Schlagwort-Archive: Fußballweltmeisterschaft

Südafrika-Ermittlungen des Bundeskriminalamtes

Im Interview mit BKA-Vizepräsident Jürgen Maurer: NSU-Terror, Rockerkriminalität & Schmuggel

(Autor: Ghassan Abid)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz und von 2005 bis 2010die Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die „Abteilung Polizeilicher Staatsschutz“ und von 2005 bis 2010 die „Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität“. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Zuallererst vielen Dank, dass Sie dem Interview die notwendige Zeit einräumen können.

Die Entwicklungen um den NSU verdeutlichen die kommunikativen Defizite zwischen den Sicherheitsbehörden. Inwiefern wird das BKA innerorganisatorische Veränderungen in Erwägung ziehen?

Antwort: Die Taten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“, kurz NSU, sind zunächst deshalb so unfassbar, Weiterlesen

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100 Jahre ANC

Ein Gastbeitrag von Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Dozent an der Universität Oldenburg

– ANC-SPEZIAL: 100 JAHRE –

© Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Dozent an der Universität Oldenburg. Musste 1975 im Widerstand gegen die Apartheid das Land verlassen, erhielt 1979 in Deutschland Asyl und hat sich 1986 einbürgern lassen.

Viele jener Stimmen und Initiativen im Gebiet des heutigen Südafrika, die sich bis vor einem Jahrhundert für ein gerechtes und gleichberechtigtes Miteinanderleben aller eingesetzt hatten, fanden sich schon 1912 in der Organisation, die heute hundertjähriges Bestehen als Afrikanischer Nationalkongress (ANC) feiert, zu einem vielseitigen und arbeitsteiligen Netzwerk zusammen. Jahrzehnte lang musste sich das weiße Minderheitsregime dann mit dieser beharrlichen Opposition und rückgratstarken Protestbewegung auseinandersetzen.

Inzwischen ist die Wegweiserin und Hoffnungsträgerin von einst zur Gesetzgeberin und Haushaltschefin geworden. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ihrer Geschichte hat die Freiheitsorganisation von einst Neuland betreten, um neue Maßstäbe zu setzen, was ihr zum Glück auch vielfach gelungen ist: Der Prozess zur Aufarbeitung der von Unrecht belasteten Vergangenheit, den sie mit der Einsetzung der Wahrheits- und Versöhnungskommission 1995-1999 in Gang gebracht hat, zählt zu jenen Initiativen, die der Menschheit neue Perspektiven friedlichen Zusammenlebens eröffnet haben und unsere Welt auch zukünftig nachhaltig prägen werden. Nicht ohne guten Grund hat das Friedensnobelpreis-Komitee schon zwei Mal in wenigen Jahrzehnten sich auf Persönlichkeiten für die Preisverleihung geeinigt, die in leitender Funktion im ANC mitwirkten – Albert Luthuli 1960 und Nelson Mandela 1993.

© Am 08. Januar 1912 wurde der "South African Native National Congress (SANNC)" im südafrikanischen Bloemfontein gegründet. 1923 ist diese Interessensgemeinschaft für die Rechte von Schwarzen in den "African National Congress (ANC)" umbenannt worden. Seit dem Ende der Rassentrennung im Jahr 1994, wird das Land fast ausschließlich vom ANC regiert.

Seitdem hat die jetzige Regierungspartei ANC bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 eine glückliche Hand bewiesen, indem sie einem ganzen Kontinent geholfen hat, sein Gesicht und seine Stimme wiederzuerlangen.Ähnliche Erfolge wünscht man Südafrikas ANC-Regierung auch heute angesichts der vielen Menschen im ‘Schwellenland’ am Kap der Guten Hoffnung, die immer noch hungern, ohne Aussicht auf eigenes Einkommen heranwachsen oder als Flüchtlinge und Machtlose in Angst leben müssen.

Eine klare konzeptionelle Stoßrichtung auf der Grundlage bewährter Positionen des Freiheitskampfes lässt die bisherige Politik der ANC-Regierungen nämlich immer noch nicht erkennen; stattdessen bestimmt eher aufwändig inszenierte neo-liberale Jonglierkunst die Richtung. Fehlgriffe und Versäumnisse werden auch im zweiten Jahrzehnt der Regierungsverantwortung nicht weniger: Die Umverteilung der Lebensgüter zugunsten der bisher unter der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen und eine konsequente Umsetzung der Landreform lassen immer noch auf sich warten. Die Pressefreiheit droht parteipolitischen Interessen geopfert zu werden; Machtmissbrauch und unverhohlene Selbstbedienung an öffentlichen Geldern und Gütern könnten bald nicht mehr zu bändigen sein. Der Staat läuft Gefahr, von der Regierungspartei instrumentalisiert und die demokratische Verfassung ausgerechnet von einer ANC-Regierung ausgehöhlt zu werden, sollte der ANC die derzeitige Linie nicht bald wieder verlassen und sich verantwortungsvoll dem Verfassungsauftrag stellen.

Die lebenserfahrene Hundertjährige könnte heute doch eigentlich so weit sein, dass sie aus sich heraus mehrere Töchter und Söhne hervorgehen lässt, die auf der Grundlage der von ihr mitgeschaffenen demokratischen Verfassung neben- und untereinander um die Gunst der Wählerschaft wetteifern und in Koalitionsregierungen auch in Zukunft dafür sorgen, dass der 1912 eingeschlagene Weg allen Menschen stets zum Wohl gereicht. “Makube njalo!” (So soll’s sein!).

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Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Systematische Theologie
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik
Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg
Ammerländer Heerstraße 114-118
D- 26129 Oldenburg
http://www.zsn.uni-oldenburg.de/39687.html

2010sdafrika-Artikel zum African National Congress:

https://2010sdafrika.wordpress.com/?s=African+National+Congress

424-Tagesbilanz zur Fußball-WM in Südafrika

Inwieweit konnte Südafrika von der WM 2010 profitieren?

(Autorin: Anne Schroeter)

Im letzen Jahr war die Aufregung groß – die erste Fußballweltmeisterschaft, die in Afrika stattfinden würde. War Südafrika bereit dieses Großevent auszutragen? Würde es nicht viel zu gefährlich sein? Ist die Organisation zuverlässig genug?

Vor der WM zeichnete sich Südafrika vor allem durch Negativschlagzeilen aus: Xenophobische Übergriffe auf Immigranten, hohe AIDS- und Kriminalitätsrate und Armut sind wohl die ersten Begriffe, die viele mit Südafrika assoziierten. All diese Fragen ließen sich relativ schnell während und noch kurz nach der WM beantworten. Shuttle-Busse von zentralen Plätzen, die zum Stadion fuhren, große neugebaute Stadien und Flughäfen, tolle Atmosphäre – wenn auch für einige zu „afrikanisch“, durch den Lärm der Vuvuzelas, Fans aus aller Welt die gemeinsam feierten. Viele Bilder erinnerten an die WM 2006 in Deutschland.

424 Tage nach der WM lässt sich nun auch eine klare Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften ziehen. Vor dem Beginn der WM wurde über hohe Kosten geklagt, für den Bau von neuen Stadien, Investitionen in die Infrastruktur und die Errichtung des neuen Gau-Trains geflossen sind.

Kurz nach der WM sagte Jacob Zuma, Präsident Südafrikas, dass die WM einen „Anfang einer besseren Zukunft für Südafrika und für ganz Afrika“ darstelle. Aber, inwieweit stimmt das? Für die WM wurden Stadien neu- und umgebaut, unter anderem das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, oft als das schönste Stadion der WM bezeichnet, das Greenpoint-Stadium in Kapstadt und Soccer City Stadium in Johannesburg. Dort werden nun andere Sportwettkämpfe ausgetragen und Konzerte (zum Beispiel Coldplay und Kings of Leon) gespielt. Während das Soccer City Stadium Profit erwirtschaftet und viele große Veranstaltungen austrägt, schreiben sowohl das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, als auch das Green-Point-Stadium in Kapstadt keine schwarzen Zahlen und gehen somit zu Lasten der Steuerzahler.

© Moses-Mabhida-Stadium in Durban (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als große Infrastrukturmaßnahmen, sind vor allem der Bau von Gau-Train und eines neuen Flughafen in Durban genannt worden. Insgesamt flossen rund 30 Mrd. Rand in die beiden obengenannten Großprojekte, den Umbau des Flughafens von Johannesburg und die Erneuerung des Straßennetzes. Die prekären Verhältnisse in den Townships dagegen, wurden kaum angegangen, und erfuhren lediglich Nebenbeachtung.

Hinzu kamen Investitionen in Stadionneu- und -umbau sowie in die Sicherheit. Insgesamt wurden ca. 43 Mrd. Rand investiert, jedoch nur 13 Mrd. Rand Einnahmen verzeichnet, es entstand also ein Defizit von ca. 30 Mrd. Rand. Trotzdem hatte die WM auch eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum, das um 0,5% gestiegen ist. Dieses geringe Wachstum lässt sich jedoch direkt mit der WM in Zusammenhang bringen und zeugt nicht unbedingt von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, sowohl für die Bevölkerung als auch für Investoren. Zumindest die 500.000 Arbeitsplätze, die in der Baubranche entstanden waren, konnten für einige Zeit, vielen Familien das Leben erleichtern. Die meisten dieser Stellen waren Bauarbeiterstellen, die oft an Beschäftigte aus einkommensschwachen Familien vergeben werden. Hinzu kommt, dass in Südafrika weit mehr Personen von einem Gehalt ernährt werden, als es in Europa üblich ist.

Inwiefern der Neubau von Gau-Train und Flughäfen für die Bevölkerung Südafrikas von Nutzen ist, lässt sich relativ einfach sagen: Der überwiegende Großteil der Südafrikaner wird in naher Zukunft nicht in die Bedrullie kommen, zum Flughafen fahren zu müssen, und dafür den Gau-Train zu nutzen, um dann an einem super-modernen Flughafen abzufliegen.

© Der einfache Bürger profitiert kaum von einer WM (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Volk, insbesondere unter den Schwarzen ist es der beliebteste Sport. Klar, dass viele Südafrikaner versuchen wollten, während der WM ein kleines wirtschaftliches Wunder zu erleben und liebevoll selbstgemachte Fußball-Souvenirs verkaufen wollten. Dies wurde ihnen schnell untersagt. Lediglich offizielle FIFA-Fan-Artikel durften in und in der Nähe der Stadien verkauft werden, sodass Händler gezwungen waren an weniger geeigneten Orten ihr Handwerk zu verkaufen. Dies sorgte für Abneigung gegenüber der FIFA, und der Ansicht, dass sie die höchsten Gewinne einnehmen würde.

Als nachhaltigen Gewinn der WM, ist das youthzones-Projekt zu nennen. Davon gibt es 13 verteilt in ganz Südafrika, und jeweils eins in Mozambik und Zimbabwe. Diese Youth Zones haben das Ziel durch Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere durch die Vermittlung von Computerkenntnissen und sogenannten Life-Skills, wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Konfliktschlichtung, Teamwork, Gesundheit und ähnlichem. Dadurch sollen die Kinder Selbstvertrauen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, dass es ihnen später ermöglicht ein erfolgreiches, und vor allem kriminell-freies, Leben zu leben.

Ähnliche Projekte, wie das der Youth Zones, wurden auch zu anderen Themengebieten initiiert, wie zum Beispiel Bildung, Umweltbewusstsein sowie –erhaltung und andere. Diese werden teilweise von der FIFA oder dem südafrikanischen Organisationskomitee in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführt.

Kurz nach Ende der WM in Südafrika, wurde die Entstehung eines Fonds angekündigt. Dieser nennt sich Legacy Trust Fond und verfügt über insgesamt 100 Millionen Dollar, von denen bereits 20 Millionen Dollar vor Beginn der WM in den Bau einer neuen Geschäftsstelle für den Südafrikanischen Fußballverband (SAFA) flossen. Die verbleibenden 80 Millionen Dollar sollen nun zur weiteren positiven Entwicklung genutzt werden. Verwaltet wird der Fonds vom Beratungsunternehmen ´Ernst and Young´, geleitet von Vertretern von FIFA, SAFA, der südafrikanischen Regierung und privaten Investoren. Sie entscheiden, welche gemeinnützigen Projekte Zuschüsse für die Durchführung von sozialen Projekten erhalten.

Die WM in Südafrika hat die Einstellung vieler Touristen gegenüber dem Land verändert. Die niedrige Anzahl von Gewaltvorkommen, über die sich vorher so gesorgt wurde, brachte dem Land großes Vertrauen und Respekt ein. Viele Besucher der WM würden gerne wieder nach Südafrika fliegen (96%) oder ihren Freunden Südafrika als Reiseland empfehlen (94%). Dieser Reputationsgewinn kann sich noch lange auf Südafrikas Tourismus auswirken, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, und somit langfristig einen positiven Effekt auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes haben.

Außer einem Überfall auf Journalisten zu Beginn der WM, beschränkten sich die Vorfälle, die direkt mit dem Turnier in Verbindung zu bringen waren auf Diebstähle und ähnliche Delikte. An den 25 Spieltagen der WM, besuchten insgesamt 3.082.514 Besucher die Stadien. 704 Vorfälle wurden der Polizei gemeldet, die sich in einem 1,5 Kilometerradius um die Stadien herum zugetragen hatten. Das bedeutet, dass nur 0,02% der Besucher von Kriminalität betroffen waren. In den Stadien wurden im gleichen Zeitraum 290 Vorfälle gemeldet, so dass nur 0,009% der Besucher im Stadion kriminelle Erfahrungen machen mussten. Auch die Zahlen der Fan-Feste-Besucher liegen ähnlich tief, wie die der Stadionbesucher (0,13% im 1,5 Kilometerradius; 0,005% im Fan-Fest).

Somit hat sich auch der Ausspruch des südafrikanischen Polizeichefs, Jackie Selebi, vor der WM bestätigt, dass die WM problemlos kommen und gehen werde. Außerdem hatte Südafrika schon vor der WM viele große Sportereignisse ausgerichtet, so zum Beispiel Cricket -und Rugby-Weltmeisterschaften, oder Spiele der indischen Cricket-Liga, die aus Sicherheitsgründen nach Südafrika verlegt worden waren. Durch den zusätzlichen Einsatz von 44.000 neu ausgebildeten Polizisten und der Schaffung spezieller WM-Gerichte konnten Straftaten verhindert, beziehungsweise schnell aufgeklärt und Täter zeitnah verurteilt werden.

Gerade die positiven Kriminalstatistiken der WM beweisen, dass Touristen in Südafrika nicht mehr gefährdet sind, als an anderen Urlaubszielen. Mit den richtigen Verhaltensregeln und guter Vorbereitung, lässt es sich dort wunderbar urlauben, ohne sich selber in Gefahr zu bringen

Doch so drastisch, wie sich unser Empfinden gegenüber Südafrika verändert hat, so stark haben sich auch die Hoffnungen der Südafrikaner an die WM gewendet. Während der Vorbereitungen für das Turnier, hatte die Mehrheit der Südafrikaner angegeben, dass die WM vor allem die wirtschaftliche Lage verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde. Am Ende des Turniers, sah dies anders aus. Die meisten der Befragten waren der Meinung, dass die FIFA der größte Profiteur der WM sei, gefolgt von „den Reichen“ und Unternehmen. Mit der Frage nach Nationalgefühl und dem Zusammenwachsen der Bürger, stellte es sich anders herum dar. Vor Beginn der WM dachten lediglich 2-4%, dass sich die WM positiv auf das gemeinsame Nationalgefühl auswirken könnte, nach der WM ist durch alle ethnischen, sozialen und wirtschaftlichen Schichten hindurch, die Meinung vertreten worden, dass die WM einen positiven Effekt hatte, mehr noch als auf das wirtschaftliche Vorankommen des Landes.

Schon während der WM, und auch kurz danach noch, wurde eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas diskutiert. Diese wurden nun doch erst mal wieder auf Glatteis gelegt. Offiziell lautet die Erklärung, dass man sich zunächst auf die Versorgung aller mit Wasser und Strom und die einhergehende Armutsbekämpfung konzentrieren wolle. Hätte die Fußball-WM den erhofften wirtschaftlichen Effekt gehabt, dann würde man gerne wieder ein sportliches Großereignis ausrichten, um somit die Probleme im Lande schneller angehen zu können.

So, wird der Wunsch nach einem weiteren Riesenevent, den viele Südafrikaner, den besonders die wirtschaftlich und sozial schwächer angesiedelten Bürger hegen, zunächst ein Traum bleiben. Aber zwischen der Arbeit für eine bessere Zukunft des Landes, ist es erlaubt zu Träumen, um seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Artikel basiert auf die Präsentationsprüfung zum Abitur (Mai 2011) von Konstantin Schroeter.

2010sdafrika-Artikel zum FIFA-Südafrika-Verhältnis:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel zu WM-Ausgaben:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Zwei Jahre Präsidentschaft Jacob Zuma

Ein Südafrika-Veranstaltungsbericht im Berliner Afrikakreis

(Autor: Martin Hiebsch)

Hat Jacob Zuma die hohen an ihn gestellten Erwartungen bisher erfüllen können? Wie ist Südafrika durch die Weltwirtschaftskrise gekommen? Ist die Demokratie intakt und hat sich die Lage der Armen im Land verbessert?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion des Berliner Afrikakreises am 08. März 2011 um 19.00 Uhr im Afrikahaus in Berlin. Die Diskutanten waren Dr. Helmut Orbon, Leiter des Programms Unterstützung von Frieden, Sicherheit, und Good Governance in der SADC-Region in Gaborone, Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Sozialwissenschaftler und Dozent an der Universität Oldenburg und Lothar Berger, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Informationsstelle Südliches Afrika in Bonn. Moderiert wurde die Veranstaltung von Konrad Melchers, dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift „Entwicklungspolitik“.

© Südafrika-Debatte im Afrikahaus Berlin

© Diskutanten im Gespräch

Das herausragendste Ereignis in Südafrika der letzten zwei Jahre sei mit Sicherheit die FIFA-Fußballweltmeisterschaft gewesen, sagte Dr. Orbon zu Beginn der Veranstaltung. Die vorbildliche Organisation und Durchführung des Ereignisses habe gezeigt, dass das Land am Kap in der Lage sei Großprojekte stemmen zu können – auch entgegen der Erwartungen vieler westlicher Industriestaaten.

Auf der anderen Seite hinterließ die WM einen faden Nachgeschmack im eigenen Land. Eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent und 14 Millionen Sozialhilfeempfänger sind noch immer die Realität in Südafrika. Das erhoffte Wirtschaftswachstum blieb aus und die Ungleichheit zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen hat, im Vergleich zur Apartheid, sogar weiter zugenommen. Während die Lebenserwartung seit den neunziger Jahren stetig fällt, war Südafrika im letzten ja sogar erstmals Netto-Exporteur von Lebensmitteln.

Viele Südafrikaner fragen sich, warum Milliarden an Summen in ein Sportereignis investiert werden können, während die sozialen Probleme im Land aber die gleichen bleiben. Zwar habe es verschiedene Programme zur Umverteilung und Fortschritte in der Bekämpfung von HIV/ Aids gegeben, das eigentliche Problem der Aus- und Weiterbildung der zu großen Teilen unzureichend gebildeten Bevölkerung, bleibe jedoch weiter bestehen, ergänzte Dr. Khumalo-Seegelken.

Zuma werde sich an den Arbeitslosenzahlen messen lassen müssen, seinem Hauptwahlkampfthema vor 2 Jahren und das von ihm immer wieder aufgegriffenen Kernproblem des Landes, erklärte Orbon. Bisher sind seine Erfolge auf diesem Gebiet eher bescheiden. Zwar ist die Arbeitslosenquote zwischen 2003 und 2008 leicht gesunken, mit Beginn der Wirtschaftskrise und trotz WM stieg sie seit 2009 allerdings wieder an.

Als besonders problematisch befindet Orbon, dass 51 Prozent der 15 bis 24 Jährigen und über 60 Prozent der schwarzen Frauen ohne Arbeit sind. Für eine grundlegende Veränderung der Beschäftigungspolitik seien neben dem Anstieg der öffentlichen Investitionen, vor allem auch eine bessere Koordinierung zwischen den Regierungsressorts und ein gut funktionierender öffentlicher Dienst notwendig. Afrikaner und Farbige – die als „neue Elite“ aufgestiegen sind – profitieren vom vorhandenen Reichtum, statt neue Produkte oder Unternehmen zu schaffen, kritisierte Lothar Berger. Das Einwanderer aus anderen Ländern die qualifizierten Stellen auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt besetzen ist eine logische Folge des Fachkräftemangels, führt allerdings zu Rassismus und immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf afrikanische Einwanderer – vor allem auf jene Ausländer aus dem Nachbarland Simbabwe.

Laut Orbon sei unterm Strich – seit dem Wechsel von Thabo Mbeki zu Jacob Zuma an der Staatsspitze- keine große Politikverschiebung in Südafrika zu beobachten gewesen. War die Machtübernahme Zuma’s lange Zeit als Durchsetzung des linken Flügels innerhalb des ANC gesehen worden, zeigt die Realität eine Fortführung der unter Mbeki praktizierten neoliberalen Wirtschaftspolitik. Zuma habe sich aber bisher als Integrationsfigur zwischen den verschiedenen ANC-Gruppierungen etablieren können und dafür gesorgt, dass es trotz vieler unterschiedlicher Ansichten innerhalb der Partei relativ ruhig geblieben ist.

Das der Regierungssprecher Jimmy Manyi kürzlich die stärkere Verteilung von farbigen und asiatischstämmigen Südafrikanern über das Land forderte und die Bevölkerungskonzentration dieser Gruppen im Western Cape und in Kwa-Zulu Natal kritisierte, löste jedoch eine Diskussion aus, die selbst Zuma nicht so schnell beenden konnte. „Wenn es dem Präsidenten nicht gelingt, die Partei zur Ordnung zu rufen und zusammen zu halten, kommen schwere Zeiten auf Südafrika zu“, fasste Orbon die derzeitige Situation im Land zusammen.

Trotz Meinungsverschiedenheiten innerhalb des ANC und anhaltender sozialer Probleme, stellten die drei Podiumsgäste dem Land kein besorgniserregendes Zeugnis aus. Südafrika sei gefestigt und stabil genug, um den derzeitigen Abwärtstrend wieder zu stoppen. Dabei sei es wichtig langfristige Ziele zu formulieren und an den eigenen Prinzipien festzuhalten, so Orbon. Mehr Mut der politischen Akteure, nun unterschiedliche Meinungen zu formulieren, würde die Demokratie fördern und einen breiteren Dialog ermöglichen; auch außerhalb der politischen Elite des ANC.

Auch Zuma müsse von seiner Rolle des Vermittlers abrücken und klare politische Stellungen beziehen. Die jüngste Erkrankung Nelson Mandelas und das damit empfundene Gefühl der Führungslosigkeit innerhalb der Bevölkerung habe gezeigt, dass es Zuma an der wichtigsten Funktion eines Präsidenten mangelt – die Fähigkeit den Menschen eine Perspektive zu geben.

Freshlyground – Südafrikas Musikexport

Freshlyground im Interview über Bandgeschichte, Musik und Deutschland

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Wer sich mit südafrikanischer Musik beschäftigt, der stößt relativ schnell auf „Freshlyground“, einer äußerst heterogen Band in vielerlei Hinsicht. Mit Afropop konnten diese Musiker (Zolani Mahola, Simon Attwell, Peter Cohen, Kyla Rose Smith, Julio „Gugs“ Sigauque, Josh Hawks und Seredeal „Shaggy“ Scheepers) den Geschmack vieler Musikfans aus Südafrika und dem Ausland treffen, sodass Freshlyground als Südafrikas Musikexport bezeichnet werden kann. Wir durften mit der Band sprechen.

© Freshlyground

2010sdafrika-Redaktion: Wir wollen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die populäre Band „Freshlyground“ begrüßen. Lasst uns zum Anfang zurückblicken: Freshlyground wurde 2002 gegründet und Ihr seid alle aus unterschiedlichen Generationen und habt verschiedene kulturelle Hintergründe. Erzählt mir etwas über diese multikulturelle Konstellation, wie habt Ihr Euch kennengelernt und warum wolltet Ihr die Band formieren?

Antwort: Wir haben uns alle um das Jahr 2002 in Kapstadt getroffen. Sieben Leute von uns sind in der Band. Wir haben verschiedene kulturelle Wurzeln und kommen aus verschiedenen Teilen des südlichen Afrikas sowie aus Mosambik und Simbabwe. Wir sind zudem unterschiedlichsten Alters, sodass dieser Mischmasch zur Vielfältigkeit unserer Gruppe beiträgt.

2010sdafrika-Redaktion: Hat Euer Name „Freshlyground“ eine besondere Bedeutung?

Antwort: Ich denke, dass wir in den 8 gemeinsamen Jahren mehr und mehr zu unserem Namen gekommen sind … bestrebt einen Sound zu schaffen, der einzigartig und sogar noch mit unserem Kontinent – Afrika – verbunden ist.

2010sdafrika-Redaktion: Wie würdet Ihr die Musik beschreiben, die Ihr macht?

Antwort: Afropop…ein Mix aus verschiedensten Elementen, jedoch unter einem starken afrikanischen Einfluss und einer Sensibilität für Pop.

2010sdafrika-Redaktion: Versucht Ihr mit eurer Musik eine bestimmte Botschaft zu vermitteln? Oder ist das Hauptziel die Leute unterhalten und Ihnen ´´eine schöne Zeit zu geben„?

Antwort: Wir versuchen nicht etwas spezielles zu machen, aber ich denke, dass wir sehr sozial und politisch bewusste Individuen sind. Beschäftigt mit Situationen um uns herum und wie diese uns betreffen. Und ich denke, dass diese Themen in unserer Musik widergespiegelt werden. Ebenso wie die Liebe zu sich selbst und zu anderen. Wir möchten unserem Publikum einfach eine gute Zeit bescheren … dass die Leute mitsingen … und tanzen.

2010sdafrika-Redaktion: Ihr seid derzeit einer der berühmtesten, wenn nicht sogar DER berühmteste und erfolgreichste Musikexport Südafrikas. Ihr habt bereits einige Preise gewonnen, reist durch die Welt und Ihr habt mit Shakira den Song zur diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in Südafrika aufgeführt. Habt Ihr jemals solch einen Erfolg erwartet und was denkt Ihr ist der Grund dafür? Warum lieben die Menschen Eure Musik so sehr?

Antwort: Ich denke nicht, dass wir diesen Erfolg erwartet haben, jedoch haben wir sehr hart hierfür gearbeitet und Gott segnete uns auf diesem Weg mit Glück. Ich denke wir sind aufrichtig und das ist auch der Aspekt, weshalb wir so viele verschiedene Menschen erreichen.

Freshlyground in Concert, Song: Ma´Cheri

2010sdafrika-Redaktion: Freshlyground – Ihr seid eine multikulturelle Band, die in unterschiedlichen Sprachen singt….Eigentlich scheint Ihr Südafrika, die sogenannte Regenbogennation, zu repräsentieren. Seht Ihr Euch als ein Musterbeispiel für das südafrikanische Volk oder seid Ihr eines für sie?

Antwort: Ich bin nicht nicht der Meinung, dass jemand über alle Menschen stehen möchte. Und wir machen einfach das, was uns Spaß macht sowie ist es eine wunderbare Sache, wenn somit so viele andere Menschen glücklich gemacht werden.

2010sdafrika-Redaktion: Wo seht Ihr Freshlyground in ungefähr zehn Jahren und was sind Eure Ziele?

Antwort: Ich denke, wir würden gerne eine komplette Unabhängigkeit erlangen wollen.Vielleicht die Fähigkeit ein paar Monate im Jahr zusammenzukommen, um Musik zu konzipieren und einige Auftritte zu geben. Uns selber glücklich und zufrieden zu halten, ohne sich bis zur Erschöpfung verausgaben zu müssen. Es gibt noch so viel, dass man erreichen kann…Weltherrschaft!

2010sdafrika-Redaktion: Welche Rolle spielt Deutschland und die deutsche Öffentlichkeit bei euren Bandaktivitäten?

Antwort: Das deutsche Publikum hat uns in den vergangenen vier oder fünf Jahren super unterstützt. Und wir verweilen während unserer etwa 3-Monatstournee in Europa oft in Deutschland.

2010sdafrika-Redaktion: Freshlyground, Afropop-Band aus Südafrika, vielen Dank für das Interview – ngiyabonga, danki and ke a leboga!

2010sdafrika-Artikel zum Musikprojekt „SHOUT SA“, an welchem auch Freshlyground beteiligt ist:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/10/20/musik-elite-sagt-kriminalitat-den-kampf-an/

Webseite von Freshlyground:

http://www.freshlyground.com/

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Interview with Freshlyground  about band story, music and Germany

(Editor: Annalisa Wellhäuser)

Who is dealing with South African music, will encounter rapidly „Freshlyground“, an acutely band in many senses. With Afro pop this band (Zolani Mahola, Simon Attwell, Peter Cohen, Kyla Rose Smith, Julio „Gugs“ Sigauque, Josh Hawks und Seredeal „Shaggy“ Scheepers) is meeting the taste of many music fans from South Africa and abroad. Freshlyground could be tagged as South Africas music export. We had the possibility to speak with this band.

© Freshlyground

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome the popular band „Freshlyground“ on our German gateway to South Africa, „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Let us start at the beginning: Freshlyground came into existence in 2002 and all of you are from different generations and have diverse cultural backgrounds. Tell me about this multicultural constellation, how did u meet and what was the reason you wanted to form the band?

Answer: We all met in Cape Town around 2002. There are seven of us in the band. We are from diverse cultural backgrounds and different parts of Southern Africa as well as Mozambique and Zimbabwe. We are also of varying ages so all this mish mash contributes to the diversity of our group.

2010sdafrika-editorial staff: Does your name „Freshlyground„ have a special meaning?

Answer: I think that over the 8 years we have been together we have more and more become our name … wanting to create a sound that is unique and yet also routed in our continent, Africa.

2010sdafrika-editorial staff: How would you describe the kind of music you are playing?

Answer: Afro pop….a mix of many different things but with a strong African influence as well as pop sensibility.

2010sdafrika-editorial staff: Do you try to convey a certain message with your music? Or is your aim mainly to entertain the people and to ´´give them a good time„?

Answer: We don’t try to do anything specifically but I think we are very socially/politically aware individuals. Concerned with situations around us and how they affect us. And I think that these themes do crop up in our music. As well as a strong message of love of self and others. We also just like to give our audience a very good time … a good sing along … a great dance.

2010sdafrika-editorial staff: You are currently one of the most famous, if not THE most famous and successful music „export„ from South Africa. You have already won several awards, you are touring the world and it was you who made the song for this years world cup, which you performed together with Shakira. Have you ever expected to have such a success and what do you think is the reason for it? Why do people love your music so much?

Answer: I don’t think we expected the success but we have worked very hard for it as well as being blessed with good luck on the way. I think we are sincere and that is why we appeal to so many different kinds of people.

2010sdafrika-editorial staff: Freshlyground – You are multicultural and you sing in different languages … Actually you seem to represent South Africa, so-called rainbow-nation, do you see yourselves as a kind of example for the South African people, or would you like to be one for them?

Answer: I don’t think anyone wants to be everything for all people. And we are mearly doing what makes us happy and it is a wonderful thing that it makes so many other people happy as well.

2010sdafrika-editorial staff: Where do you see Freshlyground in about 10 years time and what are your aims that you still want to achieve?

Answer: I think we would like to achieve total independance. Perhaps the ability to come together just for a few months a year to write music and do a few shows a year. Keep ourselves happy and fulfilled while not burning out. There are so many things we can still achieve…..world domination!

2010sdafrika-editorial staff: Which role is Germany as well as the German public taking in your band activities?

Answer: The German audience has supported us fantastically for the last four or five years and we spend about 3 months a year touring in Europe and a lot of that time is in Germany.

2010sdafrika-editorial staff: Freshlyground, afropop band from South Africa, thank you very much for the interview – ngiyabonga, danki and ke a leboga!

Website of Freshlyground:

http://www.freshlyground.com/