Schlagwort-Archive: GIGA

Senzo Meyiwas-Tod wirft Fragen auf

Südafrika zwischen brutaler Lebensrealität und politischer Inkompetenz. Ein Kommentar

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Musikerin und Schauspielerin Kelly Khumalo lebte vor einigen Jahren in einer Beziehung, die von häuslicher Gewalt geprägt war. Sie brauchte Zeit, um sich vom schlagenden Partner zu trennen. Seither engagiert sie sich gegen Gewalt an Frauen. Mit dem Nationaltorwart Senzo Meyiwa lernte sie endlich einen Mann kennen, der sie respektierte und am vergangenen Sonntag beschützen wollte. Dafür musste er mit seinem Leben bezahlen.

The Presidency of the Republic of South Africa

© Der gewaltsame Tod des Nationaltorwarts Senzo Meyiwa belegt, dass Südafrika große Probleme mit der Kriminalitätsbekämpfung hat. Allerdings stellt die Inkompetenz der politischen Elite am Kap die größere Herausforderung dar. Habgier und Egoismus schaden der Wohlstandsentwicklung der jungen Demokratie im südlichen Afrika. Im Bild ist Präsident Jacob Zuma zu sehen, der in etliche Korruptionsfälle verstrickt ist. (flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

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Zentralbank versucht Währungsverfall zu stoppen

Rand im Sturzflug. Drohende Finanzkrise könnte neue soziale Unruhen in Südafrika schüren

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Währung ist seit Jahren im Sturzflug. Der Rand verliert zunehmend an Wert. Investitionen wurden bereits auf Eis gelegt, Kapital ist abgezogen worden und Arbeitsplätze fielen weg. Die kürzlich beschlossene Leitzinserhöhung der Zentralbank (SARB) konnte den Abwärtstrend bisher nicht stoppen. Die ersten Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten fürchten eine Finanzkrise, die im Land zu neuen sozialen Unruhen führen könnte.

    © Der Sturzflug der südafrikanischen Rand-Währung hat die Zentralbank-Führung [im Bild] dazu veranlasst, den Leitzins anzuheben. Denn Südafrika droht eine Finanzkrise, die neue soziale Unruhen schüren könnte. Das Vertrauen der Investoren muss zurückgewonnen werden, so die Mehrheit der Südafrika-Experten. (Quelle: flickr/ SAReserveBank)

© Der Sturzflug der südafrikanischen Rand-Währung hat die Zentralbank-Führung [im Bild] dazu veranlasst, den Leitzins anzuheben. Denn Südafrika droht eine Finanzkrise, die neue soziale Unruhen schüren könnte. Das Vertrauen der Investoren muss zurückgewonnen werden, so die Mehrheit der Südafrika-Experten. (Quelle: flickr/ SAReserveBank)

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Experten bewerten Südafrika als Krisenstaat

„Die soziale Sprengkraft kann sich manifestieren“, warnt Professor Robert Kappel vom GIGA-Institut

(Autor: Ghassan Abid)

Am vergangenen Donnerstag, den 23. Januar 2014, lud das Forschungsinstitut GIGA German Institute of Global and Area Studies die Öffentlichkeit zur Veranstaltung „Südafrika – auf dem Weg in die große Krise?“ ein. Professor Robert Kappel vom GIGA und Professor Ulf Engel von der Universität Leipzig – beide als Südafrika-Experten bekannt – beurteilten die politische und wirtschaftliche Lage am Kap mit Kurzvorträgen. Im Anschluss folgte eine Fragerunde durch das Publikum. Das Ergebnis war erwartungsgemäß mehr als beunruhigend. Südafrika ist längst zu einem Krisenstaat geworden.

    © Am vergangenen Donnerstag, den 23. Januar 2014, sprachen die beiden Südafrika-Experten Professor Robert Kappel vom GIGA-Institut und Professor Ulf Engel von der Universität Leipzig über den Krisenstaat im südlichen Afrika. Auch der Moderator und Südafrika-Experte Dr. Gero Erdmann bemängelte die aktuellen Entwicklungen am Kap.

© Am vergangenen Donnerstag, den 23. Januar 2014, sprachen die beiden Südafrika-Experten Professor Robert Kappel vom GIGA-Institut und Professor Ulf Engel von der Universität Leipzig über den Krisenstaat im südlichen Afrika. Auch der Moderator und Südafrika-Experte Dr. Gero Erdmann bemängelte die aktuellen Entwicklungen am Kap.

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Pretoria braucht Teheran (und Berlin)

Erdöl, Rüstung, Handel und eine gemeinsame iranisch-südafrikanische Vergangenheit

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika ist als einer der wichtigsten afrikanischen Regionalmächten in vielen außenpolitischen Fällen von der westlichen sowie deutschen Agenda abgewichen. Die Debatte um Militäreinsätze gegen Libyen verdeutlichte, dass die südafrikanische Regierung zunehmend eine Süd-Süd-Außenpolitik verfolgt, die eigenständige Züge aufzeigt. Dies bedeutet, dass Schwellenländer wie Südafrika bewusst einen anderen außenpolitischen Kurs gegenüber dem Westen einschlagen, um auf diesem Wege unabhängiger von den USA, der EU und von Deutschland aufzutreten. Die Machtachse um China, Brasilien, Indien, Russland und Südafrika – auch als BRICS-Staaten bezeichnet – wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren für verärgerte Gemüter in Washington, Berlin, Paris oder London sorgen – dies ist schon jetzt und wie am letzten BRICS-Gipfel im indischen Neu-Delhi absehbar.

© Max Sisulu, Vorsitzender des südafrikanischen Unterhauses, bei seiner Iran-Visite mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad am 26.01.2010. Sisulu gilt als einflussreicher Politiker im nationalen Rüstungsgeschäft. (Quelle: Presidency of The Islamic Republic of Iran)

Aktuell in der Iranpolitik wird deutlich, dass die Positionen des Auswärtigen Amtes, wonach die politischen und wirtschaftlichen Sanktionen gegen Teheran ausgeweitet werden sollen, mit der des Departments of International Relations and Cooperation – dem Außenministerium Südafrikas – nicht unbedingt im Einklang stehen. Denn Schwellenländer wie Südafrika und Iran sind aufeinander angewiesen, vor allem in handelspolitischer Hinsicht. Außerdem arbeiten beide Staaten in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Verteidigung, Medizin, Energie und Bergbau eng miteinander zusammen.

Als der Iran noch unter dem autoritären Schah-Regime regiert wurde, pflegte das Land äußerst gute Beziehungen zum Westen und  Apartheidsregime. Nach der islamischen Revolution von 1979, im Februar desselben Jahres, unterbrach der religiöse Revolutionsführer Ali Khamenei sämtliche Verbindungen nach Südafrika und zur rassistisch angelegten National Party (NP). Gleichzeitig unterstützten die Iraner den African National Congress (ANC) von Nelson Mandela bei der Erlangung der Freiheit bzw. beim Sturz der Apartheid. Nach dem Machtwechsel in der Presidency durch den ANC nahm der Iran sämtliche diplomatische Beziehungen mit Pretoria im Januar 1994 wieder auf.

Bedingt durch diese verbindende Historie hat sich mittlerweile ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Südafrika und dem Iran entwickelt. Iran zählt heute zum größten Erdöl-Lieferanten Südafrikas und der südafrikanische Telekommunikationskonzern MTN Group ist mit einer Beteiligung von 49 % beim iranischen Konsortium Irancell eingestiegen, welches auch unter dem Einfluss von iranischen Rüstungsfirmen (z.B. Iran Electronics Industries) stehen soll. Das iranische Handy- und Internetnetz entspringt demnach der südafrikanischen Expertise. Bekannt geworden ist, dass MTN in mehreren Bestechungsfällen mit iranischen Partnern aus dem staatlichen Sektor verstrickt sein soll.

Auch beim Ölexport Irans ist Südafrika über das Unternehmen Sasol beteiligt. Sasol und die staatliche iranische National Petrochemical Company (NPC) gründeten 2003 in der sog. Pars Special Economic Energy Zone (PSEEZ) am Persischen Golf das Joint Venture Arya Sasol Polymer Company (A.S.P.C.) zur Produktion von Ölprodukten. Der gegenwärtige Botschafter der Islamischen Republik in Südafrika, Ebrahimi Asl Asghar, hielt zudem mehrere Positionen im iranischen Erdölsektor inne, was verdeutlicht, dass die handelspolitischen Beziehungen zwischen Pretoria und Teheran schwerpunktmäßig auf das Erdöl fokussiert werden. Die Sanktionen der USA und EU im Hinblick auf die Einfuhrrestriktionen von Erdöl sind durch Schwellenländer wie Indien, Südafrika oder Russland eindeutig abgelehnt worden.

© Petrochemie-Unternehmen Sasol hat ein Joint Venture mit dem iranischen Staatsunternehmen National Petrochemical Company (NPC) abgeschlossen (Quelle: Wikimedia)

© Telekommunikationkonzern und WM 2010-Sponsor MTN baut das iranische Handy- und Internetnetz mit auf (Quelle: Wikimedia)

Doch beide Regierungen sind genauso an einer militärischen Kooperationsausweitung interessiert, wie es beim Iran-Besuch des damaligen südafrikanischen Verteidigungsministers Patrick Mosiuoa Lekota öffentlich untermauert wurde. Genauso traf sich Max Sisulu, Harvard-Absolvent und Speaker des südafrikanischen Unterhauses, im Januar 2010 mit Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Sisulu war von 1998 bis 2003 stellvertretender CEO des Rüstungskonzerns Denel und von 2001 bis 2003 Vorsitzender der Rüstungsvereinigung South African Aerospace, Maritime and Defence Industries (AMD) Association.  

Klar ist, dass der ehemalige in den USA operierende ANC-Kämpfer und gleichzeitige südafrikanische UN-Botschafter, Dumisani S. Kumalo, am 03.03.2008 die Proliferation von Atomwaffen an den Iran ablehnte, das Recht auf friedliche Nutzung von Atomtechnologie gleichzeitig einräumte.Südafrika möchte keinen Kriegsausbruch über das Atomprogramm im Iran sehen“, so der UN-Botschafter in New York. Dementsprechend steht Südafrika vollkommen hinter der Anreicherung von Uran im Iran und gegen das Exportverbot von Dual-Use-Gütern bzw. der Aufrechterhaltung von Kreditrestriktionen gegenüber Teheran. Ferner ist die Lebensgefährtin des derzeitigen Vizepräsidenten Kgalema Motlanthe, die Geschäftsfrau Gugu Sibiya, in einem Waffendeal mit dem Iran involviert.

© Das Verteidigungsministerium Südafrikas ist an einer Zusammenarbeit mit iranischen Partnern auf dem Gebiet der Marine interessiert - hier: Kriegsschiff der South African Navy (Quelle: DOD South Africa)

Sollten Deutschland und andere westliche Staaten den Kurs gegen den Iran weiter verschärfen und womöglich militarisieren, so wird sich Südafrika zunehmend vom Westen abkapseln und sich so die Süd-Süd-Beziehungen zu Lasten westlicher Regierungen umso stärker verselbstständigen. Die Beobachtung der südafrikanischen Außenpolitik belegt, dass diese Schritt für Schritt verlagert wird.

Professor Robert Kappel vom German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg kommt in seiner politikwissenschaftlichen Analyse „Verschiebung der globalen Machtverhältnisse durch den Aufstieg von Regionalen Führungsmächten: China, Indien, Brasilien und Südafrika“ – No .146 – vom September 2010 zum Ergebnis, das Südafrika als regionaler Hegemon seine wirtschaftlichen Interessen zunehmend nach Asien umverlagert: Die Regionalen Führungsmächte verfolgen eigenständige Interessen und kooperieren immer häufiger miteinander, so z.B. in der Energie‐ und Handelspolitik, in der Klima‐ und Währungspolitik und in der Entwicklungskooperation. Sie haben eine „redistributive power“, die u.a. auf einer neuen Süd‐Süd‐Kooperation beruht und als Gegengewicht zu den USA und der EU zu sehen ist.

Die Bundesregierung sollte alarmiert sein und versuchen, ihren außenpolitischen Kurs strategischer auf die Bedürfnisse ihres wichtigsten Partners auf dem afrikanischen Kontinent auszurichten. Ferner erweist sich die Einstufung der BRICS-Staaten als mögliche Bedrohung westlicher Interessen, etwa im Hinblick auf die technologischen Errungenschaften Chinas, als nicht mehr zeitgemäß. Noch ist es nicht zu spät, um die richtigen Weichen für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen und einen nachhaltigen Schulterschluss mit den Weltmächten von morgen zu suchen.

„Derzeit nicht im Lager“

WM 2010, aktuelle Südafrika-Debatte und Untersuchungsgegenstand des Werkes katapultieren Buchverkauf

Wie der 2010sdafrika-Redaktion mitgeteilt worden ist, sind sämtliche Exemplare des Werkes Deutschlands Engagement in Südafrika: Staatliche und privatwirtschaftliche Interessen in Analyse zu den Theorien der IB vollständig ausverkauft. Eine neue Lieferung durch die Druckerei BOD wird sich wohl bis Mitte oder Ende März hinauszögern, da die Nachfrage an diesem Werk höher ist als vom Verlag kalkuliert. Sämtliche Bestände bei Amazon und anderen Händlern sind dementsprechend ausgeschöpft. Neben den Verkauf des Buches an zahlreiche natürliche Personen, haben bisweilen folgende Bibliotheken dieses Werk in ihr Sortiment aufgenommen: Nationalbibliothek an den Standorten Leipzig und Frankfurt am Main,  Universität Greifwald, Universität Hamburg, Universität Trier, Universität Augsburg, Universität Erlangen-Nürnberg, Universität Oldenburg, Universität Paderborn, Universität Siegen, Universität Würzburg, Universität Bochum, Universität Regensburg, Humboldt-Universität Berlin, Universität Konstanz, Universität Duisburg-Essen, Universität Leipzig, Universität Erfurt/Gotha, Universität Saarland, Universität Potsdam, Universität Mannheim,  Universität Osnabrück, Ludwig-Maximilians-Universität München, Universität Bayreuth, Universität Bonn, Universität Pforzheim, Universität Kassel, Universität Kiel, Universität Bamberg, Universität Giessen, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Universität Mainz, Freie Universität Berlin, Universität Bremen,  Universität Heidelberg, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Universität Marburg, Universität der Bundeswehr Hamburg, Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Technische Universität Chemnitz, Technische Universität Darmstadt, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Niedersächsische Landesbibliothek Hannover, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, Badische Landesbibliothek  Karlsruhe, Staatsbibliothek Berlin, Rheinische Landesbibliothek in Koblenz, Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, Norddeutscher Zentralkatalog Hamburg, Hessische Landesbibliothek Wiesbaden, Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), die  Schweizer Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne-Dorigny, Universität Zürich sowie Zentralbibliothek Zürich und die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), Vorarlberger Landesbibliothek, AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften, Universität Graz und Universität Salzburg. Besonders erfreulich ist die Entscheidung des Deutschen Bundestages, das Werk in seinen Literaturbestand aufzunehmen. Neuerdings hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP) und das GIGA German Institute of Global and Area zur einer solchen Anschaffung entschlossen.

Auch das Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erweist sich einer großen Beliebtheit; Tendenz steigend. Nach lediglich ca. 5 Wochen im Dienst, suchen täglich bereits etwa 100 Besucher dieses Internetangebot zu Südafrika auf. Zusätzlich hat sich das Interesse an der Arbeit der 2010sdafrika-Redaktion nun auch um Japan und dem US-Bundesstaat Kalifornien erweitert, sodass eine englischsprachige Version dieses Portals zur Diskussion steht.

© Buch "Deutschlands Engagement in Südafrika"