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Südafrikas Männer im Schönheitswahn

Nagelpflege, Massagen und Waxing im Beauty-Programm der männlichen Kundschaft. Einfach gut aussehen

(2010sdafrika-Redaktion)

Schönheitssalons werden klassischerweise von Frauen betrieben. Zudem sind weibliche Kunden in der Regel die wichtigste Zielgruppe der Beauty-Industrie – weltweit. Allerdings finden nun auch immer öfters Männer den Weg in die Salons. Nagelpflege, Massagen und Waxing werden gebucht, hält der in Johannesburg sitzende ARD-Reporter Ulli Neuhoff in einem TV-Beitrag fest.

Beauty

© Immer öfters nehmen südafrikanische Männer den Service von Beauty-Salons in Anspruch. Nagelpflege, Massagen und Waxing stehen auf dem Programm. ARD-Reporter Ulli Neuhoff schaute sich vor Ort den Trend unter dem Eindruck der Metrosexualität mal genauer an. (Quelle: Screenshot/ tagesschau.de)

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Fußballstar ermordet

Jeffrey Ntuka-Pule erliegt schwerem Messerangriff im Township

(Autor: Ghassan Abid)

Es war eine Hiobsbotschaft zum Auftakt des Africa Cups 2012 in Gabun und Äquatorialguinea. Der südafrikanische Verteidiger Jeffrey Ntuka-Pule erlag am Morgen des 21. Januars 2012 in einem Nachtclub an seinem Geburtsort Kroonstad seinen schweren Stichverletzungen. Der Täter ist weiterhin auf freiem Fuß. Laut dem Kapstädter Online-Medium kickoff.com soll der Täter als Jugendfreund des Fußballers identifiziert worden sein.

© Fußballstar Jeffrey Ntuka-Pule starb mit 26 Jahren (Quelle: SuperSport United Football Club)

Jeffrey Ntuka-Pule gelang in der Spielsaison 2003/04 der große Durchbruch beim englischen Club FC Chelsea Reserves, welcher ihn nach bereits sechs Monaten und die größte Zeit seiner professionellen Sportkarriere – von 2003 bis 2009 – an den belgischen Erstligisten KVC Westerlo ablösefrei ausgeliehen hatte. Im Anschluss spielte Ntuka-Pule wieder in seiner Heimat und zwar zuerst beim populären Johannesburger Fußballclub Kaizer Chiefs sowie beim in Pretoria ansässigen SuperSport United Football Club. Zudem hat der Defensivspieler fünfmal für die südafrikanische Nationalmannschaft spielen dürfen.

© Jeffrey Ntuka-Pule´s Fußballclub SUFC in Trauerstimmung (Quelle: SuperSport United Football Club)

Nach dem Ausscheiden von Ntuka-Pule aus dem SuperSport United Football Club und der damit verbundenen negativen Marktwertentwicklung, soll sich der einstige Fußballstar in einer psychischen Schieflage befunden haben. Die Vereinslosigkeit sollen dazu geführt haben, so die unbestätigten Informationen gegenüber der 2010sdafrika-Redaktion, dass er alkoholabhängig geworden ist und sein Verhalten gegenüber den Mitmenschen nicht immer unter Kontrolle hatte.

Der populäre Johannesburger Fußballclub Kaizer Chiefs hat bislang keine Stellung zum Tod seines Ex-Spielers genommen, ganz im Gegensatz zum SuperSport United Football Club aus Pretoria, welcher der Familie des Opfers  sein tiefes Beileid übermittelte. Jeffrey Ntuka-Pule wurde 26 Jahre alt.

Die 2010sdafrika-Redaktion dankt dem SuperSport United Football Club für die Bereitstellung des Bildmaterials.

Percy kickt die Armut

Wie der Fußball in Südafrika Selbstbewusstsein und Ehrgeiz schafft

Ein Gastbeitrag von Sandra Bulling, stellv. Pressesprecherin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

© Fußball-Turnier im Township (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Slash ist auf dem Bolzplatz ein absoluter Profi. Er rast über den roten Staubplatz, kickt sich nach vorne, schiebt sich an den Gegnern vorbei – und schießt das erste Tor gegen Block H. Seine Mannschaftskollegen jubeln, klopfen ihm auf die Schultern. Slash lässt den Triumph ungerührt über sich ergehen. Er bricht gleich wieder aus dem Pulk aus und bringt sich in Position. Schnell zieht er noch seine geliehenen Fußballschuhe aus. „Zu heiß und zu unbequem“, sagt er. Kurz danach schießt er das zweite Tor. Der Jubel wird größer, die Mädchen am Rande schreien: „Slash, Slash“ und tröten mit ihren Vuvuzelas. Doch Slash lächelt nur kurz und stürmt sofort wieder nach vorne. Ein echter Profi eben.

Nach 40 Minuten Spielzeit ist das Match zu Ende. Trainerin Portia scharrt ihr Team um sich. Slash ist der Star, jetzt endlich bricht ein großes Grinsen aus ihm heraus. Der Jubel legt sich etwas, die nächsten beiden Teams stehen schon zum Spielen bereit. Und langsam verändert sich Slash. Er ist jetzt wieder Percy. Percy Mduduzi Kama, der 13jährige Junge aus Soshanguve, Südafrika. Dessen Mutter vor einem Jahr gestorben ist und dessen Vater auszog, um die Trauer und den Frust mit Alkohol zu betäuben. Der Junge, der sich auf dem Bolzplatz selbstbewusst Slash nennt und kickt und rennt und alles aus sich herausholt, ist nun wieder der schüchterne Schüler Percy.

Traumlos in Soshanguve

In seiner Heimat Soshanguve, dem Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria leben 2,2 Millionen Menschen. Es ist eine Stadt voller kleiner Hütten und einstöckiger Häuser, die meisten kaum größer als Bungalows. Es gibt keine Straßennamen, die Viertel sind in Blocks eingeteilt. Als ob eine Straße hier keinen eigenen Namen verdiene. Die Townships sind die Spiegelstädte der großen südafrikanischen Metropolen. Hier lebte früher die schwarze Bevölkerung in Elend und Armut, klar abgegrenzt vom weißen Reichtum. Heute, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid, haben immerhin die meisten Einwohner ein festes Dach über dem Kopf. Die Regierung stellt die kleinen Häuser zur Verfügung, mit einem Vorgarten und finanzieller Unterstützung für diejenigen, die gar kein Einkommen haben. Und das sind die meisten. Denn in Soshanguve gibt es keine Jobs. Es gibt keine Industrie, keine Unternehmen, keine Dienstleistungen. Die Jugendlichen sind frustriert, fast jeder zweite ist hier arbeitslos. Ihren Frust leben sie in Kriminalität und Aggression aus, angespornt durch Drogen und Alkohol. Wer nichts hat, der hat auch nichts zu verlieren.

© Percy Mduduzi Kama (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Percy ist mit dieser Realität aufgewachsen. Seine Mutter hat er an die Krankheit AIDS verloren, die sich in Sohanguve festgesetzt hat und den Kindern ihre Eltern raubt. Percys 26-jähriger Bruder Patrick hat keinen Job, er verdingt sich als Tagelöhner. Und sein Vater, der trinkt. Er hat die Familie verlassen und lässt sich kaum blicken. Nur seine Großmutter ist noch für ihn da; doch die hatte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt. Anstatt sich von Percy und Patrick im hohen Alter pflegen zu lassen, muss sie nun Mutter und Vater ersetzen. Von der Regierung erhält Percy kein Geld. „Ich habe keine Geburtsurkunde, bin nicht registriert und erhalte auch keine staatliche Unterstützung“, sagt er, und blickt dabei schüchtern auf den Boden. Doch dann erzählt er vom Fußball. Und auf einmal blitzt Slashs Eifer in seinen Augen durch.

Der pünktliche Star

Als Percy vor einem Jahr am Bolzplatz in Block W vorbei kam, sah er, wie die energische Portia ein Fußballteam trainierte. Erst schaute er vom Rand aus zu, doch dann überwand er sich und fragte, ob er mitspielen dürfe. Portia ließ in sofort ins Team. Denn sie ist eine Trainerin von Kick-It, dem Fußballprojekt von CARE Deutschland-Luxemburg. Kick-It will Jungen wie Percy von der Straße holen, ihnen mit Sport eine Abwechslung vom tristen Alltag und eine Perspektive für eine bessere Zukunft geben. „Sport zeigt Jungs wie Percy, dass sie für ihre Ziele kämpfen müssen“, sagt die 27jährige Portia und schiebt sich lässig die schwarze Kappe aus dem Gesicht. „Fußball schafft Teamgeist, Disziplin, Ehrgeiz. Das brauchen die Kids hier, damit sie nicht an der Realität verzweifeln.“ Portia weiß, wovon sie spricht. Sie trainiert mit ihrem Team dreimal die Woche und bereitet die Kids für die Turniere vor, die an manchen Samstagen stattfinden. „Percy ist enorm engagiert. Er kommt pünktlich zu jedem Training und gibt immer sein Bestes. Nicht nur beim Fußball, sondern auch bei den Kick-It-Spielen“, lobt Portia ihren Spieler, schützend legt sie den Arm um ihn. Die Kick-It-Spiele nutzt Portia, um mit den Kindern und Jugendlichen über AIDS zu diskutieren. Sie zeigt ihnen, wie man sich schützt, dass man AIDS nicht mit bloßem Auge erkennt und dass man Infizierte nicht diskriminieren darf. Percy hat es erkannt: „Wenn ich einen dünnen und einen dicken Mann sehe, dann denke ich automatisch, dass nur der dünne AIDS haben kann. Doch das muss nicht sein. Wir urteilen nur, nach dem was wir sehen. Das ist falsch.

© Percy Mduduzi Kama im Fußball-Fieber (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Die Trainings haben Percy gezeigt, dass ihm das Leben mehr bieten kann als Drogen, Kriminalität und AIDS. Er muss sich anstrengen und herauskämpfen aus der Armut. Zwar kann der Sport alleine keine Arbeitsplätze schaffen und eine sichere Zukunft garantieren. Aber er kann persönliche Leistungen steigern. „Wenn ich erwachsen bin, möchte ich keine schlimmen Dinge tun“, sagt Percy leise. „Ich möchte kein Alkohol trinken oder rauchen. Ich möchte ein guter Mann werden.“ Sein größter Traum ist es, professioneller Fußballstar zu werden, so wie sein Idol Lionel Messi. Auch wenn er dafür barfuss oder in geliehen Schuhen kicken, auch wenn er den Bolzplatz vor jedem Turnier von Müll und Scherben befreien muss – Fußball hat Percys Leben verändert. Er hat ihn zu Slash gebracht, dem selbstbewussten starken Kicker, der Tore schießt und von allen bejubelt wird.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei CARE für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken.

Informationen zum „Kick-It Projekt“ von CARE:

http://www.care.de/suedafrika_kickit.html