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424-Tagesbilanz zur Fußball-WM in Südafrika

Inwieweit konnte Südafrika von der WM 2010 profitieren?

(Autorin: Anne Schroeter)

Im letzen Jahr war die Aufregung groß – die erste Fußballweltmeisterschaft, die in Afrika stattfinden würde. War Südafrika bereit dieses Großevent auszutragen? Würde es nicht viel zu gefährlich sein? Ist die Organisation zuverlässig genug?

Vor der WM zeichnete sich Südafrika vor allem durch Negativschlagzeilen aus: Xenophobische Übergriffe auf Immigranten, hohe AIDS- und Kriminalitätsrate und Armut sind wohl die ersten Begriffe, die viele mit Südafrika assoziierten. All diese Fragen ließen sich relativ schnell während und noch kurz nach der WM beantworten. Shuttle-Busse von zentralen Plätzen, die zum Stadion fuhren, große neugebaute Stadien und Flughäfen, tolle Atmosphäre – wenn auch für einige zu „afrikanisch“, durch den Lärm der Vuvuzelas, Fans aus aller Welt die gemeinsam feierten. Viele Bilder erinnerten an die WM 2006 in Deutschland.

424 Tage nach der WM lässt sich nun auch eine klare Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften ziehen. Vor dem Beginn der WM wurde über hohe Kosten geklagt, für den Bau von neuen Stadien, Investitionen in die Infrastruktur und die Errichtung des neuen Gau-Trains geflossen sind.

Kurz nach der WM sagte Jacob Zuma, Präsident Südafrikas, dass die WM einen „Anfang einer besseren Zukunft für Südafrika und für ganz Afrika“ darstelle. Aber, inwieweit stimmt das? Für die WM wurden Stadien neu- und umgebaut, unter anderem das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, oft als das schönste Stadion der WM bezeichnet, das Greenpoint-Stadium in Kapstadt und Soccer City Stadium in Johannesburg. Dort werden nun andere Sportwettkämpfe ausgetragen und Konzerte (zum Beispiel Coldplay und Kings of Leon) gespielt. Während das Soccer City Stadium Profit erwirtschaftet und viele große Veranstaltungen austrägt, schreiben sowohl das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, als auch das Green-Point-Stadium in Kapstadt keine schwarzen Zahlen und gehen somit zu Lasten der Steuerzahler.

© Moses-Mabhida-Stadium in Durban (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als große Infrastrukturmaßnahmen, sind vor allem der Bau von Gau-Train und eines neuen Flughafen in Durban genannt worden. Insgesamt flossen rund 30 Mrd. Rand in die beiden obengenannten Großprojekte, den Umbau des Flughafens von Johannesburg und die Erneuerung des Straßennetzes. Die prekären Verhältnisse in den Townships dagegen, wurden kaum angegangen, und erfuhren lediglich Nebenbeachtung.

Hinzu kamen Investitionen in Stadionneu- und -umbau sowie in die Sicherheit. Insgesamt wurden ca. 43 Mrd. Rand investiert, jedoch nur 13 Mrd. Rand Einnahmen verzeichnet, es entstand also ein Defizit von ca. 30 Mrd. Rand. Trotzdem hatte die WM auch eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum, das um 0,5% gestiegen ist. Dieses geringe Wachstum lässt sich jedoch direkt mit der WM in Zusammenhang bringen und zeugt nicht unbedingt von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, sowohl für die Bevölkerung als auch für Investoren. Zumindest die 500.000 Arbeitsplätze, die in der Baubranche entstanden waren, konnten für einige Zeit, vielen Familien das Leben erleichtern. Die meisten dieser Stellen waren Bauarbeiterstellen, die oft an Beschäftigte aus einkommensschwachen Familien vergeben werden. Hinzu kommt, dass in Südafrika weit mehr Personen von einem Gehalt ernährt werden, als es in Europa üblich ist.

Inwiefern der Neubau von Gau-Train und Flughäfen für die Bevölkerung Südafrikas von Nutzen ist, lässt sich relativ einfach sagen: Der überwiegende Großteil der Südafrikaner wird in naher Zukunft nicht in die Bedrullie kommen, zum Flughafen fahren zu müssen, und dafür den Gau-Train zu nutzen, um dann an einem super-modernen Flughafen abzufliegen.

© Der einfache Bürger profitiert kaum von einer WM (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Volk, insbesondere unter den Schwarzen ist es der beliebteste Sport. Klar, dass viele Südafrikaner versuchen wollten, während der WM ein kleines wirtschaftliches Wunder zu erleben und liebevoll selbstgemachte Fußball-Souvenirs verkaufen wollten. Dies wurde ihnen schnell untersagt. Lediglich offizielle FIFA-Fan-Artikel durften in und in der Nähe der Stadien verkauft werden, sodass Händler gezwungen waren an weniger geeigneten Orten ihr Handwerk zu verkaufen. Dies sorgte für Abneigung gegenüber der FIFA, und der Ansicht, dass sie die höchsten Gewinne einnehmen würde.

Als nachhaltigen Gewinn der WM, ist das youthzones-Projekt zu nennen. Davon gibt es 13 verteilt in ganz Südafrika, und jeweils eins in Mozambik und Zimbabwe. Diese Youth Zones haben das Ziel durch Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere durch die Vermittlung von Computerkenntnissen und sogenannten Life-Skills, wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Konfliktschlichtung, Teamwork, Gesundheit und ähnlichem. Dadurch sollen die Kinder Selbstvertrauen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, dass es ihnen später ermöglicht ein erfolgreiches, und vor allem kriminell-freies, Leben zu leben.

Ähnliche Projekte, wie das der Youth Zones, wurden auch zu anderen Themengebieten initiiert, wie zum Beispiel Bildung, Umweltbewusstsein sowie –erhaltung und andere. Diese werden teilweise von der FIFA oder dem südafrikanischen Organisationskomitee in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführt.

Kurz nach Ende der WM in Südafrika, wurde die Entstehung eines Fonds angekündigt. Dieser nennt sich Legacy Trust Fond und verfügt über insgesamt 100 Millionen Dollar, von denen bereits 20 Millionen Dollar vor Beginn der WM in den Bau einer neuen Geschäftsstelle für den Südafrikanischen Fußballverband (SAFA) flossen. Die verbleibenden 80 Millionen Dollar sollen nun zur weiteren positiven Entwicklung genutzt werden. Verwaltet wird der Fonds vom Beratungsunternehmen ´Ernst and Young´, geleitet von Vertretern von FIFA, SAFA, der südafrikanischen Regierung und privaten Investoren. Sie entscheiden, welche gemeinnützigen Projekte Zuschüsse für die Durchführung von sozialen Projekten erhalten.

Die WM in Südafrika hat die Einstellung vieler Touristen gegenüber dem Land verändert. Die niedrige Anzahl von Gewaltvorkommen, über die sich vorher so gesorgt wurde, brachte dem Land großes Vertrauen und Respekt ein. Viele Besucher der WM würden gerne wieder nach Südafrika fliegen (96%) oder ihren Freunden Südafrika als Reiseland empfehlen (94%). Dieser Reputationsgewinn kann sich noch lange auf Südafrikas Tourismus auswirken, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, und somit langfristig einen positiven Effekt auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes haben.

Außer einem Überfall auf Journalisten zu Beginn der WM, beschränkten sich die Vorfälle, die direkt mit dem Turnier in Verbindung zu bringen waren auf Diebstähle und ähnliche Delikte. An den 25 Spieltagen der WM, besuchten insgesamt 3.082.514 Besucher die Stadien. 704 Vorfälle wurden der Polizei gemeldet, die sich in einem 1,5 Kilometerradius um die Stadien herum zugetragen hatten. Das bedeutet, dass nur 0,02% der Besucher von Kriminalität betroffen waren. In den Stadien wurden im gleichen Zeitraum 290 Vorfälle gemeldet, so dass nur 0,009% der Besucher im Stadion kriminelle Erfahrungen machen mussten. Auch die Zahlen der Fan-Feste-Besucher liegen ähnlich tief, wie die der Stadionbesucher (0,13% im 1,5 Kilometerradius; 0,005% im Fan-Fest).

Somit hat sich auch der Ausspruch des südafrikanischen Polizeichefs, Jackie Selebi, vor der WM bestätigt, dass die WM problemlos kommen und gehen werde. Außerdem hatte Südafrika schon vor der WM viele große Sportereignisse ausgerichtet, so zum Beispiel Cricket -und Rugby-Weltmeisterschaften, oder Spiele der indischen Cricket-Liga, die aus Sicherheitsgründen nach Südafrika verlegt worden waren. Durch den zusätzlichen Einsatz von 44.000 neu ausgebildeten Polizisten und der Schaffung spezieller WM-Gerichte konnten Straftaten verhindert, beziehungsweise schnell aufgeklärt und Täter zeitnah verurteilt werden.

Gerade die positiven Kriminalstatistiken der WM beweisen, dass Touristen in Südafrika nicht mehr gefährdet sind, als an anderen Urlaubszielen. Mit den richtigen Verhaltensregeln und guter Vorbereitung, lässt es sich dort wunderbar urlauben, ohne sich selber in Gefahr zu bringen

Doch so drastisch, wie sich unser Empfinden gegenüber Südafrika verändert hat, so stark haben sich auch die Hoffnungen der Südafrikaner an die WM gewendet. Während der Vorbereitungen für das Turnier, hatte die Mehrheit der Südafrikaner angegeben, dass die WM vor allem die wirtschaftliche Lage verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde. Am Ende des Turniers, sah dies anders aus. Die meisten der Befragten waren der Meinung, dass die FIFA der größte Profiteur der WM sei, gefolgt von „den Reichen“ und Unternehmen. Mit der Frage nach Nationalgefühl und dem Zusammenwachsen der Bürger, stellte es sich anders herum dar. Vor Beginn der WM dachten lediglich 2-4%, dass sich die WM positiv auf das gemeinsame Nationalgefühl auswirken könnte, nach der WM ist durch alle ethnischen, sozialen und wirtschaftlichen Schichten hindurch, die Meinung vertreten worden, dass die WM einen positiven Effekt hatte, mehr noch als auf das wirtschaftliche Vorankommen des Landes.

Schon während der WM, und auch kurz danach noch, wurde eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas diskutiert. Diese wurden nun doch erst mal wieder auf Glatteis gelegt. Offiziell lautet die Erklärung, dass man sich zunächst auf die Versorgung aller mit Wasser und Strom und die einhergehende Armutsbekämpfung konzentrieren wolle. Hätte die Fußball-WM den erhofften wirtschaftlichen Effekt gehabt, dann würde man gerne wieder ein sportliches Großereignis ausrichten, um somit die Probleme im Lande schneller angehen zu können.

So, wird der Wunsch nach einem weiteren Riesenevent, den viele Südafrikaner, den besonders die wirtschaftlich und sozial schwächer angesiedelten Bürger hegen, zunächst ein Traum bleiben. Aber zwischen der Arbeit für eine bessere Zukunft des Landes, ist es erlaubt zu Träumen, um seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Artikel basiert auf die Präsentationsprüfung zum Abitur (Mai 2011) von Konstantin Schroeter.

2010sdafrika-Artikel zum FIFA-Südafrika-Verhältnis:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel zu WM-Ausgaben:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

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Township-Tour

Ein Reisebericht zu Kapstadt – Teil 3

(Autorin: Annemarie Köster)

Auch Kapstadt hat seine Townships zur Seite. Man sieht sie schon am Weg vom Flughafen in die Stadt.

Im November 2001 besuchten wir Crossroads, nachdem wir Langa und Gugulethu durchfahren hatten. Die Tour wurde von der Sprachenschule organisiert und dauerte ca. 4 Stunden.

Patrick Poni, unser Tourguide, ein Absolvent der Universität Cape Town in Sozialwissenschaften war damals bei Satour als Reiseleiter tätig.

Wir lernten während einer Zusammenkunft mit Einwohnern in einem Shebeen, einer Art Ausschank mit Sitzgelegenheit, Rolf kennen, einen Schweizer, der in Crossroads ein Musikprojekt betreut. Die erste CD des IMBACA PRIMARY CROSSROADS CHOIR konnten wir bei Rolf für eine Spende erhalten.

Wir besuchten eine Einwohnerin, die uns mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen bewirtete. (Es melden sich immer andere Familien und bekommen das natürlich bezahlt). Wir kamen wie zu einer guten Nachbarin. Leider habe ich ihren Namen nicht behalten, aber ein hübsches gemeinsames Foto klebt in meinem Album. Was mich anfangs am meisten überrascht hat, war die Einrichtung mit Schrankwand mit Fernseher und Couchgarnitur, nicht nur bei unserer Gastgeberin sondern auch überall, wo wir im Vorbeifahren oder -gehen in offene Häuser schauen konnten. Also nicht unbedingt das, was man sich so unter „afrikanisch“ vorstellt. Township-Bewohner sind eben ganz „normale“ Leute wie du und ich. Wir sahen neben den Steinhäusern aber auch Shacks – Wellblechhütten mit etwa nur einer Liegestatt.

© Großmutter mit Kindern

Fotografieren ist gar kein Problem – man sollte es nur nicht aus dem Bus heraus tun. Kaum waren wir ausgestiegen, umringten uns Kinder, die sich in Positur warfen, sobald sie einen Fotoapparat sahen. (Das habe ich in Südafrika überall erlebt) Wenn ich gerade nicht am Fotografieren war, habe ich den Apparat aber vorsichtshalber in der Tasche gelassen. Keine Ahnung, ob das notwendig war. Ich habe es mir in Südafrika einfach angewöhnt. Mir hätte man auch nicht – wie es jungen Deutschen in Langa passierte – mehrere hundert Euro oder die Schlüssel meiner Wohnung in Deutschland stehlen können. Euro liegen am sichersten auf dem deutschen Konto und werden bei Bedarf in Form von Rand am Geldautomaten geholt. Die Schlüssel werden bei Verwandten in Deutschland hinterlegt.

Bei einem anderen Projekt, in dem Frauen Textilien herstellen, waren wir leider zur Unzeit. Die Masse der Ware war auf dem Markt, so daß wir nichts kauften. Bei unserem zweiten Besuch war die Auswahl bemalter Textilien (Schürzen, Topflappen usw.) schon größer.

In einem Carport wurden Campingstühle aufgestellt und eine Kindergruppe führte Sketchdance vor. Kleine Spielszenen („Beim Zahnarzt“, „In der Schule“), die zu Tonbandmusik getanzt und gesungen wurden. Patrick versicherte uns, daß alle diese Kinder zur Schule gehen und sie nur in ihrer Freizeit üben und auftreten.

Alles in allem muß man eine Township-Tour mitgemacht haben. Sensationen gibt es keine dabei, aber normalerweise auch keine Sicherheitsprobleme. Es gehört einfach dazu und es ist gut zu sehen, daß nicht alle so leben können wie die Gastfamilien der Sprachschulbesucher, wo die Studenten Einzelzimmer, zum Teil sogar mit eigenem Bad haben, ganz zu schweigen vom Pool im Garten.

© Fleischverkauf in der Markthalle

Auf der zweiten Township-Tour im November 2004 war Vuyisile Ngesi unser Begleiter. Zunächst ging es wieder nach Gugulethu, wo wir diesmal auch ausgestiegen sind. Es gab dort eine riesige Markthalle zu sehen, die an einer Längsseite offen war. Entlang der Rückwand waren kleine Lädchen und Werkstätten. Für diese Kioske zahlen die Betreiber Miete und führen auch Steuern ab. Für die Verkaufstische im Vordergrund ist das nicht der Fall. Sie werden den Händlern kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Wesentlichen werden Obst, Gemüse und Fleisch verkauft. An den Obst- und Gemüseständen könnte sich mancher deutsche Supermarkt orientieren. Nur beste Ware. Nichts angefault oder verwelkt. Fleisch wird frisch verkauft und wenn man unserem Tourguide glauben darf – warum sollte man das eigentlich nicht? – dann kann das nur vertragen, wer damit aufgewachsen ist. Das rohe Fleisch liegt offen auf großen Tischen. Ab und zu werden die Fliegen weggejagt. Eine Frau hat mit einer Art Lötlampe Schafsköpfe abgebrannt, die dann von einem jungen Mann in einem alten Faß mit Wasser abgewaschen wurden, weil sie vom Ruß der Lampe ganz schwarz waren. Danach wurden sie halbiert und verkauft. Wirklich gewöhnungsbedürftig aber nach Aussagen der Käufer eine Delikatesse.

In der Umgebung wurden gerade größere Gebäude errichtet aber es waren auch noch genügend Shacks (Hüttchen aus den unterschiedlichsten Materialen „zusammengeschustert“ von Holz über Blech bis hin zu Pappe und Plastik) zu sehen.

Das Musikprojekt von Rolf hatte inzwischen in Crossroads eigene Räume bezogen, denen aber noch die Schallisolierung fehlte. Bei jedem Flugzeug, das darüber flog mußten die Aufnahmen unterbrochen werden. An Aufnahmetechnik fehlte auch noch einiges – aber den Jugendlichen machte es Spaß und sie waren weg von der Straße. Es gab eine zweite CD („Bayasilandela“ der Tokozani Brothers), die leider wegen rechtlicher Probleme nicht verkauft werden durfte. So ist das Projekt weiter auf Spenden angewiesen.

Leider gab es bei unserem zweiten Besuch weniger Kontakt zu den Bewohnern. Selbst im Shebeen saß unsere Gruppe allein bei Cola und Limonade.

© Der Sangoma

Neu war der Besuch bei einem Sangoma, einem traditionellen Heiler. Sangoma wird man nicht durch Ausbildung. Das wird jemand, der von einem Sangoma von schwerer Krankheit geheilt wurde, die zuvor kein Arzt heilen konnte.

In einem kleineren Township soll es ein Projekt geben, in dem die Bewohner lernen Häuser zu bauen, was sie dann auch für ihre eigenen Häuser anwenden oder beruflich verwerten können.

Inzwischen kann man nicht nur mehrtägige Townshiptouren buchen sondern auch einfach mal in einem B&B in einem Township übernachten. Ohne Begleitung eines Bewohners oder Reiseleiters sollte man Townships jedoch besser meiden.

Es gibt immer wieder Diskussionen, ob man Township-Touren überhaupt unternehmen sollte. Die Bewohner würden einem doch wie im Zoo vorgeführt. Das könne einem nur peinlich sein. (Ist es diesen Leuten auch peinlich, sich das Zimmer im Luxushotel von Township-Bewohnern putzen zu lassen?) Wem es peinlich ist, besser situiert zu sein als andere (natürlich ohne daß er es auf Kosten anderer ist), der sollte besser gar nicht in Länder reisen, wo es Gegenden wie Townships gibt. Der sollte sein Reisegeld besser nehmen und es in Deutschland den ausreichend vorhandenen Bedürftigen zukommen lassen. Aber über die schaut er vielleicht auch nur hinweg, weil es ihm „peinlich“ ist, daß es sie gibt.

Ich meine, wenn man keine andere Möglichkeit hat, sich über das Leben in den Townships zu informieren, sind die angebotenen Touren immer noch das Beste. Schließlich profitieren auch die Bewohner davon. Die Townships gehören nun mal zum südafrikanischen Leben und werden das auch noch lange Zeit tun. Ich habe leider bisher auf den Touren nicht so viel Kontakt zu Bewohnern gehabt wie ich mir gewünscht hätte.

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar.