Südafrikaner beurteilen Sangomas – traditionelle Heiler – wichtiger als westliche Mediziner. Welcher Bedeutung würden Sie den Sangomas Ihrer eigenen Gesundheitsversorgung geben? Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisieren Sangomas für das Vorantreiben von Vergewaltigungen an Jungfrauen, um auf diesem Wege eine vermeintliche HIV-Infektion heilen zu können. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

Antwort: Es ist grob vereinfacht zu behaupten, dass alle Sangomas der verschiedenen ethnischen Traditionen und Kulturen in Südafrika ihre Heilpraxis auf selben Wege betreiben, genauso es allzu simpel ist anzumaßen, dass alle westlich-ausgebildeten Mediziner über  selbe Werte, Ethik, Behandlungen und Wissen verfügen. Viele Sangomas sind bestrebt mit westlicher Medizin zu arbeiten und westliches Wissen in ihrer traditionellen Heilbehandlung zu berücksichtigen, insbesondere bei HIV/AIDS. Aber dies bedeutet nicht, dass ich auch nicht westliche Medizin annehme, sofern es mir helfen kann. Vielleicht gibt es einige Sangomas die behaupten, dass Sex mit einer Jungfrau HIV heilen wird, was nicht wahr ist. Allerdings habe ich Achtung vor alternativer Medizin. 2008 führte ich Regie einer Dokumentation mit dem Titel „Isangoma: Urban Shaman„, eine Geschichte über eine weibliche traditionelle Heilerin, die im kosmopolitischen Toronto behandelt. Jedoch ist es auch eine Story, die ihre Wiederholung findet, wie eine urbane Legende. Niemand weiß mehr wo diese Lehre anfing oder wer damit angefangen hat. Ja, es gibt Männer die glauben diese sei wahr. Aber nochmals – solche Volksmärchen zielen darauf ab, eher durch das Volk als durch die meisten Sangomas verbreitet zu werden.

2010sdafrika-Redaktion: Ihre Ausstellungen und Kunstwerke sind in einigen Fällen wirklich provokant, wie das Projekt „Massa“ and Mina(h)“. Über was handelt dieses und was bedeutet „Massa“ and „Mina(h)“?

Antwort: Das Projekt basiert auf das Leben und die Geschichte meiner Mutter. Ich beziehe mich auf meine eigenen Erinnerungen und zolle gegenüber ihrer domestizierten Rolle als Arbeiterin für die gleiche Familie seit 42 Jahren Achtung. Die Reihe soll alle häuslichen Angestellten auf der Welt anerkennen, die weiterhin ihre Würde abquälen, zumal sie am Arbeitsplatz oftmals körperlicher, finanzieller und emotionaler Gewalt begegnen.

© Fotografie aus der Ausstellung ´Massa and Mina(h)´

In dieser Reihe wandelte ich meinen eigenen schwarzen Körper in einen Kunstgegenstand um. Ich ermöglichte verschiedenen Fotografen mein Erscheinungsbild nach meinen Vorstellungen einzufangen. Ich benutze Performativität [= Begriff der Sprechakttheorie] um die rassischen Angelegenheiten von weiblicher Häuslichkeit anzusprechen – schwarze Frauen betreiben die Hausarbeit von weißen Familien. In der Vergangenheit und bis heute hören wir über Geschichten von vergewaltigten schwarzen weiblichen Hausangestellten oder von jenen, die ein intimes Verhältnis mit dem weißen männlichen Massa haben. Aber betrachten wir es i.S.v. Queer und stellen uns vor, dass diese weißen Damen ihre schwarzen Zimmermädchen lieben würden, mit ihnen intim seien. Vielleicht weil sie als zwei verliebte Frauen einfach etwas gemeinsames teilen oder vielleicht ist es eine völlig sinnliche Beziehung, entweder basierend auf wechselseitigen erotischen Bedürfnissen oder auf ungleicher Macht und Arbeitsbeziehungen, die zwischen schwarzen Frauen und weißen Frauen existieren, sodass die weißen Damen, wie die weiße Massa, aus dieser Situation für sich einen Vorteil ziehen.

Wir wissen es nicht. Und es ist weiterhin ein Tabu darüber zu sprechen. Aber ich werde die Leute darüber zum Sprechen und auf Ethnie, Geschlecht und Sexualität im Kontext von Hausarbeit zum Hinsehen bringen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche künstlerischen Ideen bereiten Sie demnächst vor?

Antwort: Ich habe eine „new posed-photographic series“ gestartet, die auf gleichgeschlechtliche Polygamie mit dem vorläufigen Titel ‘Mbhekeni’ abzielt, was „Geschlechtsspezifisches Spektakel“ bedeutet. Die Meisten meiner Projekte sind laufende Arbeiten, sodass ich im Augenblick das fortsetze womit ich begann. Es könnte entweder „Faces & Phases„, „Being„, „Beulahs“ oder meine Blut-Kunstreihe sein, in welcher ich den Schmerz und Verlust von Freunden bzw. Liebhabern durch die vielen Formen von aus Hass begangenen Verbrechen – „heilende Vergewaltigungen“ und Morde – zum Ausdruck bringe.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon in Deutschland? Wie würden Sie die deutsche Kultur beschreiben und welche intuitiven Gefühle verbinden Sie mit Deutschland?

Antwort: Ich weiß nicht viel über deutsche Kultur, sodass ich keine Behauptungen aufstellen möchte. Ich war ein paar Mal in Deutschland und nahm 2006 an der Konferenz „Black Autonomy„, ADEFRA (www.adefra.de), in Berlin teil. Ich werde dieses Jahr nochmal da sein und schwarze lesbische Athleten fotografieren und unterstützen, die 2010 an den „Cologne Gay Games“ [= ´Olympische Spiele´ für Schwule und Lesben] partizipieren werden.

2010sdafrika-Redaktion: Bereiten Sie in Deutschland stattfindende Ausstellungen vor?

Antwort: Ich werde in der Staatsgalerie Stuttgart in einigen Tagen – ’11 Friends‘ – Identity & Otherness – die am 30. Mai 2010 eröffnende Ausstellung präsentieren.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Träume würden Sie noch verwirklichen und welche sind bereits erreicht worden?

Antwort: Ich möchte, dass meine Kunstwerke veröffentlicht werden. 2006 hatte ich meine erste veröffentlichte Kollektion – „Only Half the Picture„. 2010 werde ich meine zweite Publikation unter dem Titel ´Faces & Phases´ bei Prestel veröffentlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, haben Sie vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!

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Das Interview wurde in Englisch geführt und ist ins Deutsche übersetzt worden. Für das Original-Gespräch in englischer Sprache bitte folgenden Link anklicken: https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/31/exklusive-interview-with-zanele-muholi/.

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Homepage der südafrikanischen Fotokünstlerin Zanele Muholi:

http://www.zanelemuholi.com/

„Ankerlandkonzept“ der Sozialwissenschaften

Südafrika als unentbehrlicher Partner der deutschen Entwicklungspolitik

(Autor: Ghassan Abid)

Welche Instrumente sind in welchem Verhältnis wie lange und mit welchen Partnern auszuwählen, um eine nachhaltige Entwicklungspolitik für die gesamte Region gestalten zu können? Mit dieser Fragestellung befassen sich im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit Jahrzehnten Sozialwissenschaftler und Ökonomen. Diese Herausforderung konnte mittlerweile das „Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE)“ in Bonn mit dem sog. „Ankerlandkonzept“ umsetzen.

© Logo der Deutsch-südafrikanischen Entwicklungszusammenarbeit

Dementsprechend zählt auch Südafrika zu der Gruppe der Ankerländer, da diese junge demokratische Nation einerseits mittels ihrer Wirtschaftskraft die Volkswirtschaften der Nachbarstaaten positiv beeinflusst (Lokomotivfunktion), andererseits bei einer Rezession deren Ökonomien belastet (länderübergreifender Stagnationsgeber). Kurz gesagt: Geht es Südafrika gut, dann geht es auch seinen Nachbarn gut.

Ferner wird das Heimatland des Nelson Mandelas für die Erreichung internationaler Zielvorgaben benötigt, die man als Millenium Development Goals (MDGs) erfasst. Die acht MDGs sollen bis zum Jahre 2015 umgesetzt werden, so der damalige Beschluss der UN-Generalversammlung in ihrer Millenium-Erklärung. Konkret werden folgende Herausforderungen in den Fokus genommen: Anteil extremer Armut und Hunger halbieren (MDG1), Grundschulausbildung für alle ermöglichen (MDG2), Geschlechtergleichstellung und Frauenrechte fördern (MDG3), Kindersterblichkeit senken (MDG4), Gesundheit der Mütter verbessern (MDG5), HIV/ AIDS, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen (MDG6), Umweltschutz gewährleisten (MDG7) und eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen (MDG8).

Die deutsche Entwicklungspolitik greift nun dieses Ankerlandkonzept auf und bezweckt die Lokomotivfunktion Südafrikas zum Nutzen für die gesamte Region des südlichen Afrikas zu stimulieren. Weitere 14 Ankerländer – etwa China, Brasilien oder Indonesien – erfahren ebenfalls eine solche Partnerschaft im Kontext ihrer zugehörigen Region.

Kritisch anzumerken ist jedoch der Umstand, dass das Auswärtige Amt dieses vielversprechende Konzept bisweilen nicht als Doktrin des eigenen Hauses anerkannt hat, welches dem historisch-strukturellen Konflikt zwischen BMZ und AA entspringen dürfte. Als 1961 das BMZ mit Walter Scheel an seiner Spitze gegründet wurde, sind 1972 sämtliche Zuständigkeiten der Entwicklungspolitik zum Nachteil von Auswärtiges Amt und Bundeswirtschaftsministerium ans BMZ übertragen worden. 1998 wurde dieser Übertragungsprozess gegenüber dem Bundesentwicklungsministerium umfassend und abschließend fortgeführt.

Im Rahmen des Ankerlandkonzeptes bedient sich das BMZ hinsichtlich seiner Aufgabenwahrnehmung dem Instrumentarium der „Technischen Zusammenarbeit“ –Förderung der Leistungsfähigkeit von Menschen und Organisationen– und der „Finanziellen Zusammenarbeit“ -Aufbau leistungsfähiger Strukturen-, wobei letztere einer Effizienzreform unterliegt. Die Zeit wird zeigen, ob sich diese Konzeption bewähren wird.


Analyse des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) zur Partnerschaft Deutschlands mit Ankerland Südafrika:

http://www.die-gdi.de/CMS-Homepage/openwebcms3.nsf/%28ynDK_contentByKey%29/ADMR-7BRL9M/$FILE/14-2006.pdf

Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zur regionalen Führungsmacht von Ankerländern:

http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5610