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Öffentliche Debatte um die WM in Afrika

Meinungsbild der SPIEGEL-Leserschaft bestätigt das „Hoeneß-Haller-Phänomen“

Überall wo man Diskussionen zu Südafrika mitverfolgen kann, sei es im Fernsehen, im Radio oder face-to-face, eröffnet sich dem Betrachter eine Erkenntnis, wonach hinsichtlich der Sicherheit im Kapland zwei zueinander konträre Lager in Erscheinung treten. Die eine Fraktion vertritt die strikte Auffassung, dass eine Anreise zur WM nach Südafrika eine „Fehlentscheidung“ wäre – die „Uli Hoeneß-Fraktion“ – , während die andere sich für einen positiven Umgang mit Südafrika ausspricht – die „Dieter Haller-Fraktion“. Die Aussage des Präsidenten des F.C. Bayern Münchens würde nach Ansicht des deutschen Botschafters in Südafrika, S.E. Haller, „Deutschlands ausgezeichneten Ruf in Südafrika beschmutzen“. Jedoch findet die Debatte innerhalb der deutschen Gesellschaft bezüglich einer abschließenden Einschätzung der Sicherheitslage im WM-Ausrichterland hierzulande kein Ende. Entweder man gehört der Hoeneß-Fraktion oder der Haller-Fraktion an, etwas dazwischen scheint es nicht zu geben.

Beim Artikel „Wie sicher ist die WM in Südafrika?“ sind genau diese beiden Blockpositionen im Forum von SPIEGEL ONLINE nachzuvollziehen, einem der nachgefragtesten Medien in der Bundesrepublik. Hier nur einige exemplarische Zitate:

Hoeneß-Lager:

– „Entweder die WM wird dann abgeblasen oder die verbliebenen Teilnehmer spielen in leeren Stadien!

– „… die WM in so ein unsicheres Land vergeben. Da wären die Spieler und Fans aber in Lybien sicherer.“

– „Eine Annulierung der WM in Südafrika wäre meiner Meinung nach wirkungsvoller als dieses krampfhafte „The games must go on“. Das würde ein wirkliches Signal setzen.

– „Eine Fussball-WM in einem Land mit derart hoher Kriminalitätsrate auszutragen ist schlichtweg verantwortungslos.

Haller-Lager:

– „Die Kriminalität ist hier unten zwar höher als in vielen europäischen Ländern, aber kann man hier sehr gut leben ohne jeden Tag den Tod fürchten zu müssen.

– „Ich war mehrfach in Südafrika und davon des Öfteren in Kapstadt und Durban. Wer sich normal, unauffällig und angepasst vorsichtig verhält, dem wird gar nichts passieren.

– „99% der Suedafrikaner – ob schwarz oder weiss – sind ganz normale Leute wie du & ich, die einfach nur ein friedliches Leben fuehren wollen.

– „Ich denke, zusätzlich zum Faktor Zeit und Geld kommt noch die durch die Medien zusätzlich geschürte Angst, das etwas passieren könnte. Das war 2002 sicher nicht der Fall.

Wie dem auch sei, eines ist sicher. Gastgeber Südafrika kann den WM-Fans viel schönes anbieten, jedoch seine Gäste nicht vor Risiken schützen können.

© Öffentliche Südafrika-Debatte in Deutschland zwiespältig

SPIEGEL ONLINE FORUM: Leserschaft zur Einschätzung der Sicherheitslage in Südafrika:

http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=10713&page=1

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FIFA WM auf dem afrikanischen Kontinent

Ein Pokerspiel mit vielen verdeckten Karten

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika und der Weltfußballverband müssen sich unzähligen Herausforderungen stellen, als jemals bei einer Weltmeisterschaft zuvor. Vor allem stuft die Kriminalität im Lande die Organisatoren zum „Fish“ des Pokerns ein.

Heute in 107 Tagen findet die Fußball-Weltmeisterschaft zum ersten Mal auf dem schwarzen Kontinent statt. Zehn Stadien in neun Städten werden für vier Wochen im medialen Fokus der Welt sein. Südafrika hat sich für dieses Ereignis der Extraklasse seit 2004, dem Jahr des Zuschlags zum Austragungsland und Nachfolger Deutschlands, mit Delegationsreisen vor und während der WM 2006 vorbereitet. Nach dem Ende der WM in der Bundesrepublik, haben die Südafrikaner wiederum die deutsche Expertise aus Politik und Ökonomie verstärkt in Anspruch genommen, sei es beim Bau von Stadien, bei rechtlichen Aspekten hinsichtlich der FIFA-Vertragsrechte, bei der Planung und Umsetzung von Notfall- bzw. Katastrophenplänen, bei Modernisierungsmaßnahmen der Infrastruktur und bei Sicherheitsaspekten. Diese offizielle „Hilfe zur Selbsthilfe“, welche die Hansestadt Hamburg beispielsweise unter dem Slogan „Südafrika 2010 ‐ Deutschland 2006: Jetzt lasst uns Freunde bleiben!“ praktiziert, lassen nicht über die bestehenden teilweise gravierenden Unsicherheiten und Schwierigkeiten hinweg täuschen.

© Polizeiwagen der Republik Südafrika

Das renommierte „Institute for Security Studies (ISS)“, eine beratende und durch deutsche Steuergelder unterstützte Forschungseinrichtung mit Hauptsitz in Pretoria, hat in seinem jüngsten Kriminalitätsbericht vom Dezember 2009 eine äußerst erschreckende Tendenz ermitteln können. Demnach sei die Kriminalität in Südafrika im Zeitraum Mai 2008 bis Mai 2009 das erste mal seit fünf Jahren nicht mehr rückläufig, sondern am Expandieren. Die sogenannten „trio crimes“ – damit gemeinst sind Raubüberfälle in Haus und Gewerbe sowie Entführungen von Kraftfahrzeugen – lassen tiefe Besorgnis aufkommen. Zum ersten mal sind die beiden Überfälle in allen neun Bundesländern, den Provinzen, aufgetreten, wohingegen ein Anstieg an Auto-Hijacking in 7 Provinzen beobachtbar ist. Einziger Hoffnungsschimmer ist der Abwärtstrend an Morden. Das Polizeiministerium Südafrikas beziffert die aktuelle Kriminalstatistik wie folgt: Insgesamt sind im ganzen Lande über 2.098.229 Gewaltstraftaten registriert worden – im direkten Vergleich quantifiziert das Bundeskriminalamt in seiner „Polizeilichen Kriminalstatistik 2008“ die Gewaltkriminalität mit 210.885 Fällen.

Das Organisationskomitee der FIFA hat im September 2009 bei ihrer Stadieninspektion die Vorbereitungen in Südafrika als erfolgreich bewertet, jedoch die labile Sicherheitslage im Lande vollständig ausgeblendet. Der Mord an einer deutschen Auswanderin in einem Parkhaus in Kapstadt, der gelockerte Schusswaffengebrauch durch die südafrikanische Polizei (shoot‐to‐kill‐Grundsatz), die ausufernden Kämpfe zwischen bewaffneten Banden und Sicherheitskräften, die Rassismusfälle von schwarzen Polizisten gegenüber ihren weißen Kollegen, die andauernde Xenophobie gegenüber Arbeitsmigranten aus den Nachbarstaaten, die Raubüberfälle von ausländischen Touristen während des FIFA Confederations Cups und andere Vorfälle des Jahres 2009, werden nicht ausreichend genug thematisiert.

Es ist äußerst bedenklich, eine Weltmeisterschaft unter solch schwierigen Voraussetzungen durchzuführen, zumal die Sicherheit der Fans nicht mal substanziell garantiert werden kann. Während die südafrikanische Polizei in einer Presseerklärung zu verlauten ließ, dass die Nationalmannschaften während der WM durch Eskorten und Wachpatrouilien geschützt werden, müssen die Fans auf eigenes Risiko reisen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele der 743.000 verfügbaren Tickets für die Öffentlichkeit noch nicht verkauft wurden – maßgeblich verursacht durch die labile Sicherheitslage im Gastland.

Jedoch betonte der deutsche Botschafter in Südafrika, S.E. Herr Haller, am 12.01.2010: „Wer sich gut vorbereitet, den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts folgt und sich vor Ort vernünftig verhält, für den sind die besonderen Risiken Südafrikas überschaubar und für den ist Südafrika, auch und gerade während der WM, ein wundervolles, vielfältiges und spannendes Reiseland.” Auch die Einschätzung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, in puncto Sicherheit uneingeschränkt zur WM anreisen zu können, kollidiert offensichtlich mit den sehr schleppenden Verkaufszahlen von insgesamt 21.000 deutschen WM-Vorrundentickets.

Keiner kann genau prognostizieren, wie die Weltmeisterschaft verlaufen wird. Gleichwohl wird sich hierbei genauso wie beim Pokern folgender Grundsatz bewahrheiten: „To hope the best and to plan the worst.“

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2010sdafrika-Artikel auf Business-On veröffentlicht:

http://www.business-on.de/karten-suedafrika-fifa-wm-2010-sicherheit-_id21717.html


Für weitere Infos siehe 2010sdafrika-Artikel zur Kriminalität in Südafrika vom 31.01.2010:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/01/31/gewalt/