Schlagwort-Archive: Gastbeitrag

Long Live Nelson Mandela!

Ein Gastbeitrag von Dieter W. Haller, deutscher Botschafter in der Republik Südafrika von 2007-2011

(Ein Exklusiv-Artikel des Diplomaten Dieter W. Haller)

– MANDELA-Spezial –

© Dieter W. Haller befindet sich zurzeit in Johannesburg und nahm als Privatperson an den Trauerfeierlichkeiten von Nelson Mandela teil. Der Diplomat war von 2007 bis 2011 Deutschlands Botschafter in der Republik Südafrika. Für die Redaktion von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" verfasste Haller einen Exklusiv-Gastbeitrag zu Madiba. (Quelle: Auswärtiges Amt)

© Dieter W. Haller befindet sich zurzeit in Johannesburg und nahm als Privatperson an den Trauerfeierlichkeiten von Nelson Mandela teil. Der Diplomat war von 2007 bis 2011 Deutschlands Botschafter in der Republik Südafrika. Für die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ verfasste Haller einen Exklusiv-Gastbeitrag zu Madiba. (Quelle: Auswärtiges Amt)

Südafrika trauert und die ganze Welt trauert mit. Wir alle spüren: Hier geht ein einmaliger Mensch, ein ganz „Großer“ des 20. und 21. Jahrhunderts.

Überwältigende Beischeidenheit, feste Hartnäckigkeit, visonärer Pragmatismus, vor allem aber sein unbändiger Sinn für Gerechtigkeit und Versöhnung werden unauslöschlich mit Mandela verbunden bleiben. Mit dieser Haltung hat er dem so lange gespaltenen und zerrissenen Land am Kap Einheit und Freiheit gebracht. Er hat damit auch den Weg für eine gedeihliche Entwicklung auf dem ganzen afrikanischen Kontinent geebnet.

Mandelas Humanismus werden für immer Vermächtnis und Auftrag an die Nachgeborenen bleiben.

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Engagement gegen Rassismus

Von Neo-Nazis in Deutschland zu Rassisten in Südafrika. Ein Weckruf zum Handeln

(Ein Exklusiv-Gastbeitrag von Schauspieler Björn Harras)

Redaktionelles Vorwort: Deutsche Rechtsextreme und südafrikanische Rassisten unterhalten enge Beziehungen zueinander. Mehrere Recherchen unserer Redaktion verdeutlichten die intensiven bilateralen Beziehungen. Björn Harras möchte mit diesem Gastbeitrag auf die Gefahr von Rechts hinweisen.

    © Schauspieler Björn Harras verfasste für "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" einen Gastbeitrag zum Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Hintergrund sind deutsch-südafrikanische Verbindungen des politischen Extremismus. Der Berliner ist mit seiner einstigen Rolle als "Patrick" in der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" national bekannt worden. Zurzeit widmet sich Harras dem Theaterschauspiel. (Quelle: Gerlind Klemens)

© Schauspieler Björn Harras verfasste für „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ einen Gastbeitrag zum Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Hintergrund sind deutsch-südafrikanische Verbindungen des politischen Extremismus. Der Berliner ist mit seiner einstigen Rolle als „Patrick“ in der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ national bekannt worden. Zurzeit widmet sich Harras dem Theaterschauspiel. (Quelle: Gerlind Klemens)

Eigentlich sollte ich einen Artikel über den Zusammenhang von Neo-Nazis in Deutschland und Rassisten in Südafrika schreiben. Allerdings war mir bis zu dem Zeitpunkt, als ich diese Anfrage bekam, ein solcher Zusammenhang völlig unbekannt. Nach vielen Recherchen und einigen schockierenden Momenten wurde mir klar, dass dieses Thema so komplex ist, dass ich keinesfalls in der Lage bin etwas Fundiertes dazu zu schreiben.

Viel zu schockierend sind die Zusammenhänge zwischen südafrikanischen Rassisten und deutschen Rechtsextremisten. Die Rechtsextremen ziehen mordend und plündernd durchs Land. Der Rassismus tritt alltäglich auf. Nicht erst seit der Aufdeckung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Deshalb habe ich beschlossen etwas über die prinzipiellen Probleme von Rassismus zu schreiben.

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Wahlen in Simbabwe

1:0 für Wahlbetrüger Robert Mugabe. Die Talfahrt geht weiter!

(Ein Kommentar von Ralph M. Ertner, Into SA Pretoria)

Es ist dem Wahlbetrugs-Regime in Simbabwe erneut gelungen. Mit der Unterstützung der wenigen Stimmen des verblendeten Gefolges und unter Ausschluss von über einer Million Wahlzettel derer – daheim wie im Exil – die gerne für eine wirtschaftlich hoffnungsvolle Zukunft gestimmt hätten, setzt der kranke Tyrann des südlichen Afrikas sein unheilvolles Kasperletheater weiter fort, um auch noch die letzten Quäntchen Saft aus einem ruinierten Land zu pressen, das einst den Neid der afrikanischen Staatengemeinschaft an sich zog.

© Robert Mugabe hat die Wahlen in Simbabwe nach offzieller Darstellung der Regierung gewonnen. Ralph M. Ertner von der Beratungsgesellschaft "Into SA Pretoria" kommentiert die Entwicklung in Harare. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Robert Mugabe hat die Wahlen in Simbabwe nach offzieller Darstellung der Regierung gewonnen. Ralph M. Ertner von der Beratungsgesellschaft „Into SA Pretoria“ kommentiert die Entwicklung in Harare. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Bundeswirtschaftsminister Rösler in Südafrika

Mehr Kooperation und weniger Korruption & weniger Bürokratie und mehr Mittelstand

(Autor: Ghassan Abid)

In südafrikanischen Wirtschaftskreisen wird Deutschland gerne als „Gigant am Kap“ bezeichnet. Diese Metapher beschreibt den Geltungsrang deutscher Unternehmen für die südafrikanische Volkswirtschaft. Dr. Philipp Rösler, Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, verfasste einen am 5. Oktober 2012 veröffentlichten Gastbeitrag für die Pretoria News und griff diesen Status quo auf. Er untermauert den Wunsch eines Ausbaus der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Am 4. Oktober 2012 hielt sich Rösler anlässlich des 60. Geburtstags der AHK Südliches Afrika, welche nach eigenen Angaben über 500 Mitglieder zählt, am Kap auf.

© Dr. Philipp Rösler (hier Archivbild), Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, hielt sich am 4. Oktober 2012 in Südafrika auf. Er fordert mehr Wirtschaftskooperation zwischen Deutschland & Südafrika und weniger Bürokratie und Korruption. Vor allem die Probleme des deutschen Mittelstands hat er angesprochen. (Quelle: flickr/ INSM)

© Dr. Philipp Rösler (hier Archivbild), Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, hielt sich am 4. Oktober 2012 in Südafrika auf. Er fordert mehr Wirtschaftskooperation zwischen Deutschland & Südafrika und weniger Bürokratie und Korruption. Vor allem die Probleme des deutschen Mittelstands hat er angesprochen. (Quelle: flickr/ INSM)

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Projekt Earthship am Ostkap

In Südafrika aufgehalten, um die Idee von Sozialunternehmen zu unterstützen. Ein Gastbeitrag.

(Autorin: Melanie Akerboom)

Seitdem ich 2009 für ein Auslandssemester und ein anschließendes Praktikum in der Gemeindeentwicklung in Südafrika war, zieht es mich immer wieder zurück. Diesmal hatte ich beschlossen meine Masterarbeit über Südafrika und sogenannten „Sozialunternehmen“ zu schreiben und verschiedene Unternehmen persönlich zu besuchen. Die meiste Zeit habe ich in Port Alfred verbracht, einem kleinen Küstenort am Ostkap, in dem ich damals studiert und mein Praktikum absolviert habe. Das Foto ist im Nelson Mandela Township (Nemato) entstanden, bei dem ich zwei meiner Freunde mit ihrem Uni-Projekt unterstützt habe.

© Melanie Akerboom absolvierte 2009 ein Auslandssemester und ein Praktikum am Ostkap. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Sozialunternehmen in Südafrika, worüber ihre Masterarbeit handelt. Im Nelson Mandela Township (Nemato) kam es zum Foto mit den Kindern.

© Melanie Akerboom absolvierte 2009 ein Auslandssemester und ein Praktikum am Ostkap. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Sozialunternehmen in Südafrika, worüber ihre Masterarbeit handelt. Im Nelson Mandela Township (Nemato) kam es zum Foto mit den Kindern.

Das „Earthship“ ist ein Haus das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird; im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Meine Freunde hatten die Aufgabe bekommen ein Gebäude eines Kinderhorts im Township wieder aufzubauen, nachdem es zusammengefallen ist. Sie sind durch Internetrecherchen auf die Idee mit dem „Earthship“ gekommen und haben es zusammen mit der lokalen Bevölkerung gebaut. Somit haben diese neue Kenntnisse gelernt und sich aktiv in der Entwicklung des Townships beteiligt. Das Gute an der Bauweise ist, es ist nicht nur preisgünstig, sondern auch stabil gegen Wind und Wetter. Immer wieder kamen neugierige Leute auf die Baustelle, haben meine Freunde mit Fragen gelöchert und sie für die gute Idee und Tat gelobt. Ich bin gespannt, ob es in ein paar Jahren noch mehr von diesen „Earthships“ in Port Alfred gibt.

Die Kinder auf dem Foto haben mir geholfen Flaschen, die wir von einer Cocktailbar und der Uni gesammelt haben, zu reinigen. Die Kinder lieben es wenn sie helfen können, Aufmerksamkeit bekommen und etwas Spannendes erleben. Sie lieben es auch für Fotos zu Posen und können kaum genug davon bekommen.

Was ich bisher über Südafrika gelernt habe ist, dass es das Beste ist den Leuten vor Ort was beizubringen. Das kann von einfachen Computerfähigkeiten, Nachhilfe in Mathematik oder Wissenschaftslehre bis zum Fördern vom kritischen Denken reichen. Eigenschaften, die sie für ihre Zukunft gebrauchen können und tausend Mal mehr wert sind als gespendete Klamotten und Gelder. Heutzutage wird immer mehr von Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen.

    © Das „Earthship“ in Port Alfred ist ein Haus, das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird - im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Dieses Projekt des Sozialunternehmens Entrepreneurship-Center soll sozial oder umweltfreundlich zum Wohle der Gemeinde eingesetzt werden.

© Das „Earthship“ in Port Alfred ist ein Haus, das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird – im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Dieses Projekt des Sozialunternehmens Entrepreneurship-Center soll sozial oder umweltfreundlich zum Wohle der Gemeinde eingesetzt werden.

Von daher unterstütze ich vollkommen die Idee von einem Sozialunternehmen. Ein Sozialunternehmen ist ein Unternehmen das zum primären Ziel hat, sich sozial oder umweltfreundlich einzusetzen. In der Regel wird überschüssiges Einkommen wieder in das Unternehmen reinvestiert oder aber in andere Projekte gesteckt. Es gibt sehr verschiedene Auffassungen und es bedarf momentan noch an einer einstimmigen Definition. Es kann ein Unternehmen sein, das ein Produkt oder eine Leistung für einen Preis anbietet, den sich die lokale Bevölkerung leisten kann. Dies passiert zum Beispiel im Entrepreneurship-Center in Nemato. Dort werden unter anderem Computerkurse angeboten die den Teilnehmern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt verhelfen und dabei in ihrem Budget liegen. Das gesamte Einkommen wird wieder in das Unternehmen gesteckt, damit es sich selbst tragen kann – es ist also für einen gemeinnützigen Zweck.  

Was ich jedem der sich für Land und Leute in Südafrika interessiert empfehlen kann, ist sich auch mal die kleinen Orte anzuschauen. Es ist wie bei uns doch noch was Anderes als ein Stadtleben und zudem trifft man an diesen Orten eher auf die einheimische Bevölkerung. Interessant ist, dass Touristen doch öfters neugieriger sind, das Leben in den Townships kennenzulernen als es ein Großteil der weißen Bevölkerung ist. Auch sehr empfehlenswert sind sogenannte „game drives“, besser bekannt als Safaris. Ich liebe sie.

100 Jahre ANC

Ein Gastbeitrag von Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Dozent an der Universität Oldenburg

– ANC-SPEZIAL: 100 JAHRE –

© Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Dozent an der Universität Oldenburg. Musste 1975 im Widerstand gegen die Apartheid das Land verlassen, erhielt 1979 in Deutschland Asyl und hat sich 1986 einbürgern lassen.

Viele jener Stimmen und Initiativen im Gebiet des heutigen Südafrika, die sich bis vor einem Jahrhundert für ein gerechtes und gleichberechtigtes Miteinanderleben aller eingesetzt hatten, fanden sich schon 1912 in der Organisation, die heute hundertjähriges Bestehen als Afrikanischer Nationalkongress (ANC) feiert, zu einem vielseitigen und arbeitsteiligen Netzwerk zusammen. Jahrzehnte lang musste sich das weiße Minderheitsregime dann mit dieser beharrlichen Opposition und rückgratstarken Protestbewegung auseinandersetzen.

Inzwischen ist die Wegweiserin und Hoffnungsträgerin von einst zur Gesetzgeberin und Haushaltschefin geworden. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ihrer Geschichte hat die Freiheitsorganisation von einst Neuland betreten, um neue Maßstäbe zu setzen, was ihr zum Glück auch vielfach gelungen ist: Der Prozess zur Aufarbeitung der von Unrecht belasteten Vergangenheit, den sie mit der Einsetzung der Wahrheits- und Versöhnungskommission 1995-1999 in Gang gebracht hat, zählt zu jenen Initiativen, die der Menschheit neue Perspektiven friedlichen Zusammenlebens eröffnet haben und unsere Welt auch zukünftig nachhaltig prägen werden. Nicht ohne guten Grund hat das Friedensnobelpreis-Komitee schon zwei Mal in wenigen Jahrzehnten sich auf Persönlichkeiten für die Preisverleihung geeinigt, die in leitender Funktion im ANC mitwirkten – Albert Luthuli 1960 und Nelson Mandela 1993.

© Am 08. Januar 1912 wurde der "South African Native National Congress (SANNC)" im südafrikanischen Bloemfontein gegründet. 1923 ist diese Interessensgemeinschaft für die Rechte von Schwarzen in den "African National Congress (ANC)" umbenannt worden. Seit dem Ende der Rassentrennung im Jahr 1994, wird das Land fast ausschließlich vom ANC regiert.

Seitdem hat die jetzige Regierungspartei ANC bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 eine glückliche Hand bewiesen, indem sie einem ganzen Kontinent geholfen hat, sein Gesicht und seine Stimme wiederzuerlangen.Ähnliche Erfolge wünscht man Südafrikas ANC-Regierung auch heute angesichts der vielen Menschen im ‘Schwellenland’ am Kap der Guten Hoffnung, die immer noch hungern, ohne Aussicht auf eigenes Einkommen heranwachsen oder als Flüchtlinge und Machtlose in Angst leben müssen.

Eine klare konzeptionelle Stoßrichtung auf der Grundlage bewährter Positionen des Freiheitskampfes lässt die bisherige Politik der ANC-Regierungen nämlich immer noch nicht erkennen; stattdessen bestimmt eher aufwändig inszenierte neo-liberale Jonglierkunst die Richtung. Fehlgriffe und Versäumnisse werden auch im zweiten Jahrzehnt der Regierungsverantwortung nicht weniger: Die Umverteilung der Lebensgüter zugunsten der bisher unter der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen und eine konsequente Umsetzung der Landreform lassen immer noch auf sich warten. Die Pressefreiheit droht parteipolitischen Interessen geopfert zu werden; Machtmissbrauch und unverhohlene Selbstbedienung an öffentlichen Geldern und Gütern könnten bald nicht mehr zu bändigen sein. Der Staat läuft Gefahr, von der Regierungspartei instrumentalisiert und die demokratische Verfassung ausgerechnet von einer ANC-Regierung ausgehöhlt zu werden, sollte der ANC die derzeitige Linie nicht bald wieder verlassen und sich verantwortungsvoll dem Verfassungsauftrag stellen.

Die lebenserfahrene Hundertjährige könnte heute doch eigentlich so weit sein, dass sie aus sich heraus mehrere Töchter und Söhne hervorgehen lässt, die auf der Grundlage der von ihr mitgeschaffenen demokratischen Verfassung neben- und untereinander um die Gunst der Wählerschaft wetteifern und in Koalitionsregierungen auch in Zukunft dafür sorgen, dass der 1912 eingeschlagene Weg allen Menschen stets zum Wohl gereicht. “Makube njalo!” (So soll’s sein!).

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Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Systematische Theologie
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik
Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg
Ammerländer Heerstraße 114-118
D- 26129 Oldenburg
http://www.zsn.uni-oldenburg.de/39687.html

2010sdafrika-Artikel zum African National Congress:

https://2010sdafrika.wordpress.com/?s=African+National+Congress

Leben in der „Stadt des Goldes“

Ein Gastbeitrag von Barbara Brühwiler, Schweizer Buchautorin

© Buchautorin Barbara Brühwiler

Johannesburg hat für jeden Besucher eine andere Bedeutung. Die armen Massen in Afrika nennen Johannesburg Egoli, die Stadt des Goldes, die Stadt, in der es Arbeitsplätze gibt, und unermesslichen Luxus wie zum Beispiel eine Waschmaschine, in der schimmernde neue Autos durch die breiten Strassen fahren, wo der Reichtum einen blendet. Für die Touristen ist Johannesburg die Welthauptstadt des Verbrechens und das Eingangstor zu Afrika, wo man in ein Flugzeug nach Kapstadt, an die Victoria-Fälle oder nach Namibia umsteigt, oder ein Mietauto in Empfang nimmt und mit bangem Gefühl so schnell als möglich die Autobahn in Richtung Krüger-Park oder Durban unter die Räder nimmt. Die afrikanischen Geschäftsleute schauen nach Johannesburg als das New York Afrikas, die wichtigste geschäftliche Drehscheibe des ganzen Kontinents. Und die Fussball-Fans richten ihre Aufmerksamkeit auf Johannesburg, wenn dort im Juni der Anpfiff zur Fussball-WM 2010 stattfinden wird.

Ihren Ursprung hat die Stadt Johannesburg in Goldminen. Im Juli 1886 entdeckte ein australischer Abenteurer Gold im Witwatersrand, dem Hügelzug in Johannesburgs Westen. Zum Missfallen der Afrikaans sprechenden Buren, die in diesem Gebiet Landwirtschaft betrieben, strömten Goldsucher, Glücksritter und ihr Gefolge aus aller Welt in Massen ins Gebiet und liessen sich um Johannesburg nieder, das sich als grösste Goldfundstätte der Welt entpuppen sollte. Im Stadtzentrum von Johannesburg sind die alten Strukturen von damals immer noch zu sehen: schachbrettartig angelegte Strassen, der historische Marktplatz und alte Häuser mit hölzernen Vordächern, die an Saloons aus amerikanischen Western-Filmen erinnern. Einige eingewanderte Männer, die sogenannten Randlords, wurden durch den Goldbau sehr schnell sehr reich und konnten sich riesige, luxuriöse Villen bauen. Die schwarzen Minenarbeiter jedoch wurden nur als Saisonarbeiter zugelassen. Bis zum Ende der Apartheid mussten sie ihre Familien zurücklassen und unter traurigen Bedingungen in gefängnisartigen Kasernen hausen.

Diese Gegensätze prägen das Johannesburg von heute immer noch. Einerseits sind da die gepflegten Villen und Einfamilienhäuser im prächtigenNorden und Nord-Westen von Johannesburg, die mit ihrem grosszügigen Umschwung dafür sorgen, dass Johannesburg als der grösste von Menschen angepflanzte Wald gilt.

© Downtown Johannesburg

Etwas weiter weg vom Stadtzentrum haben sich die sogenannten Estates entwickelt, die Siedlungen, bei denen ein Dorf durch einen Zaun und ein durchdachtes Sicherheitssystem geschützt wird. Sie sollen dafür sorgen, dass sich die Bewohner innerhalb der Grenzen des Estate frei bewegen können, ohne sich um ihre Sicherheit zu sorgen. Andererseits gibt es überall verstreut sogenannte Squatter Camps, Hüttensiedlungen für die Ärmsten, die zu grossen Teilen auch von Menschen bewohnt werden, die aus anderen afrikanischen Staaten eingewandert sind. SOWETO, das berühmt-berüchtigte Township, in dem es während der Apartheid-Zeiten gärte, hat sich in weiten Teilen zu einer Vorstadt amerikanischer Art gemausert. Kleine Häuser sitzen friedlich auf kleinen Grundstücken, und von vielen Garagen aus werden Geschäfte betrieben.

Zu Zeiten der Apartheid wurden die Bewohner Südafrikas streng getrennt nach der Farbe ihrer Haut. Diese jahrelange Trennung lässt sich in Johannesburg auch heute noch spüren; noch immer mischen sich die verschiedenen Menschenrassen nicht so einfach. Im Café sitzen Inder fast immer mit Indern, Weisse mit Weissen, und Schwarze mit Schwarzen. Gemischtfarbene Paare sieht man selbst in Europa weit öfters als hier.

Johannesburg gibt sich auf den ersten Blick kosmopolitisch-modern, doch eine genaue Beobachtung zeigt, dass sein Herz eben doch afrikanisch schlägt. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb sich auch viele Europäer gerne in dieser Stadt niederlassen. Die Stadt bietet – sagen die Johannesburger – das beste Klima der Welt, moderne Infrastruktur, Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten, und daneben eine afrikanische Atmosphäre, einen afrikanischen Vibe.

Bevor wir uns vor vier Jahren in Richtung Johannesburg aufgemacht haben, suchte ich in Europa verzweifelt nach Informationen über diese Stadt, die sich abheben von den häufigen negativen Zeitungsartikeln, die immer nur Schreckensmeldungen über Johannesburg verbreiteten.

© Cover des Buches ´Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika´

Ich suchte nach einem Buch, das tiefer greift und dem modernen Südafrika gerecht wird. Leider wurde ich nicht fündig. Damit es andere leichter haben und den Start im neuen Land oder den Urlaub in Südafrika geniessen können, habe ich ein Buch über das Leben im heutigen Südafrika geschrieben: „Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika“. Es ist das Buch, das ich vor Jahren gesucht habe. Und auch ein bisschen eine Liebeserklärung an ein wunderbares Land.


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Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika“ von Barbara Brühwiler, im Wiesenburg Verlag
ISBN 978-3-940756-89-3
Unterhaltsame Situationen und Anekdoten, gewürzt mit ernsten Themen und geschichtlichem Hintergrund: Südafrika für Anfänger und Fortgeschrittene!“

www.ein-jahr-in-suedafrika.com

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—> Boerewors und Chardonnay: Ein Jahr in Südafrika