Schlagwort-Archive: Gleichheit

Mandela-Film in den deutschen Kinos

Madibas Leben beeindruckt, macht emotional und nachdenklich. Ein Mensch, der viel aufopfern musste

(2010sdafrika-Redaktion)

Am morgigen Donnerstag läuft in den deutschen Kinos der Film „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit“ an. Am 5. Dezember vergangenen Jahres starb die Weltikone im Alter von 95 Jahren. Nun, rund zwei Monate später, kann das deutsche Publikum miterleben, welche individuellen Einschränkungen der berühmteste Südafrikaner bei seiner eigenen Freiheit ertragen musste, um diese einem gesamten Volk zugutekommen zu lassen.

© Ab dem 30. Januar 2014 ist der Mandela-Film in den deutschen Kinos zu sehen. Die britisch-südafrikanische Produktion geht auf mehrere Lebensabschnitte des Nationalhelden Südafrikas ein. (Quelle: Senator Film)

© Ab dem 30. Januar 2014 ist der Mandela-Film in den deutschen Kinos zu sehen. Die britisch-südafrikanische Produktion geht auf mehrere Lebensabschnitte des Nationalhelden Südafrikas ein. (Quelle: Senator Film)

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Mandela-Trauergottesdienst im Berliner Dom

1.000 Bürger nehmen persönlich Abschied von Südafrikas Ikone Madiba. Ein Erlebnisbericht

(Autor: Ghassan Abid)

– MANDELA-Spezial –

Es ist Mittwoch, der 11. Dezember 2013 gegen 18.00 Uhr, als rund 1.000 Menschen sich im Berliner Dom einfinden, um Nelson Mandela vom irdischen Leben zu verabschieden. Sie wollen ihm Lebewohl und Dankeschön sagen. Innerhalb des Gotteshauses ist es kühl. Trotzdem ist der Dom bis in die letzte Reihe gefüllt, mit jungen und alten Gästen. Kalter Wind zieht teilweise durch die Gänge. Die Stimmung ist gedrückt. Viele Berliner sind in sich gekehrt; auch ich.

© Am 11. Dezember 2013 verabschiedeten sich rund 1.000 Berliner von Nelson Mandela. Im Berliner Dom fand ein Trauergottesdienst anlässlich der südafrikanischen Ikone statt, an welcher auch Ghassan Abid - Chefredakteur von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" - teilnahm.

© Am 11. Dezember 2013 verabschiedeten sich rund 1.000 Berliner von Nelson Mandela. Im Berliner Dom fand ein Trauergottesdienst anlässlich der südafrikanischen Ikone statt, an welcher auch Ghassan Abid – Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – teilnahm.

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Das Erbe von Nelson Mandela

„Der Speer ist gefallen, wir müssen ihn aufnehmen“

(Autor: Detlev Reichel)

– MANDELA-Spezial –

Ein Tsunami von Nachrufen, Zitaten, Rückblicken, Anekdoten, Einschätzungen, Bildern, Aufzeichnungen und Interviews stürzt derzeit auf uns ein. Es ist als habe jemand mit der Todesnachricht Nelson Mandelas irgendwo im Meer der Medien einen Stöpsel gezogen. Es gibt kaum eine Ecke auf dem Planeten, in die der Name Nelson Mandela noch nicht gedrungen ist.

    © Mandela ist der Nationalheld Südafrikas. Überall im Lande ist er präsent. Straßennamen, Denkmäler und Geldscheine sind dem Idol gewidmet. Doch was bleibt wirklich zurück? (Quelle: flickr/ chaouki)

© Mandela ist der Nationalheld Südafrikas. Überall im Lande ist er präsent. Straßennamen, Denkmäler und Geldscheine sind dem Idol gewidmet. Doch was bleibt wirklich zurück? (Quelle: flickr/ chaouki)

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Mandelas Wahrnehmung durch Weiße

„Wir bemühen uns nach Kräften, auf die Ängste der Weißen einzugehen.“ Südafrika gehört allen Bewohnern

(Autor: Martin Hiebsch)

– MANDELA-Spezial –

Bei der Beantwortung der Frage wie Nelson Mandela durch „weiße“ Südafrikaner wahrgenommen wurde, muss zunächst analysiert werden, wie sich der Wandel vom Apartheid-Regime zum „neuen“ Südafrika unter seiner Präsidentschaft vollzog.

© Nelson Mandela war der festen Überzeugung, dass die weiße Minderheit keine Nachteile im neuen Südafrika erleiden darf. Sonst funktioniere der Versöhnungsprozess nicht. (Quelle: flickr/ World Economic Forum)

© Nelson Mandela war der festen Überzeugung, dass die weiße Minderheit keine Nachteile im neuen Südafrika erleiden darf. Sonst funktioniere der Versöhnungsprozess nicht. (Quelle: flickr/ World Economic Forum)

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Happy Birthday, Nelson Mandela

Vom einstigen „Terroristen“ zum internationalen „Helden“ ohne Einfluss

(Autor: Ghassan Abid)

Am 18. Juli wurde Nelson Rolihlahla Mandela stolze 92 Jahre alt. Wie in den Jahren zuvor, feierte Madiba seinen Ehrentag in aller Stille und in Beisammensein seiner Familie und engsten Freunde. Ihm verdankt das südafrikanische Volk die Etablierung eines demokratischen politischen Systems. Mandela steht in persona für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit, wofür er ganze 27 Jahre seines Lebens in Gefangenschaft aufopfern musste. Anlässliches dieses besonderen Einsatzes wird alljährlich zum Geburtstag dieses Charismaten der Mandela Day zelebriert.

© Nelson Mandela-Statue in Kapstadt

Mandela, zugehörig der Ethnie Xhosa, erkannte schon während seines Jura-Studiums an der Johannesburger Witwatersrand-Universität die Ungerechtigkeiten gegenüber der schwarzen Mehrheitsgesellschaft, die von der Apartheidspolitik ausgingen. In den 1940er Jahren trat er schließlich dem schwarzen Widerstand, dem African National Congress (ANC), bei und gründete mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen Persönlichkeiten die Jugendorganisation des ANC. Diese plädierte stets für einen Kampf gegen das Unrechtsregime der National Party (NP). Als Mandela 1961 schließlich den bewaffneten Arm des ANC leitete, bezeichnet als „Umkhonto We Sizwe“, machte das weiße Minderheitsregime ernst und verurteile ihn mit anderen Anti-Apartheids-Aktivisten (Walter Sisulu, Denis Goldberg, Govan Mbeki, Ahmed Kathrada, Raymond Mhlaba, Elias Motsoaledi und Andrew Mlangeni) im Rahmen des berühmten Rivonia-Prozesses von 1964 wegen terroristischen Aktivitäten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Diese sitzte er hauptsächlich auf der Gefangenen-Insel Robben Island vor Kapstadt ab.  Am 11. Februar 1990 ist Nelson Mandela schließlich aus der Haft entlassen worden.

Während seiner Präsidentschaft als erstes schwarzes Staatsoberhaupt Südafrikas von 1994 bis 1999, widmete er sich der nationalen Versöhnung zwischen Weißen, Schwarzen, Coloureds sowie Asiaten und nutzte jede Gelegenheit, z.B. die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995, um einen ethnienübergreifenden Dialog in Gang zu setzen. Zu groß waren die damaligen Vorbehalte gegenüber den eigenen Mitbürgern anderer Hautfarbe, um sich dieser Herausforderung nicht mit vollem Einsatz und ganzer Leidenschaft zu stellen. Als Nachfolger trat Thabo Mbeki, der Sohn von Mandelas Haftgenossen Govan Mbeki, den Präsidentenposten an. 2009 führte Jacob Gedleyihlekisa Zuma, ein Zulu, das Amt des Präsidenten fort, welcher ebenfalls eine Haftstrafe auf Robben Island verbüßte und in dieser Zeit im Rahmen eines Privatunterrichts viel von Govan Mbeki, dem Vater von Thabo Mbeki, gelernt hatte. Auch Zuma lernte Nelson Mandela während seiner Aktivitäten in der Umkhonto We Sizwe kennen.

Es ist hierbei ersichtlich, dass die gesamte Staatsführung des heutigen Südafrikas mit Nelson Mandela vertraut und verbunden ist. Mandela´s Visionen – die Schaffung einer Nation auf Basis von Demokratie, Gleichheit, Versöhnung, Vielfalt, Verantwortung, Achtung und Freiheit – werden durch mehrere soziale Einrichtungen weiter verfolgt, namentlich die Nelson Mandela Foundation, das Nelson Mandela Children’s Fund oder die Mandela Rhodes Foundation. 1993 ist Mandela mit Frederik Willem de Klerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Ferner erhielt er bisweilen über 60 Preise aus aller Welt.

Jedoch ist spätestens seit dem ANC-internen Konflikt zwischen Jacob Zuma- und Thabo Mbeki-Anhängern, aus welcher die Partei „Congress of the People“ (COPE) hervorging, weniger eine Harmonie, sondern vielmehr ein harter Wettbewerb um Macht, Geld und eigenen Interessen zu verzeichnen, welcher nicht im Interesse der Entwicklung Südafrikas sein kann. Viel zu viel Zeit sind für Partei-Diskussionen und Ämterbesetzungen vergeudet worden und dabei die sozialen Probleme im Lande, etwa Armut, Kriminalität oder Bildung, vernachlässigt worden.  Hätte Nelson Mandela noch eines politisches Mitsprachrecht, zusätzlich zum bisherigen gesellschaftlichen Einfluss, so würde diese Habgier von ANC-Politikern nicht fortbestehen. Denn politische Analysten und Journalisten befürchten, dass die gegenwärtige Führungsebene des ANC die staatlichen Institutionen für parteieigene Zwecke instrumentalisiert und persönliche Interessen einen zunehmenden Bezugspunkt für die politische Praxis darstellen. Professor William M. Gumede zum Beispiel, welcher an der Witwatersrand-Universität beschäftigt ist, betrachtet die Demokratie in Südafrika für zerbrechlich und lehnt die ANC-Elite um Zuma, Mbeki und Co. schlichtweg ab. Zumindest aus der politischen Perspektive ist Nelson Mandela mehr Geschichte als Gegenwart; vielleicht auch so von ihm gewollt.

Offizielle Internetpräsenz zum Mandela Day:

http://en.mandeladay.com/Home.aspx