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Lebogangs Traum

Ein Gastbeitrag von Sandra Bulling, stellv. Pressesprecherin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

© Lebogang Malukeke (Quelle: CARE/Sandra Bulling)

Lebogang Malukeke hat einen ungewöhnlichen Traum: Die Zwölfjährige möchte Soldatin werden. Es geht ihr dabei weder um die Verteidigung ihres Landes Südafrika, noch möchte sie aus Ehrgefühl oder Stolz eine Waffe tragen. Nein, Lebogang möchte schlichtweg ein monatliches Gehalt beziehen, eine tägliche Mahlzeit bekommen und einen festen Job haben. Das ist der Traum eines Mädchens aus Soshanguve, einem Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria. Lebogang lebt mit ihren vier Geschwistern und ihrer Mutter in einer kleinen Hütte, nur einen Raum gibt es darin. Der Vater hat die Familie verlassen. „Ich möchte meiner Mutter helfen. Ihr schöne Dinge kaufen, damit sie glücklich ist“, sagt Lebogang. Und da es in Soshanguve kaum Jobs gibt, da sich hier weder Industrie, noch Unternehmen oder Dienstleistungen angesiedelt haben, bietet für Lebogang allein die Armee einen Ausweg. Das schüchterne Mädchen mit den kurzen krausen Haaren und dem pinken T-Shirt möchte später nicht arbeitslos sein, so wie ein Großteil der Jugendlichen in Soshanguve. Sie möchte nicht frustriert sein und ihre Perspektivlosigkeit mit Drogen oder Alkohol verdrängen.

Um stark zu werden, spielt sie regelmäßig Netball, ein basketballähnliches Spiel. Dreimal die Woche trainiert sie mit ihrem Mädchenteam, das vom Kick-It Projekt von CARE Deutschland-Luxemburg gefördert wird. Sie lernt dabei nicht nur das Spiel, bleibt fit und gesund, sondern erfährt auch noch vieles über die Gefahren von AIDS. Denn ihre Trainerin Caroline zeigt den Mädchen spielerisch, wie sie sich schützen können. „Ich möchte nicht, dass meine Mädchen in frühem Alter sexuell aktiv werden“, sagt Caroline. „Teenagerschwangerschaften sind in Soshanguve üblich, oft stecken sich die Mädchen in jungen Jahren mit HIV an.“ Wenn sie mit Caroline trainieren, dann haben die Mädchen am Nachmittag eine Beschäftigung. Denn es gibt im Township keine Sportvereine. Die Jugendlichen hängen auf der Straße herum; Drogen, Kriminalität, AIDS sind weit verbreitet. „Bei mir lernen Lebogang und die anderen Disziplin. Das hilft ihnen, sich von der Straße fernzuhalten und nicht zu schnell nachzugeben, wenn die Jungs sie zum Sex überreden wollen“, erklärt Caroline.

© Mädchen beim Netball spielen (Quelle: CARE/Sandra Bulling)

Die 29jährige spielt seit der Grundschule Netball. Es ist ein Spiel für Mädchen, hier sind sie unter sich, können klatschen, tratschen und gegeneinander antreten. „Netball macht Spaß“, sagt Lebogang. „Ich lerne viel, auch über AIDS. Das Virus macht mir Angst, damit will ich nichts zu tun haben“, sagt sie. „Ich möchte noch stärker werden, dann kann ich mich besser vor den Jungen wehren.“ Das Training muss vor dem Sonnenuntergang beendet sein, damit die Mädchen sicher nach Hause kommen. Nur widerwillig hören die Teams mit dem Spiel auf, die Mädchen lachen und singen gemeinsam. Und freuen sich bereits auf das nächste Training. Auch Lebogang kann es kaum erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen, den Ball ihren Freundinnen zuzuwerfen – und dabei von einer Zukunft ohne Armut zu träumen.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei CARE für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken.

Informationen zum „Kick-It Projekt“ von CARE:

http://www.care.de/suedafrika_kickit.html