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Am Kap der „bröckelnden“ Hoffnung

Armut, Gewalt und Krankheit bestimmen Alltag von Millionen Südafrikaner

(Autor: Ghassan Abid)

Infolge der jahrzehntelangen Rassentrennung leben noch zahlreiche Südafrikaner – vor allem Schwarze und Farbige – in sehr ärmlichen Verhältnisse. Insbesondere in den Townships, den Elendsgebieten unweit großer Städte, lebt man von der Hand in den Mund.

Südafrika mit seinen über 49 Millionen Einwohnern weist nach gegenwärtigen Daten eine offizielle Arbeitslosenquote von ca. 24,3 Prozent (inoffiziell von 40 Prozent), über 5,7 Millionen HIV-Infizierte (davon knapp 280.000 Kinder unter 14 Jahren), eine Million Familien in den Townships, mehrere Millionen von Menschen ohne Wasser– sowie Stromzugang und eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur 43 Jahren auf (zum Vergleich: bei deutschen Männern liegt diese bei 77 Jahren und bei Frauen bei 82 Jahren).

Die extreme Armut und der Kampf ums Überleben ist für eine nicht unbedeutende Anzahl von Menschen leider die alltägliche Realität. Einige versuchen dieser „hell on earth“ zu entkommen, indem sie zu kriminellen Handlungen neigen, die sich in der polizeilichen Statistik des Landes in nur einem Satz widerspiegeln lassen: Jeden Tag werden in Südafrika durchschnittlich 50 Menschen ermordet und weitere 150 Menschen – hauptsächlich Frauen – vergewaltigt.

Insgesamt jedoch starben allein im Jahre 2009 etwa 613.900 Südafrikaner, davon 263.900 Bürger allein an der Immunschwächekrankheit Aids. Dieser Verlust an Humankapital wird dann deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass allein für das letzte Jahr die  deutschen Großstädte Potsdam (152.900), Heidelberg (145.600), Regensburg (133.500) und Göttingen (121.400) sowie  die mittelgroße Gebietskörperschaft Greifswald (54.000) gemessen an ihrer Bevölkerungszahl gemeinsam vom Erdboden verschwinden würden!

Die südafrikanische Regierung versucht diese Herausforderungen mit einer umfassenden Sozialpolitik, umfangreichen (Weiter-)Bildungsprogrammen und dem Ausbau polizeilicher Kapazitäten zu begegnen. Hinsichtlich der Weltmeisterschaft 2010 hat sich die Zuma-Exekutive mit dem Weltfußballverband FIFA für das Verschenken von 120.000 WM-Tickets entschlossen. Denn zumindest während der Fußball-WM im eigenen Lande sollen die Sorgen der Armen und Bedürftigen für 4 Wochen vergessen sein.

© Straßenkinder in Groot Marico (North West Provinz)

 

FIFA zu den verschenkten WM-Tickets:

http://de.fifa.com/worldcup/organisation/ticketing/news/newsid=1090629.html

Bevölkerungsstatistik der nationalen Behörde Stats SA:

http://www.statssa.gov.za/publications/P0302/P03022009.pdf