Schlagwort-Archive: Gewinn

Waar is die nuwe Heidi?

Afrikaaner im Heidi-Fieber: Schlagerstar Kurt Darren und  Magazin Huisgenoot starten Aufruf.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Zeitungen und Magazine starten des Öfteren einen Aufruf. Passend zum gerade in München stattfindenden Oktoberfest entschied sich das bei den Afrikaanern – den Buren – beliebte Magazin Huisgenoot einen durchaus ungewöhnlichen Wettbewerb ins Leben zu rufen.

© Heidi, ein Waisenkind, wird von ihrer Tante zum Großvater, dem Alm-Öhi, in die Schweizer Alpen geschickt. Alm-Öhi hat anfänglich sichtlich Schwierigkeiten mit dem Mädchen, doch mit jedem gemeinsamen Tag wächst seine Zuneigung für Heidi & ihre Fröhlichkeit. (Quelle: thecartoonpictures.com)

© Heidi, ein Waisenkind, wird von ihrer Tante zum Großvater, dem Alm-Öhi, in die Schweizer Alpen geschickt. Alm-Öhi hat anfänglich sichtlich Schwierigkeiten mit dem Mädchen, doch mit jedem gemeinsamen Tag wächst seine Zuneigung für Heidi & ihre Fröhlichkeit. (Quelle: thecartoonpictures.com)

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And the winner is …

Yvonne L. aus Kraichtal in Baden-
Württemberg

(2010sdafrika-Redaktion)

© Gratulation!

Zum Gewinnspiel „2 Jahre“ erhielt das Team von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ eine Menge an Zuschriften. Es wurde ausgelost und Yvonne L. aus Kraichtal möchten wir gratulieren.  Die richtige Antwort zum Gründungsdatum von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ lautet 29. Januar 2010.

In den nächsten 10 Tagen wird der bisher noch nicht im Handel zu erwerbende Dokumentarfilm „Gangster Project“ des deutsch-südafrikanischen Regisseurs Teboho Edkins an die Gewinnerin zugesandt. Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass die Nutzung des Filmmaterials nur für private Zwecke gestattet ist und aufgrund der urheberrechtlichen Bestimmungen in der Bundesrepublik Deutschland nicht vervielfältigt werden darf.

Die 2010sdafrika-Redaktion dankt für die rege Teilnahme am Gewinnspiel! Nicht traurig sein, denn weitere Gewinnspiele folgen in Kürze auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Bleibt uns treu!

Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Geschäftsführerin des Weingutes „Kaapzicht Wine Estate“ im Interview

Wirtschaftskrise erfasst renommierte Weingüter Südafrikas mit aller Härte

(Autor: Ghassan Abid)

Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise ist weiterhin anhaltend und unberechenbar. Vor allem exportorientierte Nationen und inbesondere aufs Ausland angewiesene Unternehmen machten und machen harte Zeiten durch. Nicht nur der Automobilsektor Südafrikas musste harte Einschnitte in Kauf nehmen, sondern auch der Großteil der 585 Weingüter im Lande. Einer von diesen Weinkellern gehört der aus Bremen stammenden Yngvild Steytler und ihrem Ehemann. Mit „Kaapzicht Wine Estate“ schaffte sie es, ihren Weinkeller im internationalen Ranking an die Spitze zu etablieren. Allerdings geht es zurzeit weniger um Gewinn, sondern vielmehr um reine Kostendeckung und  die Erhaltung eines jeden Arbeitsplatzes – oder anders ausgedrückt: Um das strikte Überleben.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Yngvild Steytler, Geschäftsführerin von „Kaapzicht Wine Estate“, einem der populärsten Weingütern Südafrikas. Frau Steytler, Sie stammen ursprünglich aus Bremen und wanderten eines Tages nach Südafrika aus. Wie kam es zu diesem Schritt?

© Yngvild Steytler, Geschäftsführerin des Weingutes Kaapzicht Wine Estate.

© Yngvild Steytler, Geschäftsführerin des Weingutes Kaapzicht Wine Estate.

Antwort: Ich träumte davon um die Welt zu reisen und in unterentwickelten Ländern zu arbeiten, sparte mein Geld und nach meinem letzten Examen begann ich meine Reise in Namibia, wo ich einen Onkel besuchte. Bin dann ~ 14 Monate durch Namibia, Südafrika und Malawi gereist bzw habe hier und da gejobbt und dabei meinen späteren Mann kennengelernt. Ich arbeitete gerade in einem Lepra-Projekt in Malawi, hatte mein Ticket für den weiteren Flug nach Australien bereits in der Tasche, als dieser junge Südafrikaner mir hinterher geflogen kam und mich überredete lieber ihn zu heiraten, als weiterzureisen. So habe ich mein Ticket umgetauscht und wir sind gemeinsam nach Bremen geflogen, haben in meinem Elternhaus geheiratet und seit Januar 1980 bin ich Farmers Frau in Stellenbosch.

2010sdafrika-Redaktion: Wie viele Weingüter existieren zurzeit in Südafrika, wo sind diese angesiedelt und wie viele werden von deutschen Einwanderern betrieben?

Antwort: Es gibt insgesamt 585 Weinkeller – davon sind 58 Cooperative, 23 weinproduzierende Großhändler und 504 private Kellereien, von denen 46 % weniger als 100 Tonnen produzieren (micro wineries). Dazu gibt es 3839 reine Traubenproduzenten (ohne Weinkeller).

Ich weiss leider nicht wieviele von diesen Weingütern Deutschen gehören.

Angesiedelt sind sie fast ausschliesslich im Kapland (Western Cape) von Südafrika. Insgesamt 101.325 ha sind mit Weinstöcken bepflanzt und diese Fläche ist unterteilt in 80 verschiedene offizielle Appellationen. (Südafrika und Deutschland haben fast die gleiche / ähnlich grosse Fläche unter Weinstöcken.)

Unser Weingut umfasst 190 Hektar, davon sind 162 ha mit den Sorten Chenin Blanc, Sauvignon Blanc, Muscadel Alexandrie, Merlot, Shiraz, Pinotage, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Petit Verdot, Malbec und Cinsaut bepflanzt.

2010sdafrika-Redaktion: Seit 1984 verkaufen Sie mit dem guten Ruf Ihres Weingutes „Kaapzicht Wine Estate“ weltweit Ihre Produkte, mittlerweile unter anderem zehn Rotweine und drei Weißweine. Können Sie uns Angaben zu Absatz, Gewinn, Abnehmern und Anzahl Ihrer Arbeitskräfte in den letzten drei Jahren machen?

Antwort: Die Familie meines Mannes besitzt diese Weinfarm (wie wir es hier nennen) seit 1946. Sie haben wie 90 % aller anderen Weinfarmer ihre Trauben oder losen Weine an die Großkellereien geliefert. 1984 haben wir zum ersten Mal begonnen unsere Weine unter unserem Kaapzicht Etikett abzufüllen und direkt an die Öffentlichkeit zu verkaufen. Unser erster Export ging 1992 nach Holland. Unter der neuen Regierung und nach Aufhebung der Sanktionen gegen Südafrika begann dann seit 1994 das internationale Interesse an südafrikanischen Weinen zu wachsen und das löste aus, dass sich viele Traubenlieferanten entschlossen Weinkeller zu bauen und ihre Weine unter eigenem Namen auf den Markt zu bringen.

© Weingut „Kaapzicht Wine Estate“ – ein Betrieb der Steytler-Familie

Diese Entwicklung bedeutete für uns und auch für alle anderen, dass viel mehr Arbeitskräfte gebraucht werden als je zuvor: Früher wurden meistens nur Männer für die Landarbeit angestellt (wir hatten 18 Angestellte). Heutzutage haben wir zusätzlich ein Team im Weinkeller und eine Gruppe Frauen in der Lagerhalle zur Etikettierung und Verpackung der Flaschen plus 2 zusätzliche Personen im Büro. Unsere Anzahl permanenter Arbeitskräfte hat sich deshalb auf 49 Personen erhöht. (Sie leben fast alle in ihren Häuschen bei uns auf der Farm, insgesamt 120 Personen, wenn man alle Kinder und Großeltern mitzählt.)

Wir exportieren 85 % unserer abgefüllten Weine inzwischen in die meisten Länder Europas – unser wichtigster Markt ist Deutschland – nach Hong Kong, Malaysia, Singapur, Philippinen, Indonesien und nach Angola, Nigeria, Botswana und Namibia und auch in die USA. Unsere Abnehmer rund um die Welt sind alle passionierte Weinliebhaber, die irgendwie von uns gelesen oder gehört haben. Ich bin mit meinem deutschen Pass zuständig für unsere Exportmärkte und muss zugeben, dass die meisten Geschäftspartner uns gefunden haben und nicht ich sie. In all diesen Ländern rund um die Welt haben wir zu unseren Importeuren ein freundschaftliches Vertrauensverhältnis. Sie vertrauen darauf, dass wir unser Exklusiv-Abkommen mit ihnen halten und ihnen stets gute Qualitätsweine schicken und wir vertrauen darauf, dass sie uns irgendwann später bezahlen. Sicherheiten haben wir nicht. Weil wir gerne langfristig mit unseren Geschäftspartnern unsere Märkte aufbauen wollen, müssen wir auch alle guten und schlechten Zeiten zusammen mit ihnen durchmachen, d.h. wir ersetzen sie nicht sofort durch andere Partner, wenn Verkäufe zurückgehen oder Zahlungen spät kommen.

Aller Gewinn, der in den vergangenen Jahren erarbeitet worden ist, wurde immer wieder in die Farm hinein investiert: Mit dem wachsenden Markt, der wachsenden Nachfrage brauchten wir mehr Weintanks, deshalb musste der Weinkeller vergrößert werden, bessere und neue Maschinen (zum Beispiel Etikettiermaschinen), neue Lagerhallen für abgefüllte Flaschen, Infrastruktur (Lastwagen zur Weinablieferung), Weinprobierstube und ein aufgradiertes Büro (Computer). Gleichzeitig müssen alte Weinberge neu gepflanzt werden und sämtliche Fahrzeuge, Trecker, Gebäude, auch die Wohnhäuser unserer Leute in Stand gehalten werden. Außer dass ich zwecks Marketing jetzt sehr viel mehr international unterwegs bin, haben sich bei uns privat noch nicht viele Wohlstandssymbole eingestellt (noch immer das gleiche alte Auto).

2010sdafrika-Redaktion: Im letzten Jahr, also 2009, sind nach offiziellen Angaben infolge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise knapp über 900.000 Arbeitsplätze allein in Südafrika abgebaut worden. Inwieweit hat diese Krise die Weinkeller im Lande und speziell Kaapzicht Wine Estate erreicht?

Antwort: Die auf unserer Farm lebenden Menschen sind hier geboren und aufgewachsen, die gesamte ältere Generation ist illiterat und kennt nichts anderes als die Landarbeit auf einer Weinfarm. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir in einer Art Symbiose mit diesen Menschen leben, in der alle davon profitieren, wenn es allen gut geht, – einer braucht den anderen. Wir schaffen Aufgaben & Arbeit für sie, selbst wenn es in der Weinindustrie gerade still ist. Wir haben dieses Jahr unseren Banküberzug erhöht und allen unseren Angestellten wie jedes Jahr inflationsorientierte Gehaltserhöhungen gegeben. Es ist uns noch nie eingefallen jemanden zu entlassen, der sich nicht irgendeines schweren Deliktes schuldig gemacht hat. Außerdem gibt es strenge Arbeitsgesetze in Südafrika, nach denen man nicht so einfach “hire & fire”, also anheuern und entlassen kann. Allerdings haben wir von anderen größeren Weinkellereien gehört, dass sie wegen der ökonomischen Situation hoch bezahlte Kräfte, wie Kellermeister und Marketing-Personal abgedankt haben.

Finanzkrise: Ich habe in den neunziger Jahren unsere lokalen Preise in Euro / Dollar und GBP (= Britischer Pfund) Preislisten übersetzt und die haben sich in all den Jahren nur gering verändert. Sehr oft wurde der Wechselkurs von der politischen Situation Südafrikas, zum Teil als direkte Folge von einzelnen Reden und Ansprachen beeinflusst und so haben wir abhängend vom Wechselkurs mal eine Zeitlang gewonnen und zu anderen Zeiten wieder verloren.

Zurzeit ist die Lage für uns bzw. die Exporte Südafrikas besonders kritisch. Nicht nur weil die Weltkrise dazu geführt hat, dass unsere Partner und wir weniger Wein verkaufen, sondern vor allem weil der Euro und der Dollar schwächer geworden sind. Das bedeutet, dass sich die Lage für uns nur sehr viel langsamer, in Tandem mit der Wirtschaft Europas verbessern kann. Inzwischen ist unser südafrikanischer Rand stärker als seit Jahren und für jeden bezahlten Export müssen wir Verluste wegen des Wechselkurses abschreiben. Wir können uns aussuchen, ob wir so weitermachen wollen oder ob wir unsere Euro-Preise raufsetzen und dann dadurch unsere Kunden verlieren.

Letztes Jahr ist die Firma bankrott gegangen, die unsere und die Weine von ~ 15 – 20 anderen Weingütern national, also überall in Südafrika verbreitet und verkauft hat. Wir mussten ganz von vorne anfangen, eine andere Distributionsfirma finden, deren neues Verkaufspersonal uns und unsere Weine erst neu kennenlernen musste, bevor sie den Markt wieder aufbauen konnten. Ein Jahr später haben wir die gleiche Situation – wieder Liquidation der 2. Firma, Verlust von Geld, Weinvorrat und Markt. Liefert man den Wein nicht, wird man von den Restaurants entlistet. Liefert man den Wein doch, so wird er einem später nicht bezahlt. Ich bin allerdings nicht sicher wie direkt oder indirekt diese beiden Liquidationen mit der Weltwirtschaftskrise zusammenhingen.

Es ist nur finanziell recht hart für uns, wenn Weltwirtschaftskrise, ein schlechter Wechselkurs und der Konkurs von zwei der größten Kunden alle in einem Jahr zusammen fallen. Wie sagt man so schön – Ein Unglück kommt selten allein und es trifft auch nicht uns allein, sondern noch viele andere Weingüter ebenso, nur unterschiedlich schwer.

2010sdafrika-Redaktion: Die südafrikanische Regierung unter Jacob Zuma hatte in der Vergangenheit für die von der Krise betroffenen Unternehmen eine Art Rettungsschirm in Aussicht gestellt. Daher die Frage: Erhalten von der Insolvenz bedrohte Weinbauer eine Unterstützung seitens der nationalen oder provinziellen Regierung?

Antwort: Ich habe neulich zum ersten Mal davon gehört, dass Präsident Zuma so etwas gesagt haben soll. Da Weinfarmen allgemein für “weiß” und “reich” gehalten werden, kommt so etwas mit Sicherheit nicht für uns in Frage. Alle Förderungen gehen wegen der Anti-Apartheidspolitik, die ehemals benachteiligte Personen jetzt besonders bevorteilt, an schwarze Menschen bzw. Firmen die Schwarzen gehören. (Mit ein Grund, warum so viele Weiße emigrieren.)

Weinbauer bekommen auch keinerlei finanzielle Unterstützung um ihre Produkte auf Exportmärkten billiger anbieten zu können. Familienbetriebe wie wir arbeiten ganz ohne finanzielles Sicherheitsnetz.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Herausforderungen müssen Sie, als Geschäftsführerin von Kaapzicht Wine Estate, demnächst meistern?

Antwort: Ich sehe unsere einzige Lösung in der Flucht nach vorne: Wir produzieren auf unserem eigenen Grund und Boden rund 4 mal soviel Wein wie wir zur Zeit abfüllen und in Flaschen verkaufen. Für diesen losen Wein, den wir an andere Weinkeller verkaufen, bekommen wir weniger als Produktionskosten bezahlt, nur mit dem Verkauf des selber abgefüllten Weines können wir Profit machen. Das heißt ein Viertel unserer Produktion (der Verkauf unseres Flaschenweines) trägt eigentlich die gesamte Farm. Ich muss mich also noch viel mehr anstrengen, um unsere Märkte wachsen zu lassen, um mehr Kaapzicht Weine zu verkaufen. Wenn wir 2-3 mal soviele Kisten Wein verkaufen könnten wie im Moment, dann würde es uns auch leichter fallen in die Lebensqualität unserer Farmgemeinschaft zu investieren.

© Weinhügel des Western Cape´s

2010sdafrika-Redaktion: Nach Jahrzehnten des Aufenthaltes in Südafrika, möchte ich Sie gerne fragen, welche persönlichen Träume Sie in Südafrika noch gerne verwirklichen möchten?

Antwort: Meine persönlichen Träume galten schon immer hilsbedürftigen Menschen. Als ehemalige Kinderkrankenschwester hatte ich gerade den Kindern in unterentwickelten Ländern beistehen wollen und fand mich dann mit dieser farbigen Arbeitergemeinschaft hier auf der Farm “verheiratet”. Ich arbeite daran unsere Farmkinder dazu zu kriegen, dass sie in die Schule gehen, dass sie die 12 Schuljahre fertig machen, eine anständige Weiterbildung erhalten und auf diese Weise später in besseren Umständen zu leben, auf ihre Gesundheit achten, kleinere Familien haben und einen höheren Lebensstandard geniessen können – mit anderen Worten, dass sie nicht wie ihre Eltern für uns arbeiten müssen.

Ich habe beobachtet, dass die meisten unserer weiblichen Teenager mit 15 Jahren schwanger werden und die Jungen verlassen die Schule um “zu arbeiten”, in der Stadt irgendwo Geld zu verdienen. Oft haben sie gesagt, ihre Eltern können sich die Schulgelder nicht leisten und deshalb haben wir im Jahre 2002 begonnen alle Schulgelder für alle Kinder unserer Angestellten zu bezahlen. Erst seit dem letztem Jahr ist Grundschulunterricht in Südafrika umsonst, die “high schools” kosten immer noch Geld. So haben von all unseren vielen Farmkindern insgesamt nur 6 Kinder den Schulabschluss nach der 12. Klasse gemacht und das seit 1946, dem Jahr in dem die Steytler Familie die Farm gekauft hat.

Wir haben auch seit 1987 einen Farm-Kindergarten, in dem zur Zeit 12 Kinder unter 6 Jahren von 2 jungen Frauen aus unserer Farmgemeinschaft betreut werden. Erst seit 2 Jahren haben wir einen angrenzenden After-School-Club, in den nachmittags unsere ~ 45 Schulkinder gehen, wo 2 von außen kommende Lehrerinnen ihnen bei den Hausaufgaben helfen, Dinge erklären, mit ihnen basteln und Theater spielen oder ihnen Sport und Spiele und “life skills” beibringen. “Life skills” heisst sie lernen wie man Schwangerschaften und Aids vermeidet, dass man nicht mit Drogen und Alkohol experimentiert, Entrepreneursfähigkeiten erlernt etc.

© Kaapzicht-Kindergarten

Ich kann sehen wie sehr die Jugendlichen diese Aktivitäten genießen und dass sich eine viel bessere Lernmoral verbreitet. Wir haben in diesem Jahr wieder einen Jungen, der seinen Schulabschluss machen möchte, das 7. Kind. Wie schön wäre es, wenn wir ihm auch eine Weiterbildung finanzieren könnten. Es ist immer wieder frustrierend, wie sehr einem die Hände gebunden sind es finanziellen Mitteln mangelt. Ich muss erst Wein verkaufen, bevor ich einen Unterschied im Leben dieser Menschen bewirken kann (z.B. Gehälter für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen zahlen können).

Es liegt aber nicht nur daran, sondern die Einstellung der älteren Generation hält den Fortschritt sehr zurück. Sie sind selber nicht oder nur kurz in die Schule gegangen. Sie mussten den Haushalt für ihre Großmütter führen, deshalb sollen die Jugendlichen heute auch nichts anderes machen oder etwas Besseres werden. Nach Meinung der Eltern und Großeltern sollen sie buchstäblich lieber die Hausputzarbeit machen, als Hausaufgaben für die Schule.

Wenn ich träume, dann davon, dass alle Menschen auf unserer Farm einsehen wie wichtig “education” ist, dass alle Jugendlichen motiviert die Verantwortung für ihr Leben übernehmen (und wir ihre Ausbildungen bezahlen können) und auf diese Weise Selbstrespekt und Menschenwürde gewinnen. Nur darin liegt die Zukunft Südafrikas.

Website von Kaapzicht Wine Estate:

http://www.kaapzicht.co.za/

We are looking for you! Wir wollen dich!

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Aktion „Mein Südafrika“ gestartet – Du hast das Sagen!

Hast du Lust für das Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ zu schreiben?

Wir wollen deine Meinung zu Themen rund um Südafrika erfahren, ob deutscher oder südafrikanischer Bürger. Wie zum Beispiel dein schönstes Erlebnis im Kapland, deine Meinung zur Politik, deine Ansicht zu gesellschaftlichen Problemen, deine Erfahrungen mit weißen bzw. schwarzen Südafrikanern oder einfach nur deine Argumente, warum du Südafrika liebst oder gar kritisch betrachtest?

Schicke uns einfach ein Foto von dir und deinen Artikel natürlich; max. eine halbe A4-Seite in Deutsch und/oder Englisch.

Wir werden jeden Artikel zur Abstimmung freigeben und der Autor des besten Artikels kriegt eine Stelle in unserer Redaktion (womöglich mit Bezahlung) ODER eine vom südafrikanischen Krimiroman-Autor Andrew Brown selbst signierte und einzigartige Autogrammkarte!

Stichwort: „Mein Südafrika„, E-Mail: sdafrika2010@yahoo.de

Wir freuen uns auf dich!!! (;

© We want your comment! Wir wollen deine Meinung! (Quelle: MediaClubSouthAfrica.com)

Campaign „My South Africa“ has started – Have your say!

Are you interested to write for the gateway „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“?

We want to get your comment on topics to South Africa, whether German or South African citizen. For example about your most beautiful experience in rainbow nation, your opinion in politics, your point of view on social problems, your experiences with white/ black South Africans or your arguments why you are loving or even critizing South Africa?

Send us quite simply a picture of your person and your article of course; not more than a half A4 page in German and/or English!

We will put every article in a survey and the author of the best one, will get a position in our editorial staff (maybe with salary) OR a by the South African crimi novel author Andrew Brown signed and unique autograph.

 

Keyword: „My South Africa„, E-Mail: sdafrika2010@yahoo.de

We are pleased to hear from you!!! (;

Finanzminister Gordhan bekräftigt WM-Gewinn

Vision oder Illusion? Über 3 Milliarden Euro an WM-Kosten

(Autor: Ghassan Abid)

Während die südafrikanischen Medien und insbesondere Wissenschaftler die Weltmeisterschaft 2010 weniger nachhaltig für die Entwicklung Südafrikas bewerten, wie z.B. Prof. Wolfgang Männing der Universität Hamburg, untermauert die südafrikanische Regierung den immensen Nutzen dieses Großspektakels für die nationale Volkswirtschaft.

© Finanzminister Pravin Gordhan bekräftigt WM-Nutzen für Südafrika (Quelle: Sebastian Derungs/ World Economic Forum, MediaClubSouthAfrica.com)

Am 2. Juli 2010 bekräftigte der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, auf einer FIFA-Konferenz in Johannesburg die Chancen des international größten Fußball-Wettbewerbes für das Ausrichterland. Neben den nicht messbaren Imagegewinnen, welche dem Tourismus zu Gute kommen werden, hält der einflussreiche Minister des ANC fest, dass im Lande ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Ethnien zu erkennen sei. Ferner beträgt der Anteil der WM am diesjährigen Bruttoinlandsprodukt knapp 0,4 Prozent. In absoluten Zahlen wird der Wert der hergestellten Güter mit 38 Milliarden Rands, umgerechnet etwa 3,9 Milliarden Euro, quantifiziert. Positiv sei auch die Erkenntnis, dass im Rahmen der WM fast 130.000 Arbeitsplätze geschaffen worden sind.

Jedoch veranschlagt Gordhan die derzeitigen Kosten für die vierjährige WM-Vorbereitung allein für die nationale Ebene auf 33 Milliarden Rands; umgerechnet etwa 3 Milliarden Euro. Die WM-Ausgaben der Provinzen [= Bundesländer] und Kommunen beziffert der oberste Leiter der Treasury mit 3 bis 5 Milliarden Rands (310 bis 515 Millionen Euro).

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© Green Point Stadion (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten für Stadien:

12 Milliarden Rands (etwa 1,2 Milliarden Euro)

© Schnellzug Gautrain, welcher erst 2011 Pretoria und Johannesburg verbinden soll (Quelle: MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten im Transportwesen:

11 Milliarden Rands (etwa 1,1 Milliarden Euro)

© Telekommunikationsanlage des Konzerns Vodacom (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten für Telekommunikation und Veranstaltungsübertragung:

1,5 Milliarden Rands (etwa 154 Millionen Euro)

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Die Tatsache, dass von den erwarteten 450.000 WM-Touristen aus Übersee höchstens nur die Hälfte nach Südafrika angereist ist, nahm der Minister mit Gelassenheit zur Kenntnis. Wichtiger sei die Tatsache, dass das investierte Geld der südafrikanischen Regierung ihren Zweck erfüllen wird, wonach dieses Großspektakel in Anbetracht der jungen Demokratisierung des Landes mit ganzem Stolz begegnet werden konnte: „I think as South Africans, we need to remember that we are a teenager in the world of nations and for us this has been a proud moment since 1994 and from the economic point of view all the investment was money well spent“.

Allerdings bleibt unklar, welchen nachhaltigen Effekt die Weltmeisterschaft auf Südafrikas Volkswirtschaft und Gesellschaft entfalten wird. Der Finanzminister Gordhan äußerte sich hierbei nur kurz: I know there are questions that are being asked but I’m sure you will all realise long after the World Cup, the social and economic benefits that this tournament has been able to provide for our country“ (zu Deutsch: Ich weiß, dass hier Fragen erbeten wurden, aber ich bin sicher, dass Sie alle weit nach der Weltmeisterschaft die sozialen und ökonomischen Vorteile, die dieses Turnier dem Land zur Verfügung gestellt hat, realisieren werden).

Dieses Herausreden des Finanzministers erweist sich als Flucht aus einer zunehmend kritischen Debatte um den Sinn und Zweck einer Weltmeisterschaft für das betreffende Ausrichterland, wenn die Kosten stets die Einnahmen übersteigen konnten und die FIFA als der wahre Gewinner aus der WM hervorging. Allein die Information, dass im Rahmen der WM 130.000 Jobs vor allem beim Stadionbau geschaffen wurden, lässt nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Arbeiter nach Ablauf des Sportevents erneut von der Arbeitslosigkeit eingeholt werden.

Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“

Warum die WM in erster Linie keinen Gewinn für Südafrika darstellt

(Autor: Ghassan Abid)

Gewaltig war im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft die Freude in Südafrika. „We will befenit from this event“ (zu Deutsch: Wir werden von dieser Veranstaltung profitieren), so die einstige These in den südafrikanischen Medien. Ob in Kapstadt, Durban oder Johannesburg – überall erwartete man mit großer Spannung das bisher größte Spektakel auf dem afrikanischen Kontinent und einen fiskalischen Gewinn für die Nation und den einzelnen Bürger. Doch spätestens als bekannt wurde, dass die WM-Hymne auf dem afrikanischen Kontinent nicht an einen (süd)afrikanischen Sänger vergeben wurde, empfand man den Song „This time for Africa“ der Lateinamerikanerin Shakira als reinen Zynismus.

Mittlerweile hat sich eine Gruppe von südafrikanischen Künstlern etabliert, die „Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA), welche öffentlich die FIFA anprangert und in der Vergangenheit sogar zu einem Boykott des WM-Eröffnungskonzertes aufgerufen hatte. Ihre Kritik erhielt inbesondere nach dem Ausscheiden von Bafana Bafana in der Vorrundenphase viel Resonanz. Auch die staatliche Rundfunkanstalt „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ hat den Unmut seiner Zuschauer und Hörer zur Kenntnis nehmen müssen, sodass zumindest in den Radiosendern zunehmend nur afrikanische Musik zu hören ist.

Die „Fédération Internationale de Football Association“, kurz FIFA, hat klare Vorgaben zur Vergabe einer Weltmeisterschaft an das Gastland aufgestellt. Im „Reglement“ zur WM 2010 betont die FIFA, dass die Meisterschaft eine „Veranstaltung der FIFA“ ist. Der südafrikanische Fußballverband SAFA und das Lokale Organisationskomitee (LOC) erhalten hierbei nur die Funktion des „ausrichtenden Verbandes„. Zwischen FIFA und SAFA sind daher zahlreiche Übereinkünfte abgeschlossen worden, die den Gestaltungsspielraum der Südafrikaner stark einschränken. Im Reglement, dem Basispapier der FIFA mit dem Gastland, ist notiert: „Der ausrichtende Verband unterliegt der Überwachung und der Kontrolle der FIFA, die in allen Punkten bezüglich der Weltmeisterschaft letztinstanzlich entscheidet. Die Entscheidungen der FIFA sind endgültig„. Es ist hierbei ersichtlich, dass SAFA zum ausführenden Instrument des Züricher Weltfußballverbandes umfunktioniert wurde. Der Veranstaltungsvertrag, das Pflichtenheft, die FIFA-Richtlinien und -Zirkularen sowie FIFA-Statuten und -Reglementen ermöglichen der FIFA schließlich die totale Kontrolle über die südafrikanischen „Partner“.

Neben der Kontrolle über SAFA und LOC, erlaubt sich die FIFA ebenfalls einem Verzicht von jeglicher Verantwortung. So ist im Punkt 2.3. des Reglements notiert: „Der ausrichtende Verband entbindet die FIFA von jeglicher Verantwortung und verzichtet auf jegliche Ansprüche gegenüber der FIFA und ihren Delegationsmitgliedern für Schäden durch irgendeine Handlung oder Unterlassung in Zusammenhang mit der Organisation und dem Ablauf der Weltmeisterschaft„. Im Gegenzug dürfen die Südafrikaner in Zusammenarbeit mit der Regierung Südafrikas unter anderem für die Wahrung von Sicherheit und Ordnung im Innen- und Aussenbereich der Stadien die gesamte Last tragen.

© WM-Maskottchen Zakumi und Bälle wurden in China produziert (Quelle: Ndaba Dlamini/ MediaClubSouthAfrica.com)

Doch wie verhält es sich überhaupt bei den Gewinnen. Klar ist, dass die FIFA ihre wachende Hand über sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen sowie Übertragungsrechten hält und diese strikt nach Zürich abfließen. Experten erwarten allein für die WM 2010 einen Gewinn in Höhe von 2 bis 3 Milliarden Dollar, die die FIFA kassieren wird. Während Maskottchen Zakumi und Fußbälle in Asien und nicht auf dem afrikanischen Kontinent produziert wurden, obliegt nach Punkt 14.1. des Reglements die Hoheit über gewerbliche Erträge ebenfalls allein beim Weltfußballverband: „Alle gewerblichen Rechte in Bezug auf die Weltmeisterschaft liegen bei der FIFA und werden von ihr kontrolliert“.

Zwar werden Einnahmen aus der Verwertung der gewerblichen Rechte für Vorrundenspiele und aus dem Eintrittskartenverkauf dem ausrichtenden Verband, also den Südafrikanern, zugesprochen, aber erweisen sich diese Summen in Anbetracht der Gelder aus Sponsorenverträgen und TV-Übertragungsrechten als fiskalisch obsolet. Ferner kommt hinzu, dass diese Einnahmen an die Südafrikaner gewissen Ausgaben unterliegen, die unter anderem abermals an die FIFA abgeführt werden müssen. Andere Kosten, etwa Infrastrukturmaßnahmen oder der Stadionbau, werden ausschließlich von der südafrikansichen Regierung übernommen. Wenn man sich diese Situation vor Augen hält, dann ist es verständlich, dass vor allem der kleine Mann im Lande sauer auf die FIFA ist, welche nun gerne auch als „FIFA-Mafia“ bezeichnet wird. Straßenhändler, Künstler und Gewerbetreibende beklagen die Verbotspraxis der FIFA im Stadion und in Umgebung sowie in den Fanmeilen.

Da es sich um eine afrikanische WM handelt, wie von der FIFA mehrfach betont, wäre es angebracht den Armen und Bedürftigen vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 einen Nutzen von ihrer WM zu ermöglichen. Schlussfolgernd kann die Zusammenarbeit zwischen der FIFA – welche übrigens den Status einer gemeinützigen Organisation in der Schweiz unterhält und somit von der Steuerpflicht befreit ist – und den südafrikanischen Ausrichtern als nicht gleichberechtigt bewertet werden:

– Ungleiches Verhältnis bei der Arbeitsbelastung

– Ungleiches Verhältnis bei der Gewinnbeteiligung

– Ungleiches Verhältnis bei Rechten und Pflichten.

Doch die wahren Verlierer dieser WM ist nicht die südafrikanische Nationalmannschaft Bafana Bafana, sondern der kleine Mann, der von „seiner WM“ keinen fiskalischen Gewinn erzielen durfte. Die FIFA müsse, weil sie einen gemeinnützigen Charakter vertritt und keine privatwirtschaftliche Organisation [zumindest offiziell] darstellt, den Ärmsten im Ausrichterland die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung ermöglichen. In punkto soziales Profil hat die Fédération Internationale de Football Association schlichtweg versagt.

Reglement der FIFA zur WM 2010:

http://de.fifa.com/mm/document/tournament/competition/56/42/69/fifawcsouthafrica2010inhalt_d.pdf

Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA):

http://www.vansa.co.za/resources/profile-creative-workers-union-of-south-africa-cwusa.html/

Kritischer WM-Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/themen/Q7O169,0,Eine_Fu%DFballWM_ist_das_letzte_was_S%FCdafrika_braucht.html

2010sdafrika-Hintergrundartikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/