Schlagwort-Archive: Freiheitsstrafe

Historisches Ja-Wort im Zulu-Land

Erste traditionelle „Homo-Ehe“ in Südafrika geschlossen

(Autor: D. Tamino Böhm)

Südafrika ist eines der zwölf Staaten weltweit und der einzige afrikanische Staat, der gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich erlaubt. Seit 2006 gibt es den Civil Union Act, der nach mehreren Schritten in den Jahren zuvor die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare garantiert. Seitdem nutzen viele Homosexuelle die Möglichkeit den Bund der Ehe einzugehen. Das ist, wie der internationale Vergleich zeigt, keine Selbstverständlichkeit. Noch weniger, wenn man sich die Geschichte des jungen Staates Südafrika genauer ansieht.

    © Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

© Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

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Herzlichen Glückwunsch Madiba!

Südafrika feiert Mandelas 94. Geburtstag: Freude und Melancholie als zwei Seiten einer Medaille

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen 18. Juli 2012, also einen Tag nach dem Ehrentag von Bundeskanzlerin Angela Merkel, feiert Südafrikas Nationheld Nelson Mandela seinen 94. Geburtstag.  Ganz still und mit wenig Lärm in seinem Haus in Qunu. Doch tatsächlich feiert vielmehr Südafrika den Geburtstag seiner Ikone. Bereits am 11. Juli 2012 besuchte Präsident Jacob Zuma das personifizierte Symbol des demokratischen Südafrikas im Eastern Cape. Gegenüber der Presse machte Zuma deutlich, dass Mandela in guter gesundheitlicher Verfassung sei. Jedoch schaut eine gesamte Nation mit gemischten Gefühlen in die Zukunft des Landes. Freude und Melancholie erweisen sich vor allem in diesem Jahr als zwei Seiten einer Medaille.

© Nelson Mandela ist Südafrikas Nationalheld schlechthin. Er gilt als bescheiden, gemeinwohlorientiert und ehrlich. Der Afrikanische Nationalkongress ist - so die mehrheitliche Auffassung der südafrikanischen Presse - seinem Idol im Großen und Ganzen nicht gefolgt. Nach dem Tod Mandelas erwartet das Land eine seelische Belastung und somit die Auflösung der letzten Hoffnung. Die großen Medienhäuser und die Regierung haben bereits Mandela-Abschiedspläne entworfen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Nelson Mandela ist Südafrikas Nationalheld schlechthin. Er gilt als bescheiden, gemeinwohlorientiert und ehrlich. Der Afrikanische Nationalkongress ist – so die mehrheitliche Auffassung der südafrikanischen Presse – seinem Idol im Großen und Ganzen nicht gefolgt. Nach dem Tod Mandelas erwartet das Land eine seelische Belastung und somit die Auflösung der letzten Hoffnung. Die großen Medienhäuser und die Regierung haben bereits Mandela-Abschiedspläne entworfen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Letztendlich war Mandela ganze 27 Jahre in Gefangenschaft. Sein Kampf gegen die Apartheid bescherte dem zielstriebigen Juristen bei der schwarzen Mehrheitsgesellschaft einen enormen Popularitätsbonus, während er durch das Rassentrennungsregime zum Staatsfeind-Nummer 1 erklärt wurde. Im Westen erhielt Mandela den Status eines Terroristen; in den USA sogar bis ins Jahr 2008 hinein. Mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen Persönlichkeiten formierte Mandela die ANC-Jugendliga, die für einen militanten Kampf gegen das Unrechtsregime einstanden.

1961 leitete er schließlich den bewaffneten Arm des ANC, die “Umkhonto We Sizwe”. Im Rivonia-Prozesses von 1964 wurde Mandela mit Walter Sisulu, Denis Goldberg, Govan Mbeki, Ahmed Kathrada, Raymond Mhlaba, Elias Motsoaledi und Andrew Mlangeni wegen terroristischen Aktivitäten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Diese sitzte er hauptsächlich auf der Gefangenen-Insel Robben Island vor Kapstadt ab. Am 11. Februar 1990 ist Nelson Mandela schließlich aus der Haft entlassen worden. Am 10. Mai 1994 wurde er schließlich das erste schwarze Staatsoberhaupt Südafrikas. In seiner rund fünfjährigen Amtszeit setzte er sich für die nationale Versöhnung zwischen Weißen, Schwarzen, Coloureds sowie Asiaten ein. Die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995 nutzte er medienwirksam für diesen Dialogprozess. Bereits 1993, also vor Beginn seiner Präsidentschaft, ist Mandela gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Mehrere interviewte Persönlichkeiten der deutsch-südafrikanischen Beziehungen haben gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ihre persönliche Begegnung mit Mandela erläutert. Während Priester Stefan Hippler dieses Erlebnis als einprägsamen Moment beschrieb, hat Fotograf Jürgen Schadeberg den charismatischen Südafrikaner in eindrucksvollen Bildern verewigt.

Eine gesamte Republik schaut am heutigen Tag mit gemischen Gefühlen nach Qunu. Politiker wie Nelson Mandela sind im gegenwärtigen ANC-Gespann die absolute Rarität. Bescheidenheit, Ehrlichkeit und das Einstehen für gemeinwohlorientierte Ideale sind in Anbetracht des von Korruption gebeuteten Südafrikas kaum mehr in Partei & Staat anzutreffen. Vor allem der ANC stolpert von einem in den nächsten Skandal hinein. Die Presse des Landes befürchtet durch die geplanten ANC-Regulierungsvorhaben eine Einschränkung der Pressefreiheit, während im Ausland die Euphorie aus den frühen 90er Jahren nun sichtlich verflogen ist.

Nelson Mandela traf Bundeskanzler Gerhard Schröder in Baden-Baden im Jahr 2001. 6 Jahre später besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ikone am Kap. International wird Madiba für das Einstehen für Ideale geschätzt.

Mandelas Geist scheint sich wie ein schützender Schleier über sein Volk zu legen. Doch wenn die größte Hiobsbotschaft der Nation, der Tod Madibas, durch die Eilticker der Presseagenturen durchsickern wird, verliert der einfache Bürger auf den Straßen seine womöglich letzte Hoffnung in die Politik. Mehrere Journalisten haben gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ bestätigt, dass sämtliche großen Medienhäuser und auch die Regierung über Mandela-Abschiedspläne verfügen. Großes Programm erwartet dann den TV-Zuschauer, den Bürger … und die Welt. Bereits im Vorfeld ehrt man diese Ikone. Öffentliche Plätze, Brücken und Straßen erhalten den Mandela-Namenszusatz. Ebenso werden die südafrikanischen Geldscheine mit dem Abbild Mandelas verziert. Die letzten Anzeichen eines Lichtblicks in die eigene Staatsführung könnte sich in der Post-Mandela-Ära komplett in Luft auflösen. Nun ja, sie – die Hoffnung – ist die schöne Erinnerung an die Zukunft, wie es der französische Philosoph Gabriel Marcel mal zum Ausdruck brachte. Das südafrikanische Volk wird neue Vorbilder brauchen. Ob es diese bekommt, hängt in erster Linie von ihr selbst ab.

Happy Birthday, Nelson Mandela

Vom einstigen „Terroristen“ zum internationalen „Helden“ ohne Einfluss

(Autor: Ghassan Abid)

Am 18. Juli wurde Nelson Rolihlahla Mandela stolze 92 Jahre alt. Wie in den Jahren zuvor, feierte Madiba seinen Ehrentag in aller Stille und in Beisammensein seiner Familie und engsten Freunde. Ihm verdankt das südafrikanische Volk die Etablierung eines demokratischen politischen Systems. Mandela steht in persona für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit, wofür er ganze 27 Jahre seines Lebens in Gefangenschaft aufopfern musste. Anlässliches dieses besonderen Einsatzes wird alljährlich zum Geburtstag dieses Charismaten der Mandela Day zelebriert.

© Nelson Mandela-Statue in Kapstadt

Mandela, zugehörig der Ethnie Xhosa, erkannte schon während seines Jura-Studiums an der Johannesburger Witwatersrand-Universität die Ungerechtigkeiten gegenüber der schwarzen Mehrheitsgesellschaft, die von der Apartheidspolitik ausgingen. In den 1940er Jahren trat er schließlich dem schwarzen Widerstand, dem African National Congress (ANC), bei und gründete mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen Persönlichkeiten die Jugendorganisation des ANC. Diese plädierte stets für einen Kampf gegen das Unrechtsregime der National Party (NP). Als Mandela 1961 schließlich den bewaffneten Arm des ANC leitete, bezeichnet als „Umkhonto We Sizwe“, machte das weiße Minderheitsregime ernst und verurteile ihn mit anderen Anti-Apartheids-Aktivisten (Walter Sisulu, Denis Goldberg, Govan Mbeki, Ahmed Kathrada, Raymond Mhlaba, Elias Motsoaledi und Andrew Mlangeni) im Rahmen des berühmten Rivonia-Prozesses von 1964 wegen terroristischen Aktivitäten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Diese sitzte er hauptsächlich auf der Gefangenen-Insel Robben Island vor Kapstadt ab.  Am 11. Februar 1990 ist Nelson Mandela schließlich aus der Haft entlassen worden.

Während seiner Präsidentschaft als erstes schwarzes Staatsoberhaupt Südafrikas von 1994 bis 1999, widmete er sich der nationalen Versöhnung zwischen Weißen, Schwarzen, Coloureds sowie Asiaten und nutzte jede Gelegenheit, z.B. die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995, um einen ethnienübergreifenden Dialog in Gang zu setzen. Zu groß waren die damaligen Vorbehalte gegenüber den eigenen Mitbürgern anderer Hautfarbe, um sich dieser Herausforderung nicht mit vollem Einsatz und ganzer Leidenschaft zu stellen. Als Nachfolger trat Thabo Mbeki, der Sohn von Mandelas Haftgenossen Govan Mbeki, den Präsidentenposten an. 2009 führte Jacob Gedleyihlekisa Zuma, ein Zulu, das Amt des Präsidenten fort, welcher ebenfalls eine Haftstrafe auf Robben Island verbüßte und in dieser Zeit im Rahmen eines Privatunterrichts viel von Govan Mbeki, dem Vater von Thabo Mbeki, gelernt hatte. Auch Zuma lernte Nelson Mandela während seiner Aktivitäten in der Umkhonto We Sizwe kennen.

Es ist hierbei ersichtlich, dass die gesamte Staatsführung des heutigen Südafrikas mit Nelson Mandela vertraut und verbunden ist. Mandela´s Visionen – die Schaffung einer Nation auf Basis von Demokratie, Gleichheit, Versöhnung, Vielfalt, Verantwortung, Achtung und Freiheit – werden durch mehrere soziale Einrichtungen weiter verfolgt, namentlich die Nelson Mandela Foundation, das Nelson Mandela Children’s Fund oder die Mandela Rhodes Foundation. 1993 ist Mandela mit Frederik Willem de Klerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Ferner erhielt er bisweilen über 60 Preise aus aller Welt.

Jedoch ist spätestens seit dem ANC-internen Konflikt zwischen Jacob Zuma- und Thabo Mbeki-Anhängern, aus welcher die Partei „Congress of the People“ (COPE) hervorging, weniger eine Harmonie, sondern vielmehr ein harter Wettbewerb um Macht, Geld und eigenen Interessen zu verzeichnen, welcher nicht im Interesse der Entwicklung Südafrikas sein kann. Viel zu viel Zeit sind für Partei-Diskussionen und Ämterbesetzungen vergeudet worden und dabei die sozialen Probleme im Lande, etwa Armut, Kriminalität oder Bildung, vernachlässigt worden.  Hätte Nelson Mandela noch eines politisches Mitsprachrecht, zusätzlich zum bisherigen gesellschaftlichen Einfluss, so würde diese Habgier von ANC-Politikern nicht fortbestehen. Denn politische Analysten und Journalisten befürchten, dass die gegenwärtige Führungsebene des ANC die staatlichen Institutionen für parteieigene Zwecke instrumentalisiert und persönliche Interessen einen zunehmenden Bezugspunkt für die politische Praxis darstellen. Professor William M. Gumede zum Beispiel, welcher an der Witwatersrand-Universität beschäftigt ist, betrachtet die Demokratie in Südafrika für zerbrechlich und lehnt die ANC-Elite um Zuma, Mbeki und Co. schlichtweg ab. Zumindest aus der politischen Perspektive ist Nelson Mandela mehr Geschichte als Gegenwart; vielleicht auch so von ihm gewollt.

Offizielle Internetpräsenz zum Mandela Day:

http://en.mandeladay.com/Home.aspx