Schlagwort-Archive: Genre

Berlinale 2013 – Filmkritik „Layla Fourie“

Vertraue niemandem, außer dir selbst. Südafrika als Paranoia-Gesellschaft

(2010sdafrika-Redaktion)

© Sequenz aus dem Film "Layla Fourie". (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

© Sequenz aus dem Film „Layla Fourie“. (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

Offizielle Handlung:

Layla ist eine alleinerziehende Mutter, die in Johannesburg mit ihrem Sohn von Gelegenheitsjobs lebt. Sie lässt sich zur Polygraphistin ausbilden und erkämpft sich einen Job in einer Sicherheitsfirma, die auf Lügendetektoren spezialisiert ist. Auf dem Weg zum neuen Arbeitsplatz wird sie in einen Unfall verwickelt, der ihr Leben radikal verändert. Layla verstrickt sich in einem Netz aus Lügen und Täuschungen. Die Wahrheit könnte die Trennung von Mutter und Sohn bedeuten.

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Filmkritik „Zambezia“

Animationsfilm aus Südafrika erhält Einzug in deutschen Kinos: Das Vogelparadies ist in Gefahr!

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Südafrikas Filmindustrie konnte mit Produktionen wie „Tsotsi“, „Themba“ oder „Schande“ schon längst eine internationale Reputation erarbeiten. Allerdings standen bisweilen Filme des Genres Sozialdrama im Vordergrund. Nun betritt das Land mit der in Kapstadt ansässigen Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish und mit staatlicher Kap-Filmförderung künstlerisches Neuland. Unter der Regie des bisher als Action-Schauspieler bekannten Wayne Thornley entstand in diesem Jahr der Animationsfilm „Zambezia“.

    © "Zambezia: In Jedem steckt ein kleiner Held": Der südafrikanische Animationsfilm wurde unter der Regie des Jungregisseurs Wayne Thornley und der Kapstädter Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish produziert. Das Handelsministerium DTI, die "National Film and Video Foundation of South Africa" und "Industrial Development Corporation of South Africa" finanzierten einen Großteil der Filmproduktionskosten.

© „Zambezia: In Jedem steckt ein kleiner Held“: Der südafrikanische Animationsfilm wurde unter der Regie des Jungregisseurs Wayne Thornley und der Kapstädter Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish produziert. Das Handelsministerium DTI, die „National Film and Video Foundation of South Africa“ und „Industrial Development Corporation of South Africa“ finanzierten einen Großteil der Filmproduktionskosten.

Der Film Zambezia handelt vom kleinen Falken Kai. ein impulsiver, übermütiger und auf Abenteuer fixierter Vogel, der gegen den Willen seines Vaters Tendai ins Vogelparadies Zambezia aufbricht – einer Vogelstadt am Wasserfall Zambezi River Valley. Allerdings bringt Kai mit seiner spontanen Aktion den eigenen Vater in große Gefahr. Gefangen vom bösen Leguan Budzo und seinen Komplizen, beginnt der Kampf um die Freiheit eines einzelnen und die aller Vögel.

© Hauptprotagonist Falk bricht zur Vogelstadt Zambezia auf und gefährdet auf diesem Weg seinen Vater Tendai sowie die gesamte Vogelgemeinschaft.

© Hauptprotagonist Falk bricht zur Vogelstadt Zambezia auf und gefährdet auf diesem Weg seinen Vater Tendai sowie die gesamte Vogelgemeinschaft.

Außerordentlich schöne Grafiken, verbunden mit lebendigen Charakteren, machen Zambezia zu einer interessanten Animation. Insbesondere unter der Heranziehung von Stimmungen des Zusammengehörigkeitsgefühls, in der südafrikanischen Lebensphilosophie besser bekannt als Ubuntu, vermittelt Zambezia eine wichtige Botschaft an das Publikum. Allerdings mangelt es dem Film am Aufbau einer spannenden Story. Gleich zu Beginn des Films fallen dem Betrachter die zu langen Dialoge auf. Da dieser Familienfilm vor allem an Kinder gerichtet ist, dürfte dieser Umstand ein Manko darstellen. Ebenso wird dem Zuschauer, sofern er es nicht weiß, überhaupt nicht bewusst, dass Zambezia aus südafrikanischen Filmstudios entstammt. Vereinzelt sind landestypische Melodien und Musikstücke zu hören, doch tritt das Südafrika-Feeling nicht hervor.

© Stärken des Filmes sind die Bilder und Animation, die Schwächen hingegen liegen bei Story und Musik. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

© Stärken des Filmes sind die Bilder und Animation, die Schwächen hingegen liegen bei Story und Musik. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

In der englischen Originalfassung übernehmen Top-Schauspieler aus Hollywood, wie Samuel L. Jackson (Pulp Fiction) und Jeff Goldblum (Jurassic Park), die Vertonung. In der deutschen Synchronisation vergeben die Comedians Kaya Yanar und Paul Panzer dem Animationsfilm einen besonderen Touch, der vor allem die Kinder sehr ansprechen dürfte.

Deutscher Trailer „Zambezia“

Regisseur Wayne Thornley erhielt vor Kurzem beim International Film Festival von Durban den Preis für den besten südafrikanischen Film. Es muss allerdings zugestanden werden, dass Zambezia in Story und Musik nicht allzu sehr überzeugt, doch bei Bildern und Animationen umso bemerkenswerter ist. Zambezia ist im Großen und Ganzen ein Genuss für die ganze Familie, den man sich auf jeden Fall einmal anschauen sollte. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

Musikszene Südafrika

Hip Hop, Rock, Pop, Jazz oder Schlager. Musikgeschmack am Kap bleibt grundsätzlich Ethniensache.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Das Kap hat seit dem Ende der Apartheid eine beachtliche Musikvielfalt aufbauen können, die sämtliche Genres des westlichen Musikbusiness abdeckt. Spätestens seit der Musizierung von Opernstücken durch schwarze Südafrikaner hat das Land eine breite Musikszene entwickeln können. Doch in Anbetracht des heterogenen Angebots sollte vielmehr von Musikszenen gesprochen werden.  

Allerdings ist der Musikgeschmack weiterhin von der Hautfarbe abhängig. Hip Hop wird vor allem von Schwarzen gehört und gesungen, während Schlager und Rock den Weißen vorbestimmt ist. Ähnliche ethnische Abhängigkeiten sind vom Sport bekannt – Fußball ist mehrheitlich bei Schwarzen; Rugby & Cricket bei  Weißen gefragt. Pop-Musik hingegen erfreut sich bei Schwarzen, Weißen, Indern und Asiaten – also allen Ethnien – einer sehr großen Beliebtheit. Dies soll nur eine grobe Untergliederung darstellen, da auch innerhalb der schwarzen Ethnien – beispielsweise zwischen Xhosa und Zulus – große traditionelle Unterschiede bestehen, welche sich durch die Eigenheiten der Lokalsprachen begründen. Es bleibt anzumerken, dass Südafrika elf offizielle Amtssprachen in seiner Verfassung aufgenommen hat. Einige Township-Dialekte könnten, dies hört man vor Ort öfters, gar als weitere Sprachen registriert werden – doch dies nur am Rande.

Ein besonderer Umstand in der südafrikanischen Musik ergibt sich mit Kwaito, einer in den 90er-Jahren enstandenen traditionellen Musikrichtung aus Soweto. Gangs sollen Kwaito für sich als künstlerische Plattform entdeckt haben. Diese ähnelt letztendlich sehr dem Hip Hop, ist jedoch vom Beat her deutlich verlangsamter. Ebenfalls soll auf Mbaqanga eingegangen werden, einer den Zulus nahestehendem Musikstil, welcher sich aus Elementen des Soul, Jazz oder Reggae zusammensetzt. Allerdings ist Mbaqanga, zumindest bei der jüngeren Generation, nicht mehr ganz im Trend.

Die Musik ist ständig im Wandel und vermischt sich stets mit anderen Genres aus dem In- und Ausland. Musikalische Kreationen werden auch weiterhin als Errungenschaft der Demokratisierung Südafrikas betrachtet, wobei erwähnt werden muss, dass bereits zu Apartheidszeiten einzelne schwarze Südafrikaner wie Miriam Makeba die Musikszene des Landes nachhaltig beeinflussten.

Heutzutage sind mehrere südafrikanische Bands wie The Parlotones, Die Antwoord oder Freshlyground auch in Deutschland beim breiten Publikum angekommen. Doch das Land bringt jeden Tag weitere eindrucksvolle Künstler hervor, die hierzulande unbekannt sind. Dementsprechend werden fünfzehn dieser Musiker auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ anhand eines offiziellen Musikclips kurz vorgestellt.

Songempfehlungen aus Südafrika – eine Auswahl

Artist: Cashtime Fam, Song: Stundee, Genre: Hip Hop

Artist: Ben Sharpa, Song: Hegemony, Genre: Hip Hop/ Rap

Artist: Locnville, Song: Stars Above You, Genre: Elektro-House

Artist: Kanyi, Song: Ingoma, Genre: Local-Rap (isiXhosa)

Artist: Khuli Chana & Notshi, Song: Tswa Daar, Genre: Local-Rap (Tswana)

Artist: Spoek Mathambo, Song: Control , Genre: House/ Hip Hop

Artist: Ruffest, Song: Bayavum, Genre: Kwaito

Artist: Queens of Dance, Song: Ngithanda Lonemali, Genre: Kwaito

Artist: Zahara, Song: Ndiza, Genre: Afro-Soul

Artist: Zakes Bantwini, Song: Wasting my time, Genre: Soul

Artist: Liquideep, Song: Still, Genre: House/ Soul

Artist: The Muffinz, Song: Ghetto, Genre: Jazz/ Soul

Artist: Byron Clarke, Song: The Rain, Genre: Volksmusik bzw. Folk/ Pop

Artist: Prime Circle, Song: Live This Life, Genre: Rock

Artist: Jesse Clegg, Song: Clarity, Genre: Rock

Exklusive Interview with Zapiro

4000 Cartoons and 15 books. Johnathan Shapiro about his life, freedom of opinion and politics

(Editor: Annalisa Wellhäuser)

Open any South African newspaper today and you will most probably find a cartoon that comments South African politics drawn by the artist Zapiro. Who doesn‘t know the famous sketch picturing the current South African president Jacob Zuma with a shower above his head alluding to his statement that he took a shower after having had sex with an HIV-positive woman. Zapiro, born 1958 as Jonathan Shapiro in Cape Town, is the most famous cartoonist of these days in South Africa. His drawings appear in the Mail and the Guardian,Sunday Times and The Times. Moreover his art has been published in exhibitions all over the world and he has won numerous awards.

© Cartoon by Zapiro: President Jacob Zuma is taking a shower after having sex with a HIV infected woman.

© Cartoon by Zapiro: Lady Justice in danger.

© Cartoon by Zapiro: Whites have benefited from Apartheid.

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, the German Gateway to South Africa, met Zapiro in his office in Cape Town to find out more about this artist who is not afraid to say what he thinks with if it comes to politics.

Zapiro already discovered his passion for art as a child. Back then he used to have nightmares about frightening monsters and in order to deal with those scary dreams, he started drawing about them. Indeed that kind of self-therapy did help him to overcome his nightmares. And not only that; He enjoyed the drawing a lot. It was his dream to become an artist. He entered drawing competitions and also was active for the school newspaper. He invented the little character “Prepi“, who commented on what‘s going on in preparatory school.

Soon ,he was also confronted with the politics happening in his country. His mum made him aware already at a very young age that they were living in a society “that was wrong“; his very first “kind of political experience“ was when Verwoerd 1 was assassinated in 1966. In school they were asked to pray for the “architect of apartheid“ and Zapiro remembers being confused and thinking“ Hey, this was not a good guy!“. Throughout his school time he was “at odds” with the general trend of supporting Apartheid amongst even English speaking white people, but he was not yet involved in any political actions at that time. After school he started studying architecture; not because he was passionate about it, but in order for him to stay out of the army. When he decided to change to graphic design and try to become a cartoonist, they „got him„, he had to enter the army. In the army Zapiro refused to carry a gun, so they made him carry a heavy wooden dummy and made fun of him. Once a colleague made him stand guard with it, „which was ridiculous, I became a bit of a laughing stock but in a funny way, like a clown thing„, Zapiro says.

However, the joke actually backfired, because he showed the other conscripts that he could handle this heavy arm very well as by doing exactly everything that they were doing with it. This was his way of rebelling against this and spreading his political message. He was regarded as a political consciousness non-commitant, as a communist, as dangerous. At that time he was not yet involved in any political organization, the UDF (United Democratic Front) formed just over a year after he was conscripted. But when it was formed in 1983, it was absolutely clear for him that he would join. Same appealed to his mum, his sister and a lot of his friends. Suddenly there was this non-racial grouping that felt right for them: much more elegentarian, much more open and much more connected to national politics. It was also connected to the ANC-but he didn’t want to be involved into nor speak about it, because that was dangerous when they found out they were linked. Him and some of his family members even got detained at some point.

However, Zapiro has never wanted to be a politician. He sees a big difference between being enormously involved as an activist and becoming a politician. ,,Professional politics are very different from being a political activist.” In his opinion only a few people managed to retain this integrity and those principles that guided them and made them passionate. Other people do things now out of personal gain or party political aims; they have become corrupt, comfortable and a bit apathetic compared to what they used to be. Also there are those who are within a party and are against those who are outside the party and maybe doing good things. „All those things I would hate„, he states. He has seen people he knew who have made this trancession- only a few managed it successfully. According to him the country needs people who become politicians and remain focussed, altruistic and incorruptible. But the country also needs civil society and media-so in his opinion his best role is to be a visual columnist- and still to a little extend an activist. To produce his drawings, he obviously needs to do a lot of research on politics. For that Zapiro listens to the radio a lot, reads many different newspapers and consults the internet in order to look at the same sort of issue dealt with in different ways. Also he records some things broadcasted on television.

© Johnathan Shaprio alias Zapiro, South Africa´s most influential and provocative cartoonist. He has been in conflict several times with the government.

Zapiro explains that cartoons are primarily about thinking and communication; about finding a device to say something that one believes in. „They are 80% idea and 20% drawing.„ According to him there are cartoonists out there, who are good, but not necessarily the best cartoonist in the world -however they are really able to communicate by their art. On the other hand it would not be possible to carry weak ideas with good drawings. „It`s about thoughts. „ To give an example, Zapiro speaks about one cartoon that he did, which displayed a little line of text on top saying „Whites who never benefited from Apartheid„ and a blank page underneath he states that at the time of the release of the cartoon, there were people denying to have known about Apartheid. There were white people avoiding responsibility for the benefits that they were given while living under Apartheid.

Zapiro was irritated by that attitude and got inspired to create this „cartoon„. This cartoon did not even have a picture, but still, so Zapiro, „ This cartoon was conceptually really good and really powerful, one of the best cartoons I have ever done.„ It is Zapiro`s intention to trigger strong reactions with his drawings amongst the people. He wants to make people think. Maybe some people say „That’s exactly how I feel, I didn’t know how to express it.„ But he is not only addressing the people who think exactly like him- which, in his opinion, would not make any sense. He knows that there are people, who might agree and as well disagree on his thoughts on certain issues. However it is not his intention to convince the people, who think completely different. According to him it is all those people in the middle-he can make them see something in a new way by being a little bit persuasive to them.

When asking him what subject he would like to draw a sketch on, that he is not allowed to draw one on, he replies that there is nobody who can tell him not to do a cartoon on a certain topic. It is rather him who holds himself back. When he started as a political activist he used to be quite constrained by political correctness, whereas these days he is ready to accept those rules. „ I don’t like to gratuisly insult people in a hurtful way, who are in a way vulnerable.„ Still, even then his feeling of what is acceptable to draw a cartoon on would be way further down the line than that of others. If he felt that people are the aggressors, he wouldn`t care about them. For instance, if it comes to religion. In his view religion has done a huge amount of harm with regard to gay people and women and it has even promoted spread of HIV. Concerning this topic he would go really hard for the people in power.

Zapiro says he has done things that people would consider totally insulting. He states that some things around traditional culture are quite difficult to deal with in cartoons, because people treat them in a way religion is treated. According to him there exists some kind of communality. And at the moment there would be plenty of times when cartoons can be misinterpreted on purpose to make people out as racists even though they are not.

After the feedback that Zapiro is receiving is not always positive; president Jacob Zuma has pressed charges against him already for doing certain drawings on him. Zapiro says that he believes in the South African institutions, in the constitution , and he feels that these are strong enough to keep up freedom of speech -which he supports and which is part of what gives him resolve. Zapiro explains that his politics haven`t changed a lot, but politics of some people in power have changed and he considers himself lucky to not have as much constraints as people in power. If he believes in something he will go for it.

Further I ask him about his opinion concerning voices in this country saying that some kind of reversed apartheid is arising, where it is now black South African people against the other cultures. Zapiro responds that this is one of the topics, where he will get either into one form of discourse or another depending on who he is speaking to. On the one hand, if he would be speaking to his old political comrades he would be mouthing off at the death of non racialism and at the rise of a certain form of nationalism and elitism. On the other hand, if those amongst the white South Africans, who have never had “political bone„ in their body during apartheid era come and complain in an uninformed way to him about how bad things are and so called „reversed racism„, he gets into a whole different conversation. He would try to explain how much better things are now than they were then. And after all it is still white people who are at the top of the power in many important fields. He says that there is a certain kind of racism that still exists very strongly in the white community of South Africa. He continues saying that there are some absurdities in the way that affirmative action has been taking place; not the way it should be. And that he is the last person to say that all is ok. But to claim that things are the same way as they used to be in Apartheid, simply reversed, was not true, but absolute rubbish.

Then we speak about Julius Malema singing the old song „Kill the boers„. Zapiro calls Malema`s behaviour „crass and wrong„, he could not sing that song in the context of the new South Africa. He explains that the song was an apartheid era song, which had a metaphorical reason. It was about killing the system of apartheid, to fight those police men and farmers, who really were brutally assaulting and killed people .„And that was all understood then.„ Zapiro states that it is wrong to sing that song today, because its purpose is essentially to try „to mobilize disaffected youth, because the ANC is not delivering properly to them and try to make them focus some of their anger on people, who these days are not necessarily aggressing, at least not the same extent as before.”However, he thinks that one cannot ban a song and that the high court`s decision to try to prevent him from singing the song was wrong. As a supporter of freedom of express he does not agree on it. „You can call somebody a political opportunist without saying you are not allowed to sing that song. It is a lot more nuanced and complicated than saying: Julius Malema is the equivilant of what Terre Blanche2 was…it doesn’t work like that.„ Zapiro has done cartoons criticizing that decision of the court. I support the human rights commission and the UN`s determination on the definition of hate speech and that it should be prevented. He explains that that would be hate speech where you could make a connection between something that was said, such as a speech, a song or a piece of writing, and the active going out and killing somebody. However, he doesn`t think that “ people went out killing people because of what Julius said…. “3 “If you can make that connection, that because of that song that person was killed..that`s where you can draw the line. But that’s very far down the line of speech before you can make that decision.”

Zapiro says that there was a complaint about his cartoon „Lady justice„ and that the human rights commission exonerated him for doing the drawing and its publication, because of their determination that it is not inciting anyone to do anything to anybody else. „It was a metaphor about what Zuma was doing to the judiciary.„ „Freedom of express is very important to me.„ So if he started saying ,they should ban that song, then he could as well allow somebody to say to ban his cartoon, because both of them could be interpreted in a way that they could be objectionable.„There has to be consistency.„

Zapiro is producing with his cartoons political messages

Before the interview comes to an end I would like to find out from Zapiro what are his wishes for the new South Africa, what kind of development he thinks is necessary for it to become the peaceful rainbow nation everybody is longing for. Zapiro answers, „I remember when Tutu came up with the rainbow nation idea during the meeting of the inconscription campaign in 1985.It was always a bit idealistic. „ According to Zapiro, Tutu wished for rainbow coalition of different groupings in the political movement fighting for the same aim: freedom, non racialism, democracy. However, Zapiro believes that South Africa has only had a few rainbow-moments since democracy. As an example he names the rugby world cup in 1995. “I`m afraid to say now, that unlike before, where I thought the white community was hugely responsible for not apologizing and not taking responsibility, I still say that ,I think now a lot more could have been done if the ANC had not become fat, comfortable and corrupt, and if say the people at the top were not promoting this narrow elite and not just paying lip service to delivery, but really were delivering and trying to bridge the wealth gap. That is where is should go.„ Zapiro believes that only then people can have some real reconciliation, because so far there are a lot of unresolved matters after truth reconciliation commission hearings. According to Zapiro, it is most important to close the inaquity in this society.„ South Africa has become the most inequal society in the world , we are even behind Brazil. And for that to be the state almost after 17 years of democracy is outrageous.„

Finally I would like to find out what Zapiro`s personal plans and dreams are for the future. „For the medium term I want to continue what I`m doing, but want to make sure I`m still feeling like I`m relevant and got something to say, because if I do not- I want to pull out and go for something in the long term.„ He has managed to produce over 4000 cartoons and 15 books , but he doesn`t want to do the same thing for ever, he also wants to do other things. In the long term Zapiro would like to move into some other genres of cartooning and storytelling, which he loves. He would like to become a bit more balanced person, because the intensity he has with the cartooning does tend to overwhelm a great part of his life. He wants to spend more time with his family.

HIER FINDEST DU DAS INTERVIEW IN DEUTSCH.

1   He was the 3rd national party prime minister after DF Malan and Jacob Strijdom
2   Formed the Afrikaaner Resistence Movement during Apartheid< was seen as white supremacist
3   Discussion in South Africa about a possible connection between Malema singing the song,,Kill the boers“ and the murder of Terre Blanche

Berlinale 2012

Südafrika-Filme auf dem 62. Filmfestival unterrepräsentiert

(Autor: Ghassan Abid)

© Berlinale 2012 - Ein Zuschauermagnet für Filmfreunde. In diesem Jahr ist Südafrika in Berlin mit dem Spielfilm "Man on Ground" des Regisseurs Akin Omotoso vertreten.

Und wieder ist in Berlin der rote Teppich für die Stars der  Filmbranche ausgerollt worden. Die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin begannen letzte Woche und enden am 19. Februar 2012. Erneut stehen, traditionsgetreu den konzeptionellen Grundideen der Berlinale, sozialkritische Filme im Fokus dieses Events.

Sind auf der 61. Berlinale 2011 mehrere Filme aus bzw. zu Südafrika der Öffentlichkeit vorgestellt worden, erweist sich das diesjährige Südafrika-Angebot als äußerst übersichtlich. Doch manchmal übertrifft die Qualität jeden Grad an Quantität. Mit „Man on Ground“ unter der Regie des nigerianischen Filmregisseurs Akin Omotoso und der südafrikanischen Produktionsfirma T.O.M. Pictures wird ein interessanter Spielfilm des Genres Drama präsentiert.

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„Man on Ground“ handelt von Ade, einem in London lebenden Banker und seinem Halbbruder Femi. Letzterer verließ seine Heimat Nigeria aus politischen Gründen in Richtung Johannesburg. Beide pflegten zueinander kein besonders gutes Verhältnis, bis Ade nach Südafrika reiste, um sich auf die Suche nach Femi zu begeben. Denn auf den Straßen der Townships bricht die brutale Gewalt gegen Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten aus. Beide Brüder kämpfen um ihr Überleben und entdecken, dass sie mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben.

Trailer zu „Man on Ground“

Die musikalisch-afrikanische Begleitung des Films, die emotional-spannende Story und fesselnde Bilder machen neugierig auf einen Kinobesuch.  „Man on Ground“ thematisiert die prekäre Situation von Flüchtlingen in Südafrika  und verdeutlicht, dass sich die südafrikanische Nation mit der Xenophobie stärker als bisher auseinandersetzen muss. Allerdings sind nach Angaben der Berlinale sämtliche Tickets zum Film bereits ausverkauft. Demnach dauert es ein wenig, bis dieser im normalen Kinogeschäft zu sehen bzw. im Handel zu erwerben ist.

2010sdafrika-Artikel zum Südafrika-Filmfestival in Potsdam

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/07/filmfestival-in-potsdam/

2010sdafrika-Interview mit dem deutsch-südafrikanischen Regisseur Teboho Edkins:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/08/06/filmregisseur-teboho-edkins-im-interview/


Schriftsteller Lesego Rampolokeng im Interview

Ein Poet, der unaufhaltsam kämpft- für “eine Welt in der alle Menschen atmen können“

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Ein außergewöhnlicher und kritisch denkender Dichter, der in seiner Poesie kein Blatt vor den Mund nimmt wenn es um Politik und Gesellschaft, insbesondere um die Erniedrigung der menschlichen Würde geht. Lesego Rampolokeng wurde am 27. Juli 1965 in Orlando West, Soweto/ Johannesburg in Südafrika geboren. Dem System der Apartheid ausgesetzt und von einer katholischen Familie erzogen, bildete er sich seine ganz eigene Meinung über die politischen und sozialen Probleme in Südafrika. Er studierte Jura an der Universität des Nordens in der Limpopo Provinz; verfolgte diesen Weg jedoch nicht weiter. Hingegen konzentrierte er sich auf seine Poesie und schrieb Gedichte, Novellen und Theaterstücke. Er bereist die Welt um seine Werke vorzutragen und arbeitete bis jetzt schon mit vielen Künstlern wie Günther Sommer, Julian Bahula, Louis Mhlanga und Souleman Toure zusammen. [Eine Liste seiner Werke befindet sich am Ende des Interviews]

© Poet und Dichter Lesego Rampolokeng

English: Bei dem nachstehenden Interview handelt es sich um eine sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Das Originalinterview ist hier abrufbar: https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/02/07/interview-with-lesego-rampolokeng/.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Lesego Rampolokeng, kritisch-literarischer Zeitgeist im modernen Südafrika. Sie haben in Ihrem Leben verschiedene Arten von Texten verfasst und diese auf unterschiedliche Art und Weise vorgetragen: Gedichte, Novellen, politischer Rap und Theaterstücke. Wie würde Sie selber Ihre heutige Kunst beschreiben?

Antwort: Ich sehe mich nicht als Performer, denn dies impliziert eine Erweiterung oder Entfremdung von mir selbst. Es gibt schließlich keine Grenze zwischen mir und meiner Kunst; ich bin meine Kunst. Ich habe selber nie  poltischen Rap oder Rap als Genre gemacht. Rap ist der Austausch von Gedankengut und Kommunikation zwischen Individuen. Man fügt hier noch einen Beat dazu und dann ist es Rap. Ich bin ein soziales Wesen, eine Kreatur der Welt, die wie jeder andere Mensch ganz normal geboren ist. Um meine Realität zu definieren, muss ich mich mit der Realität meiner Gesellschaft befassen. Jedoch gibt es gewisse Dinge ,welche zwischen mir und des Zelebrierens meiner selbst, meiner Menschlichkeit stehen – wie Entmenschlichung, Unterdrückung sowie soziale und ökomische Faktoren. Mit diesen muss ich mich auseinandersetzen. All diese Faktoren machen mich zu einem bestimmten, individuellen Wesen. Ich habe meinen eigenen Platz in der Welt und diesen kann man nicht wirklich definieren außer an Hand von Kriterien, die für einen selbst einen Sinn ergeben. Diese sind zum Beispiel politische Kriterien. Alleine die Geburt und der Tod sind politisch. Jeder einzige meiner Atemzüge unterliegt politischen Bedingungen.

Ich möchte auf das politische Wahlsystem eingehen. Ich denke, dass das Wählen nie jemals etwas in der Geschichte geändert hat. Ich meine damit nicht, dass Politik an sich, also politische Bewegungen keinen Sinn hätten, sondern nur die Art wie diese zwischen den Menschen kommuniziert wird, das Kommen und Gehen von Menschen, sprich Politikern.

2010sdafrika-Redaktion: Herr Rampolokeng, Sie wurden in der Zeit der Apartheid geboren und sind in dieser aufgewachsen. Ist die Unterdrückung durch dieses rassistische System ein Hauptthema Ihrer Poesie?

Antwort: Auf jeden Fall, denn ich befasse mich in meiner Poesie mit den Themen der Apartheid. Infolge meiner Geburt in einer bestimmten Konstellation von Umständen, ist mein Leben durch die bereits erwähnten Faktoren bestimmt gewesen. Und die Apartheid ist immer noch Realität ; man kann es anders nennen, aber der einzige Unterschied zwischen Rassismus in Südafrika und irgendwo anders in der Welt ist, dass dieser in Südafrika gesetzlich geregelt sprich legal gewesen ist. Und dies nur weil ein paar Menschen entschlossen hatten, sie seien anderen Menschen gegenüber überlegen, weil ihnen eine unbestimmte Menge an Melanin fehlt. Somit ist es zur Errichtung einer systematischen Entwertung und Entmenschlichung der Leute gekommen, die nicht „weiß“ waren. So hat die Apartheid schon seit dem Moment meiner Zeugung auf mich gewirkt, auf mein Wesen, meine Sinne. Ich sehe diesen Rassismus sowie die katholische Erziehung durch mein Elternhaus als Grund für meine häufigen Nervenzusammenbrüche. Mein Schreiben ist somit durch diese, mich beeinflussenden Faktoren bestimmt. Es ist gar nicht anders möglich. Zudem bin ich immer noch auf der Suche nach mir selbst. Mein Ziel sei es nicht, mich anderen durch meine Poesie zu erklären. Vielmehr ist es ein Versuch, eine sprachliche Verbindung herzustellen zwischen meiner Welt und mir selbst und somit meine Person, meine Schwächen und meine eigenen Vorurteile zu verstehen. Denn ich habe definitiv Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen. Wie und was ich schreibe hat sich jedoch auch verändert, so ist es heute anders als damals.

Ich möchte gerne auf die Definition von „schwarz“ eingehen. Während der Apartheid hat es eine Pufferzone zwischen den Menschen, die „weiß“ waren und denen, die es nicht waren, gegeben. Ich würde diese aber nicht unbedingt als „schwarz“ bezeichnen, da „schwarz“ für mich mit einer politischen Definition verbunden ist. Ich möchte Mafika Pascal Gwala zitieren, welchen im übertragenden Sinne mein Vater ist: „Schwarz ist die energetische Befreiung von den Fesseln von Kaffer, Bantu, Nicht-weiß.“ Auch möchte ich Lemn Sissay Worte wiedergeben: „Schwarz ist nicht, was Weiß nicht ist – Schwarz ist Schwarz.„Ich sehe mich nicht aus dem Grund als „schwarz“, weil Sie nicht „schwarz“ sind. Die Tatsache, dass Sie „weiß“ sind, macht mich nicht „schwarz“. Ich habe mich schließlich zuvor als „schwarz“ definiert. Ich führe ein weiteres Zitat an, diesmal von Steve Biko: „Die Tatsache, dass wir alle nicht weiß sind, bedeutet nicht zwingend, dass wir alle schwarz sind.“ Die Menschen, welche während der Apartheid unterdrückt worden sind, haben  vielleicht ähnlich ausgesehen und sie haben alle eine unbestimmte Menge an Melanin besessen; deshalb waren sie aber nicht alle „schwarz“; „Schwarz“ sind diejenigen, die sich damit definieren. Es geht einfach um den Versuch, sich bewusst zu werden, wo man steht und wo man hin möchte.

2010sdafrika-Redaktion: „Apartheid ist immer noch Realität.“ Was meinen Sie damit?

Antwort: Apartheid ist ein Afrikaans Konzept, welches es legalisierte, die Gesellschaft in verschiedene Sektoren zu spalten. Die Tatsache, dass 1994 die Gesetzbücher zerstört worden sind und sich die Verfassung geändert hat, bedeutet allerdings keineswegs das Ende der Apartheid. Ebenso wenig wie die Einführung von Nelson Mandela als Symbol dieses vermeintlichen Neuanfangs. Dass dann selbst die ehemaligen Machtinhaber des Apartheidregimes, welche ihn zu vor gedemütigt und ins Gefängnis gesteckt hatten, ihn feierten –all dies betrachte ich als eine einzige Heuchelei und als Betrug. Denn an der Situation in Südafrika hat sich nichts verändert.

Es existieren heute mehr Elendsviertel und eine größere menschliche Misere als vor 1994. Und es gibt Leute, die meinen, man müsse sich wünschen, zur Apartheid zurückzukehren. Ich protestiere dagegen, ich könnte mir niemals meine eigene Entmenschlichung wünschen. Die Leute versuchen, mich mit diesen Aussagen schwach zu halten, genauso wie die Bibel es versucht. Die Macht ist immer noch in den Händen von denen, die sie zuvor gehabt haben. Diese haben das Konzept der schwarzen Wirtschaftsförderung ( „Black Economic Empowerment“) kreiert, welches den während der Apartheid benachteiligten Menschen angeblich Zugang zum Land verschaffe. Dies sei aber eine große Lüge, aufgetischt von multinationalen Konzernen, großem „weißen“ Kapital, die sich damit aus der Affäre ziehen wollten. Die Menschen, die an dieses Konzept geglaubt und es wahrgenommen haben, sind die Millionäre von heute und auch ein Teil des regierenden Systems. Ich betrachte beide dieser Parteien als kritisch. Das heutige System der Apartheid ist obszöner als früher; schließlich ist damals – im Gegensatz zu heute – mit offenen Karten gespielt worden.

2010sdafrika-Redaktion: Warum sind Sie ein Dichter und kein Anwalt geworden?

Antwort: Ich bin immer ein Dichter gewesen, denn ich habe mich niemals dafür entschieden, ein Poet zu werden. Entweder man ist einer oder nicht. Man kann keinem beibringen, wie man schreibt. Dennoch wünsche ich mir manchmal, nicht diesen Weg gegangen zu sein, da ich sehr einsam war und mir mehr Feinde gemacht habe als er wenn ich ein Anwalt geworden wäre. Ich habe mein Abschlussexamen in Jura in der Zeit geschrieben, als Südafrika schon im Ausnahmezustand war und ich selber immer häufiger durch mein politisches Mitwirken festgenommen wurde. Mein Jura-Studium sowie den Beruf des Anwalts betrachte ich kritisch. Meiner Meinung nach bereichert sich ein Anwalt an Missständen anderer. Während im Gericht dem herrschenden Gesetz entsprechende Entscheidungen gefällt werden, erfährt man Gerechtigkeit nur „auf der Straße“. Es geht im Gericht nicht um die Wahrheit, Gerechtigkeit; doch diese definieren mich als Menschen. Deshalb wollte ich kein Anwalt werden . Durch meine Poesie kann ich hingegen Menschen berühren und ihnen etwas geben, was sie für ein Leben lang behalten werden. Dass es richtig war, mich für die Poesie zu entscheiden, wurde mir außerdem durch folgendes Erlebnis bewusst: Innerhalb des Programmes eines Festival in Holland, habe ich bei der südafrikanischen Botschaft vorgelesen. Ich habe heraus gefunden, dass die damalige Botschafterin Priscilla Jana mich nicht empfangen wollte. Sie hat sich den ersten Teil meiner Lesung angehört und ist dann davon gelaufen. Das Schlimmste daran war: Sie ist in der Zeit der Apartheid die führende Menschenrechts-Anwältin gewesen.

So bin ich lieber ein Dichter, der nur wenig Geld verdient als ein Anwalt. Wenigstens habe ich ein gutes Gewissen. Glücklich bin ich aber erst dann, wenn alle Dinge, gegen die ich ankämpfe, aus der Welt verschwunden sind. Anstatt der Sonne oder die Liebe, die morgens als Motivation zum Aufstehen dienen, werde ich metaphorisch gesprochen von „Dämonen“ geweckt. Erst wenn dem nicht mehr so ist, kann ich sagen, dass ich glücklich bin.

2010sdafrika-Redaktion: Während meiner Recherchen über Sie habe ich auf der Internetseite „www.culturebase.net“ ein Zitat gefunden, welches aus einem Interview mit der Schweizer Wochenpost von 2002 stammen soll: „Politischer Hip-Hop ist nicht mehr wichtig für junge Südafrikaner.“ Interessieren sich junge Südafrikaner wirklich nicht mehr für politischen Rap?

Antwort: Ich bestreite vehement, solch eine Aussage jemals von mir gegeben zu haben. Ich, als Vater der MCs-Untergrund-Generation, würde und könnte nie sagen, dass junge Südafrikaner nicht am politischem Rap interessiert seien. Es hat alles ganz simpel angefangen: Junge Leute, die sich getroffen haben, um Partymusik zu machen und Spaß zu haben; ohne dabei irgendein politisches Programm zu verfolgen. Später hat es dann die vermeintlich politischen Musiker gegeben wie Poor Righteous Teachers , Public Enemy, Boogie Down Production und KRS1. Diese haben sich mit Themen wie Unterdrückung, Ökonomie und Politik befasst. Hip-Hop ist einfach nicht homogen, es gibt so viele verschiedene Arten von Hip Hop. Menschen, die ihre Menschlichkeit zelebrieren, dies alles ist sehr politisch. Von den Ghetto-Jungs, welche unter anderem zu meinen Favoriten zählen, bis zu Girly HipHop. Dieses Zitat ist sehr irreführend. Es sei denn, die Person, die dies geschrieben hat, meint, dass ich gesagt habe, dass heute sich mehr Menschen für Künstler wie 50cent, Eminem, LilWayne, Jay-Z oder Lady Gaga interessieren würden als zum Beispiel für Poor Righteous Teachers oder Jaco Pastorius, meinem Lieblingsbassisten. Dies entspricht nämlich absolut der Wahrheit. Allerdings habe ich nicht das Recht, dazu darüber zu urteilen, noch will ich selbst beurteilt werden. Jeder hat nun einmal einen anderen Geschmack.

2010sdafrika-Redaktion: Wie sehen Sie die derzeitige politische Situation in Südafrika. Was ist Ihre Meinung über Jacob Zuma?

Antwort: Ich habe weder eine positive Meinung über den aktuellen Präsidenten Jacob Zuma oder Julius Malema, dem Präsidenten der ANC–Jugendliga, noch über den früheren Präsidenten des Landes, Thabo Mbeki. Ich entschuldige mich, bestimmte Personen depersonalisieren zu müssen, wenn ich über die Situation in Südafrika spreche, aber die Realität lässt sich nicht anders beschreiben. Metaphorisch gesprochen braucht Zuma nur Musik und Frauen, und er tanzt. Das ist es,was er tut. Vor allem halte ich Zuma für sehr problematisch, denn er verfügt über eine dunkle Vergangenheit mit sehr vielen Intrigen. Ebenfalls empfinde ich Thabo Mbekis damaliges Dasein als Präsidenten für eine Demütigung. Ich habe keinen Respekt für ihn, aber Mbeki ist meiner Meinung nach noch intelligenter als Zuma. Desweiteren möchte ich auf das Gefahrenpotential von Julius Malema hinweisen. Es ist die gleiche Geschichte wie mit dem ugandischen Diktator Idi Amin. Diesen hat man auch nicht ernst genommen; er ist belächelt worden. Nachdem Sterben hunderttausender von Menschen , hat dann keiner mehr gelacht. Dies ist das Südafrika von heute.

2010sdafrika-Redaktion: Herr Rampolokeng, Sie  waren bereits des öfteren in Deutschland. 1998 verbrachten Sie sogar mehrere Monate im Solitude Schloss in Stuttgart. Was zieht Sie immer wieder hierher und haben diese Erfahrungen, welche Sie in unserem Land machen, einen Einfluss auf Ihre Arbeit?

Antwort: Jeder Moment meines Lebens, jede Begegnung mit einem Individuum, beeinflusst mich und meine Sichtweise. Deshalb reise ich durch die Welt, um mich mit was auch immer mir widerfährt, auseinanderzusetzen, und es als Erfahrung mitzunehmen und mit den Menschen in meiner Heimat zu teilen, die ich liebe. Gemeinsam tauschen wir die Erfahrungen aus und zusammen profitieren wir davon, etwas für das Leben zu lernen. Ein weiterer Grund für meine Besuche in Deutschland sind neben Einladungen zu Auftritten, wie vor Kurzem an der Humboldt-Universität Berlin, die Auswahl an Literatur, die es hier gibt. Es existieren eben kaum Buchläden in Südafrika und wenn, dann nicht solche, die meinem Literaturgeschmack entsprechen .Diese Läden haben noch nicht einmal den italienischen Dichter Pasolini im Sortiment. Als weiteren Grund für meine Besuche möchte ich anführen, dass so sehr Südafrika auch wirtschaftlich entwickelt sein möge, jeder Künstler doch eher zuerst nach Deutschland kommt, um zu performen als zum Beispiel in Südafrika aufzutreten. 1998 bin ich auf Grund einer Veranstaltung für Autoren habe ich mehrere Monate auf dem Solitude Schloss in Stuttgart verbracht. Ich habe daran teilgenommen, weil ich Zeit und Platz zum Schreiben brauchte. Diese Erfahrung hat mir allerdings gezeigt, dass ich bei absoluter Ruhe und Einsamkeit nicht produktiv sein kann. Ich brauche unbedingt eine Geräuschkulisse.

2010sdafrika-Redaktion: Sie haben die Welt bereist und mit vielen Künstlern gearbeitet wie Julian Bahula, Soulemane Toure, Louis Mhlanga und Günther Sommer. Haben Sie sich diesen Erfolg je erträumen können und was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Antwort: Ich zitiere Bob Dylan, in dem er sagt, dass eine Person dann erfolgreich ist, wenn sie morgens aufwachen und abends einschlafen kann und dazwischen das tun, was sie will. Erfolg hat rein gar nichts mit Geld zu tun oder damit, für tausende von Kameras auffallend zu posieren.

Ich würde mich an dem Tag als erfolgreich bezeichnen, an welchem die Entmenschlichung, Unterdrückung, Hungersnot, Kindesmisshandlung, Oberflächlichkeiten und Ignoranz sowie die Diskriminierung von Menschen bezüglich ihrer Sexualität und Religion ein Ende finden. Dazu beizutragen, eine Welt zu erschaffen, in der alle Menschen atmen können; wenn ich das geschafft habe, bin ich erfolgreich.

2010sdafrika-Redaktion: „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“  bedankt sich für dieses Interview bei Lesego Rampolokeng, einem der größten soziokritischen Dichter aus Südafrika; Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!


List of writings/Liste der Werke of/von Lesego Rampolokeng

– Horns for Hondo (COSAW, 1990)

  • Talking Rain (COSAW, 1993)
  • End Beginnings (Shifty CD with the Kalahari Surfers, 1993)
  • Writing for the play:„ Faustus in Africa„(1995)
  • Rap Master Supreme – Word Bomber in the Extreme (1997)
  • End Beginnings (German Translations) (Marino, 1998)
  • Blue V’s (German Translations with CD) (Edition Solitude, 1998)
  • The Bavino Sermons (Gecko Poetry, 1999)
  • Fanons children in 2001
  • The h.a.l.f. ranthology (CD with various musicians, 2002)
  • Blackheart (Pine Slopes Publications, 2004)
  • Whiteheart (deep south publishing, 2005)
  • Participation in the documentary „Giant Steps„ about revoloutionary poets ,
  • directed by Geoff Mphakati and Aryan Kaganof (2005)

Quellen/Sources:

Interview mit/with Lesego Rampolokeng 09.11.2010

http://www.culturebase.net/artist.php?279

http://en.wikipedia.org/wiki/Lesego_Rampolokeng