Schlagwort-Archive: Gesundheitsministerium

Südafrika verhängt Ebola-Einreiseverbote

Gesundheitsministerium befürchtet Ausbruch des Virus am Kap. Maßnahmen wurden eingeleitet

(Autor: Bartosz Marek)

Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi teilte gestern mit, dass die südafrikanische Regierung unverzüglich geltende Einreiseverbote für Nicht-Südafrikaner aus den von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone beschlossen hat. Zudem wurden umfangreiche Maßnahmen eingeleitet und Gelder bereitgestellt. Die Regierung will eine Epidemie am Kap verhindern.

EU Humanitarian Aid and Civil Protection

© Südafrika befürchtet den Ausbruch von Ebola am Kap. Dementsprechend hat das Gesundheitsministerium umfangreiche Maßnahmen eingeleitet. Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi arbeitet nun mit anderen Ressorts zusammen, um eine Epidemie zu verhindern. (Quelle: flickr/ EU Humanitarian Aid and Civil Protection)

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Abgeordneter Oriani-Ambrosini ist tot

Südafrikas Cannabis-Verfechter stirbt im Alter von 53 Jahren an den Folgen eines Lungenkrebses

(2010sdafrika-Redaktion)

Der südafrikanische Abgeordnete Mario Oriani-Ambrosini, der der Oppositionspartei Inkatha Freedom Party angehörte, wurde nur 53 Jahre alt. Der Jurist starb am vergangenen Samstag an den Folgen eines Lungenkrebses. Er zählte zu den wenigen Parlamentariern, die fraktionsübergreifend für ihre klaren und aufrichtigen Worte geschätzt wurden.

Mario Oriani-Ambrosini

© Südafrika verliert mit dem Tod des Abgeordneten Mario Oriani-Ambrosini einen Politiker, der sich stets selbst treu war und nicht immer die Meinung der Mehrheit vertrat. Der Jurist starb an den Folgen eines Lungenkrebses. Kurz vor seinem Ableben machte sich Oriani-Ambrosini für die Legalisierung von Cannabis stark.

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„Die Arbeit des BMZ in Südafrika zeigt Wirkung“

Im Interview mit Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Herrn Hans-Jürgen Beerfeltz.

Frauen in Südafrika sind besonders stark von sexueller Gewalt betroffen. Laut aktuellsten Angaben des „SA Institute of Race Relations (SAIRR)“ werden pro Jahr 2.500 Frauen getötet und über 200.000 Frauen attackiert. Hervorzuheben ist hierbei die Vergewaltigung der 17-jährigen Anene Booysens in Bredasdorp. Wie erklären Sie sich diese gesellschaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts am Kap?

Antwort: Die erschreckende Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südafrika hat viele Ursachen: Traditionelle Geschlechterrollen gehören dazu, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft durch die Apartheid wirkt heute noch nach. Viele Familien wurden durch das System der Wanderarbeit auseinander gerissen. Wo in den Arbeiterwohnheimen der Bergbaustädte nur Männer unter sich waren – und zum Teil heute immer noch sind – hat Gewalt immer weiter um sich gegriffen. Arbeitslosigkeit und Alkohol unter jungen Männern verstärken die Brutalisierung.

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RTL-Korrespondentin in Afrika

Im Interview mit Nicole Macheroux-Denault: Irritiert über viele Deutsche in Kapstadt, die sich abkapseln

(Autor: Ghassan Abid)

    © Nicole Macheroux-Denault berichtet seit fünf Jahren als Afrika-Korrespondentin für die RTL Sendergruppe. Das Redaktionsbüro befand sich in Kapstadt, ist jedoch vor anderthalb Jahren in die kenianische Hauptstadt Nairobi verlagert worden. (Quelle: RTL Gruppe)

© Nicole Macheroux-Denault berichtet seit fünf Jahren als Afrika-Korrespondentin für die RTL Sendergruppe. Das Redaktionsbüro befand sich in Kapstadt, ist jedoch vor anderthalb Jahren in die kenianische Hauptstadt Nairobi verlagert worden. (Quelle: RTL Gruppe)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Nicole Macheroux-Denault, die Afrika-Korrespondentin von RTL. Zuallererst vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews. Wie lange sind Sie schon in Afrika und welchen Eindruck konnte Sie bereits sammeln?

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Afrikanische Union unter dem Vorsitz Südafrikas

Innenministerin Dlamini-Zuma gewinnt Machtkampf. Doch wie kompetent ist sie wirklich?

(Autor: Ghassan Abid)

Für die Regierung von Jacob Zuma ist es ein gewaltiger außenpolitischer Erfolg. Nkosazana Dlamini-Zuma, derzeitige Innenministerin im Kabinett, gewann in einer Stichwahl das begehrte Amt des Kommissionspräsidenten der Afrikanischen Union (AU). Die Lobbyarbeit des Ministerinnen-Duos konnte fruchten. Ihr Herausforderer Jean Ping aus Gabun hat die Niederlage mit Fassung aufgenommen. Die notwendige Zweidrittelmehrheit hat Dlamini-Zuma beim 19. Gipfeltreffen in Äthiopien auf sich vereinigen können.

© Südafrikas Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma konnte sich gegen ihren gabunischen Konkurrenten Jean Ping durchsetzen. Ab sofort übernimmt sie den Vorsitz der AU-Kommission. Allerdings weist die ANC-Politikerin eine verheerende Bilanz auf. Das ihr (noch) unterstehende Innenministerium konnte sie nicht effektiv führen. Die Beibehaltung inkompetenter Mitarbeiter, die Zahlung hoher Vertragsstrafen, die Bagatellisierung fremdenfeindlicher Tendenzen, ausbleibende gesetzliche Regelungen und unzureichende Reformen machen das Innenministerium zu einem der schlecht organisierten Behörden Südafrikas. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Südafrikas Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma konnte sich gegen ihren gabunischen Konkurrenten Jean Ping durchsetzen. Ab sofort übernimmt sie den Vorsitz der AU-Kommission. Allerdings weist die ANC-Politikerin eine verheerende Bilanz auf. Das ihr (noch) unterstehende Innenministerium konnte sie nicht effektiv führen. Die Beibehaltung inkompetenter Mitarbeiter, die Zahlung hoher Vertragsstrafen, die Bagatellisierung fremdenfeindlicher Tendenzen, ausbleibende gesetzliche Regelungen und unzureichende Reformen machen das Innenministerium zu einem der schlecht organisierten Behörden Südafrikas. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Doch wie kompetent ist die Innenministerin tatsächlich und wer ist sie? Während im Zeit Online-Artikel „Südafrikas Innenministerin führt Afrikanische Union“ vom 16.04.2012 – und auch auf Spiegel Online, F.A.Z. Online und anderen Medien – basierend auf eine Agenturmeldung festgehalten wird, dass die Ex-Frau des Präsidenten als kompetente Managerin bekannt“ ist, „die ihre Ziele mit Entschlossenheit verfolgt, erweist sich dieses Bild als nicht wahrheitsgetreu bzw. völlig aus der Luft gegriffen.

Nkosazana Dlamini-Zuma gehört dem stolzen und patriarchalisch orientierten Volk der Zulus an. Als ausgebildete Medizinerin mit britischem Abschluss engagierte sie sich schon früh beim ANC im Hinblick auf den Sturz des Apartheidregimes. In dieser Periode arbeitete sie als Ärztin in Swasiland, wo sie Jacob Zuma kennenlernte. Nachdem Nelson Mandela am 10. Mai 1994 zum ersten Präsidenten des Neuen Südafrikas gewählt wurde, wurde Dlamini-Zuma ins Gesundheitsministerium geholt. Zwar ermöglichte sie als Ministerin den Zugang zur medizinischen Versorgung auch für Arme, doch ihre HIV/ AIDS-Politik erweist sich als umso enttäuschender. Ihr wurde vorgehalten, nicht genug gegen die AIDS-Pandemie vorgegangen zu sein. Es kann darüber gestritten werden, inwieweit sie eine Verantwortung für den Tod von HIV-Infizierten mitträgt.

Nachdem Nelson Mandela durch seinen Nachfolger Thabo Mbeki am 14. Juni 1999 ersetzt wurde, wechselte die Medizinerin ins Außenressort. In dieser Zeit machte sie eher mit möglichen Spitzenposten beim ANC als mit außenpolitischen Erfolgen von sich aufmerksam. Sogar eine mögliche Präsidentschaft stand im Raum. Zum damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier pflegte sie äußerst gute Beziehungen.

Infolge des Machtkampfes zwischen Thabo Mbeki und Jacob Zuma traten die Außenministerin und rund ein Dutzend weiterer Minister von ihren Ämtern im September 2008 zurück. Seitdem Zuma an der Macht ist, agiert Dlamini-Zuma als Innenministerin. In dieser aktuellen Funktion erweist sich ihr Führungsstil als totale Katastrophe. Nicht nur die fremdenfeindlichen Tendenzen in den ihr unterstehenden Einwanderungsbehörden konnte sie in den Griff bekommen. Auch die Beibehaltung inkompetenter Mitarbeiter, die Zahlung hoher Vertragsstrafen, ausbleibende gesetzliche Regelungen und unzureichende Reformen machen das Innenministerium zu einem der schlecht organisierten Behörden Südafrikas. Mehrere Studien von Forschungseinrichtungen und Stellungnahmen von NGOs bestätigten diesen mangelhaften Zustand.

© Die gewählte AU-Vorsitzende möchte sich für ganz Afrika engagieren. Ihr Ziel ist eine Fortschrittsentwicklung für alle Afrikaner. Doch die Umsetzung dessen bleibt bisweilen ungewiss. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Die gewählte AU-Vorsitzende möchte sich für ganz Afrika engagieren. Ihr Ziel ist eine Fortschrittsentwicklung für alle Afrikaner. Doch die Umsetzung dessen bleibt bisweilen ungewiss. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Als nun gewählte und erste Vorsitzende der Kommission der AU möchte Dlamini-Zuma das südliche Afrika und die Frauen stärker als bisher in Addis Abeba repräsentieren. Ihr Hauptziel bleibt eine Fortschrittsentwicklung für den gesamten afrikanischen Kontinent: „to create a better life for all Africans.“ Welche Maßnahmen sie konkret plant, inwieweit China für diesen Prozess eingespannt und wie das europäisch-afrikanische Verhältnis ausgestaltet werden soll, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig ungewiss. Ihr politischer Führungsstil im Innenministerium Südafrikas lässt nichts Gutes erwarten. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Welt-Aids-Tag 2010 – Bilanz zu Südafrika

Ein Regierungswechsel lässt nun endlich Hoffnung aufkommen

(Autor: Ghassan Abid)

© Die Rote Schleife, ein Symbol zum Kampf gegen AIDS

Anlässlich des heutigen internationalen Welt-Aids-Tages am 01. Dezember, widmet sich das Südafrika-Portal der problematischen Lage der 33,3 Mio. erkrankten Menschen weltweit, jedoch mit dem Fokus auf Südafrika.

Über 5,7 Mio. Menschen der 50,49 Mio. Bevölkerung Südafrikas sind mit dem HI-Virus infiziert; in absoluten Zahlen somit mehr als in jedem anderen Staat der gesamten Welt. 310.000 Südafrikaner starben nach offiziellen Angaben allein im Jahr 2009 an dieser tödlichen Immunschwächekrankheit. Die Prävalenz, die Krankheitshäufigkeit, wird bei den 15 bis 46-Jährigen mit 17,8 Prozent beziffert. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die durchschnittliche Lebenserwartung im Lande mit nur 53 Jahren veranschlagt wird, so UNAIDS – die zuständige UN-Behörde zur Bekämpfung von AIDS. Laut Angaben der britischen NGO „Avert“ leben zurzeit 1,9 Mio. Waisenkinder in Südafrika, bei denen ein oder beide Elternteile durch HIV verstorben sind. 70 Prozent dieser Waisen wachsen demnach ohne ihre Mutter auf. Das dramatische an dieser Lage ist, was schon erschreckend genug ist, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern in weiten Teilen des Landes verbreitet und die Infektion dieser in vielen Fällen das traurige Resultat einer Vergewaltigung ist.

Die südafrikanische Regierung unter Präsident Thabo Mbeki verharmloste von 1999 bis 2008 diese tickende gesellschaftliche Zeitbombe, indem die wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, wonach ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und der Immunschwächekrankheit AIDS besteht, als Nonsens abgetan wurde. Vielmehr sei Armut die Ursache der tödlichen Krankheit AIDS, so die Aussage von Mbeki. Die Wirkung antiretroviraler Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern, empfand man deshalb als nicht notwendig. Zahlreiche südafrikanische und internationale NGOs und Wissenschaftler protestierten vehement gegen diesen Irrglauben, konnten sich jedoch zum damaligen Zeitpunkt kaum durchsetzen.

Erst mit Jacob Zuma, der Mbeki im letzten Jahr als Regierungschef abgelöst hatte, fand ein Umdenken innerhalb der politisch-administrativen Elite Südafrikas statt. Am heutigen Tage verkündete der Vizepräsident Kgalame Motlanthe zum Welt-Aids-Tag in Driefontein die Verantwortung der Regierung, der Unternehmen und der Bevölkerung dieser Pandemie tatkräftig entgegenzuwirken: „we are responsible … It means that friends, colleagues and families should talk about HIV in their workplaces, homes and communities and take appropriate action to care for those infected and affected.” Insbesondere die Prävention sei eine Notwendigkeit zum Kampf gegen diese Immunschwächekrankheit, so der Stellvertreter von Präsident Zuma: „I would like to emphasise this once more: prevention, prevention, prevention!“. Konkret sind seit der Einführung der Präventionskampagne „HIV Counselling and Testing (HCT) Campaign“ im April dieses Jahres weit mehr als 4.680.000 Bürger auf HIV getestet worden. Zusätzlich wird die Verbreitung von bisher 450 Mio. Kondomen auf eine Milliarde Exemplare durch das Department of Health, dem nationalen Gesundheitsministerium, angestrebt.

© HIV-Infektion in Afrika, in prozentualer Relation zur nationalen Bevölkerung (Quelle: UNAIDS, 2010)

Positiv ist, dies ist aus den Berichten von UNAIDS ersichtlich, dass in Südafrika die Anzahl der AIDS-Toten langsam aber stetig abnimmt und die Inanspruchnahme von antiretroviralen Medikamenten im Umkehrschluss ansteigt. Insbesondere die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aus GTZ und DED sowie deutsche Automobilhersteller wie BMW South Africa widmen sich seit Jahren der Bekämpfung und Behandlung von HIV/AIDS. Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung!

Historische Entwicklung zur Debatte um HIV/AIDS in Südafrika:

http://www.avert.org/history-aids-south-africa.htm

UNAIDS mit interaktiver Datenbank zu allen Staaten der Welt:

http://cfs.unaids.org/

Medizinmänner und Aberglaube in Südafrika

Sangomas dominieren dank der Passivität ihres Präsidenten das Gesundheitssystem

(Autor: Ghassan Abid)

Wenn man in Deutschland krank ist, dann sucht man normalerweise einen Arzt auf. Diese uns so selbstverständliche Sicht eines modernen Gesundheitssystems unterscheidet sich jedoch in doppelter Hinsicht von jenem in Südafrika.

Zum einen arbeiten neben westlichen Medizinern auch traditionelle Heiler auf dem Terrain der medizinischen Versorgung, die man terminologisch mit dem Wort „Sangoma“ erfasst. Man schätzt, dass etwa 200.000 Menschen diese traditionelle Heilpraxis  anbieten, die im Stamm der Nguni ihren Niederschlag finden. Die Ethnien Zulu, Xhosa, Ndebele und Swasi gehören diesem Stamm an und da der Präsident Jacob Zuma ein stolzer und bekennender Zulu ist, vertraut auch dieser den übermenschlichen Kräften der Sangomas – etwa bei einstigen Gerichtsprozessen gegen seine Person.

© Machtfaktor Medizinmann

Zum andern sind Sangomas per Gesetz den Kollegen der westlichen Medizin gleichgestellt und vom Department of Health, dem nationalen Gesundheits-ministerium, in statistische Erhebungen aufgeführt. Wer einen solchen „Heiler“ aufsucht, dem ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse garantiert – und die Kräutermedizin gibt es auf Rezept gleich dazu.

Eine Umfrage des „Pietermaritzburg Institute of Natural Resources“ hatte ergeben, dass 84 Prozent der Südafrikaner – der o.g. Ethnien – regelmäßig einen Sangoma aufsuchen. Denn dieser Heiler ist nicht nur Arzt, sondern auch Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Hellseher. Demnach ist der sozio-ökonomische Rollenwert dieser Berufsgruppe nicht zu unterschätzen, zumal diese gemeindlichen „Vorbilder“ für erhebliche Probleme sorgen. Bis heute existieren Gerüchte, die unter anderem durch Sangomas verbreitet werden, wonach HIV-Infizierte ihre Immunschwächekrankheit durch Sex mit einer Jungfrau behandeln könnten. Die Konsequenz ist, dass bereits weibliche Babies und Kinder vergewaltigt werden. Experten rechnen mit einer Opferzahl im fünfstelligen Bereich. Vor allem in den Townships der betreffenden Ballungsräume müssen Eltern um die Unversehrtheit ihres Mädchens bei 5,7 Millionen infizierten Personen im Lande jeden Tag aufs Neue beten. Auch der Herausgeber dieses Portals, Ghassan Abid, hielt sich mehrfach in Townships auf und suchte den Kontakt vor allem zu Müttern, die ihm ihre Sorgen bezüglich eines Kindesmissbrauchs bestätigen konnten.

Diesen Aspekt greift seit dem Jahre 2003 der deutsche Verein HOPE Cape Town auf, welcher ein Fundament für eine längerfristige Zusammenarbeit auf lokaler Basis zwischen westlichen und klassischen Medizinern etablieren möchte. Die Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet von HIV/AIDS wird mittlerweile durch die Universität Kapstadt und durch die deutsche AIDS-Stiftung unterstützt.

Der Sangoma-Freund Jacob Zuma lässt bisweilen weder an der Praxis der traditionellen Heiler einen kritischen Diskurs zu, noch thematisiert er mit Ernsthaftigkeit und festem Willen die erschreckende HIV/AIDS-Problematik im Lande. Zivilgesellschaftliche Akteure der HIV-Prävention, etwa das „Treatment Action Campaign“ schlagen dementsprechend Alarm und fordern ein Handeln des südafrikanischen Präsidenten, damit die Vergewaltigungswelle von Babies und Kindern und die ansteigende HIV-Prävalenz bald wirksam begegnet werden können.

Sangoma-Analyse der University of Pretoria:

http://www.up.ac.za/dspace/bitstream/2263/11550/1/Botha_Sangomal%282004%29.pdf

NGO „Treatment Action Campaign“ schlägt Alarm:

http://www.tac.org.za/community/node/2819

Deutscher Verein HOPE Cape Town verbindet Moderne und Aberglaube:

http://www.hopecapetown.com/09German/program_sangoma_g.html

Videobeitrag des ZDF zu einer traditionellen Zeremonie in Südafrika:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/482120/Aberglaube-im-modernen-S%C3%BCdafrika