Schlagwort-Archive: Freizeit

Theater für das Township Alexandra

Ntshieng Mokgoros Traum der Schauspielerei: Proben zwischen Bohnerwachs und Putzmitteln

(Autorin: Sine Thieme)

Alexandra, wie sich meine Leser vielleicht erinnern, ist der Ort vor dem ich strengstens gewarnt wurde. Wir waren vielleicht gerade eine Stunde auf südafrikanischem Boden gewesen, damals bei unserem Umzug aus den USA, und befanden uns auf der Fahrt vom Flughafen zu unserem neuen Haus im Norden Johannesburgs. G, der Fahrer meines Mannes, zeigte auf ein Ausfahrtschild. „Diese Abfahrt dürft ihr nie nehmen, wenn euch euer Leben lieb ist“, sagte er.

© Das Theaterstück "Paradise Lost", eine Produktion von Ntshieng Mokgoro, wird im Township Alexandra dargeboten. In einem Seifengeschäft proben die Schauspielerinnen. Es wird improvisiert und ausprobiert. (Quelle: Manuela Accarpio)

© Das Theaterstück „Paradise Lost“, eine Produktion von Ntshieng Mokgoro, wird im Township Alexandra dargeboten. In einem Seifengeschäft proben die Schauspielerinnen. Es wird improvisiert und ausprobiert. (Quelle: Manuela Accarpio)

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Happy New Year!

Rückblick und Ausblick für das Südafrika-Portal: Schneller,  exklusiver und informativer

(Autor: Ghassan Abid)

Und wieder steht ein neues Jahr an. Heute ist der klassische Tag dafür, dass man zurück und im selben Atemzug nach vorne schaut. Die eigenen Wünsche und Träume formuliert. Das eigene Leben Revue passieren lässt. Mit Familie und Freunden wird feierlich vom Jahr 2012 Abschied genommen. Sei es in Deutschland oder in Südafrika.

© "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2013; happy new year! (Quelle: flickr/ Marcel Berkmann)

© „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2013; happy new year! (Quelle: flickr/ Marcel Berkmann)

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In Österreich gibt es keine Kängurus

Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika, im Interview

(Autor: Ghassan Abid)

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und des Online-Mediums Kapstadt.com.

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und Betreiber des Online-Mediums Kapstadt.com.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika. Zuerst ein großes Servus an Sie! Wie lange leben Sie schon am Kap und wie kam es dazu, dass Sie sich dort niedergelassen haben?

Antwort: Es ist eine lustige Geschichte: Nach acht Wochen Urlaub hatte ich meinen Rückflug am 20. Februar 1989 um 00.20 Uhr. Ich war an dem Tag – meiner damaligen Ansicht nach – pünktlich zwei Stunden vorher am Flughafen – und hab ganz schön dumm geguckt, als mir gesagt wurde, dass ich zwölf Stunden zu spät sei – ich hätte schon am 19. Februar da sein sollen. Einen neuen Rückflug konnte ich mir nicht mehr leisten – und so habe ich meinen Ex-Chef in München erfolgreich um sechs Monate unbezahlten Urlaub gebeten und in Kapstadt zu arbeiten angefangen. Um es kurz zu machen: Das Wetter und die Stadt waren einfach zu schön, und schließlich hielt diese Liebe mich hier fest.

2010sdafrika-Redaktion: Sie leben in Kapstadt und wollen diese kosmopolitische Stadt wohl nicht mehr verlassen. Können bitte die Unterschiede zwischen Kapstadt und Johannesburg für einen Nicht-Südafrika-Kenner erläutern; wie unterscheiden sich beide Städte und welche Gemeinsamkeiten haben diese womöglich?

Antwort: Ich bin eigentlich kein Johannesburg-Kenner, war nur zweimal beruflich dort, habe aber viele Freunde, die immer wieder ihren Urlaub in Kapstadt verbringen, und genau das ist der Unterschied. In Johannesburg arbeitet man, und in Kapstadt macht man Urlaub. Johannesburg ist die Business-Metropole Afrikas: Alle großen Firmen haben sich dort angesiedelt, und das Leben ist hektisch und schnell, so ungefähr, wie in Deutschland. Kapstadt hingegen wird die Mutterstadt genannt, und deshalb dauert hier alles neun Monate. Im Gegensatz zu Joburg findet man in Kapstadt alles auf einmal: Weinberge, Sandstrände, den Tafelberg, die Waterfront – und man entdeckt jeden Tag wieder Neues. Gemeinsamkeiten gibt es meiner Meinung nach nicht – die beiden Städte sind wie Tag und Nacht.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

2010sdafrika-Redaktion: Sie publizieren das Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“ und betreiben darüber hinaus das Online-Medium Kapstadt.com. Was bedeutet es für Sie persönlich, publizistisch aktiv zu werden?

Antwort: Ich liebe meine Arbeit und freue mich, wenn ich dadurch auch nur einige Leute dazu bewegen kann, uns zu besuchen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, ist Kapstadt – von seinen Vororten einmal abgesehen – die sicherste Stadt in Afrika. Man fährt mit offenem Autofenster, man lebt nicht in Festungen, und man kann sich auch nachts sicher und frei bewegen. Das alles möchte ich in meinem Magazin zum Ausdruck bringen und an das gute Marketing der WM 2010 anknüpfen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Ambitionen verfolgen Sie mit Magazin und Internetmedium?

Antwort: Das Internet hat die Welt verändert, auf Knopfdruck kann jede Information abgerufen werden, und ein Ende der Entwicklung ist nicht in abzusehen. Facebook, Twitter, Blog, iPhone und iPad werden die Medienlandschaft weiteren Wechseln unterwerfen, und wir versuchen, auch hier immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und alles aus erster Hand zu berichten. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Land & Leuten, aber auch Freizeit & Abenteuer, politische Themen werden nur angerissen.

2010sdafrika-Redaktion: Mit Ihrem Beitrag „Sex and Slaves in the City“, veröffentlicht in der 17. Ausgabe Ihres Magazins im Sommer 2012, sprechen Sie von Sex als Machtinstrumentarium. Könnten Sie bitte den historischen Kontext erläutern und wie die Kaptstädter heutzutage mit dem Thema Sex umgehen?

Antwort: In den ersten Ausgaben unseres Magazins habe ich über die Entstehung Kapstadts geschrieben und mich im Stadtarchiv in die Geschichte eingelesen. Es gab nicht viel Gutes aus der „Guten Alten Zeit“ zu berichten, und mir wurde bewusst, das Kapstadt von Sklaven erbaut wurde, die zudem noch miserabel behandelt wurden und am späteren geschäftlichen Erfolg des Kaps nicht teilhaben konnten. Folter und Vergewaltigung waren an der Tagesordnung, Sklaven hatten einen niedrigeren Stellenwert als Hunde, und schon Kinder im Alter von sechs Jahren wurden oftmals als Ware verschachert. Sexthemen sind grundsätzlich Tabu in Südafrika, und noch vor 20 Jahren war der reine Besitz zum Beispiel des Magazins Playboy strafbar – viele Touristen im Besitz solcher Publikationen durften nicht einreisen bzw. wurden umgehend des Landes verwiesen. Das muss man sich mal vorstellen!

2010sdafrika-Redaktion: Haben Sie bereits mit einem Artikel für viel (negative) Aufmerksamkeit gesorgt? Oder lassen Sie mich anders fragen – kennen Sie publizistische Tabuthemen?

Antwort: Politische Themen werden heutzutage grundsätzlich negativ behandelt, die goldenen Mandela-Jahre sind lange vorbei. Gab es unter Nelson Mandela nur Positives zu berichten, ist es nun umgekehrt: Korruption, Misswirtschaft, die Unfähigkeit der Behörden und politische Untauglichkeit passen nicht in ein Tourismus-Magazin.

2010sdafrika-Redaktion: Sie stehen in engem Kontakt zu vielen Akteuren in Kapstadt. Welches Bild haben Kapstädter eigentlich von Österreichern und Deutschen?

Antwort: Deutsche sind sehr beliebt – Ihnen wird nachgesagt, dass sie sogar ihr eigenes Gästezimmer vor der Abreise noch putzen. Hochachtung hat man vor allem vor der Qualität deutscher Marken. Mercedes, BMW, Audi und Volkswagen sind die beliebtesten Autoproduzenten in Südafrika. Österreicher haben es etwas schwerer und, wie am eigenen Leib erfahren, werden wir immer mit Australiern verwechselt. Ich habe es lange aufgegeben zu erklären, dass es in Austria keine Kängurus gibt und wir auch nicht Rugby spielen.

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit  Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

2010sdafrika-Redaktion: Vermissen Sie ihre alte Heimat oder fühlen Sie sich mittlerweile als quasi echter Südafrikaner?

Antwort: Mittlerweile bin ich von ganzem Herzen Kapstädter, habe Familie und mich der Stadt gänzlich angepasst. Österreich vermisse ich sehr selten, habe aber ein großes Foto meines Heimatortes über meinem Schreibtisch hängen. Hin und wieder besuche ich meine Mutter, die es aber bevorzugt, mich mit ihren Enkeln hier zu besuchen.

2010sdafrika-Redaktion: Peter Koblmiller, Publizist mit einer Leidenschaft für Kapstadt, vielen Dank für das Interview!

Interessante Biografien, packende Krimis oder trockener Lernstoff

Südafrikaner müssen lesen, Deutsche wollen lesen: Ein Buchmarktvergleich

(Autor: Ghassan Abid)

Sobald man in Deutschland unterwegs ist, insbesondere morgens, dann fällt relativ schnell auf, dass überall Bücher gelesen werden. Ob in Bahn, Cafés oder im Wartebereich eines Amtes – das Lesen bleibt hierzulande eine beliebte Freizeitaktivität. Nach Angaben der Frankfurter Buchmesse stieg der Umsatz der Buchbranche im Jahr 2007 um 3,4 Prozent an. Dies entspricht einem Umsatz von 9,6 Milliarden Euro; Tendenz steigend. Insbesondere die Verlage profitieren von diesem Wachstum, sodass das Anzeigengeschäft sehr zufriedenstellend ist. Nicht so gut läuft es hingegen beim Verkauf von Zeitschriften. Online-Angebote, man spricht hier unter anderem von den sog. E-Books, erweisen sich in den USA einer großen Beliebtheit, sind in Deutschland jedoch gemessen am Umsatz der klassischen Bücher noch kaum gefragt. Dementsprechend wird der Umsatz des deutschen Online-Buchhandels für 2007 mit rund 850 Millionen Euro beziffert; entspricht dies einem Anteil am gesamten Buchmarkt von lediglich 8,9 Prozent.

© Buchmarkt Südafrika – viel Potential nach oben

In Südafrika allerdings befindet sich der Buchmarkt gegenwärtig im Abwärtstrend. Nach dem Ende der Apartheid konnten zwar viele neue Verlage gegründet worden, die ihr Sortiment und ihre Kundengröße stetig ausweiten konnten.  Man schätzt, dass zurzeit etwa 230 Verlage in Südafrika (im Vergleich: ca. 15.000 Verlage sind in Deutschland vorhanden) aktiv sind; größtenteils vertreten durch den Verlegerverband PASA. Mit einem Gesamtumsatz von rund 380 Millionen Euro (ca. 4 Milliarden Rands) für das Jahr 2008, erweist sich dieser mit dem deutschen Markt als überhaupt nicht wettbewerbsfähig. Der Großteil des südafrikanischen Umsatzes entfiel auf ´Lehrmittel´ (ca. 2,1 Mrd. Rands), gefolgt von der Sparte ´Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch´ (ca. 1,2 Mrd. Rands) und Fachbücher (773 Mio. Rands). Ein Jahr später, 2009, sank der Umsatz des gesamten südafrikanischen Buchmarktes um ganze 237 Mio. auf 143 Millionen Euro.

Ist wird ersichtlich, dass zwischen dem deutschen und südafrikanischen Buchmarkt Welten liegen. Verschiedene Bedingungen begründen diesen Status quo. Einerseits befindet sich Südafrika als junge Demokratie in politischer und ökonomischer Hinsicht in einem  Transformationsstadium. Daten haben gezeigt, dass je wohlhabender eine Nation ist, desto größer fällt dann die Bereitschaft zum Lesen aus. Denn wer hungert oder arm ist, wird sein weniges Geld nicht dem Buchkauf „opfern“. Ferner kommt hinzu, dass Südafrika im Jahr 2009 über eine Analphabetenrate von 13,6 Prozent verfügt, Deutschland hingegen nur einen Prozent aufweist. Auch die Arbeitslosigkeit in Südafrika mit einer Quote von 24 Prozent (2009) ist deutlich höher als in Deutschland mit rund 7,9 Prozent (2009). Außerdem müssen sich viele Südafrikaner über die hohen Inflationsraten im Lande ärgern. Während die Verteuerung von Waren und Dienstleistungen im Kapland für das Jahr 2009 mit stolzen 7,2 Prozent veranschlagt wird, beträgt diese in Deutschland lediglich 2,3 Prozent. Demnach steht dem Bürger im südlichen Afrika weniger Geld für Bücher zur Verfügung, als Deutschen. Andererseits kann man festhalten, dass das Lesen an sich eher in Deutschland verbreitet ist, als in Südafrika. Wer in Südafrika liest, hierbei sind insbesondere schwarze Südafrikaner gemeint, tut es meist zur eigenen Weiterbildung im Rahmen von Schule, Arbeit oder Hochschule, während Deutsche die Freizeitgestaltung gerne mit Romanen ausfüllen.

Überraschend ist, dass die Frankfurter Buchmesse mit dem südafrikanischen Verlegerverband PASA seit 2006 die „Cape Town Book Fair (CTBF)“ betreibt, die größte Buchmesse des Landes. Kritisch anzumerken bleibt, dass die Buchpreisbindung nur in Deuschland existent ist, während der südafrikanische Einzelhandel nach eigenem Ermessen den Preis von Literatur bestimmt – ein Unsicherheitsfaktor für Autoren. Zugute kommt, dass auch Südafrika der Berner Übereinkunft beigetreten ist, sodass das Urheberrecht in  Südafrika seine Anerkennung findet. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der südafrikanische Buchmarkt in den nächsten Jahrzehnten einwickeln und ob die Stärkung der Autorenrechte mehr Beachtung finden wird.